Freitag, 11. April 2014

Montagsdemo's, Lars Mährholz und Jutta Ditfurth

Für jeden regelmäßigeren Blogleser muß es klar sein, daß die gegenwärtigen Montagsdemonstrationen, bzw. Mahnwachen von und mit Lars Mährholz, Ken Jebsen und vielen anderen mehr genau auf der Linie dessen liegen, was dieser Blog seit Monaten, seit Jahren fordert und worauf er hinarbeitet. Es würde wohl zu weit gehen zu sagen, daß sie schon einen echten Gesellschaftlichen Aufbruch verkörpern. Aber sie stellen einen guten Weg zu ihm hin dar. Sie sind ein Zeichen. Für vieles. Die Geheimdienstzentralen will man - offenbar - noch nicht stürmen. Aber immerhin, "Wir sind das Volk!" wurde letzten Montag hier in Berlin schon skandiert. Ich war dabei. Und auch die Geheimdienstherrschaft und damit "gelenkte Demokratie" weltweit wurden ausdrücklich angesprochen und als "Krebsgeschwür" bezeichnet, das seit Jahrzehnten wuchert. Hier ein kleines Video meinerseits, in dem das angesprochen wurde vom Redner Olav Müller aus Offenbach:


Es wird nun derzeit unglaublich viel und zum Teil unglaublich kontrovers diskutiert rund um diese Montagsdemos. Auf Facebook und anderwärts.

Und zu diesen Diskussionen nun einmal ein Zwischenruf von unserer Seite aus. Herausgegriffen seien hierfür die krassen Vorwürfe von Frau Jutta Ditfurth gegenüber Lars Mährholz, die sie auf Facebook veröffentlicht hat. Sie lauten unter anderem:
Das zentrale Argument des Organisators der sog. Friedensdemos ist ein absolut hasserfülltes: dass in den letzten 100 Jahren an allen großen Problemen und ausdrücklich an ALLEN Kriegen auf der Welt die Federal Reserve Bank der USA schuld gewesen ist. (Originalzitate von Lars Mährholz usw. waren ja auf meine fb-Seite). Diese ungeheuerliche Aussage entlastet Nazi-Deutschland vom Zweiten Weltkrieg und auch für die Vernichtung der deutschen und europäischen Juden sind die USA bzw eine US-Bank verantwortlich. Nazi-Deutschland wird entlastet. Das ist Geschichtsrevisionismus und eine unglaublich brutale Verharmlosung der Shoa. Von wegen 'Frieden'! Eine Kriegserklärung gegen jüdische Menschen, gegen alle Aufklärung, gegen Humanismus.
Voll krass, oder?

Aber womöglich zeigt eine solche Äusserung vielen, die es noch nicht kapiert haben, worum es eigentlich geht.

Nämlich: Die FED, die amerikanische Notenbank, darf an allen Kriegen und Verbrechen des 20. Jahrhunderts schuld sein. Aber immer wieder wird nur eines als "Nogo" genannt - und so auch hier von Frau Ditfurth: Sie darf nicht schuld sein an den deutschen Verbrechen zwischen 1933 und 1945. Vielleicht sollte man mal über diese Bigotterie sprechen. Und vielleicht sollte man einmal ein bischen aufdröseln, warum gerade DAS so viele für so gefährlich halten.

Montag, 7. April, Brandenburger Tor, Friedensdemonstration
Quasi: Müssen an den deutschen Verbrechen allein die Deutschen schuld sein, damit die Weltgeschichte ihren Sinn behält? Darf die NSDAP nicht von der Wallstreet finanziert sein, damit das Weltbild einer Jutta Ditfurth nicht aus den Fugen gerät? Aber noch viel mehr: Ist es denn eigentlich schon Antisemitismus, all dies nur zu vermuten und es zur Erörterung zu stellen? Waren und sind elitäre Satanisten beliebiger ethnischer Herkunft überall tätig - nur ganz bestimmt niemals im Dritten Reich? Gab es überall Elitentradition und elitäre Vernetzungen im 20. Jahrhundert über Epochenjahre und Ländergrenzen und Kontinente hinweg - nur nicht unter Einschluß DeutschlandS, nur nicht 1933 und 1945? 

Funktioniert denn eine solche Argumentation überhaupt noch? Macht sie Sinn? Ist sie - empanzipatorisch? Sehen wir denn nicht, wie wir überall belogen werden? Und warum sollen wir gerade bei diesem Thema, unserem eigensten deutschen Thema, nämlich der deutschen Geschichte, nicht belogen werden? Der CIA soll weltweit überall Regierungen einsetzen und stürzen, Revolutionen und Kriege herbeiführen. Nur ein Ort und ein Zeitraum sollen davon ausgenommen sein: Deutschland 1933 bis 1945 - ? Funktioniert eine solche Argumentation denn noch?

Sind womöglich damit ein wenig die Furcht und die größten Sorgen eingegrenzt, die derzeit im Raum wabern, wenn viele Leute an das denken, was sich aus den Montagsdemonstrationen noch alles entwickeln könnte und ob sie sich mit Ken Jebsen zum Gespräch zusammensetzen sollten (Gregor Gysi z.B. scheint ja gerade drüber nachzudenken ...). Ist das die Hauptangst: dass die Deutschen sich nicht mehr schuldig fühlen könnten für ihre Geschichte - ?

Jutta Ditfurth, die Aufrichtigkeit bewies, als ihre Partei gehijackt wurde. Die ja wie so vieles gehijackt wurde. Und der das erspart geblieben ist, was Petra Kelly nicht erspart geblieben ist. Und dennoch durchschaut sie so vieles nicht und spielt ihr altes Spielchen weiter, das da lautet: "Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist braun." - ?

Aber auf neuer Ebene, einer Ebene, die spannend ist deshalb, weil sie vielen Leuten womöglich, wenn das, was sie sagt, inhaltlich erörtert würde, eine Gemeinsamkeit bewusst macht, die ihnen vielleicht selbst noch nicht bewusst geworden ist, und die ihren Horizont womöglich erweitern würde.

Dass Hitler von der Wallstreet finanziert wurde, erörterte doch z.B. auch schon der gerade erst verstorbene K.H. Deschner in "Der Molloch". Wie kann das per se antisemitisch sein? Was für eine Bigotterie! Irgendwann werden Leute, die über all das nachdenken, sich sagen: Wenn wir ständig in einen Topf geworfen werden mit allen möglichen anderen - ok, dann schauen wir uns diesen Topf doch einmal genauer an, und ob dieser Topf wirklich so braun ist, wie unterstellt.

Ich bin ja über eines wirklich froh. Dass Frau Ditfurth nicht auf den Gedanken kommt, dass hinter Lars Mährholz der bundesdeutsche Verfassungsschutz ähnlich stecken könnte wie hinter dem NSU. Das ist doch schon mal was. Das zeigt doch einen gewissen geistigen Horizont auf. Und das sollte man ihr doch schon mal anrechnen!

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