Donnerstag, 2. Februar 2012

Eugenik in der SPD - Von 1930 bis 2011

Eine zu ergänzende Zitatensammlung

So langsam lohnt es sich, einen ständig zu aktualisierenden Sammelbeitrag über Stimmen aus der SPD zum Thema Eugenik anzulegen. Über einen Kommentar auf Paperblog wird man auf das aufmerksam, was etwa Klaus von Dohnanyi  schon im Juli 2011 in der FAZ zu Protokoll gegeben hatte (FAZ, 17.7.2011):
Eckart Lohse und Markus Wehner für die FAZ: Mit der Debatte um die Thesen von Thilo Sarrazin und das Ausschlussverfahren gegen ihn hat die SPD für Aufsehen gesorgt. Sie waren als Sarrazins Rechtsbeistand mit der Sache eng befasst. Wie bewerten Sie den Umgang Ihrer Partei mit Sarrazin?
Klaus von Dohnanyi: Die Haltung der SPD war geprägt von der irrigen Annahme, die eugenische Idee der Nationalsozialisten entspringe einer deutschen Quelle. Die Eugenik stammt aber aus den angelsächsischen Ländern. In den Vereinigten Staaten, aber auch in Skandinavien hat man noch bis in die sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts Zwangssterilisationen durchgeführt – während man es in Deutschland bis 1933 nicht gemacht hat. Die Engländer haben im 19. Jahrhundert ständig von „the english race“ geredet, als in Deutschland niemand über eine „deutsche Rasse“ gesprochen hätte. Wir haben also nicht die Geschichte, die da unterstellt wird. Wir haben ein großes Verbrechen, den Holocaust, der mit der Wahnsinnsidee von Rassismus begründet worden ist. Aber der Rassismus stammt nicht aus Deutschland.
Also hat die SPD sich in der Bewertung von Sarrazins Thesen geirrt?
Und zwar gewaltig. Sigmar Gabriel hat behauptet, man dürfe nicht über genetische Themen reden, obwohl man das überall in der Welt tut. Das war ein grober politischer Fehler.
Warum hat die Debatte um Eugenik solch eine Aufregung erzeugt in der SPD?
Es ging ja gar nicht um Eugenik. Das habe ich Sigmar Gabriel auch geschrieben: Wenn die SPD aber der PID, der Präimplantationsdiagnostik, zustimmt – das ist Eugenik. Wenn man jedoch sagt, dass 40 Prozent der Frauen in gehobenen Positionen in Deutschland keine Kinder mehr bekommen, dann ist das etwas ganz anderes. Und wenn man hinzufügt, dass man etwas tun sollte, damit auch diese Frauen wieder Kinder bekommen, dann ist das nicht Eugenik, sondern eine völlig normale Form von Bevölkerungspolitik.
Naja. Das ist schon Eugenik, ganz klar. Herr von Dohnanyi sollte mal genauer erklären, wie er den Begriff "Eugenik" definiert.
Gut, aber die Aufregung kam daher, dass Sarrazin etwa das Wort „Judengen“ in einem Interview verwendet hat.
Diese Aussage Sarrazins war richtig. Es gibt in Israel und in Amerika umfangreiche Studien darüber, dass die Juden auch durch gemeinsame Gene bestimmt werden, weil sie so eng untereinander heiraten. Das zu wissen und es zu sagen kann nicht strafbar sein.
Der Blogbeitrag "Der Advokat des Biologismus'" eines "Roberto de la Puente" zu diesem Interview, ebenfalls aus dem Juli 2011, liest ja da doch einigermaßen gereizt, wenn er auch in der Sache dazu - wie das so üblich ist - nur wenig Handfestes zu sagen hat.

Prof. Alfred Grotjahn (1869 - 1931)
Und dann hatte der Cicero im Oktober 2011 folgendes zu Protokoll gegeben (Cicero, 2011):
‎"Der Berliner Sozialhygieniker Alfred Grotjahn (SPD) sorgte sich – hier gleichsam in der Manier eines frühen Thilo Sarrazins – um den Bestand der kulturtragenden Bevölkerung, der ihm bei einem weiteren Rückgang der Geburten ernsthaft gefährdet schien. Auch dem Sozialismus drohten nach Auffassung Grotjahns von der willkürlichen Beschränkung der Kinderzahl Gefahren; die bewusst klein gehaltene sozialistisch-proletarische Familie gerate dadurch gegenüber der christlichen Familie auf Dauer ins Hintertreffen. (...) Die Eugenik hatte in der Linken eine eigene und spezifische Tradition, welche auch bzw. wohl vor allem in der Konsequenz der Moderne und des Fortschrittsdenkens lag."  
Wenn man solche nicht unwichtigen Aussagen schon als reine Zufallsfunde macht, was würde man erst alles zusammenstellen können, wenn man einmal systematischer Suchen würde?

Und: Wann besinnt sich auch die SPD wieder auf ihr altes naturalistisches, evolutionäres Fortschrittsdenken?

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