Donnerstag, 15. Juli 2010

Bröckchenweise Wahrheit: Der Jesuitenorden

In dem soeben erschienenen Bericht der "unabhängigen" Beauftragten zur Aufarbeitung der Mißbrauchsfälle im Jesuitenorden, Andrea Fischer (Jesuiten.org), fällt u.a. auf einen gewissen "Provinzial" P. Pfahl, als den ranghöchsten Jesuiten in Deutschland in den 1980er Jahren, ein recht bezeichnendes Licht. So soll dieser noch lebende Herr in den 1980er Jahren an einen mit schweren Verbrechen belasteten Jesuitenpater, der sich sogar gegen eine bloße Versetzung derenthalben empörte, als Begründung geschrieben haben, daß die Versetzung in den
"gegen Dich geäußerten Vorwürfen"
gründen würde,
"über die wir nicht nur einmal sprachen"
(!!!). Er muß also sehr gut über diese Vorwürfe Bescheid gewußt haben. Und dann führt er im nächsten Brief an diesen aus,
"daß ein grundsätzliches Bestreiten aller erhobenen Vorwürfen weder möglich noch sinnvoll ist". (S. 3f)
Jesuiten unter sich

Diese Formulierung ist doch irgendwie sehr - - - "jesuitisch". Da darüber mehr als einmal gesprochen worden war, wußte der "Provinzial" also Bescheid. Wenn er sich so ausdrückte wie das hier zitiert wird, konnte das doch nur heißen: Wenn das Bestreiten (Vertuschen) "möglich" wäre, dann wäre es auch "sinnvoll".

Ist das nicht die seit Jahrhunderten kritisierte, ja verabscheute Jesuitenmoral? In Reinkultur? In den 1980er Jahren des letzten Jahrhunderts, als die Generation des Schreibers dieser Zeilen Abitur machte?

Greulich. Abscheulich.

Oder diese Stelle (S. 7):
"... Allerdings waren im gesamten Orden Gerüchte über Pater Anton im Umlauf, auch über ein 'schmuddeliges' Verhalten gegenüber Kindern und Jugendlichen. ..."
"Schmuddelig"

Ein Orden, in dem so etwas "allgemein" bekannt ist, in dem Gerüchte über Verbrechen durch den ganzen Orden gehen, und der dagegen Jahrzehnte lang nichts tut, der also selbst dadurch insgesamt, so kann man es doch nicht anders nennen, "schmuddelig" wird - wie kann der jemals noch etwas mit Kinder- und Jugenderziehung zu tun haben wollen? Wie kann der sich mit so etwas überhaupt noch versuchen zu brüsten und zu rühmen? Der ist eine verbrecherische Vereinigung. Was sollte er sonst noch sein?

Auch sonst kommt einem dieser schon genannte Jesuitenpater Pfahl noch heute sehr verlogen vor (s. etwa S. 9). Oder man nehme die S. 10 zu einem Vorgang im Jahr 1990 (!):
"Seitens des Generaloberen der Jesuiten, damals Pater Peter-Hans Kolvenbach"
- also des sogenannten ... hm, hm, hm! ... "Jesuitengenerals" ... -
"und auch seitens der zuständigen vatikanischen Kongregation"
- also des allseits beliebten Herrn Josef Ratzinger -
"erfolgt keine Reaktion auf die in der Laisierungsakte enthaltenen Informationen über vielfachen sexuellen Mißbrauch."
Auf S. 19 wird ausgeführt, daß sowohl der Jesuitenorden wie die katholische Kirche immer noch Akten zurückhalten, die Informationen über Verbrechen enthalten. Und es wird gefragt, ob dieses weiterhin praktizierte Zurückhalten der richtige Weg ist.

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