Mittwoch, 7. März 2012

Ludwig Richter, ein deutscher Maler


Ludwig Richter (1803-1884), ein deutscher Maler der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, gewinnt um so mehr, um so mehr man sich mit ihm beschäftigt. Heute gehört er bestimmt nicht mehr zu den bekanntesten Malern der europäischen Kunstgeschichte. Vielleicht fallen einem zu ihm Gemälde ein wie "Überfahrt am Schreckenstein" (1837) oder "Brautzug im Frühling" (1847).

Abb. 1: Ludwig Richter - Civitella (Der Abend) (1827/28)
Bei näherer Beschäftigung wird deutlich, daß manche Abbildung in Schulgeschichtsbüchern, die die Zeit des Biedermeiers veranschaulichen sollen, von eben jenem Ludwig Richter stammen. Beim Betrachten seiner Buchillustrationen und gemütvollen, echt deutschen "Idyllen" fühlt man sich natürlich auch an den Maler Carl Spitzweg (1808 - 1885) erinnert, der fünf Jahre jünger war als Richter oder auch an den Tiroler Maler Defregger.

Abb. 2: Ludwig Richter - Rocca di Mezzo im Sabinergebirge (1825)
Ludwig Richter hat Lebenserinnerungen hinterlassen (1). Sie stellen eine unterhaltsame und anregende Lektüre dar. Und sie interessieren einen erneut für seine Kunst und für die deutschen Künstler in Rom. Und für die Kunst seiner Zeit überhaupt. Richter hat als junger Maler drei Jahre lang in Rom gelebt (1823 - 1826) und schildert diese Zeit als eine rundum glückliche, fröhliche, heitere. Es ist wirklich verwunderlich, denn beim Lesen fragt man sich ständig: Wann hat man jemals zuvor von so viel Glück gelesen? Man möchte behaupten, daß man sich das als moderner Mensch des 20. und 21. Jahrhunderts gar nicht mehr vorstellen kann - so viel schlichtes Glück. So viel schlichte Zufriedenheit mit sich und der eigenen Umwelt.

Abb. 3: Ludwig Richter - Der Maler Ludwig von Maydell (1824)
Das Gemälde "Civitella" (Abbildung 1) hat Richter bald nach seiner Rückkehr aus Italien gemalt als ersten größeren Auftrag, der es ihm ermöglichte zu heiraten. Dementsprechend hat er als Frau im Vordergrund auch seine eigene gemalt. Das Gemälde gewährt nicht nur einen Blick in die Landschaft, sondern auch hinauf in eine damals selten besuchte ärmliche italienische Bergstadt bis hin zur schmalen Sichel des Mondes darüber. Auf Wikipedia ist eine hübsche Schilderung der Entstehung dieses Gemäldes eingestellt.

Abb. 4: Ludwig Richter - Vater Carl August Richter - Radierung (1827)
Der deutsche Maler Ludwig von Maydell (1795 - 1846) (vgl. auch Werke und Abb. 3) aus dem heutigen Estland (Dorpat), Teilnehmer an den Kriegen gegen Napoleon - halb Soldat und halb Student, wie Richter ihn schildert - war es, der Richter in Rom ein ihn überzeugend gelebtes Christentum nahegebracht hat.

Abb. 5: Ludwig Richter - Teich im Riesengebirge (1839)
Nach der Rückkehr in seine Heimat Sachsen erhielt Ludwig Richter selten Aufträge für große Öl- und Landschaftsgemälde. Wie man an den hier eingestellten Gemälden ersehen kann, ist dadurch der Kunstgeschichte ein großer Schatz, ja, fast ein Lebenswerk verloren gegangen. All die "deutschen Idyllen", die "typischen Biedermeier"-Zeichnungen und -Holzschnitte Richters sind eine Folge dieses Umstandes. Mit diesen Buchillustrationen konnte er sich und seine Familie über Wasser halten.

Abb. 6: Ludwig Richter - Mittagshorn und Schmadribach (1826)
Woraus deutlich wird, wie wichtig Mäzene für das Entstehen von Kunstwerken sind. Und dies wird nicht nur für die Malerei gelten, sondern für das Kulturschaffen überhaupt.

Abb. 7: Ludwig Richter - Ponte Salario (Rom)
So hat Ludwig Richter in seinen späteren Lebensjahren vor allem als erfolgreicher und beliebter Buchillustrator gearbeitet und dabei um die 3000 Holzschnitte angefertigt. Sie zeigen oft Idyllen des als innig erlebten deutschen Familienlebens und zeigen vor allem auch ein großes Verständnis für das Wesen der Kinder.

Der Maler Ludwig Richter - Photographie, um 1880
In dem vorliegenden Beitrag sind aber vor allem Landschaftsbilder Ludwig Richters eingestellt worden. Als Landschaftsmaler verstand sich Ludwig Richter in seinen frühen Jahren insbesondere und man wird sagen müssen, daß in diesem Bereich seine bedeutendsten Werke entstanden sind.

Man hört keine entschiedene Klage von seiten Ludwig Richters darüber, daß er aufgrund seiner wirtschaftlichen Lebensumstände in ein ganz anderes Schaffensgebiet gedrängt worden ist, als jenes Gebiet, wo er seine größte Begabung aufwies. Zu fragen wäre, ob dieser Umstand irgendwo den Kunsthistorikern einmal bewußt geworden und ausreichend gekennzeichnet worden ist.

Die Ausstellung von 2003

(Ergänzung vom 1.5.2012) Das Anliegen dieses Beitrages, die Bedeutung Ludwig Richters besonders als Landschaftsmaler herauszustellen, war auch das Anliegen einer großen Ausstellung zu Ludwig Richter im Jahr 2003, wie dem Verlagstext des dazugehörigen Katalogs zu entnehmen ist (2):
Richters große Popularität beruhte schon zu Lebzeiten vor allem auf seinem umfangreichen Werk als Zeichner für den Holzschnitt und als Buchillustrator. Im Vergleich dazu fanden seine Gemälde eine geringere Beachtung. Doch Richter hatte ursprünglich als Maler seinen Weg gehen wollen, und mit den Gemäldekompositionen war ein besonderer Anspruch verbunden gewesen, weil diese nicht nur landschaftliche Motive darstellen, sondern auch übergreifende gedankliche Konzepte zur Anschauung bringen sollten. Der Erfolg dieser Bemühungen Richters als Maler blieb aber insgesamt eher gering. Um so interessanter scheint es, das malerische Oeuvre des Künstlers, das im wesentlichen innerhalb von nur zwei Dutzend Jahren entstanden ist und vom zahlenmäßigen Umfang her begrenzt blieb, in einem möglichst weitreichenden Überblick aus heutiger Sicht neu zu erleben. Damit ist auch das Ziel dieser Jahrhundertausstellung benannt. Zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten sind die Gemälde Richters wieder in diesem Umfang in Dresden zu sehen, und erstmals wird allein sein malerisches Werk als eigenständiger Teil des Schaffens in den Blickpunkt der Aufmerksamkeit gerückt sowie in dem begleitenden Katalogbuch ausführlich dargestellt. Für das anspruchsvolle Vorhaben bot der eigene Bestand des Hauses mit seinen elf Werken Richters eine breite Grundlage. Aber auch das Leipziger Museum der bildenden Künste, die Neue Pinakothek in München und die Nationalgalerie in Berlin werden sich mit dem Gesamtbestand ihrer Richter-Gemälde an der Ausstellung beteiligen. Diesem großen Entgegenkommen bei der Zusage von Leihgaben sind auch zahlreiche weitere Sammlungen im In- und Ausland gefolgt, so die Museen in Basel, Breslau (Wroclaw), Prag, Riga, Bremen, Chemnitz, Düsseldorf, Essen, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Nürnberg, Schweinfurt, Weimar und Wuppertal sowie mehrere private Leihgeber. Nur dank dieser überwältigenden Unterstützung für die Idee der Ausstellung konnte das auf lange Sicht sicherlich einmalige Unternehmen ermöglicht werden, das rund fünfzig Werke am langjährigen Wirkungsort des Künstlers vereint.
Es sei auch noch ein Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis aufgeführt:
Gerd Spitzer, Ludwig Richter - Der Maler, Landschaftsbild und Figurenbild - Landschaftsmalerei und religiöse Historienmalerei - Christliche Landschaftsbilder - Gott in der Natur Zeitlosigkeit und Zeitbezogenheit - Naturraum als Lebenswelt-Landschaft und Idylle als Rückzugsort in der Nähe - Der Maler Ludwig Richter und die Dresdener Gemäldegalerie -- Petra Kuhlmann-Hodick, Vom Entwurf zum Bild - Die zeichnerische Vorbereitung der Gemälde Ludwig Richters -- Hans Joachim Neidhardt, Ludwig Richter und die romantische Landschaftsmalerei in Rom um 1825 -- Herbert W. Rott, Der "Watzmann" und Ludwig Richters Anfänge als Maler in Rom -- Jens Christian Jensen, Ludwig Richter und Carl Spitzweg - Antipoden? -- Dorothee Heim, Ludwig Richter als Baudekorateur - Die Wandbilder für die "Villa Feodora" in Bad Liebenstein -- Werner Kohlert, Ludwig Richters "Lebenslauf eines deutschen Malers" - ein Glaubensbekenntnis -- Ulrich Bischoff, Anmerkungen zur Rezeptionsgeschichte von Ludwig Richter - Maltechnische Untersuchungen an den Dresdener Gemälden Ludwig Richters -- Christoph Schölzel, Die Unterzeichnungen der Gemälde Ludwig Richters in der Galerie Neue Meister Dresden -- Marlies Giebe, Zur Technik der Ölmalerei bei Ludwig Richter -- Katrin Tauscher, Der Familiennachlaß des Malers Ludwig Richter im Stadtarchiv Dresden
In einem weiteren Beitrag zu Ludwig Richter (s. "Die elende Prospekttradiererei") sollen seine Jugendwerke in der Werkstatt seines Vaters (3) für die Arnold'sche Buchhandlung behandelt werden. Denn sie scheinen ebenfalls schon sehr deutlich seine Begabung zum Landschaftsmaler erkennen zu lassen und besitzen ihren Eigenwert.
_____________________
  1. Richter, Ludwig: Lebenserinnerungen eines deutschen Malers. Nebst Tagebuchaufzeichnungen und Briefen.  Dietrich'sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1950 (Zeno)
  2. Ludwig Richter - Der Maler. Zum 200. Geburtstag. Zur Ausstellung in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Galerie Neue Meister, 2003/04 und in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München, Neue Pinakothek, 2004. Deutscher Kunstverlag, 2011 (ZVAB)
  3. 70 mahlerische An- und Aussichten der Umgegend von Dresden in einem Kreise von sechs bis acht Meilen; aufgenommen, gezeichnet und radirt von C. A. Richter, Professor, und A. Louis Richter. Dresden, Arnold, 1820 

1 Kommentar:

Cangrande hat gesagt…

Die wirklich sehr lesenswerten Lebenserinnerungen von Ludwig Richter sind auch online: http://www.zeno.org/Kunst/M/Richter,+Ludwig/Lebenserinnerungen+eines+deutschen+Malers

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