Dienstag, 11. Juni 2013

Hitlers "Absinken in die Wiener Elendszeit, in die ich nicht mehr hineingehörte"

Ein ausgesprochen kultivierter Jugendfreund Adolf Hitlers

Erstmals erschienen 1953
1953 wurden sie erstmals veröffentlicht. Die Jugenderinnerungen des August Kubizek (1888 - 1956) an seinen Jugendfreund Adolf Hitler (1). Kubizek war der einzige Freund, den Hitler damals hatte. Sie lernten sich im November 1904 als Besucher des Linzer Theaters und Opernhauses kennen. Sie gingen gemeinsam zum Studium nach Wien. Kubizek blieb seinem Jugendfreund Hitler lebenslang dankbar dafür, daß sein Musikstudium von Hitler bei seinen Eltern durchgesetzt worden war. 

Aber im Sommer 1909 wurde die Freundschaft in Wien von Hitlers Seite aus abrupt beendet. Hitler verschwand aus dem Gesichtskreis von Kubizek, ohne daß Kubizek ihn durch Nachforschungen, auch bei der Verwandtschaft Hitlers, wiederfinden konnte. Erst nach dem Anschluß Österreichs 1938 kam es zu einigen erneuten Begegnungen.

Die Freundschaft Hitlers mit dem musikalisch sehr begabten Kubizek gründete auf der Liebe zur Oper. Insbesondere auf der Liebe zu Richard Wagner. Kubizek beschreibt eine durchgängig sehr kultivierte und gepflegte Freundschaft. Allerdings berichtet er auch schon von wiederkehrenden "Wutausbrüchen" Hitlers, wenn eines von den vielen Themen angesprochen wurde, die diese auslösen konnten. Kubizek schreibt von Hitlers (1, S. 25)
späterem Absinken in die Wiener Elendszeit, in die ich nicht mehr hineingehörte.
Man möchte meinen, daß mit diesem Satz der Tenor seiner Erinnerungen sehr gut erfaßt ist. An anderer Stelle schreibt Kubizek (1, S. 315; zit. n. 3, S. 80):
Es war der Weg in die Einsamkeit, in die Wüste, in das Nichts.
Und noch an anderer Stelle schreibt Kubizek (1, S. 121):
Im Mai und Juni des Jahres 1906 war er bereits in Wien gewesen, lange genug, um sich an dem, was ihn vor allem nach Wien zog, das Hofmuseum, die Hofoper, das Burgtheater, die großartigen Bauten am Ring, zu begeistern, zu kurz, um die Not und das Elend zu sehen, das sich hinter der prunkvollen Fassade der Kaiserstadt verbarg.
Diese Erinnerungen scheinen durch und durch redlich, ehrlich und im Bemühen um allergrößte Authentizität verfaßt worden zu sein. Durch sie kommt man "sehr dicht" an diesen damals ja ganz unbekannten Adolf Hitler heran. 

Und man versteht es vor allem nun viel besser, was es heißt, wenn immer gesagt wird, Hitler sei eine "gescheiterte Existenz" gewesen. Allerdings: Wenn man berücksichtigt, daß ein so bedeutender Maler wie Emil Nolde (1867 - 1956) seine Existenz zunächst auch allein mit Postkarten-Malen sicherstellte - und auch sicherstellen konnte (2) - relativiert sich sicherlich auch wiederum eine gar zu undifferenzierte Sichtweise auf eine etwaig "gescheiterte Existenz" Adolf Hitler. 

Hitler - eine "gescheiterte Existenz"

Alle wissen wir, daß Lebensläufe scheitern können. Wer sich zum Beispiel während seines eigenen Studiums ein wenig umgetan hat oder umtut, wer sich im Freundes- oder Bekanntenkreis umtut, kann leicht auch heute noch auf solche Biographien wie der damaligen des Adolf Hitler stoßen. Damit soll nicht gesagt sein, daß tausende von "Adolf Hitlers" in unserer Welt herumlaufen. Sondern damit soll vor allem das abfällige Reden von der "gescheiterten Existenz" des "Kunstmalers" Adolf Hitler ein wenig ins Verhältnis gesetzt werden zu der alltäglichen Erfahrung, die auch wir haben oder haben können.

Auch man selbst hätte leicht auf eine solche "Bahn" kommen können. Es hätten ja nur ein paar Parameter des äußeren persönlichen Lebens anders eingestellt gewesen zu sein brauchen. Und schon hätte nichts weniger als ein solches Scheitern, eine solche kaffkaeske Existenz nahegelegen. Der Autor dieser Zeilen hat außerdem berufliche Erfahrung in der Beratung von HartzIV-Empfängern. Darunter auch von Jugendlichen und Schulabbrechern. Hier trifft man natürlich ständig auf solche Lebensläufe. Überhebe sich nur keiner.

Und Hitler war ja tatsächlich noch nicht einmal nur "Studienabbrecher". Er hatte keinen Schulabschluß. Den er allerdings auch für die von ihm angestrebe Aufnahmeprüfung in der Kunstakademie in Wien nicht brauchte. Allerdings hat er auch diese Aufnahmeprüfung zwei mal nicht geschafft. Und für das ihm ersatzweise angeratene Architekturstudium hätte er dann doch den Schulabschluß gebraucht. Hitler war dann aber zu steif in dem Glauben an sich selbst, um nun entweder den Schulabschluß dennoch anzustreben oder andererseits auf eine akademische Laufbahn wirklich verzichten zu können. Er fühlte sich zu "Höherem" berufen. Aber wie viele gibt es unter uns, von denen nicht Vergleichbares gesagt werden könnte?
Hitler war ein Verlierer, heißt es allerorten. Wer wäre es denn nicht? "Wir sterben alle am Wege: wer von erreichten Zielen spricht, ist ein Narr," sagte ja schon Gorch Fock (4, S. 75). Und solche Leute können ja oft auch mehr oder weniger als schrullige Menschen enden. Auf welche Weise Hitler "endete", wissen wir. Man könnte dieses Ende durchaus ebenfalls "schrullig" nennen mit seinem Hoffen auf Wunderwaffen und Wunder (5).

Hitler fühlte sich "zu Höherem berufen"

Worauf aber viel zu wenig in diesem Zusammenhang hingewiesen wird: Hitler war zunächst Halbwaise und wurde schließlich Vollwaise. Und mit seinen Verwandten verstand er sich kaum. Nachdem er sich von seinem Jugendfreund Kubizek getrennt hatte, hatte er keine Menschenseele auf der Welt, der er sich wirklich hätte anvertrauen können.

Kubizek arbeitet gut heraus, wie aufgewühlt Hitler eines Abends noch in Linz nach dem Ansehen der frühen Wagner-Oper "Rienzi" war. Hitler wollte ein solcher "Volkstribun" werden wie dieser Rienzi. Er fühlte sich unmittelbar persönlich von der Handlung dieser Oper angesprochen. Und auch darüber mag lächeln, wer will. Kubizek macht deutlich, wie authentisch dieses Erlebnis für Hitler war und darum auch für ihn selbst, den Freund. Als sie sich schließlich um 3 Uhr nachts nach aufgewühlten Wanderungen durch die Nacht trennen, geht Hitler immer noch nicht nach Hause. Sondern er wandert ein weiteres mal in die Nacht hinaus unter den Sternenhimmel. So aufgewühlt ist er.

Kubizek damals
Interessanterweise galten auch diese Jugenderinnerungen an Hitler lange Zeit als bis zu 90 Prozent für "erstunken und erlogen" (s. Wiki). Das wird der Grund dafür sein, daß sie heute vergleichsweise wenig bekannt sind. Und daß sie auch so wenig in das allgemein verbreitete Bild von Adolf Hitler eingeflossen sind. So dicht an sich dran wollte man wohl lange Jahrzehnte lang Hitler nicht haben. Ob man es heute will? Auf Wikipedia steht jedenfalls heute:
Die neuere Forschung – so z. B. Brigitte Hamann – schätzt Kubizek als einen im großen und ganzen glaubwürdigen Zeugen ein und hält den Großteil seiner Aussagen für wahr.
Man wird übrigens auch die Erinnerungen von Josef Greiner, die wir hier auf dem Blog schon ausgewertet haben (5), nach dieser Lektüre mit neuen Augen lesen. Kubizek erwähnt dieses Buch in seinen Erinnerungen nicht, wird es aber doch gelesen haben als der gründliche Mensch, als der er sich in diesem Buch mit fast jedem Wort präsentiert. Kubizek erwähnt in keiner Weise jene okkulte Interessen Hitlers, die Greiner beschreibt. Haben diese sich erst herausgebildet mit Hitlers
"späterem Absinken in die Wiener Elendszeit, in die ich" (Kubizek) "nicht mehr hineingehörte" -? Während seines Weges "in die Einsamkeit, in die Wüste, in das Nichts" - ?
Man würde sich dann ja unmittelbar an den "Demian" von Hermann Hesse erinnert fühlen, in dem Hesse ja auch - autobiographisch - von einer "Elendszeit" berichtet, auf einer dem normalen bürgerlichen Leben gegenüberliegenden, "anderen" Seite eines sozialen Grabens. Zu der er, Hesse, sich immer schon hingezogen gefühlt hätte.

Will man Hitler nicht "so dicht" an sich heranlassen?

Und man bekommt so ungefähr eine Ahnung davon, daß Hitlers Neigung zu okkulten Interessen unmittelbar anschließen konnte an aufgewühlte Erlebnisse aus Anlaß des Besuchs von Wagner-Opern. Oder auch an die Wundergläubigkeit, mit der Hitler, wie Kubizek berichtet, auf Lotterielose hoffte. Und es ist ja auch nichts wahrscheinlicher, als daß man gerade als sozial und akademisch "Gescheiterter", als Vollwaise besonders leicht okkulten Interessen nachhängen kann. Nachdem man soziale und berufliche Erfolge über die Orientierung an der normalen, alltäglichen Welterfahrung nicht hat erreichen können, wendet man sich eben - - - okkulter "Welterfahrung" zu.

Kubizek  berichtet auch, daß Hitler eine Oper komponieren wollte, indem er ihm, Kubizek, die Melodien vorsang, die dieser dann zu Papier bringen sollte, da Hitler sich mit Notenschrift nicht auskannte. Dieses "Komponieren" geschah kurz vor Ende der Freundschaft mit Kubizek und vor dem sozialen Übergang Hitlers "in die Wiener Elendszeit" in die er, Kubizek, "nicht mehr hineingehörte". Der hilflose Versuch, auf diese Weise zu komponieren, wo er als Künstler und Architekt nicht hatte seinen Weg weitergehen können, ist wohl ein typisches Kennzeichen für wachsende Realitätsferne und die Anlehnungsbedürftigkeit an im Grunde unzulässige "Hilfsmittel".

- - - Dies ist jedenfalls ein Blogbeitrag, der im weiteren Sinne zu dem mehrteiligen Blogartikel-Serie "Die Schicksalsgläubigkeit des Adolf Hitler" (5) hineingehört. Eine Artikel-Serie übrigens, die in den letzten Monaten auch sonst (innerhalb der Artikel) immer wieder ergänzt worden ist. Und die auch weiterhin ergänzt werden wird, da sie - vermutlich - einen völlig neuen Ausgangspunkt bietet zum tieferen Verständnis des Wesens jener Politik, die in und mit dem "Dritten Reich" gemacht worden ist. Man hätte zum Beispiel gerne gewußt, was der auch sonst vergleichsweise redlich forschende Historiker Werner Maser (1922 - 1907) zu den Forschungsergebnissen von Stephan Berndt zu Adolf Hitler gesagt hätte.

(Mit Dank für die Bücherspende einer jüngst verstorbenen Blogleserin aus dem Raum Hannover, durch die dieser Blogbeitrag angeregt wurde.
Blogbeitrag wurde ergänzt am 27.6. und 9.7.2013)
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  1. Kubizek, August: Adolf Hitler Mein Jugendfreund. 5. Auflage, Leopold Stocker Verlag, Graz 1989 (Erstauflage 1953) (Google Bücher) (2009 ist die 9. Auflage erschienen)
  2. Danker, Uwe: „Vorkämpfer des Deutschtums" oder „Entarteter Künstler" - Nachdenken über Emil Nolde in der NS-Zeit. Jahrbuch Demokratische Geschichte Band 22, Band 14, 2001. Das Digitalisat ist online einsehbar über die Homepage des Beirats für Geschichte http://www.beirat-fuer-geschichte.de/startseite.html (pdf)
  3. Maser, Werner: Adolf Hitler. Legende - Mythos -Wirklichkeit. Wilhelm Heyne Verlag, München 1983 (8. erweiterte Auflage; Ersterscheinen 1971) 
  4. Fock, Gorch: Sterne über dem Meer. Hrsg. von Aline Bußmann. 1918 (Google Bücher)
  5. Bading Ingo: Die Schicksalsgläubigkeit des Adolf Hitler. Auf: GA-j!, 2012

Mittwoch, 5. Juni 2013

Wieder einmal eine Email über die Fraternitas Saturnis

1989 erschienen
Wie man hier auf dem Blog nachverfolgen kann, hatten wir schon verschiedentlich Austausch mit Angehörigen der satanismusnahen Okkultloge "Fraternitas Saturnis" (FS), bzw. mit - angeblich - abgefallenen Mitgliedern derselben. Bzw. mit solchen, die solche Logen und ihre Geschichte - angeblich - nur "ganz neutral" erforschen.

Manchmal vertraten aber zu unserer Überraschung auch gerade solche "abgefallenen" "Kritiker" immer noch höchst auffallend selbst die krasseste satanistische Moral, etwa indem sie Sätze äußerten wie diesen:
"Sind nicht jene, die die Welt verderben, die Brüder der Tugendhaften?"
So daß man - wie übrigens auch bei "Ex-Jesuiten" - immer noch ein zweites mal hinschauen muß, wie "Ex" diese Leute nun eigentlich wirklich sind.
 
Aber direkteren Kontakt hatte dieser Blog seit vielen Monaten, wenn nicht Jahren nicht mehr mit solchen Leuten. Der Bloginhaber hat auch gar nicht das Bedürfnis, sich ständig mit dem Thema Satanismus zu beschäftigen.  Wenn man sich da einmal einen Überblick verschafft hat, kann einem das zunächst einmal auch reichen.

Eine Email von der über die "Fraternitas Saturnis"

Naja. Heute Nacht nun bekommen wir folgende Email von jemandem, der sich den Namen "Diana Dia", bzw. "Diana Discordia" gibt. Der Name klingt weiblich. - Aber vermutlich verbergen sich ein oder mehrere Männer dahinter. Nun denn. Was steht da? (Wir wollen nicht kleinlich sein und es unbeachtet lassen, daß natürlich die Rechtschreibung noch verbessert werden könnte. Aber um die zu verbessern, ist man ja eh nicht in der "Fraternitas Saturnis" oder beschäftigt sich mit ihr.):
Von: Diana Dia 
Gesendet: 0:57 Mittwoch, 5.Juni 2013 
Betreff: Fraternitas Saturni

Sehr geehrter Herr Bading,
wie sie schon feststellen konnten, reagiert die FS verständlicherweise recht schnell, wenn ihr Jemand auf die Finger schaut. Das sie sich nun diesbezüglich zurückhalten ist nur all zu verständlich. Dennoch möchten wir ihnen eine Information zukommen lassen, über eine Internetseite die anonym von Eingeweihten ins Netz gestellt wurde. Die Informationen sollten ihnen dabei behilflich sein, einige wichtige Zusammenhänge zu ergründen. Die Seite ist voller Informationen und wer zwischen den Zeilen zu lesen vermag, wird das eine oder andere Tiefgründige finden können.
Hier der Link:
Salutem In Nomine Demiurgi Saturni
.:ODIN:.
So, so. Odin. Die Eingeweihten schreiben uns. Wie toll! Die Email klingt gar nicht so, als wäre sie von "Abgefallenen" geschrieben. Und man scheint dort tatsächlich zu glauben, daß dieser Blog "zurückhaltend" geworden wäre, weil die "Fraternitas Saturnis" - - - "verständlicherweise recht schnell" reagieren würde. Das glaubt man doch dort wohl selbst nicht. Aber wahrscheinlich entspringen solche Vermutungen den mitunter ja recht sonderbaren Gehirnwindungen "magisch" "denkender" Leute. Mögen sie doch gern bei ihrem Glauben bleiben.

Daß einen diese ganzen Satanismus-Themen schlicht und einfach auch nur langweilen können, weil man gar zu viel "Tiefgründiges" dort nun wirklich nicht findet - darauf wird man in diesen Kreisen so bald sicherlich nicht kommen.

Eine erste flüchtige Durchsicht der angegebenen Seiten erhöht beim Autor dieser Zeilen keineswegs die Lust, dieselben genauer durchzustudieren. Man probiert hier zum Teil neue Strategien der Werbung aus, wie es scheint. Die vergleichsweise neue "Eismagie" des Ralph Tegtmeier wird behandelt. Man muß ja immer "zeitgemäß" bleiben. Aber Entschuldigung! Mich durch diesen Quark "hindurchzukämpfen", habe ich grad keine Lust.

Dennoch soll diese anonyme Email und der in ihr enthaltene Hinweis hier eingestellt sein. Vielleicht findet ja ein Leser dieses Blogs noch das eine oder andere Aufschlußreiche dort. Dann mag man sich ja bei uns melden. Zu solchen Themen veröffentlichen wir auch gerne Gastbeiträge.

"Satanspriesterin" (1989)

Um aber diesem Blogbeitrag noch einen sinnvolleren Inhalt zu geben, sei auf das Buch einer Überlebenden satanistischer Gewalt hingewiesen, das auf diesem Blog bislang noch nicht genannt worden ist. Titel "Satanspriesterin" (1). In Amazon-Rezensionen findet man einige Hinweise zu dem Inhalt dieses Buches. Eine "Lady punk" schreibt 2003:
Dieses Buch hat mich wirklich erschüttert. Es gewährt tiefe Einblicke in das Leben von Satansanhängern. Ricarda ist 15 als sie zum ersten mal in Kontakt mit ihrem zukünftigen "Priester" kommt. Als Außenseiterin bei Gleichaltrigen sucht sie Anschluß bei den Satanisten, jedoch mit anderen Vorstellungen als sie erleben wird. Drogen und Prostitution, Tieropfer und Ekeltrainig gehören bald zu ihrem Leben, bis sie psychisch nicht mehr kann und vor ihren Glaubensbrüdern versucht zu fliehen. Doch dies gelingt nicht auf den ersten Versuch. Sie wird unter Drogen gesetzt, in einem Zimmer eingesperrt und tagelang gequält.
Also eine Fülle von Verbrechen, bei denen man sich fragt: Und die Strafverfolgungbehörden haben bisher noch keinerlei Spuren der Täter finden können - ? Ein anderer Rezensent 1999:
Erst als die Sekte einen Ritualmord plante, ist sie wieder ausgestiegen. Sie litt unter schweren Angstzuständen und Verfolgungswahn. Weder Theologen noch Psychiater verstanden, was in ihr vorging. So ist sie heute wieder alleine mit ihren Problemen, die keiner versteht.  
Ein anderer 1999:
Gerade in diesem Buch kommt der Stellenwert der Eltern sehr deutlich hervor.
(Womöglich ist der in diesem Buch geschilderte Fall auch schon in einem der Bücher von Guido Grandt behandelt worden. Manches deutet darauf hin.) (Übrigens finden sich auf Amazon - typischerweise! - auch allerhand Rezensionen, die diesem Buch jeden Wert absprechen. Nette - und auffallend eifrige - Versuche.)

Jedenfalls: Wir brauchen weder bibelgläubige noch satanistische Mordmoral. Wir wollen einfach nur ganz normal leben.
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  1. Ricarda S. : Satanspriesterin. Meine Erlebnisse bei der schwarzen Sekte. Eichborn-Verlag 1989 (152 S.) (Amazon a, b)

Dienstag, 21. Mai 2013

Richard von Weizsäcker - Sein Sohn haßte die pädokriminellen Pädagogen, die sein Vater für ihn ausgesucht hatte

Die pädokriminelle Odenwaldschule und ihre hintergrundpolitische Einbettung

Vorbemerkung: Dieser Beitrag wurde erstmals vor zwei Wochen, am 21.5.2013, veröffentlicht. Nach dem Studium des Buches "Eros und Herrschaft" von Jürgen Oelkers [9] ist er heute (6.6.13) in der Aussage der Überschrift und in manchen Passagen noch einmal verschärft worden. Grundaussage: Es gibt eine pädokriminelle Eliten-Kontinuität in Deutschland. Seit über hundert Jahren [9]. Welche - natürlich männerbündlerischen - Kräfte und Seilschaften diese Kontinuität getragen haben und tragen, dürfte vom Prinzip her nicht gar so schwer zu eruieren sein. Wenn auch die bisherige bildungsgeschichtliche Forschung [7, 9] um diese Frage derzeit offenbar noch einen Bogen zu schlagen scheint.

Wenn aber einer der Hauptideologen dieser Pädokriminellen, der Wandervogel Hans Blüher, von dem rechtskonservativen Freund Ernst Jüngers Armin Mohler zu den bedeutendsten Autoren seiner von ihm sogenannten "Konservativen Revolution" gezählt wird, wenn zu diesen Ideologen sowohl Thomas Mann wie Stefan George gehören, und wenn die heutigen "Nachfolger" von Armin Mohler besonders gern den Männerbund, Priesterkasten und ihre frauenverachtenden Ideologien thematisieren (siehe als Beispiel einen Autor wie Hans-Peter Hasenfratz 2006), braucht man sich doch grundsätzlich künftig weder über links-, noch rechtskonservative pädokriminelle Eliten-Kontinutität im Umfeld von geheimen Männerbünden, Theologen- und Literatenkreisen zu wundern.

Die jugendbewegten, pädokriminellen Schulgründer und -leiter der Reformpädagogik waren alles studierte Theologen. Vielleicht wird man früher oder später freundschaftliche Verbindungen finden zwischen einem Hellmuth Becker und seinen Kreisen zu Leuten wie Armin Mohler und seinen Kreisen. Warum sollte das so fernliegend sein? Wenn doch auch der jugendbewegte (linksliberale) Hermann Hesse noch in seinen späten Jahren den jugendbewegten (rechtskonservativen) Ernst Jünger positiv besprechen konnte? Hinter verschlossenen Türen gibt es viele einflußreiche (Männer-)Freundschaften, die öffentlich nicht bekannt sind. Und deren Kitt die in den Novellen und Romanen von Hermann Hesse immer wieder glorifizierten Männerbünde und Priesterorden sind. In denen ja mitunter auch warme Brüderlichkeit kultiviert wird. Und auch das nicht nur mit Volljährigen. Man muß die Dinge ja nur zu Ende denken. Manche Freimaurer berichten ja, daß sie ihre eigenen Kinder schon sehr früh zur Logenarbeit mitbringen und dort einführen.

Freimaurerische Jugendarbeit also sozusagen. Die es ja dann auch andernorts gegeben haben könnte. Zumal die Freimaurer ja schon 1913 bei der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig die Turnerjugend ein freimaurerisches Ritual haben ausführen lassen mit einem deutschlandweiten Sternlauf. Auch ein Freimaurer kann ja - wie ein Theologe - "jugendbewegt" sein. Offenbar ist heute noch nicht bekannt, welchen Freimaurerlogen die Elite der deutschen Pädagogen angehören. Das dürfte auch im Interesse warmer Brüderlichkeit liegen. Daß das nicht bekannt wird.

Abb. 1: "Widersprüche aushalten" - so so!
Die sogenannte "Reformpädagogik" steht vor einem Fiasko. Der Luxusklasse. Vor einem extravaganten Scherbenhaufen. Viele ihrer bedeutendsten Vordenker und ihre Slogans, Buchtitel können heute nur noch als der schlimmste Zynismus gelesen werden: "Widersprüche aushalten", "Aufklärung als Beruf", "Den Menschen stärken, die Sachen klären". - Bla, bla, bla.

Links (Abb. 1) ein Buch von Hellmuth Becker, dem vormaligen "nicht ernannten" Kultusminister der Bundesrepublik Deutschland. Also einem inoffiziellen Vorgänger von Michael Naumann. Unter seinem "Protektorat" stand "die" "Vorzeigeschule" der Bundesrepublik Deutschland, nämlich die Odenwaldschule mit ihrem pädokriminellen Schulleiter. Er hatte von den pädokriminellen Neigungen desselben frühzeitig gewußt. Und er hat Jahrzehnte lang nichts gegen diese Art von "Pädagogik" getan. Wie viele andere Verantwortliche im engsten Umfeld dieser Schule. Darunter höchstwahrscheinlich auch Bundespräsident Richard von Weizsäcker.

Slogans also von Leuten, die von sexueller und anderer Gewalt an Kindern und Jugendlichen in ihrer nächsten Nähe wußten, zumindest wußten. Und die so gut wie gar nichts dagegen getan haben.

Kann es einen größeren Widerspruch geben zwischen Worten und Taten? Wie abartig ist eigentlich eine Welt, in der solche Dinge möglich sind? Und wie "sinnfällig" ist es, daß in dem Kreis der Verdächtigen der Mißbrauchsvertuscher auch Richard von Weizsäcker genannt wird? Er, der ebenfalls so hochgerühmte Reden und "Slogans" von sich gegeben hat? Er wußte ja 1985 von "Tagen der Befreiung" zu reden. Und die ganze bundesdeutsche Schickeria himmelte ihn an. Allerdings damals nicht von "Tagen der Befreiung" für mißbrauchte Odenwaldschüler, ebenso wenig von "Tagen der Befreiung" von sonstigen Millionen Vergewaltigungs- und Vertreibungsopfern ... Diese Doppelbödigkeit bundesdeutscher Heuchelei.

Die Sinnbilder für die abgründige Heuchelei, die als Tünche über der bundesdeutschen Gesellschaft zumindest seit 1945 liegen, werden immer - sinnfälliger. Richard von Weizsäcker, ein Vorzeige-Präsident der Bundesrepublik Deutschland? Wirklich?

Wer das Buch "Wie laut soll ich denn noch schreien" von Andreas Huckele (geb. 1969) (Wiki) über die sexuelle und sonstige Gewalt an Kindern und Jugendlichen an "dem" Reformpädagogik-Vorzeige- und Elite-Internat der Bundesrepublik Deutschland, an der Odenwaldschule (Wiki), gelesen hat (1), dem ist klar, daß er nur eine einzige individuelle Perspektive zur Kenntnis genommen hat. Und der möchte mehr wissen über die Einbindung dieser pädokriminellen Reichen-Schule und ihrer pädokriminellen und mißbrauchsverharmlosenden und -vertuschenden Schulleiter und Lehrer in den größeren institutionellen und gesellschaftlichen, ja, politischen Zusammenhang der Bundesrepublik Deutschland.

Wo war denn nun eigentlich die ganze Zeit die staatliche Schulaufsicht, fragt man sich. Wie haben denn der "heimliche Kultusminister Deutschlands" und all seine Helfershelfer in den Kultusministerien der Länder ständig alles glattbügeln können? Wo ist die Schulaufsicht heute? Hat schon einmal irgend jemand danach gefragt, welche Verantwortung eigentlich diese Schulaufsicht auf sich genommen hat und auf sich nimmt? Und ob nicht deshalb vor allem auch der deutsche Staat zu Entschädigungsleistungen an die Mißbrauchsopfer verpflichtet ist? Der sich solche Bundespräsidenten, "Kultusminister" und Gründer und Leiter von renommierten Max Planck-Instituten leistet?

Von der moralischen Verantwortung von Ideologien und Ideologen, von Schreibtischtätern, linksliberalen oder rechtskonservativen ganz abgesehen. - ?

Doch zunächst seien noch einmal die wichtigsten Tatsachen selbst rekapituliert. Auf Wikipedia steht über die Odenwaldschule:

Die Juristinnen Claudia Burgsmüller und Brigitte Tilmann wurden im Frühjahr 2010 mit der Untersuchung der Mißbrauchsfälle betraut. Laut deren Abschlußbericht vom 17. Dezember 2010 sollen mindestens 132 Schüler zwischen 1965 und 1998 Opfer von Übergriffen durch Lehrer geworden sein. Offizielle Korrespondenzen der Schule, gefunden im Archiv und aufgearbeitet in einer Dissertation, deuten darauf hin, daß es bereits unter der Leitung der Gründer Paul und Edith Geheeb Mißbrauchsfälle an Mädchen und Jungen gab. Jedoch wurde in keinem Fall Anzeige erstattet.

"Bereits unter der Leitung der Gründer"! Das war hundert Jahre früher. Eine hundertjährige Mißbrauchsgeschichte? Und es dauert hundert Jahre, bis sie öffenlich erörtert wird? An der "fortschrittlichsten" Schule des ganzen Landes? Oder ist das der Forschritt: Kindesmißbrauch. - ? Der bekannte Freund von Paul Geheeb, Gustav Wyneken (1875-1964) (Wiki), eine "reformpädagogische Leitfigur der Jugendbewegung", der schon 1913 auf der legendären Jugendtagung auf dem Hohen Meißner der deutschen Jugendbewegung seine "fortschrittliche" "Reformpädagogik" aufdrängte (heute verstehen wir vielleicht besser, warum eigentlich), war schon 1920/21 rechtskräftig verurteilt worden wegen sexuellem Kindesmißbrauch. Hans Blüher und der "Nerother Wandervogel" solidarisierten sich damals mit Wyneken (siehe Wikipedia)! Und allgemein wurde dieses Gerichtsurteil damals als bieder und schulmeisterlich eingeordnet. Unter den ach so "Fortschrittlichen"! Die sozialdemokratische Regierung von Sachsen setzte den Strafvollzug aus ... Wyneken konnte noch viele Jahre weiter an seiner Schule tätig sein und Kinder mißbrauchen ... Kommt einem das alles nicht bekannt vor?

Der Nerother Wandervogel solidarisierte sich 1921 mit pädophiler "Leitfigur"

Und auch der Nerother Wandervogel existiert heute immer noch. Wie der Blogautor selbst aus persönlichen Begegnungen weiß. Und Eltern geben ihre Kinder noch immer an diesen Verein. Und das von ihm und so vielen anderen Jugendorganisationen hochgehaltene Prinzip "Jugend muß durch Jugend geführt werden" wird immer noch in vielen Jugendbünden hochgehalten. Man denke nur an die Pfadfinder, die evangelischen und katholischen. Aus denen der hier im Mittelpunkt stehende pädophile Schulleiter ebenfalls hervorgegangen ist, und wo er offenbar seine ersten prägenden Jugenderfahrungen sammelte. Und weitergab. 

Aber muß man sich denn über pädophile Nachfolger wundern? Bei solchen Vorgängern? Über die Odenwaldschule heißt es weiter auf Wikipedia:

Inzwischen wird von mehr als zehn Lehrern
- es sei wiederholt: zehn Lehrern -
als Täter ausgegangen. Haupttäter neben (Gerold) Becker war der 2006 verstorbene Musiklehrer Wolfgang Held.

Einer weiterer dieser Lehrer stellte auch zeit seines Lebens immer sehr bewußt seine Herkunft aus der Jugendbewegung in den Vordergrund. Mit Fahrtenliedern, Lagerfeuern und Kothen. Es gibt spätestens seit den Zeiten eines Gustav Wyneken und Hans Blüher eine Kontinuität von Theorie und Praxis des Kindesmißbrauchs innerhalb der deutschen Jugendbewegung und der aus dieser hervorgegangen "Reformpädagogik" [9]. Eine Kontinuität, unterstützt und bekräftigt aus obersten Stellen deutscher Ministerien und Staatsämter heraus. Und das wäre nicht Ausdruck männerbündlerischer Zusammenhänge? Wer's glaubt, wird keinesfalls selig.

In der Schüler-Liste der Odenwaldschule finden sich manche Namen wieder, die bekannt geworden sind im Zusammenhang der Sexualisierung und Übersexualisierung unserer Gesellschaft: Daniel Cohn-Bendit, Beate Uhse.

Welches Problem besteht mit der Aufhebung der Verjährungsfristen?

Und bis heute hat die regierende Kaste in Deutschland ein Problem damit, die Verjährungsfristen für die Straftat der sexuellen Gewalt an Kindern und Jugendlichen aufzuheben. Fürchtet sich da eine "Titanic" vor der Größe eines Eisberges? Auch Andreas Huckele fordert diese. So wie Norbert Denef. Beide nennen sie klar und deutlich: einen Täterschutz. Und man fragt sich: Warum schützt die Bundesrepublik Deutschland Täter? Nun, schon die Frage zu stellen, ist lächerlich. Was jeder weiß, der viele Beiträge zum Thema "Eliten-Kontinuität im 20. Jahrhundert" hier auf dem Blog gelesen hat. Seit 1945 schützt die Bundesrepublik Deutschland Täter. Unverfroren. Und immer erst, wenn die Täter hochbetagt oder schon gestorben sind, wird ihre Rolle aufgearbeitet. Kein Wunder, daß sie das auch heute tut. Die noch heute staatstragenden Kreise haben schon 1933 und danach Täter en masse geschützt und gefördert. Warum etwa hätten sie damit ausgerechnet im Jahr 1945 aufhören sollen?

Und man liest dann von Andreas Huckele, was er im Jahr 1987, zwei Jahre nach der glorreichen "Befreiungsrede" Richard von Weizsäckers erlebt hat (Zeit, 26.11.2012):

Er erinnert sich noch gut, wie ihm zum 75-jährigen Internatsjubiläum Bundespräsident Richard von Weizsäcker mit Hartmut von Hentig und Gerold Becker auf dem Schulgelände entgegenkamen. "Da hat man als 16-Jähriger keine Fragen mehr."

Gewiß: Der pädokriminelle Becker in Begleitung des Bundespräsidenten und jenes Hartmut von Hentig, jener "internationalen Koryphäe" der deutschen Pädagogik, von dem heute kaum noch jemand glaubt, daß er nichts von den pädokriminellen Neigungen seines Lebensgefährten Gerold Becker gewußt hätte. Und der seit Bekanntwerden derselben wenig zu sagen wußte, um - so seine glorreichen Slogans - "die Menschen zu stärken" und "die Sachen zu klären". Etwa in Bezug auf den von seinem Lebensgefährten Gerold Becker selbst und unter seiner Schulleitung begangenen Seelenmord an über hundert Kindern und Jugendlichen.

Andreas von Weizsäcker haßte Gerold Becker, Hartmut von Hentig, die Odenwaldschule - und (offenbar) seine Eltern

Richard von Weizsäcker. Wußte wenigstens er seit Bekanntwerden der Pädokriminalität der von ihm 1987 geehrten Pädagogen  etwas zu sagen, um "die Menschen zu stärken" und "die Sachen zu klären"? Und um endlich auch hier - - - "Tage der Befreiung" zu feiern? Sein Sohn Andreas von Weizsäcker (1956-2008) (Wiki) gehörte zu nichts geringerem als zur Wohngruppe - ha ha ha: des pädophilen Schulleiters. Wer Andreas Huckele und andere gelesen hat, der glaubt nicht mehr, daß Andreas von Weizsäcker nichts von dem pädokriminellen Treiben seines Lehrers Gerold Becker sollte mitbekommen haben.

Andreas von Weizsäcker starb 2008 mit 52 Jahren an einem Lymphom. Wir wissen heute: Mißbrauchsopfer tragen eine höhere Wahrscheinlichkeit mit sich, früher als andere lebengefährlich zu erkranken und zu sterben. Und das Vorzeigeblatt der deutschen Liberalen, die Wochenzeitung "Die Zeit" fragte schon 2010 (sicherlich auch, um von eigener Mitverantwortlichkeit in früheren Jahrzehnten abzulenken):

Andreas von Weizsäcker ist erst seit zwei Jahren tot. Seine Familie trauert nach wie vor. Und doch drängen sich Fragen auf: Wenn es stimmt, was über Andreas von Weizsäcker und seine Mitschüler berichtet wird, was wußte sein Vater? Sprach er nicht mit seinem Sohn? Und falls der Vater etwas wußte, warum folgte daraus nichts? Hatten die mächtigen Eltern gepeinigter Kinder keine Möglichkeit, die Mißstände abzustellen? Keine Rechtsanwälte, keine Stimme? Worauf reduzierten sich die Familiengespräche dieser Oberschicht? Auf die Bitte der ZEIT um eine Stellungnahme hat Richard von Weizsäcker höflich, aber entschieden geantwortet, er äußere sich dazu nicht. Hartmut von Hentig, der auch von Weizsäcker zu seinen Freunden zählt, hatte der ZEIT bereits ein Interview zugesagt, dann aber lehnte er das Gespräch plötzlich ab. Am Dienstagmorgen schickte er schließlich eine persönliche Erklärung an die ZEIT. Den Vorwürfen weicht er aus, fühlt sich von einem "Tribunal der Medien" getrieben. Die "Hinwendung zum Einzelnen", das Ideal der Odenwaldschule, lobt er auch jetzt noch, als wirkten diese Worte nicht längst zynisch.

"Als wirkten diese Worte nicht längst zynisch." Merkwürdig, daß das so wenig diskutiert wird. Nicht nur die "Grünen" haben doch ein Pädophilen-Problem. Die CSU beispielsweise hat viele Jahre die deutsche Psychosekte "Colonia Dignidad" unterstützt, in der es ebenfalls Kindesmißbrauch reihenweise gab. (Worauf dieser Blog in anderen Beiträgen schon hinwies. Die Folge war die Abmahnung einer Müncher Filmrechte-Verwertungsgesellschaft über mehr als 1000 Euro, da dieser Blog eine Dokumentation darüber in den Blogbeitrag eingebunden hatte. ...) Und die christ-katholische Elite Deutschlands schickt ihre Kinder schon seit Jahrzehnten auf pädokriminelle Jesuiten-Interate, in der die Pädokriminalität "systematisch" geschah, wie wir heute wissen, und wie auch der Jesuitenorden selbst inzwischen ganz unverfroren zugegeben hat.

Nun gut. In er TAZ hieß es 2008:

Der zweitgeborene Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (88) war offenbar bereits als Jugendlicher an Lymphdrüsenkrebs erkrankt.
Ob schon vor Besuch der Odenwaldschule oder erst während desselben wird nicht erwähnt. Weiter heißt es, er 
galt wegen seiner frühen Erkrankung an Morbus Hoodgkin als „Sorgenkind“. Doch der Jugendliche besiegte den heimtückischen Krebs und legte mit 20 Jahren das Abitur ab.
Ja, auch das wissen wir heute: Viele Kinder und Jugendliche haben das Abitur geschafft, obwohl sie auf die Odenwaldschule gingen. Ja. Aber bestimmt nicht ... "weil". Die FAZ schrieb 2010:
Andreas von Weizsäcker, Sohn des Bundespräsidenten, haßte die Odenwaldschule. (...) Er formte
- als Künstler im Erwachsenenalter -
mit nassem Papierbütten Alltagsgegenstände ab, darunter das elterliche Wohnzimmer als „Spielhölle“. (...) Als Mann hatte Andreas von Weizsäcker die Odenwaldschule gehaßt, so erzählt sein Freund Hänsel, er haßte Becker, er haßte Hentig.

Muß man da eigentlich noch mehr wissen? Er haßt die besten Freunde (s.o.) seines Vaters? Seinem eigenen besten Freund und vormaligen Mitschüler, der seine eigene Tochter wiederum (Kommentar überflüssig!) auf diese Schule schickte, fragte er:

Bist du wahnsinnig?

Die Witwe von Andreas und ihr Schwiegervater aber weisen es weit von sich, daß Andreas Mißbrauchsopfer gewesen sei, noch daß er etwas erzählt hätte. ... Soweit übersehbar, wurde die Familie von Weizsäcker seit 2010 von Journalisten nicht mehr mit lästigen Fragen bedrängt ... Sie glaubt offenbar, zu dem Thema alles Wesentliche gesagt zu haben. Nicht mehr "Aufklärung als Beruf", sondern "Schweigen als Beruf" ...

Hellmuth Becker - "Aufklärung als Beruf"

Aber was liest man nun im Wikipedia-Artikel zum pädokriminellen Schulleiter Gerold Becker (1936-2010)(Wiki):

Laut Presseberichten erhielt der damalige Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, Hellmut Becker, bereits 1970 von seinem Patensohn die Mitteilung, daß Gerold Becker ihn mißbraucht habe. Er habe daraufhin Gerold Becker in einem Gespräch vorgeschlagen, sich einer Therapie zu unterziehen, was dieser aber abgelehnt habe.

Von seinem Patensohn! (!!!) Nicht vom eigenen Sohn. Wäre er womöglich schärfer vorgegangen, wenn es der eigene Sohn gewesen wäre? Wenn dieser damalige Max-Planck-Direktor Hellmut Becker (1913-1993)(Wiki)(Kulturimpuls), Gründer und Leiter eines bis heute renommierten Instituts, der mit genauso vielen bildungspolitischen Phrasen der Öffentlichkeit bekannt war, weiter nichts getan hätte, als das, würde er doch selbst zum aktiven Mißbrauchsvertuscher und zum Verantwortlichen für alle Folgetaten von Gerold Becker geworden sein. Warum tat er nur so wenig?

Aber dann liest man, was auf dem Wikipedia-Artikel über diesen guten Herrn Hellmuth Becker selbst steht. Zunächst:

... besuchte die Internatsschule Schloß Salem/Bodensee ...

Dessen vormaliger Leiter und Jesuitenschüler Bueb hatte auch an der Odenwaldschule unterrichtet und wußte auch nur wenig zur Stärkung der Menschen und zur Klärung der Sachen zu sagen, nachdem die Pädokriminalität seines guten Freundes Gerold Becker bekannt geworden war. Hellmut Becker nun war ein lebenslanger guter Freund von - - - Carl Friedrich von Weizsäcker, dem Bruder des ebengenannten Bundespräsidenten. Und - - - er war Verteidiger im Einsatzgruppenprozeß, der zu Todesurteilen führte. Unter anderem zum Todesurteil für Otto Ohlendorff:

Becker sah den Hingerichteten zwar als „Massenmörder“, aber auch als „echten Intellektuellen“.

Und da er ein echter Intellektueller war, sollte er begnadigt werden. Man lasse sich diese Begründung auf der Zunge zergehen: Bin ich Massenmörder ohne echten intellektuellen Hintergrund, habe ich meine Todesstrafe verdient. Bin ich aber Massenmörder mit "echtem intellektuellem Hintergrund" ... ähm, kann es mir auch passieren, daß ich gar nicht erst vor Gericht angeklagt werde. So geschehen mit dem guten Freund von Ernst Jünger und Armin Mohler, "bloß" mal dem dritten Mann hinter Himmler und Heydrich, nämlich Werner Best. Der war ja auch ein - - - "echter Intellektueller", nicht wahr? ... Und einem solchen "echten Intellektuellen" ist Hellmut Becker ja nun auch in Gerold Becker begegnet. Nicht wahr? Physischer Mord oder Seelenmord - das ist ja nun auch ein großer Unterschied? Für einen "echten Intellektuellen". Für beide Verbrechen wollte Hellmuth Becker offenbar, nun, ähm - - - "Gnade". Denn weiter ist zu lesen:

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete am 9. August 2011, daß der Schulleiter der Odenwaldschule Gerold Becker unter dem persönlichen Schutz von Hellmut Becker stand. Hellmut Becker habe von den pädophilen Neigungen seines Schützlings gewußt und ihm dennoch zum Schulleiterposten verholfen. In der ZEIT vom 18. August 2011 wird von Robert Leicht dazu ausgeführt, daß Hellmut Becker den nicht mit ihm verwandten Gerold Becker zum Schulleiter gemacht habe, obwohl er wußte, daß dieser sich an seinem Patensohn vergangen hatte.

Das liest sich nun wirklich noch um allerhand Grade schlimmer! Das ist eine krasse Ermutigung für Gerold Becker gewesen. Marion Gräfin Dönhoff schrieb 1993 einen Nachruf für Hellmuth Becker in der "Zeit" ... Werden denn all diese Zusammenhänge wenigstens jetzt von der schon seit Jahrzehnten so publikationswütigen bildungsgeschichtlichen Forschung aufgearbeitet? Wirklich? Christian Füller und Jürgen Oelkers versuchten es (7, 9). Aber sie trauen wohl bis heute noch nicht so recht ihren eigenen Augen und Ohren und ihrer eigenen Logik, wenn sie hier all den kausalen pädokriminellen Zusammenhängen, pädokriminellen ideologischen Verharmlosungen und Rechtfertigungen, sowie pädokriminellen Netzwerken nachgehen.

Der Wikipedia-Artikel über Hartmut von Hentig (geb. 1925)(Wiki) ist noch heute ungewöhnlich lang und feierlich-zeremoniell. Dabei hat er dieser Pädagoge und diese Ikone der deutschen Bildungspolitik schlichtweg versagt. Hochkantig. Und so wenige Worte in diesem Artikel über das eklatante Versagen? Über den Abgrund zwischen Worten und Taten im Leben dieses Mannes? Dieses alt gewordenen? Wer glaubt denn angesichts solcher Dinge, daß künftige Schülergenerationen besser geschützt wären als frühere? Das wird dann wohl wirklich nur noch das Rotkäppchen sein ...


Die Homosexualität in der Familie Mann

Auch die Familie von Thomas Mann ist involviert, der die Freimaurerzugehörigkeit seines Bruders Heinrich Mann in seinen "Betrachtungen eines Unpolitischen" noch sehr empört und konserniert behandelt hat.

Klaus Mann (1906-1949)(Wiki) und Golo Mann (1909-1994)(Wiki) waren Söhne von Thomas Mann. Beide machten frühzeitig außerhalb der Familie homoerotische Erfahrungen. Klaus Mann wurde von seinen Eltern wegen auffälligem Verhalten und Versagen in der Schule auf Reformschulen, bzw. -internate geschickt. Auf Wikipedia heißt es über ihn:

Ab April bis Juli 1922 besuchte er zusammen mit seiner Schwester Erika die Bergschule Hochwaldhausen, eine Reformschule im hohen Vogelsberg in Oberhessen. Da die oberen Klassen wegen des „anarchistischen“ Ungehorsams der älteren Schüler aufgelöst wurden, ...

- Wer das Buch von Andreas Huckele kennt, dem kommt hier womöglich einiges bekannt vor, wenn auch mit 50 Jahre Zeitunterschied, bzw. Kontinuität. Und der wundert sich vielleicht darüber, was es 50 Jahre zuvor wohl noch für moderne Schulaufsicht gegeben haben muß:

... kehrte Erika Mann nach München zurück, während Klaus sich in Salem vorstellte. Dort machte er den Eindruck eines „selbstgefälligen, frühzeitig gereiften und fähigen Jungen“, und seinen Eltern wurde die freie Schulgemeinde der Odenwaldschule in Ober-Hambach des Reformpädagogen Paul Geheeb empfohlen.
Die Odenwaldschule besuchte er von September 1922 bis Juni 1923 und verließ sie auf eigenen Wunsch trotz vieler positiver Erlebnisse und neuer Freundschaften (...). Einiges deutet darauf hin, daß er an diesem Ort seine ersten homoerotischen Begegnungen hatte. In seiner zweiten Autobiografie schrieb er, daß er sich an der Odenwaldschule in den Mitschüler Uto Gartmann verliebte.
"Aufklärung als Beruf"

1925 bekannte er sich durch die Veröffentlichung eines der ersten Homosexuellen-Romane zu seiner Homosexualität. Aber ob damit schon das Wichtigste gesagt ist zu seinen Erfahrungen auf Reformschulen, stehe dahin. Auf Wikipedia heißt es jedenfalls weiter und man glaubt sofort, das typische Schicksal eines Mißbrauchsopfers vor sich zu haben:

Klaus Mann führte ein rastloses Leben ohne Lebensmittelpunkt.

Sein Vater hatte mit "Der Tod von Venedig" schon lange vor 1914 eine wichtige, von Pädokriminellen rezipierte Novelle geschrieben. Er tolerierte es, wenn sein Sohn männliche Lebensgefährten mit nach Hause brachte.

Spätestens seit 1929 war Klaus Mann abhängig von Drogen. Von Haschisch und Morphin. Klaus Mann unternahm 1941 und 1948 Suizidversuche. 1949 gelang der dritte. - Keine besonders untypische Nach-Odenwaldschul-Biographie.

(Dirk Höflich und die Theater AG der Odenwaldschule produzierten 2011 über Klaus Mann ein Stück mit ziemlich uneindeutiger Aussage. Ein wenig unheimlich, Odenwaldschüler von heute so uneindeutig mit der Vergangenheit ihrer eigenen Schule umgehen zu sehen. Bei einer solchen Vergangenheit bleibt eigentlich nur noch die Schließung, wenn man glaubwürdig bleiben will.)

Golo Mann nun machte ab 1921 bei den Pfadfindern mit, worüber es auf Wikipedia heißt:

Die Gemeinschaft mit Gleichaltrigen machte ihm Spaß, jedoch gab es irritierende Erfahrungen: So wies er eine homoerotische Annäherung ab und litt unter der als Zwang empfundenen paramilitärischen Disziplin.

Und weiter heißt es:

Neue Horizonte taten sich 1923 auf, als Golo Mann an die Internatsschule Schloß Salem wechselte, die er als Befreiung und lebenslange Bereicherung ansah. Der Leiter der Schule, Kurt Hahn, wurde eine prägende Persönlichkeit in seiner Jugend. In Salem sollte eine geistige Elite ausgebildet werden, die nicht nur individuelle Begabungen förderte, sondern auch das verantwortungsvolle Handeln für die Gemeinschaft. Daher gab es einen freien Umgang mit den Lehrern und einen hohen Grad von Selbstverwaltung in der Schülergemeinschaft. Der Dienst für die demokratische Gesellschaft sollte die Richtung seines zukünftigen Handelns bestimmen. (...)
Im Rückblick, in seiner Biografie Erinnerungen und Gedanken, kam jedoch neben der Schilderung von Hahns faszinierender Persönlichkeit dessen moralische Rigidität zur Sprache, die die Sexualität völlig ausklammerte. Der Grund sei Hahns homoerotische Neigung gewesen, die dieser mißbilligt und unterdrückt habe. Golo Mann selbst hatte in Salem seine eigene homoerotische Prägung entdeckt.
Anfang 1925 litt Golo Mann unter einer schweren Depression, die ihn episodisch lebenslang begleitete: „Damals trat der Zweifel ein oder richtiger, brach mit unerhörter Gewalt ein (…) Ich wurde von der schwärzesten Melancholie ergriffen.“

Nun, auch hier wieder eine typische Eliteschul- und Nach-Eliteschul-Biographie. Ebenso wie die Familie Mann weist auch die Familie Max Weber eine enge Verflechtung mit Reformschulen und insbesondere mit der Odenwaldschule auf (9). Auch hier hat es mindestens einen Selbstmord im Zusammenhang mit der Odenwaldschule und dem damaligen Schulleiter Geheeb gegeben.

Alle reden immer von "der Spitze des Eisberges", sagt Andreas Huckele. Und fragt: Wann endlich sehen wir den Eisberg vollständig?

"Eine ganze liberale Elite hat versagt"

In dem Redebeitrag von Christian Füller auf einer Podiumsdiskussion der Heinrich Böll-Stiftung (8) werden die Fragen dieses Blogbeitrages noch einmal verschärft herausgestellt (8'26 - 12'41). Füller wird gefragt:

Wer hat an dieser Schule eigentlich versagt?

Und Christian Füller kommt dann unter anderem auf den Hinauswurf von 14-jährigen Schülern zu sprechen, die sich bei Gerold Becker und anderen Lehrern über Mißbrauch beschwert hätten. Und er sagt dann wörtlich weiter:

... Daß es eigentlich unfaßlich ist, daß an so einer Schule, Schüler, die versucht haben, das aufzuklären, wirklich aktiv abgewehrt wurden. Die wurden von der Schule geworfen. Die wurden zum Schweigen gebracht. Und das, finde ich, ist das größte Versagen innerhalb der Schule. Und das ist auch mir, ehrlich gesagt, nach diesen Recherchen immer noch nicht wirklich erklärlich. Da wir uns ja immerhin an einer Schule befinden (...), es ist sozusagen die hellerleuchtete Schule, das Flagschiff der Reformpädagogik, in der sich ständig Besucher aufgehalten haben (...). Hartmut von Hentig war Dauergast, Hellmuth Becker, der heimliche Kultusminister der Nation, der das Max Planck-Institut begründet hat, war dort Dauergast.

Also es haben die Lehrer versagt, es haben - und das sind auch in der Recherche die Gruppen, mit denen man eigentlich nicht reden kann, es hat eigentlich eine ganze liberale Elite versagt. Weil ich kann einfach nicht glauben, auch wenn ich sozusagen im Detail - das ist nicht so einfach nach 35 Jahren - das nicht belegen kann, aber ich kann nicht glauben, daß die das alle nicht mitgekriegt haben.

Also unser ehemaliger Bundespräsident Richard von Weizsäcker, den ich vier mal angeschrieben habe, war Mitglied des Aufsichtsrats der Schule, also des Trägervereins. Und 1974 gab es eine Art Putsch gegen Gerold Becker. Acht Lehrer haben gesagt, das geht nicht so weiter. Die wußten nicht, daß Mißbrauch gemacht wird, aber die wußten, das ist zu nah, das ist grenzüberschreitend, das geht nicht. Acht Lehrer machen einen Putsch. Der Trägerverein entscheidet darüber wie geht es weiter. Und die acht Lehrer fliegen raus. Und in dieser Sitzung ist Richard von Weizsäcker. Und ich meine, der Mann hat es politisch einfach voll drauf. Der versteht so etwas. Und wenn man ihn heute fragt, dann sagt er: Ich kann mich nicht erinnern. Ich äußere mich dazu nicht.

"Schweigen als Beruf"! Füller weiter:

Das sind die beiden Hauptgruppen. Es gibt auch noch eine dritte Gruppe. Die Eltern.
Ich habe sehr wenige Eltern gefunden, die mit mir geredet haben. Ich habe einen Vater gefunden. Einen Industriekapitän, ein wirklich wichtiger Mann in der Bundesrepublik, dem Gerold Becker am Flughafen in Frankfurt gesteht, bei einem Treffen, bei dem es um ganz etwas anderes geht, ich hab ein Liebesverhältnis zu ihrem Sohn. Und dieser Mann, der ein Milliarden-Unternehmen leitet, der ist total weg. Der ist vor den Kopf gestoßen. Und nimmt seinen Sohn aus der Schule. Und der Laden läuft weiter. Das sind die Fragen, die ich auch nicht alle beantworten kann. (...) Und das ist das Versagen einer demokratischen Gesellschaft für mich.

Ist das wirklich nur "Versagen"? Oder steckt da nicht System dahinter? In seinem Buch erwähnt Füller auch einen sich regelmäßig treffenden Kreis von Industriellen, in dem Empfehlungen für diese Schule ausgegeben wurden, und dessen Mitglieder weitgehend identisch sind mit Mitgliedern im Trägerverein der Schule.

In den Minuten 45'14 - 48'45 stellt Christian Füller einige Dinge über den "fanatischen Päderasten" Gustav Wyneken klar, der heute noch von Reformpädagogen gefeiert wird. Dieser Mensch nämlich hat die "Kameradenfamilie", wie sie ja an der Odenwaldschule praktiziert wird, unzweideutig als Päderastenfamilie zum Vorbild hingestellt. Der Jüngling müsse durch einen älteren Mann in die höheren Weihen der Sexualität eingeweiht werden. Das ist die pädokriminelle Ideologie von Gustav Wyneken, Hans Blüher und vieler anderer. Wer weiß, wie weit diese Ideologie in Männerbünden geschichtlich eigentlich zurückreicht.

"Das Personal ist kontaminiert"

Weiter sagt Christian Füller, der ständig auf Pädagogen-Kongressen zu Gast ist, und der von 60 Prozent der von ihm zur Odenwaldschule befragten Pädagogen keine Antworten erhalten hat und von denen, die antworteten, nachmals wieder viele Streichungswünsche bekommen hat (1'13'33):

Das Personal ist kontaminiert.

Es gäbe kaum jemanden in der Szene der Reformpädagogik, der eindeutig sagen würde, man könne nicht so weitermachen wie bisher. Und so kann abschließend nur noch einmal hingewiesen werden auf die grün gefärbten Sätze der Vorbemerkung.

Mord an Fritz von Weizsäcker (19. November 2019)

Aktualisierung (26.11.2019): Vor sieben Tagen, am 19. November 2019, wurde Fritz von Weizsäcker (1960-2019) (Wiki), ein weiterer Sohn von Richard von Weizsäcker, ermordet. Am Folgetag, den 20. November, ist dieser Blogartikel knapp 800 mal aufgerufen worden, am 21. November 600 mal und am 22. November noch einmal etwa 130 mal, jedenfalls bis heute 1650 mal. Ob irgend jemand aus dem Lesen dieses Blogbeiträges irgendwelche Anhaltspunkte oder Schlußfolgerungen gezogen hat, ist mir bislang nicht bekannt geworden. Soweit das der Verfasser dieser Zeilen mitbekommen hat, war der 56-jährige Attentäter Gregor Schlitz ein Lagerist bei Amazon aus Andernach bei Koblenz und ein Einzelgänger (1984-Magazin). Er war befreundet mit einer Vietnamesin, die er regelmäßig in Vietnam besucht hat. Sein Mordmotiv sei wahnhafte Rache wegen "Agent Orange" gewesen. Nach Aussage des Polizisten, der ihn niedergerungen hat (Merkur):

Dieser habe dann angefangen, wirres Zeug zu reden: Von einem Blutrausch, der Einnahme von "Orange Blue" und dem Wissen um eine nun folgende lange Haftstrafe. (...) Das Motiv des Angreifers liege in einer "wohl wahnbedingten allgemeinen Abneigung des Beschuldigten gegen die Familie des Getöteten", hieß es von den Ermittlern.

Und weiter (Bild, 26.11.19):

Als Grund soll er seine Verbundenheit mit dem vietnamesischen Volk angegeben haben - und die Tätigkeit Richard von Weizsäckers in der Geschäftsführung des Chemie- und Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim zwischen 1962 und 1966. Die Firma unterstützte den amerikanischen Konzern Dow Chemical bei der Herstellung des Entlaubungsmittels „Agent Orange“, welches im Vietnamkrieg Hunderttausende Menschen vergiftete. (...) Gregor S. ist der jüngste Sohn seiner Eltern, hat drei Geschwister. Er soll vor 30 Jahren aus der Familie verbannt worden sein, weil er nicht ihre religiösen Ansichten geteilt habe. „Er hat schon immer Probleme gemacht“, sagte ein Nachbar zu BILD. „Er ist jung von zu Hause ausgezogen, hat mit keinem mehr Kontakt.“ (...) Die Nachbarin weiter: „Er hat erzählt, daß er eine Frau in Thailand hat.“ Er sei immer für ein paar Monate im Jahr nach Thailand geflogen.

Er lehnte das Christentum ab, wie man erfährt (Compact). Wenn das ein Grund war, ihn aus der Familie zu verbannen, könnte es sich dabei aber auch um ein ziemlich fanatisches Christentum gehandelt haben, das er in der Familie erfahren hat. Und das steht oft in Zusammenhang mit eben jener Schwarzen Pädagogik und jenem Mißbrauch, den ein Weizsäcker-Sohn an der Odenwald-Schule - offenbar - erlebte, und den der Vater - offenbar - vertuschte. Konkretere Mordmotive als die bislang genanannten, werden scheinbar nirgendwo noch nicht einmal ansatzweise erörtert. Dabei ist es doch auffällig, daß Gregor Schlitz den Plan zum Mord am Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker schon vor 30 Jahren gefaßt haben will, also um 1989 herum, jedenfalls in der Amtszeit von Richard von Weizsäcker und just zu jener Zeit, als er aus seiner Familie verbannt wurde. Wer möchte diese angesichts all der in diesem Blogbeitrag geschilderten Details aus der Geschichte der Familie von Weizsäcker ausschließen, daß es nicht auch noch andere Mordmotive geben könnte, die mit der Biographie des Attentäters zu tun haben? Daß diese Details in der Presse in diesem Zusammenhang nirgendwo auch nur ansatzweise angesprochen werden, zeigt schon, daß die Presse es noch heute tunlich vermeidet, daß ein schlechtes Licht auf Richard von Weizsäcker fällt.


_________________________________
  1. Huckele, Andreas (unter dem Pseudonym Jürgen Dehmers): Wie laut soll ich denn noch schreien? Die Odenwaldschule und der sexuelle Missbrauch. Rowohlt, Reinbek 2011
  2. Jens, Tilman: Freiwild. Die Odenwaldschule - Ein Lehrstück von Tätern und Opfern. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, 2011
  3. Huckele, Andreas: Rede anläßlich der Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises. Süddeutsche, 26.11.2012
  4. Lebenslange Last. Ein Mißbrauchsopfer der Odenwaldschule. Interview NDR Info vom 26.03.2010
  5. Röhl, Christoph: Wir sind nicht die Einzigen. 5. 5. 2011 (Vorschau), 24.5.2011 TV-Premiere auf 3Sat, DVD seit 23.3.2012 im Fachhandel (Bericht, ein anderer Bericht)
  6. Höflich, Dirk; die Theater AG der Odenwaldschule: Mann, Klaus! 2011
  7. Füller, Christian: Sündenfall. Wie die Reformschule ihre Ideale mißbrauchte. Dumont. (Bericht)  
  8. Reformfall Reformschule? Böll-Stiftung 30. 3. 2010
  9. Oelkers, Jürgen: Eros und Herrschaft. Die dunklen Seiten der Reformpädagogik. Beltz-Verlag, Weinheim 2011
  10. Blüher, Hans: Die Rolle der Erotik in der männlichen Gesellschaft. Eine Theorie der menschlichen Staatsbildung nach Wesen und Wert. Diederichs Verlag, Jena. Band 1: Der Typ inversus. 1917, 1924. Band 2: Familie und Männerbund. 1921, 1927

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