Sonntag, 6. Dezember 2009

Für Wladimir Putin der rote Teppich, für Iwan Demjanjuk die Anklagebank

Ein ukrainischer, 89-jähriger, zweimaliger Holocaust-Überlebender (a, b) - aus Cleveland, Ohio/USA - wird von jüdischen, einmaligen Holocaust-Überlebenden (c) der Mittäterschaft an einem Holocaust (c) verdächtigt.

Der Ukrainer Iwan Demjanjuk. (--> ZDF) Er wurde 1920 in der Ukraine geboren und 1941 als Soldat gegen die Deutschen eingesetzt. Dabei geriet er in Kriegsgefangenschaft, die Millionen sowjetischer Soldaten nicht überlebten (b). Als Hilfswilliger wurde er von den Deutschen eingesetzt. Als solcher könnte er sich selbst mitschuldig gemacht haben an einem Holocaust (c). Seine deutschen Vorgesetzten sind jedoch in den 1960er Jahren wegen ihrer eigenen Mitschuld an diesem Holocaust von der deutschen Justiz sehr glimpflich behandelt worden.

Die Absicht geht heute dahin, an dem 89-jährigen, ukrainischen, zweimaligen Holocaust-Überlebenden Iwan Demjanjuk ein "Exempel" zu statuieren, das man in den 1960er Jahren angeblich verpaßt hatte, an seinen eigenen, unmittelbaren deutschen Vorgesetzten zu statuieren. Und zwar nun durch deutsche Richter, nachdem dies sogar die israelische Justiz von sich gewiesen hat.

Schauprozesse sind wichtig ...

Es gibt Vermutungen, daß die ursprünglichen Anklage-Dokumente gegen Iwan Demjanjuk vom sowjetischen Geheimdienst produziert worden waren. Amerikanische Behörden sind wegen Amtsmißbrauch verurteilt worden, weil sie seinen Fall zum Zwecke der Aberkennung der amerikanischen Staatsbürgerschaft so zurecht geschustert hatten, daß Iwan Demjanjuk schließlich nach Israel überführt werden konnte.

Dort wurde er vor israelische Richter gestellt, die Söhne und Enkel sowohl von Opfern wie von Tätern eines der drei Holocauste gewesen sein könnten - theoretisch -, mit denen Demjanjuk in seinem Leben zu tun gehabt hat. 1993 wurde er aber von dem Obersten Gerichtshof Israels einstimmig freigesprochen. (--> Wikip.)

16 Jahre später wird er vor deutsche Richter gestellt, die Söhne und Enkel von Tätern des Holocaust sein könnten, an dem sich Demjanjuk mitschuldigt gemacht haben könnte und auch von Opfern jenes Holocaust, an den kaum noch jemand erinnert werden möchte (d). Diese Richter könnten - theoretisch - wiederum sogar Söhne und Enkel der Vorgesetzten von Iwan Demjanjuk gewesen sein oder jener Richter, die seine Vorgesetzten in den 1960er Jahren so glimpflich behandelten.

... Dafür braucht man Angeklagte

All das geschieht ganz offensichtich in Ermangelung anderer Menschen, die man für Schauprozesse noch "benutzen" könnte, um "Erinnerungen" wach zu halten, bzw. - richtiger: um Bevölkerungen in der als geeignet angesehenen psychologischen "Spannung" zu erhalten.

Diese Anklage gegen einen 89-Jährigen aus Cleveland, Ohio, wird also sehr wichtig sein. Und sicherlich werden sich deutsche Gerichte irgendwann einmal auch mit jungen und agilen, weltbekannten Völkermördern, die keineswegs nur Handlanger gewesen sind, sondern die an der Spitze von Staaten stehen, beschäftigen. Und sicherlich wird man in Deutschland auch einmal einen Wladimir Putin statt über rote Teppiche vor den Kadi führen ...

... Wenn er 89 Jahre alt geworden sein wird und die Ermordeten in Tschetschenien und unter den russischen Journalisten und Menschenrechtlern niemanden mehr wehtun.
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a. 1932/33: Hunger-Holocaust an den Ukrainern (1) - etwa 10 Millionen Tote (Wikip. 1, 2).
b. 1941/42: Hunger-Holocaust an den sowjetischen Kriegsgefangenen (Wikip.)
c. 1941 bis 1944: Holocaust an Polen, Juden und anderen (Wikip.)
d. 1945 bis 1946: Vertreibungs-Holocaust an den Deutschen mit - etwa - 2 Millionen Toten (Wikip.1, 2).

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1. Conquest, Robert: Ernte des Todes. Stalins Holocaust in der Ukraine 1929 - 1933, Ullstein Taschenbuch, 1988

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