Donnerstag, 20. September 2012

Berlin-Neukölln - Im April 1945 verteidigt von französischer Waffen-SS

Ein Buch des französischen Schriftstellers und Militärhistorikers Jean Mabire (1927 - 2006)

Es ist nicht ganz einfach, Literatur über die letzten Kämpfe in Berlin im April 1945 zu finden. Zumindest solche, die auch möglichst dicht am Geschehen vor Ort dran ist. Für diese ist das Interesse dieses Blogs gewachsen, seit die Geschichte des Dienstgebäudes des Großen Generalstabes in Berlin erarbeitet worden ist und man dabei auch auf die Rolle gestoßen ist, die daselbe in den Endkämpfen 1945 im Bezirk Tiergarten gespielt hat (GA-j!, März 2012). Seine Rolle manifestiert sich zum Beispiel dadurch, daß vor diesem Gebäude haufenweise russische Panzer abgeschossen worden waren, die über die Moltkebrücke vorgedrungen waren (siehe dort). Wie aber, so fragt man sich, haben die Soldaten selbst diese Kämpfe erlebt?

Viele militärgeschichtliche Bücher, die zwischenzeitlich zu diesem Thema eingesehen worden sind, behandeln diese Kämpfe eher oberflächlich.*) Auf einem militärgeschichtlichen Forum irgendwo im Netz wurde auf ein Buch eines Jean Mabire über die französische Freiwilligen-Division der Waffen SS "Charlemagne" hingewiesen (1). Das hatten wir im Hinterkopf behalten. Und nun hält man es in Händen. UInd es läßt einen nicht mehr los.

Abb. 1: Französische Freiwillige der Waffen-SS, Oktober 1943
Wie präzise die Vorgänge innerhalb dieser Division im Frühjahr 1945 geschildert werden. Die schweren Kämpfe in Pommern und der Ausbruch aus dem Kessel in Pommern, wobei ein Regiment fast vollständig auf freiem Feld von russischen Einheiten aller Waffengattungen zusammengeschossen worden ist. Und wobei sich die übrigen Einheiten nur in mühevollen Nachtmärschen über die Oder retten konnten.

Auch das Denken und die Haltung der überlebenden Soldaten innerhalb dieser Division ist recht genau geschildert. Sowohl derer, die Anfang April 1945 freiwillig auf Weiterkampf verzichteten und sich in Baubataillione eingliedern ließen (etwa 400), wie derer, die freiwillig weiterkämpften (etwa 600), und die sich selbst bewußt waren, wie "absurd" ihr Verhalten in den Augen so vieler erscheinen mußte. Schließlich war ihr Heimatland Frankreich zu diesem Zeitpunkt schon von westalliierten Truppen besetzt.

Noch auf der Fahrt in den Einsatz (von Mecklenburg nach Berlin hinein) tippten sich viele - zumindest nach der Schilderung von Mabire - mit dem Zeigefinger - halb belustigt, halb kopfschüttelnd - auf die eigene Stirne. Sie begegneten auf der Straße übrigens Heinrich Himmler, der gerade von Seperatfriedensverhandlungen mit dem Grafen Bernadotte zurückkehrte und nur müde aus seinem Wagen heraus grüßte.

Die ersten französischen Freiwilligen waren von der Regierung Petain 1941 nach Rußland geschickt worden als reguläre Truppenteile des mit Deutschland verbündeten französischen Staates. Andere Franzosen haben in verschiedenen anderen Einheiten Dienst geleistet. Sie wurden alle schließlich 1944 in der Divsion Charlemagne gesammelt. Es gab ältere Soldaten, die französisch-patriotisch eingestellt waren. Viele jüngere Soldaten aber waren auf den insbesondere von der Waffen-SS propagierten europäischen Gedanken eingeschworen, was sich auch darin zeigte, daß sie ihre Soldatenlieder auf Deutsch sangen.

Berlin-Neukölln und die Waffen-SS-Division "Charlemagne"

Als letzte größere militärische Einheit schlüpfen die Angehörigen dieser Division von Westen her in den Einschließungsring von Berlin hinein. Sie übernachten im Wald am Spreeufer in der Nähe des Olympiastadions. Und sie werden dann nach Neukölln zum Einsatz geführt. Der Stadtteil Neukölln steht in den nächsten Tagen im Mittelpunkt der Kämpfe dieser Division, deren in Berlin im Kampf stehende Teile im April 1945 nur noch ein Regiment ausmachen. Links von dem Regiment Charlemagne waren dänische SS-Einheiten der Division "Nordland" eingesetzt. Das Rathaus Neukölln bildete den Gefechtsstand des Regimentes. Die Soldaten verteidigten Teile des Flughafens Tempelhof und die angrenzenden Friedhöfe rund um die Hasenheide. Rückwärtige Sammelstelle war der Hermannsplatz, wo sich auch eine Sanitätsstelle befand. Das Rathaus Neukölln wurde am 26. April 1945 bis zum äußersten von den Franzosen verteidigt.

Mit seinen Kämpfen und Gefallenen hat sich diese Division Charlemagne - so weiß man es nach der Lektüre dieses Buches - tief in die Geschichte des Stadtteiles Berlin-Neukölln eingegraben. Und man sieht die Straßen Neuköllns zwischen Hermannsplatz und Rathaus und darüber hinaus nach der Lektüre dieses Buches anders als zuvor. Dieser Stadtteil, der heute als einer der klassischsten, von türkischen Migranten bewohnten Stadtteile Deutschlands gilt. 1945 ließen sich junge französische Nationalsozialisten in der Verteidigung dieses Stadtteiles durch Granatbeschuß die Gedärme zerfetzen  und setzten ihr Leben für ihn ein.

Granatvolltreffer töteten gleich zu Anfang und auch später noch mehrfach gleich mehrere Soldaten des Regimentes auf einmal. Die Rote Armee überschüttete die deutschen Verteidiger mit einer ungeheuer starken Massierung von Artilleriebeschuß (s. Abb. 2 und 4).

Viele der französischen Soldaten hofften auf die "Wunderwaffe". Andere konnten nicht glauben, daß die Amerikaner an der Elbe stehen bleiben würden und den Russen Berlin überlassen würden. Und so redete sich jeder einen etwas anderen Sinn ein, den dieser Kampf noch haben könnte.
Abb. 2: Stalinorgeln in Berlin, 1945
Kennzeichnend ist auch das Wort eines weiterkämpfenden Kameraden zu einem zum Baubataillon übertretenden Kameraden: "Wenn die Deutschen in Paris wären, würdet Ihr bessere Nationalsozialisten sein wollen als wir." (1, S. 99) Das heißt: Diejenigen, die weiterkämpften, wollten einfach geradlinig bleiben in ihrem Verhalten. Sie wollten nicht plötzlich kneifen, wenn es mal nicht so gut lief mit dem, was sie als ihre eigenen Überzeugungen erachteten.

Warum meldeten sich Franzosen noch 1945 freiwillig?

Diese Einstellung ist es wohl, die sich Mabire so viel Mühe gibt, möglichst präzise zu beschreiben. Und die Tatsache, daß er dieselbe so präzise beschreibt, ist wohl der Grund dafür, daß man sein Buch so schwer aus der Hand legen kann. Für eine Sache sein Leben einzusetzen, wenn ein Erfolg absehbar ist, ist - wohl - noch verhältnismäßig leicht. Aber der Einsatz des eigenen Lebens in Fällen, wo andere einen, wenn sie könnten, nur noch als "Kriegsverlängerer" beschimpfen würden, die sich "verheizen" lassen würden - oder gar Schlimmeres, ist sicherlich noch einmal etwas ganz anderes.

Abb. 3: Russische Soldaten im Häuserkampf in Berlin, April 1945
Aber darum ging es diesen zumeist nur 20 Jahre alten Soldaten der Waffen-SS schon lange nicht mehr. Wer sich Anfang April 1945 als Franzose, der den Kampf um Pommern überlebt hatte, zum Weiterkampf entschloß, obwohl er jederzeit auch anders könnte (- anders übrigens als die damals eingesetzten deutschen Soldaten, die sich nicht so einfach zu Baubataillonen "abmelden" konnten) - nach all den Erfahrungen, die diese Soldaten in den letzten Monaten und Jahren seit 1941 an der Ostfront hatten sammeln können, der mußte mehr oder weniger mit seinem Leben innerlich abgeschlossen haben. Und der mußte zu allem entschlossen sein. Er mußte gefaßt sein auf vieles. Und der war auch auf vieles gefaßt.

Der zweite Einsatzort des Regimentes Charlemagne war dann der Nordrand des Belle-Alliance-Platzes (heute der Mehring-Platz am Halleschen Tor) (1, S. 282). Von dort zogen sich die Einheiten vom 28. April bis 2. Mai schwer kämpfend zurück zunächst auf die Hedemannstraße (sie heißt noch heute so), dann auf die Puttkammerstraße, dann auf das Prinz-Albrecht-Palais (die Gestapo-Zentrale) in der Anhalterstraße. Und schließlich auf das Luftfahrtministerium von Hermann Göring in der damaligen Prinz-Albrecht-Straße (heute Niederkirchnerstraße).

Dabei kam es immer wieder zu schweren Häuserkämpfen. Man schoß aus dem ersten Stockwerk heraus, man schoß aus dem Keller heraus, man schoß vom Dach herunter. Man warf Handgranaten und schoß immer wieder russische Panzer mit der Panzerfaust ab. Diese waren in den engen Straßen zwar zunächst beängstigend für die Verteidiger aber dennoch so gut wie chancenlos. Sie wurden dennoch immer wieder - obwohl sich die russischen Panzerbesatzungen oft weigerten, diese Selbstmordkommandos auszuführen - nach vorne geschickt. Deshalb auch die hohen Abschußzahlen, für die auf deutscher Seite noch in den Endtagen Ritterkreuze und Eiserne Kreuze verliehen wurden. Mitunter mußten die Panzer aber auf so nahe Entfernung hin abgeschossen werden, daß der Panzerfaust-Schütze selbst von der Explosion des Panzers getötet wurde.

Abb. 4: Sowjetische Artillerie vor Berlin, April 1945
Die Soldaten wurden mitunter auch von einstürzenden Gebäudeteilen verschüttet und kamen dabei ums Leben oder nur schwer verletzt wieder heraus. Schwer war es für verwundete Soldaten, aus der Kampfzone zu kommen und sich in den Häuserruinen zurecht zu finden. Oft war gar nicht klar, ob bestimmte Häuser schon von den Gegnern besetzt waren oder zur eigenen Seite gehörten. Zu zuständigen Lazarette, wo man einigermaßen versorgt wurde, wurde man dann in den Führerbunker der Reichskanzlei, in den Luftschutzbunker des Hotels Adlon und in die U-Bahnstationen der Friedrichstraße getragen, geführt oder geschickt.

Mit diesen Worten seien nur wenige Inhalte angedeutet. Die beigegebenen Abbildungen ergänzen vieles. Man ist erstaunt, wieviele Fotos aus diesen letzten Kämpfen auf verschiedenen militärgeschichtlichen Foren im Internet zusammengetragen werden. In diesem Beitrag können davon nur wenige gebracht werden.

Auch die Schicksale der Soldaten, die bis zur Kapitulation überlebten, waren sehr unterschiedlich. Von einem wird berichtet, daß ihn ein russischer Soldat aus der Gefangenenkolonne herausholte und einfach erschoß. Viele wurden nach ihrer Heimkehr nach Frankreich zu vieljähriger Gefängnisstrafe verurteilt, weil sie sich als Freiwillige gemeldet hatten. In Bad Reichenhall wurden zwölf Angehörige dieser Division, wie Mabire berichtet, von französischen Einheiten ohne jedes kriegsgerichtliche Verfahren erschossen. Der französische General Jacques-Philippe Leclerc (1902 - 1947) schnautzte sie an: "Schämt Ihr Euch nicht, deutsche Uniformen zu tragen?" Sie antworteten: "Sie tragen doch mit ihrer amerikanischen Uniform auch keine französische." Dieser Trotz scheint den General so zornig gemacht zu haben, daß er die zwölf kurzerhand erschießen ließ. (Das englischsprachige und das französischsprachige Wikipedia sind zu diesem Vorfall viel ausführlicher und ganz neutral. Im Gegensatz zu dem gegenwärtigen deutschsprachigen, das diese Geschehnisse nur mit einem Satz berührt, nach dem es bloß "Revisionisten" wären, die diese Ereginisse dem General vorwerfen!!!)

Abb. 5: Schützenpanzerwagen der dänischen Waffen-SS ("Nordland") in der Friedrichstraße, 2. Mai 1945
Wer war der Autor Jean Mabire?

Während des Lesens des hier behandelten Buches beginnt man auch nach dem Autor desselben zu fragen. Einem Autor, der fähig ist, allen Beteiligten an diesem Geschehen - wie immer sie sich auch verhalten haben - volle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Der aber vor allem auch den Geist und das Denken unter den zumeist 20-jährigen Freiwilligen innerhalb dieser französischen Waffen-SS-Division im April 1945 so präzise zu beschreiben weiß, daß die "Absurdität" derselben ebenso deutlich zutage tritt, wie jene schon genannte selbst empfundene Geradlinigkeit.

Von einem dieser Freiwilligen sagt er, er sei der Waffen-SS beigetreten, wie man einer Religionsgemeinschaft beitritt. - - - Solche Sätze hatte man zuvor über die Waffen-SS noch nicht gelesen. Oder waren sie einem nur nicht aufgefallen? Aber sie scheinen doch zu passen. Läßt Mabire doch an anderen Stellen erkennen, daß er vor allem auch den in dieser Division kämpfenden Nichtchristen, "Neuheiden" volle Gerechtigkeit widerfahren läßt. Als ihnen bei der Neuaufstellung nach den Kämpfen in Pommern Wehrmacht-Koppelschlösser übersandt werden mit der Aufschrift "Gott mit uns!", tragen sie dieselben nicht, da dieser Spruch nicht zu ihrer Truppe passen würde. Und sie setzen sich damit durch. Erst als sie Koppelschlösser mit dem SS-Spruch "Unsere Ehre heißt Treue" erhalten, tragen sie wieder welche.

Abb. 6: Jean Mabire
An solchen Einzelheiten wird sowohl der Geist dieser Truppe - als auch jenes Autors erkennbar, der diesen Geist so präzise zu benennen gewillt ist - anstatt ihn gar zu schnell zu übergehen und für unwesentlich beiseite zu schieben. Soweit Statistiken bislang schon ausgewertet worden sind, belegen sie ja, daß schon im Jahr 1941 in manchen SS-Einheiten nur noch eine Minderheit der Angehörigen Mitglieder einer der großen christlichen Kirchen gewesen sind.

Über Jean Mabire (1927 - 2006) findet sich im Netz noch kein deutschsprachiger Wikipedia-Beitrag. Soweit man es Google-Übersetzungen des französischen Wikipedia-Eintrages entnehmen kann, wird Mabire eine zu weitgehende Verherrlichung der Waffen-SS vorgeworfen. Nur von dem hier behandelten Buch aus geurteilt, kann gesagt werden: wer ein wahrhaftiges Bild von den Soldaten der Waffen-SS geben will, wer erst einmal nur schildern will, "wie es eigentlich gewesen" ist, muß die Motivationen dieser Soldaten auch sehr genau schildern. Der kann über das Selbstverständnis dieser Soldaten nicht oberflächlich hinweggehen. Da Mabire selbst ein idealistischer Soldat im Algerienkrieg Frankreichs war, fällt es ihm offenbar nicht schwer, präzise Schilderungen zu geben von Soldaten, die einerseits idealistisch eingestellt sind, denen andererseits aber auch immer wieder im Hinterkopf so manche Absurdität bewußt ist, als die man sowohl selbst das eigene Handeln empfinden kann, wie das natürlich auch andere können.

Als französischer Freiwilliger der Waffen-SS erlebte man den Zweiten Weltkrieg ja ganz anders als ein durchschnittlicher deutscher Soldat. Sei dieser deutsche Soldat Angehöriger der Wehrmacht oder der Waffen-SS gewesen. Man hatte ja einen ganz anderen Blick, der auch eine gewisse innere Distanz miteinschloß, bzw. der auch wohl mit einem noch anderen Einsatzwillen einhergegangen sein könnte, als dieser in durchschnittlichen deutschen Einheiten vorhanden gewesen sein mag.

Monographien über "Volkserwecker"

Einem ins Deutsche übersetzten Blogbeitrag kann derjenige, der des Französischen nicht kundig ist, schon viele Auskünfte über den Schriftsteller Jean Mabire entnehmen (2). Mabire fühlte sich seiner Herkunft aus der Normandie immer tief verbunden. Hier liest man (das Deutsch wurde im folgenden verbessert):
Mabire wurde in den 1970er Jahren der französische Militärhistoriker der deutschen und europäischen Waffen-SS, der französischen Alpenjäger, der deutschen Fallschirmjäger, der britischen Rotbarette, usw. Diese Monographien erschienen im großen Pariser Verlagshaus Fayard. Er wurde dadurch berühmt, viel gelesen, ohne je ausgeschlossen zu werden. Denn sein strahlendes Charisma konnte jede Schwierigkeit in wunderlicher Weise zur Seite schieben.
Noch interessanter sind vielleicht die folgenden Angaben (Hervorhebung nicht im Original):
Weiter hat er Anfang der 1980er Jahre mit einer Serie begonnen, die er leider nicht weiterschreiben konnte, was er sehr bedauerte: Monographien über Männer, die er „Volkserwecker“ nannte, wie Grundtvig in Dänemark, Padraig Pearse in Irland, Petöfi in Ungarn. Mabire blieb insofern dieser Grundidee der Volksbefreiung durch geistige Rückkehr zu einer idealen, entfremdungsfreien Vergangenheit treu, wie zur Zeit seines jugendlichen Engagements für die Wiedergeburt seiner geliebten Heimat Normandie.
Bei den genannten patriotischen Schriftstellern und Politikern handelt es sich um den dänischen Pädagogen und Politiker N. F. S. Grundtvig (1783 - 1872), den irischen Schriftsteller und Führer der Aufständischen Padraig Pearse (1879 - 1916) und den ungarische Dichter und Volksheld Sandor Petöfi (1823 - 1849). Der Verfasser dieses Blogartikels Robert Steuckers ist Mabire das letzte mal im Dezember 2005 begegnet, als Mabire schon an Krebs erkrankt war:
Jean Mabire hat mit seiner hellen Stimme und seinem unvergleichbaren Sinn für Nuancen pausenlos und systematisch über seine Ideen, seine neuesten  Entdeckungen gesprochen, als ob er gar keine heimtückische Krankheit hätte. (...) Und dann kam das letzte Händeschütteln, lang, fest und kräftig, mit der ungebrochenen männlichen Kraft eines Freikorps-Offiziers. Und auch mit diesem tiefen kraftvollen blauen Blick, in dem noch so viel vitale Kraft gelegen war. Dieser Blick bleibt mir für immer in mein Gedächtnis geprägt. Ende Januar kam ein gelassener Abschiedsbrief an alle Freunde, in dem Mabire sein eigenes Ende ankündigte. Europa hat einige Wochen später einen seiner besten Söhne verloren. 
Das Grab Mabire's wird nicht von einem christlichen Kreuz geziert, sondern von germanischen Runen.

Jean Mabire und die neuheidnische "Neue Rechte" in Frankreich

Sicherlich ist es sinnvoll, das Umfeld auszuleuchten, in dem das Werk Mabire's heute hochgehalten wird: Der Verfasser des eben zitierten Nachrufes, Robert Steuckers, gilt laut deutscher Bundesregierung von 1991 (pdf) als führender Vertreter der "Neuen Rechten" in Belgien. 1992 hat er als enger Mitarbeiter von Alain de Benoist (geb. 1943) Moskau besucht (Jungle World, 1998). 1998 hat er der Wochenzeitung "Junge Freiheit" ein Interview gegeben. 1999 hatte "Jungle World" die offenbar keineswegs ganz uninteressanten, weil zum Teil ideenreichen neuheidnischen, nichtchristlichen Aktivitäten Robert Steucker's im Blick. Desweiteren war Dominque Venner (geb. 1935) ein langjähriger Freund von Mabire, der auch eine Biographie für die Internetseite für Jean Mabire verfaßt hat. Das Buch "Heide sein zu einem neuen Anfang" von Alain de Benoist ist einem schon vor Jahren sehr nichtssagend vorgekommen. de Benoist ist auf eine Pariser Eliteschule gegangen, die aus einem Jesuitenkolleg hervorgegangen ist. Jedenfalls kommt einem da dieser Mabire auf den ersten Blick viel interessanter vor.

Im Antiquariats-Buchhandel heißt es über eines seiner wenigen weiteren ins Deutsche übersetzten Bücher, nämlich eines über die "SS-Panzer-Division Wiking" (Justbooks):
Aus zahlreichen Nationen sammelten sich Freiwillige in der Division Wiking, um im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront auf deutscher Seite für eine gemeinsame Idee zu kämpfen. Durch ihre Waffentaten wurde die 5. SS-Panzer-Division Wiking weltbekannt. Der Autor Jean Mabire stellt eindrücklich dar, wie aus Dänen, Norwegern, Finnen, Schweden, Holländern, Flamen, Schweizern und Volksdeutschen anderer europäischer Länder ein einheitlicher, schlagkräftiger Verband wurde. Er schildert Ausbildung,  Alltag, Taten und die beispiellose Härte des Einsatzes bis zum langen Weg durch Osterreich und Bayern in die Gefangenschaft. (...) Das Buch ist ein wertvoller Beitrag zur Aufarbeitung.
Viele Soldaten der Waffen-SS und der Wehrmacht haben nach eigenem Selbstverständnis zwischen 1939 und 1945 Mitteleuropa gegen jenen Materialismus und Existenzialismus verteidigt, wie er von den Armeen der westlichen Demorkatien und der Sowjetunion 1945 nach Mitteleuropa hineingetragen worden ist. Und wie er dort bis heute - immer noch scheinbar weitgehend alternativlos - vorherrscht.

Woher stammt die Mordmoral in Teilen der SS?

Daß der neuheidnische Gedanke, der Kirchen-, Logen- und Okkultismuskritik mit einschloß, und für den das Dritte Reich nun einmal auch stand, von zahlreichen internationalen satanistischen Okkultlogen auf ganz andere Wege geführt werden konnte ("gehijackt" werden konnte), als das 20-Jährigen damals bewußt war und bewußt sein konnte (worüber aber inzwischen viel gesagt werden kann, wie viele Beiträge diese Blogs aufzeigen), steht auf einem anderen Blatt und ändert nichts an dem Selbstverständnis vieler dieser Soldaten. Über dieses Selbstverständnis kann nicht einfach leichtfertig hinweg gegangen werden. Ein solcher Idealismus sollte aber auch nie wieder von satanistischen Okkultlogen mißbraucht werden können. In den internationalen Kriegen und im internationalen "Terrormanagment" von heute geschieht aber vielfach sehr viel ähnliches wie das, was während des Zweiten Weltkrieges geschehen ist.

Viele Tatsachen weisen darauf hin, daß die seit den frühen 1920er Jahren in die SA, in die SS und in die Reichswehr/Wehrmacht hineingetragene elitäre Mordmoral aus eben diesen Okkultlogen stammt und von diesen angefeuert worden ist. So waren nämlich schon die Morde an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, an Matthias Erzberger und Walter Rathenau, worauf selten hinwiesen wird - - - Logenmorde. Es waren Morde, zu denen die Todesurteile im von vormaligen Freimaurern gegründeten Thule-Orden gesprochen worden sind (vgl. Wikipedia). Von diesen Logenmorden führt ganz offensichtlich über zahlreiche weitere "Fememorde" im Zusammenhang mit den Freikorps und der Schwarzen Reichswehr, dann über die Morde der SA ab etwa 1930 eine gerade Linie hin bis zu Einrichtung der Einsatzkommandos der SS im Reichssicherheitshauptamt durch das Skaldenordens-Mitglied Werner Best ab 1938 für Mordeinsätze in ganz Europa.

Dazu ist hier auf dem Blog schon viel veröffentlicht worden und wird noch mehr veröffentlicht werden.

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*) Le Tissier beispielsweise (5) gibt einen guten Überblick über den Gesamtablauf. Aber in seinem Buch kommt das konkrete Geschehen vor Ort fast immer zu kurz. Mabire führt er in seinem Literaturverzeichnis an, hat ihn aber offensichtlich nicht ausgewertet. Wenn Le Tissier das häufiger gemacht hat, wird man seine Darstellung noch nicht als die angemessenste bezeichnen dürfen.
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  1. Mabire, Jean: Berlin im Todeskampf 1945.: Französische Freiwillige der Waffen-SS als letzte Verteidiger der Reichskanzlei. 1977. Nebel Verlag GmbH, 2002 (Google Bücher)
  2. Steuckers, Robert: In Memoriam Jean Mabire. Dimanche 18 décembre 2011.
  3. Venner, Dominique: Jean Mabire. Auf: Jean-Mabire.com 
  4. Mabire, Jean: Blutiger Sommer in Peking. Der Boxeraufstand in Augenzeugenberichten. Verlag Paul Neff, Wien [u.a.] 1978 (398 S.); Ullstein, Luebbe Bergisch-Gladbach 1978, 1980, 1983; Bertelsmann, Gütersloh um 1980
  5. Mabire, Jean: Die SS-Panzer-Division "Wiking". Germanische Freiwillige im Kampf für Europa. Mit zahlreichen Bildtafeln. Karl W. Schütz-Verlag, Preußisch Oldendorf 1983; Edition Dörfler im Nebel Verlag, Egolsheim 2001, 2002 (432 S.)  
  6. Panzer Marsch. Verlag: Grancher, 2011
  7. Le Tissier, Tony: Der Kampf um Berlin 1945. Von den Seelower Höhen zur Reichskanzlei. Ullstein Verlag, Frankfurt/Main 1991 (engl. 1988)  

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