Donnerstag, 24. November 2016

Gerwald Claus-Brunner - Starb er als ein Gegner der Berliner Freimaurerei?

Starb er als Gegner freimaurerischer "Raub- und Beutegemeinschaften"?

Gestern erhielten wir zu unserem vorletzten Blogbeitrag folgenden anonymen Kommentar:
Ich bin ein Mitarbeiter des im Zusammenhang mit Hr. Brunner genannten Betriebes. Schaue bitte auf die ehemaligen Eigentümer dieses Betriebes !! Diesen wurde das leistungslose Einkommen genommen. In der Zeit der Holding waren die BWB ein Tummelplatz gewisser Logenbrüder, die auf Kosten des Betriebes in einem extremen Luxus lebten. Teuerste Fahrzeuge und Partys wurden vom Berliner Wassergebührenzahler bezahlt. Sein inszenierter Tod ist als Zeichen zu sehen.
Die Rede ist von den Berliner Wasserbetrieben (Wiki). Und es ist die Rede von dem Konzern "Veolia Wasser" (Wiki), der derzeit unter der Leitung von Etienne Petit steht, sowie von dem deutschen RWE-Konzern (Wiki), der derzeit unter der Leitung von Rolf Martin Schmitz und Werner Brandt steht. Und mit diesen wenigen Worten werden Zusammenhänge benannt, auf die wir von selbst bestimmt nicht gekommen wären.

Abb. 1: Gerwald Claus-Brunner 2011 (Wiki)
Es stellt sich aufgrund dieses Kommentars für uns zum ersten mal die Frage: Welche Rolle spielen Freimaurerlogen in der Berliner Politik? Wir können schon lange nicht glauben, dass sie keine Rolle spielen würden. Aber in diesem Kommentar hört man zum ersten mal etwas sehr Konkretes darüber. Die Aussagen klingen auf den ersten Eindruck hin echt und plausibel. Sie decken sich zum Teil ja auch mit den Einschätzungen der Partei "Die Grünen" im Berliner Abgeordnetenhaus, die (siehe unten) in diesem Zusammenhang von "Raub- und Beutegemeinschaft" gesprochen hat.

Und lässt man diese neue eingangs zitierte Aussage länger auf sich wirken, fällt einem ein, dass uns schon vor Wochen gesagt wurde, dass ein Familienmitglied von Gerwald Claus-Brunner Freimaurer ist und deshalb unter gewissen Zwängen stünde. Da stellt sich dann die Frage: In welchem Verhältnis stand Gerwald Claus-Brunner zur Freimaurerei? Da er schon sehr gereizt und empört reagierte, als sich der Völklinger Kreis an ihn wandte und anzubiedern versuchte, wird man sich wohl so seinen eigenen Reim machen können, wie er auch zu Zusammenschlüssen wie der Freimaurerei stand. Aber gibt es dazu direkte Äußerungen?

Eine gewisse - zumindest ideologische - Nähe zur Freimaurerei könnte man in der Tatsache sehen, dass er - womöglich auch mit Verweis auf seine jüdische Großmutter - auf sein Twitter-Profil schrieb "Ich bin Jude" und sich einen Davidstern um den Hals hängte. Auch die Kernideologie der Freimaurerei - Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem - ist bekanntlich jüdisch, alttestamentarisch.

Und übrigens war Claus-Brunner ja an zahlreichen Großbauprojekten - auch in Israel selbst - tätig (Jüd. Allg. 11.11.2011). Er sagte zu seinem "Palästinensertuch" (Welt, 3.11.2011):
Er habe das Tuch 1995 von der Gastfamilie geschenkt bekommen, während er als Elektriker im Hafen von Haifa einen Kran repariert habe. (...) „Im Nahen Osten ist das Tuch ein praktisches Kleidungsstück. Es dient als Witterungs- und Sonnenschutz."
Beziehungsweise (TAZ, 5.5.2012):
Im Jahr 1995 hat ein Kollege ihm auf einer Baustelle in Israel, in der Nähe von Haifa, das Palästinensertuch geschenkt (...). „Auf dem Bau hat jeder dort so ein Tuch auf dem Kopf: Gegen die Sonne“, erklärt Claus-Brunner.
Er sagte das, nachdem er von Charlotte Knobloch vom Zentralrat der Juden in Deutschland angegriffen worden war. Und er verhielt sich geradezu so, als würde er - als Widerspenstiger - wie in einem Familienstreit agieren mit der Aussage: Ich gehöre doch zu euch. Allerdings als ein Widerspenstiger, der zugleich weiß, wie weit er gehen kann und darf und dass er nicht zu weit gehen darf.

In diesem Zusammenhang ist vielleicht auch erwähnenswert, dass Gerwald Claus-Brunner unter anderem am Bau des Gotthard-Basistunnels mitgearbeitet hat, der 2002 begonnen wurde (Wiki) und dessen Einweihungsfeier am 1. Juni 2016 unter Beteiligung der europäischen Regierungschefs ja dadurch von sich Reden machte (Blick, 2.6.2016),
dass es wie eine okkulte Sex-Orgie aussah,
weil sie zahlreiche krass-satanistische Elemente enthielt (SRF, 2.6.2016). So dass viele Anlass hatten, von einer "Illuminaten-Zeremonie" zu sprechen.

"Bauopfer" beim "Tempelbau Salomons"?


War die politische Arbeit von Gerwald Claus-Brunner auch als ein solches "Bauprojekt" konzipiert worden, bei dem es gerne auch einmal Bauopfer (Wiki) geben würde? Dürfen wir das heraushören, wenn wir erfahren: "Sein inszenierter Tod ist als Zeichen zu sehen" - ? Und daran schließt sich die Frage an: Welche Rolle spielte und spielt die Freimaurerei auch in der Piratenpartei Deutschlands, bzw. Berlins, bzw. in der Piraten-Fraktion des Berliner Abgeordnetenhauses? Inzwischen ist ja dankenswerter Weise darauf hingewiesen worden, dass zahlreiche Fraktionsmitglieder das von den Piraten hoch gehaltene Transparenz-Prinzip selbst nicht eingehalten haben (siehe Blog: "Die verborgenen Geschichten hinter den Schlagzeilen", 4.10.2016).

Offenbar hat man sich ja in den letzten Jahren häufiger über viele "Verschwörungstheorien" von Gerwald Claus-Brunner lustig gemacht innerhalb - und außerhalb - seiner Fraktion. In vielen seiner "Kleinen Anfragen" spürt man, wenn man es nun so konkret anhand des Eingangszitates hört, heraus, dass er freimaurerähnlichen Filz in vielen Zusammenhängen der Berliner Politik vermutete und unterstellte. Noch in seiner letzten kurzen Rede im Berliner Abgeordnetenhaus vom 23. Juni 2016, in der er am Ende seinen baldigen Tod voraussagte, hatte Gerwald Claus-Brunner im Zusammenhang mit dem neuen Berliner Zeiss-Großplanetarium und seinem Leiter Tim Florian Horn gesagt:
Hier ist offensichtlich sehr viel im Schwarzen, was da auch bleiben soll, (spürbar) anhand der Macht und der Kraft, die investiert wird, um mich in diesem Zusammenhang ruhigzustellen und kleinzuhalten. Das find ich unerhört.
Tim Florian Horn ist Leiter des Zeiss-Großplanetariums geworden aufgrund von persönlichen Beziehungen zu Berliner Staatssekretären, wie man hört, ohne jedenfalls den dafür nötigen Studienabschluss zu besitzen. Hier hatte Gerwald Claus-Brunner in zahlreichen Anfragen "Licht ins Dunkle" bringen wollen, auch auf den merkwürdigen Umstand hingewiesen, dass das Zeiss-Großplanetarium, das einstmals von Erich Honecker eröffnet worden war, ausgerechnet am Geburtstag von Erich Honecker wieder eröffnet worden ist (siehe voriger Blogbeitrag).

Ich kann mich noch gut erinnern, wie im Jahr 2010 oder 2011 auf einem Parteitag der Piraten eine Zuhörerin jemanden öffentlich fragte, ob er für den Geheimdienst arbeite oder ähnlich. Sie wurde von den Zuhörern ausgelacht, was man schon damals sehr bezeichnend finden konnte, und wozu man sich damals schon sagte: Wenn man bei den Piraten für eine solche Frage ausgelacht werden kann, dann kann man von dieser Partei nicht viel erwarten. Diese Partei hat es also zwischenzeitlich bei ihren Mandatsträgern nicht durchgesetzt, dass sie alle Zugehörigkeiten zu Geheimdiensten und -gesellschaften offenlegen.

Im weiteren Blogartikel haben wir einmal begonnen, unser Wissen über den politischen Lebensweg von Gerwald Claus-Brunner chronologisch zusammen zu stellen. Diese Chronologie ist natürlich bislang sehr unvollständig. Sie soll künftig nach und nach durch weitere relevante Angaben vervollständigt werden.

Im Oktober 2009 wurde Gerwald Claus-Brunner Mitglied der Piratenpartei (Berl. Ztg., 22.9.2016).

Im Jahr 2010 gab es eine Auseinandersetzungen rund um die Teilnahme der Piraten am Christopher Street Day in Berlin, Christopher Lauer agierte schon damals, so wird von mehreren Seiten berichtet, als ein ausgesprochener Gegner von Gerwald Claus-Brunner (S. Lange, 19.9.16).

Im Jahr 2011 kommen die Piraten ins Berliner Abgeordnetenhaus.

Mai 2012: Gerwald Claus-Brunner reagiert äußerst gereizt auf eine anbiedernde Einladung an ihn von Seiten des Völklinger Kreises. Er verbittet sich von diesem "Kreis" jede weitere Kontaktaufnahme. Er zeigt klare Kante. Ein solches Verhalten ist bislang von kaum einem anderen deutschen Politiker bekannt geworden. Derzeitige AfD-Politiker zum Beispiel fühlen sich sehr geehrt und gebauchpinselt, wenn sie von diesem "Völklinger Kreis" eingeladen werden. Es ist für sie eine Art "Eintrittskarte" in das etablierte Establishment, ein Zeichen dafür, dass sie künftig Erfolg haben werden. Womit man dann sehr viel weiß. Wenn nicht alles ....

4. Dezember 2012: "Die Raub- und Beutegemeinschaft der (teil)privatisierten Berliner Wasserbetriebe"


Am 4. Dezember 2012 schreibt die Berliner Fraktion der Grünen als Pressemitteilung auf ihrer Internetseite zu den Erörterungen rund um die Berliner Wasserbetriebe (Bündnis 90/ Die Grünen „Sonderausschuss Wasserverträge ist gescheitert“ vom 14.12.2012; Hervorhebung nicht im Original):
Durch die von der großen Koalition im Jahr 1999 beschlossene Teilprivatisierung wurde eine Raub- und Beutegemeinschaft von privaten Investoren und dem Land Berlin vereinbart. Sie geht zu Lasten der Berliner Wasserkunden und wurde oft und lautstark kritisiert und gerichtlich beklagt. Die öffentliche Empörung über die Teilprivatisierung und die vereinbarten Gewinngarantien kulminierte in der erfolgreichen Volksabstimmung. Unzweifelhaft war die Intention des Wassertisch-Gesetzes und der abstimmenden Bevölkerung darauf gerichtet, die Nachteile der Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe nicht weiter zu ertragen. Dazu hätten die Verträge der Teilprivatisierung aufgelöst werden müssen. Die SPD- und CDU-Fraktionen waren und sind offensichtlich nicht gewillt, die Raub- und Beutegemeinschaft aufzukündigen. Stattdessen wurden die Anteile eines der privaten Investoren übernommen, um das Land weiter im bestehenden Vertragsgefüge zu belassen. Gerade vor dem Hintergrund der Preissenkungsverfügung des Bundeskartellamts muss die politische Entscheidung von SPD und CDU als Entscheidung gegen die Interessen der Berlinerinnen und Berliner angesehen werden. 
Am 21. März 2013 schreibt Claus-Brunner auf seinem Facebook-Profil:
Leute die mir vorwerfen das ich mich Parteischädigend verhalte sollten mal dringend ihren Differenzierungsmonitor kalibrieren lassen. Dabei mal schauen was so in der Vergangenheit an Parteischaden angerichtet wurde und welche Vorgänge dabei eine Rolle spielten. Wer es trotzdem ggü meiner Person mit dieser Art von Vorwürfen weiterbetreibt darf damit rechnen das ich die entsprechende Person einfach nicht mehr ernstnehmen kann.
Und auf eine Zwischenrede einer Facebook-Freundin:
Wie gesagt bei "Parteischädigend" geht bei mir immer der gesamte film an der mit Bodo T anfängt usw usw.. 
Bodo T. hatte wegen "geschichtsrevisionistischer" Äußerungen innerhalb der Piratenpartei 2008 und 2012 Kontroversen ausgelöst (Wiki). Am 9. April 2013 tickt Christopher Lauer in einer Fraktionssitzung gegenüber Gerwald Claus-Brunner aus. Dies ist Anlass für einen TAZ-Artikel. In dieser Fraktionssitzung ging es erst um die Organklage der Piratenpartei Berlin beim Verfassungsgericht Berlin mit Unterstützung des Berliner Wassertisches, zum zweiten um den fahrscheinlosen öffentlichen Nahverkehr. Siehe Youtube: ab etwa der 5. Minute referiert Gerwald Claus-Brunner, ab 24'10 spricht Christopher Lauer, ab 54. Minute äußerst sich Lauer ungehalten über die Dauer der Debatte, ab der 60. Minute spricht Sigrun Franzen vom Wassertisch, ab 1 Std., 48 Min. ist plötzlich der Ton weg während Christopher Lauer zum nächsten Thema spricht, nämlich dem kostenlosen öffentlichen Nahverkehr, zu dem Claus-Brunner ebenfalls sehr engagiert ist. Ab 1 Std. 50 Min. schlägt Christopher Lauer dabei mit den Fäusten auf den Tisch. Und die TAZ fragt mit recht, warum hier plötzlich der Ton weg ist.

April 2013: Organklage der Piratenpartei Berlin beim Verfassungsgericht Berlin

September 2013: Parteiordnungsverfahren gegen Sigrun Franzen

Oktober 2014, Gerwald Claus-Brunner twittert:
Es darf gelesen werden: sigrun-franzen.de Text spricht für sich alleine.
Ende 2014: Jan Mirko L. kündigt seine Stelle im Abgeordnetenbüro von Gerwald Claus-Brunner (Stern, 30.10.2016).

Am 16. Februar 2015 schreibt Gerwald Claus-Brunner auf sein Facebook-Profil:
Mit dem Wissen von heute würde ich mich 2009 an der Uni eingeschrieben haben anstatt in eine politische partei zu gehen. Wäre dann heute wohl am Maschinen konstruieren die den menschen scheißarbeit abnehmen.
Am 28. Februar 2015 schreibt Gerwald Claus-Brunner auf seinem Facebook-Profil - so wie er auch kurz vor seinem Tod schreiben sollte:
Heute ist/war mal wieder ein Kacktag....
Am 21. März 2015 schreibt Gerwald Claus-Brunner auf seinem Facebook-Profil:
Bedanke mich noch einmal bei allen die gestern die Courage und /oder die Zeit hatten zu meinem Ein Jahres Bürojubiläum erschienen sind! Bis zum Abend um ca 22 uhr haben wir schön gefeiert. Das zweijährige wird auch noch zelebriertwerden. dnach versagt leider meine Glaskugel.
Am 31. Mai 2015 schreibt Gerwald Claus-Brunner auf seinem Facebook-Profil:
Was macht man eigentlich wenn der Herzmensch offensichtlich Opfer einer Sekte wurde und sich nix sagen lassen möchte? Und die Sekte sich sehr raffiniert tarnt,also von außen nicht als solche erkennbar ist. (Nein die scientologen sinds diesmal nicht ) - - - Ich möchte den mensch da gerne raus haben bevor sie den ganz umerzogen haben! Orrr! - - - Wird aber schwierig wenn $sekte ihm einredet das menschen wie ich ihn vom einzig wahren weg abbringen wollen und ihn inzwischen für zig Dinge einspannen so dass er kaum zeit über hat weil eben auch von natur aus noch den einen oder anderen Nachteil mitbekommen hat,... 
Und auf die Rückfrage, was das für eine Sekte sei:
Nennt sich AMMA 
Am 18. Juni 2015 schreibt Gerwald Claus-Brunner auf seinem Facebook-Profil:
Verdammte sekte , sie hat den Wuschelkopf völlig gebrainwashed... wieß echt nicht mehr weiter....
Am 4. Juli 2015 schreibt Gerwald Claus-Brunner auf seinem Facebook-Profil:
Leider wird man immer wieder mal verarscht, insbesondere von den Menschen die man eigentlich ganz nett findet und mit ihnen auch schon Dinge unternommen hat. Scheinbar bin ich wohl zu veraltet was das pflegen von sozialen kontakten angeht. Aber wenn man immer derjenige ist von dem die kommunikation ausgeht aber nicht von der anderen seite dann kann man das ganze wohl abschreiben oder wie seht ihr das ganze. irgendwie ist das in den letzten jahren immer der fall das ich wenn ich nix mach auch keiner mal sich bei mir meldet. Und der Herzmensch derzeit leider in eine sekte abrutscht so daß man ihn mit diesen dingen auch nicht unbedingt behelligen kann. :(
Am 21. August 2015 schreibt Gerwald Claus-Brunner auf seinem Facebook-Profil:
Sorry aber wer sich bei der Mobberclique im LV Berlin anbiedert der braucht bei mir nicht mehr anzukommen, dazu ist mir meine Lebenszeit dann doch zu wertvoll!
3. Oktober 2015: Parteiordnungsverfahren gegen Sigrun Franzen wird zurückgenommen

15. Dezember 2015: Wahlkampfvorbereitungen für Berlin mit langen Redebeiträgen von Gerwald Claus-Brunner (s. Youtube), an denen erneut erkennbar wird, wie aktiv und engagiert er ist, und wie sehr er in der Partei anerkannt ist.

Januar 2016: Antrag auf Ausschluss von Gerwald Claus-Brunner aus der Fraktion. Als Grund wird auch sein Twitter-Verweis auf die Internetseite von Sigrun Franzen angeführt. Außerdem (Focus, 21.9.16):
Auf dem Aufstellungsparteitag für die Berliner Abgeordnetenhauswahl im Januar (2016) wurde Claus-Brunner schließlich abgestraft. Einen Platz zwischen 1 und 7 auf der Landesliste hatte er sich gewünscht. Er landete auf Listenplatz 26 von 29. „Damit hatte er nicht gerechnet. Die Partei hat einen großen Teil seines Lebens ausgemacht“, sagt ein Vertrauter. Die positive Bestätigung, die seine Partei dem 44-jährigen immer gegeben hatte, war weg. Dass er durch den tiefen Fall der Piratenpartei zudem sein Mandat und somit seine Einnahmequelle im September verlieren würde, war schon länger klar.
Am 21. Februar 2016 veröffentlicht Gerwald Claus-Brunner folgende Liste auf seinem Facebook-Profil:
Nicht darüber reden niemals vergessen!
Gerhard Anger, ehem. Landesvorsitzender Piratenpartei Berlin
Monika Belz, Mitglied BVV Treptow-Köpenick
Leonard Bellersen, Generalsekretär Junge Pirat*innen
Benjamin Biel, ehem. Pressesprecher Piratenpartei Berlin
Florian Bokor, ehem. Vorstand Piratenpartei Sachsen
Joachim Bokor, ehem. Justiziar Piratenpartei Deutschland
Frederik Bordfeld, Mitglied BVV Pankow
Marius J. Brey, ehem. Piratenpartei
Steffen Burger, Mitglied BVV Neukölln
Katja Dathe, ehem. Schatzmeisterin Piratenpartei Berlin
Martin Delius, Mitglied des Abgeordnetenhauses
Konstanze Dobberke, ehem. Piratenpartei
Cornelius Engelmann-Strauß, Mitglied BVV Treptow-Köpenick
Anisa Fliegner, Sprecherin BAG Netzpolitik die LINKE
Marcel Geppert, Mitglied BVV Marzahn-Hellersdorf
Björn Glienke, Bürgerdeputierter Marzahn-Hellersdorf
Anne Helm, Mitglied BVV Neukölln
Oliver Höfinghoff, Mitglied des Abgeordnetenhauses
Michael Karek, ehem. Vorstand Piratenpartei Berlin
Jan Kastner, ehem. Kandidat für die Piratenpartei Deutschland
Steven Kelz, Mitglied BVV Marzahn-Hellersdorf
Martin Kliehm, Fraktion DIE LINKE Römer Frankfurt a.M.
Fabian Koleckar, ehem. Vorstand Junge Pirat*innen Berlin
Lasse Kosiol, Mitglied BVV Spandau
Matthias Koster, ehem. Vorstand Piratenpartei Trier
Andreas Krämer, ehem. Vorstand Piratenpartei Bremen
Peter Laskowski, Bundeskoordinierungskreis der Ema.Li
Hartmut Liebs, ehem. Piratenpartei
Steffen Ostehr, Mitglied BVV Marzahn-Hellersdorf
Julia Schramm, ehem. Bundesvorstand Piratenpartei Deutschland
Volker Schröder, Mitglied BVV Treptow-Köpenick
Daniel Schwerd, Mitglied des Landtages NRW
Dr. Benedict Ugarte Chacón, ehem. Piratenpartei
Dr. Simon Weiß, Mitglied des Abgeordnetenhauses
Jan Zimmermann, ehem. Vorstand Piratenpartei
Was will er mit dieser Liste sagen? Julia Schramm und Dr. Benedict Ugarte Chacón stehen auf der Liste, zwei Personen, mit denen sich, soweit übersehbar Gerwald Claus-Brunner nicht so gut verstand.

23. April 2016 - Maßband

Am 23. April 2016 postet Gerwald Claus-Brunner auf seinem Facebook-Profil unter den beiden Hashtags "agh16" und "maßband" dieses Foto:


Eine Facebook-Freundin fragte dazu: "So schlimm?" und Gerwald Claus-Brunner antwortete: "Nee nur eben deutlich machen das es nicht mahr allzulange ist bis zum Wahltag". - "aber danach musste auch noch bis ende Oktober durchhalten" - "nja die 5 wochen gibts ja nur 5x petausschuß und der macht ja auch spaß und hilft den Bürgern..." Die Freundin hat es also so aufgefasst, als ob Gerwald Claus-Brunner heilfroh wäre, nicht mehr Abgeordneter zu sein.

19. Mai 2016: Geburtstagsfeier von Gerwald Claus-Brunner, sein Freund, vormaliger Büromitarbeiter und zeitweiliger Lebenspartner Jan Mirko L. ("Wuschelkopf") ist anwesend (Stern, 30.10.2016).

1. Juni 2016 (Stern, 30.10.2016):
Am 1. Juni zeigte der Pirat (Gerwald Claus-Brunner) Jan Mirko L. wegen Verleumdung an. "Die Anzeige dient meinem Selbstschutz, um den falschen Verdächtigungen etwas entgegenzusetzen, weil damit meine Reputation und Leumund nachhaltig beschädigt wird", gab der Politiker bei der Berliner Polizei zu Protokoll. Claus behauptete, Jan Mirko L. würde herum erzählen, dass er "mehrfach" in dessen Wohnung eingebrochen sei und "dort Spionage/Videokameras installiert" habe. Er denunzierte Jan Mirko L. als Verrückten: "Herr Mirko L. sollte ob dieser paranoiden Wahnvorstellung einen Facharzt aufsuchen, da hier offensichtlich eine schwere Persönlichkeitsstörung vorliegt."
Den gleichen gehässigen "Ratschlag" - zum Arzt zu gehen - sollte Gerwald Claus-Brunner von Alexander Morland während seiner Rede im Abgeordnetenhaus bekommen. Die Fotos, die mit solchen Spionagekameras erstellt werden können, haben offenbar auch andere Mitarbeiter von Claus-Brunner auf dessen Computer gesehen.

4. Juni 2016: Noch hundert Tage bis zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses. Gerwald Claus-Brunner trägt ein Meterband, an dem er täglich einen Tag abschneidet. Er rechnet mit seinem baldigen Lebensende, sagt, dass ihm sieben Ärzte bestätigt hätten, dass er an einer unheilbaren Krankheit litte. Im Nachhinein erscheint es vielen Nahestehenden so, als ob dieses Maßband zugleich die letzten Tage bis zu seinem "vorgesehenen" Lebensende beinhalteten.

Man könnte sich vorstellen, dass ihm sein Tod angekündigt worden ist. Sollte Gerwald Claus-Brunner einmal kurzzeitig Mitglied einer Freimaurerloge gewesen sein, dann weiß er, dass Freimaurerlogen sich das "Recht" herausnehmen, über Leben und Tod von Mitbrüdern mittels Geheimgerichtsbarkeit zu entscheiden.

23. Juni 2016 - "Es wird viel Kraft investiert, mich ruhig zu stellen und klein zu halten"


Am 23. Juni 2016 hält Gerwald Claus-Brunner im Berliner Abgeordnetenhaus seine letzte kurze Rede, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung wird nach seinem Tod darüber schreiben (FAS, 25.9.16):
Es wurde immer bizarrer. Claus-Brunner sah überall Verschwörungen und erhob haltlose Korruptionsvorwürfe, etwa bei der Stiftung der Berliner Planetarien und Sternwarten. Das war auch das Thema seiner letzten Rede im Parlament, in der er seinen Selbstmord andeutete.
Auffallenderweise wird diese Rede selten vollständig zitiert. Das soll deshalb im folgenden getan werden und dazu das Video der Rede selbst eingestellt sein:


Es ist schon hochgradig auffällig, was für eine hämische, höhnische Stimmung insgesamt in diesem Abgeordnetenhaus vorherrscht. Wer möchte sich einer solchen Stimmung eigentlich aussetzen? Wenn man sich die Reden anderer an diesem Tag ansieht, wird deutlich, dass sich diese respektlose, höhnische Stimmung nicht nur auf Gerwald Claus-Brunner bezog. Vielleicht sind Berliner Politiker vieler Parteien so. Der Zuruf "Geh mal zum Arzt" klingt jedenfalls nicht sehr besorgt. Er scheint aus Claus-Brunners eigener Fraktion zu stammen, womöglich von Alexander Morland. Jedenfalls sagt Gerwald Claus-Brunner laut des Sitzungsprotokoll (Parlament-Berlin) (leicht korrigiert entsprechend der Videoaufnahme) folgendes (Hervorhebung nicht im Original):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Senatoren beliebigen Geschlechts! Sehr geehrte Kollegen beliebigen Geschlechts! Sehr geehrte Gäste beliebigen Geschlechts!
[Zuruf von der CDU: Mein Geschlecht ist nicht beliebig!]
Es wird hier ein Gesetz beschlossen, bei dem ich schon seit zwei Jahren mit Schriftlichen Anfragen - 20 Stück an der Zahl - versucht habe, auch in diesem Bereich von Filz und Korruption Licht ins Dunkle zu bringen. Ich wurde dabei auch von der eigenen Fraktion, von den eigenen Kollegen angegriffen und diesbezüglich bezichtigt.
[Andreas Gram (CDU): Was?]
Das finde ich nicht in Ordnung. Und ich finde es auch nicht in Ordnung, dass über den Inhalt dieser Schriftlichen Anfragen hinweggesehen wird, dass der Senat die Schriftlichen Anfragen teilweise ungenügend beantwortet hat, sodass mehrfach Nachfragen mehrfach notwendig waren und trotzdem hier kein Licht ins Dunkle gebracht werden konnte. Hier ist offensichtlich sehr viel im Schwarzen, was da auch bleiben soll anhand der Macht und der Kraft, die investiert wird, um mich in diesem Zusammenhang ruhigzustellen und kleinzuhalten. Das find ich unerhört. Und dementsprechend ...
[Zuruf von Alexander Morlang (PIRATEN)]
- Sei still, Alex! Das kannst du ein anderes Mal machen. Ich finde das nicht in Ordnung von dir. So.
[Unruhe]
Gerade du! So. Im Allgemeinen möchte ich mich noch einmal bei allen bedanken, die hier im Haus mit mir zusammengearbeitet haben. Ich werde ...
[Zuruf: Geh mal zum Arzt!]
- Ja, mach mal weiter so! Könnt ihr gerne alles machen. Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Ihr werdet ab dem 18. 9. es noch bereuen, dass es diese Fraktion, der ich angehöre, nicht mehr geben wird.
[Dr. Manuel Heide (CDU): Da bin ich nicht so sicher!]
Doch, ich tue das, seitdem ich in den letzten Tagen zur Kenntnis nehmen konnte, welchen geraden politischen Lebensweg Gerwald Claus-Brunner bis zu seinen letzten Lebenstagen hinter sich brachte und wie viel Anerkennung dieser Umstand auch innerhalb seiner Partei fand, wenn auch nicht - offenbar - innerhalb seiner Fraktion. Weiter sagt er:
Das werde ich euch so sagen. Und ihr werdet auch in der laufenden Legislaturperiode für mich am Anfang irgendeiner Plenarsitzung mal aufstehen dürfen und eine Minute stillschweigen. - Vielen Dank, das war's!
[Beifall von Dr. Uwe Lehmann-Brauns (CDU)]
Vizepräsidentin Anja Schillhaneck: Vielen Dank, Herr Abgeordneter! - Eine kurze Anmerkung: Zwischenrufe wie „Geh mal zum Arzt!“ oder Ähnliches sind wirklich unangemessen!
[Beifall bei der SPD, der CDU und den GRÜNEN]
Das sollten Sie bitte unterlassen!
Über den Satz von Claus-Brunner "Es wird viel Kraft investiert, mich ruhig zu stellen und klein zu halten," sollte man nicht mit Flüchtigkeit hinweg gehen, auch nicht über die hier wahrnehmbare zutiefst hämische Stimmung im Berliner Abgeordnetenhaus im Allgemeinen und in der Piratenfraktion im Besonderen. - Wie kann eigentlich die Staatsanwaltschaft Berlin nach 48 Stunden die Ermittlungen zu den Umständen seines Todes einstellen, wenn ein solcher Satz Bestandteil seiner letzten Rede ist?

Wie ist im übrigen die Formulierung "in der laufenden Legislaturperiode" einzuordnen in Verbindung mit der Formulierung "irgendeine Plenarsitzung"? Grob finden zwei Vollversammlungen, also Plenarsitzungen, pro Monat statt. Allerdings stand am 23. Juni die Sommerpause bevor und am 18. September war Neuwahl, also konnten eigentlich nicht mehr gar so viele Plenarsitzungen "in der laufenden Legislaturperiode" erwartet werden. De facto hat in der damaligen laufenden Legislatur nach dieser Plenarsitzung vom 23. Juni nur noch eine Plenarsitzung stattgefunden, nämlich die 85. am 8. September 2016. Am 27. Oktober 2016 folgte dann die konstituierende Sitzung der nächsten Legislaturperiode (siehe als Übersicht etwa: RBB Abgeordnetenhaus). Darf man dieser Äußerung entnehmen, dass Gerwald Claus-Brunner - trotz des genannten Maßbandes - doch nicht ganz so konkrete Gedanken darüber hatte, wann genau er in den nächsten Monaten sterben würde?

23. Juni 2016: Am gleichen 23. Juni 2016 taucht ein gefälschtes Facebook-Profil von Jan Mirko L. auf (Stern, 30.10.2016), durch das sich dieser "verfolgt" ("gestalked") fühlt. Gibt es Beweise dafür, dass Gerwald Claus-Brunner selbst dieses Profil erstellt hat?

27. Juni 2016: Jan Mirko L. stellt Strafanzeige gegen Gerwald Claus-Brunner wegen Nachstellung. (Stern, 30.10.2016). Von dieser Anzeige hat Gerwald Claus-Brunner womöglich nie etwas erfahren.

7. Juli 2016: "Sie hatten die Pest an Bord"


Der Journalist Johannes Schneider schreibt über die eben zitierte Rede in einem Artikel mit dem zutiefst hämischen Titel "Sie hatten die Pest an Bord", Tagesspiegel digital, 5.6.16 [sic!, wohl falsch datiert, wohl eher: 5.7.2016]):
Ein zitierfähiges Beispiel für verkommene Sitten: Da kommentiert Gerwald Claus-Brunner - das ist der mit dem Kopftuch und der Latzhose - im Abgeordnetenhaus ein Gesetz zur Zusammenführung der Planetarien und Sternwarten in eine Stiftung. Es ist Claus-Brunners letzte Wortmeldung im Parlamentsplenum vor der Sommerpause und mutmaßlich die letzte hier in seinem Leben. Im September wird gewählt, Claus-Brunner steht auf Platz 26 der Landesliste der Piraten, die in Meinungsumfragen zuletzt zwischen nicht messbar und drei Prozent lagen. Er spricht von seinen Mühen, mit schriftlichen Anfragen - 20 an der Zahl - „in diesem Bereich von Filz und Korruption Licht ins Dunkle“ zu bringen. Leider seien die aber unzureichend beantwortet worden. So richtig verständlich machen, wo das Problem liegt, kann Claus-Brunner in dem kurzen Beitrag nicht. Auch nach fast fünf Jahren im Parlament wirkt er am Rednerpult seltsam deplatziert, wibbelt in der Hüfte, während er schematisch zwischen abgelesenen Phrasen und strengen Blicken ins Publikum wechselt.
Kann der Autor dieser Zeilen so nicht wahrnehmen. Es ist einfach ein Mensch, der - womöglich - nicht so stromlinienförmig agiert und spricht wie alle anderen. Sonst äußert er immer, wo man ihm auch zuhören kann, sehr klare, kluge, durch-strukturierte Gedanken. Weiter Johannes Schneider über die Blicke von Claus-Brunner:
Die treffen auch die eigene Fraktion: Auch sie habe ihn nicht unterstützt, angegriffen gar. „Geh mal zum Arzt!“, ruft irgendwann Alexander Morlang, Sprecher für Forschung und Technologie mit langen Haaren und offenkundig kurzer Zündschnur, und bekommt daraufhin von Parlaments-Vizepräsidentin Anja Schillhaneck zu hören, dass „Geh mal zum Arzt!“ ja wohl „mal gar nicht“ gehe. Tage später wird Schillhaneck sagen, sie habe da eine Fraktion am Tiefpunkt erlebt. 
Johannes Schneider porträtiert am Ende seines Artikels 10 der 15 Mitglieder der Piratenfraktion, im Grunde recht wohlwollend. Gerwald Claus-Brunner ist nicht dabei.

17. August 2016, Jan Mirko L. lernt auf dem Elblichtfestival bei Magdeburg eine neue Freundin kennen: Anne W. (Stern, 30.10.2016). Am gleichen Tag vormittags postet Gerwald Claus-Brunner auf seinem Facebook-Profil ein Foto von sich mit einem Lichtschwert:


Er setzt dazu den Hashtag "ausgruenden". Er wollte also damit wohl sagen, dass er Gründe hätte, auf jemanden ziemlich wütend zu sein. (Am 30. Juni 2013 hatte er das Foto übrigens schon einmal gepostet und damals dazu geschrieben: "Die dunkle Seite der Macht ...") Vier Stunden später postet er ein Musikvideo von "Seal" ("Crazy") und schreibt dazu:
widme ich jatzt auch dem lieben Wuschelkopf! hab dich lieb Jan Mirko!
Ende August soll Gerwald Claus-Brunner, was in der Boulevard-Presse ("Bild-Zeitung") genüsslich breit getreten worden ist (wozu aber der "Bildblog" sehr kritische Worte fand) ein Gerät bestellt haben, das im Geschlechtsleben manches Homosexuellen eine Rolle spielen mag, zudem aber in einer Größe, die sonst nicht hergestellt wird (Promiflash, 27.9.16):
Der Auftrag sollte so schnell wie möglich geliefert werden.
Man kann nur wenig konkrete Schlussfolgerungen aus dieser Angabe ziehen, jedenfalls muss man nicht zwangsläufig solche aus ihr ziehen, wie sie in der Boulevard-Presse nahegelegt werden. (Schließlich kann ein solches Gerät auch rein symbolischen Charakter haben.)

Donnerstag, den 15. September 2016


Über den Todestag von Jan Mirko L., Donnerstag, den 15. September 2016, wird berichtet (Stern, 30.10.2016):
Am Morgen des 15. September fuhr er zu der Flüchtlingsfamilie, passte auf die afghanischen Kinder auf. Mittags kehrte er zurück, aß mit Anne. "Er war gut drauf", sagte sie später. Gegen 14 Uhr ging L. erneut aus dem Haus, er wollte zu einem Freund, Tischtennis spielen. Anne W. blieb allein zurück, verließ die Wohnung gegen 17 Uhr. Die beiden hatten sich für den späteren Abend lose verabredet. Noch war nicht klar, wer bei wem übernachten würde.
Nachmittags war Gerwald Claus-Brunner an seinem Wahlkampfstand. Seine große Kiste benutzte er schlicht für den Transport der Materialien seines Wahlkampfstandes. Kurz nach 18 Uhr kaufte er in einem Kiosk ein (FAS, 25.9.16):
Drei Stunden später stand er vor der Wohnungstür seines Opfers. Ein Nachbar gab an, erst einen erstaunten Ruf gehört zu haben und dann einen dumpfen Knall. Laut Staatsanwaltschaft starb Jan Mirko L. an stumpfer Gewalt gegen den Oberkörper. (...) Zwei Stunden später trug Claus-Brunner die Leiche in jenem schwarzen Kasten aus dem Haus und transportierte sie auf der Sackkarre in seine elf Kilometer entfernte Wohnung. 
Fotos von der Wohnung von Jan Mirko L. zeigen nicht auf, dass in dieser irgendwelche körperlichen Auseinandersetzungen stattgefunden haben. Das Bett sieht schlicht so aus, als ob da gerade jemand aufgestanden sei. Weiter wird berichtet (Stern, 30.10.2016):
Spätabends las eine Piraten-Mitarbeiterin einen Tweet von Gerwald Claus auf Twitter. "Mein Herzmensch wurde heute in Berlin totgeschlagen." Wenig später war der Tweet gelöscht.
Hier spricht Gerwald Claus-Brunner in der dritten Person: "wurde erschlagen", also so, als ob er dabei gewesen wäre aber nicht der Täter selbst wäre. Gab es Zeugen, die beim Abtransport der Kiste durch das Treppenhaus eine zweite Menschenstimme hörten?

Freitag bis Sonntag, 16. bis 18. September 2016


Am Freitag, den 16. September 2016 veröffentlicht Gerwald Claus-Brunner die Twitter-Nachricht:
Echter Kacktag heute, übertrifft sämtliche schlechten Tage, die ich je erlebt hatte bisher. Hoffe, das Wochenende macht's besser. 
Dieser Nachricht ist die Erwartung des Weiterlebens zu entnehmen. Wenn er selbst nicht der Täter war, den Täter aber zugleich decken wollte, vielleicht musste, würde es womöglich Sinn machen, so zu schreiben. Außerdem wird berichtet (Berl. Ztg., 22.9.2016):
Am selben Tag soll er Bekannten gesagt haben, dass er sich in die Psychiatrie einweisen wolle.
Auch wenn er nur Mitwisser eines Mordes war, hätte er dazu natürlich Grund sehen können. Vielleicht hätte die Psychiatrie dann auch ein Schutz für ihn sein können. Am Nachmittag veröffentlichte er auf Twitter ein Foto von Jan Mirko L. in der S-Bahn und schrieb dazu:
Meine Liebe, mein Leben, für dich lieber Wuschelkopf, für immer und ewig!
Spätestens am Samstag, den 17. September 2016, können der Abschiedsbrief und das Abschiedspaket bei der Post aufgegeben worden sein. Am Sonntag, den 18. September 2016, fand die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin statt. Es wird berichtet (Berl. Ztg., 22.9.2016):
Am Sonntag, dem Wahltag, setzte Claus-Brunner mit einem Stromschlag seinem eigenen Leben ein Ende. 

Montag, den 19. September 2016: "Was er zusagt, hat er sehr ernst genommen" 

Die weiteren Ereignisse am Montag, den 19. September 2016 (Tagesspiegel, 21.9.16):
Am Montagvormittag soll laut dem Vorsitzenden der Berliner Piraten, Bruno Kramm, ein Abschiedsbrief Claus-Brunners in einem Parteibüro angekommen sein. Ein Mitarbeiter habe den Brief geöffnet und die Polizei benachrichtigt.
Und (Stern, 30.10.2016):
Am 19. September ging gegen Mittag ein Brief im Büro der Berliner Piratenpartei ein. "Wenn Ihr das hier lest, bin ich tot. Bitte informiert die Polizei und gebt ihr den Wohnungsschlüssel, den ich beigelegt habe." Die Feuerwehr öffnete die Tür zu Claus' Wohnung und fand die Leichen von Gerwald Claus und Jan Mirko L. Im Flur stand ein Müllsack mit Kabelbindern, mit denen das Opfer offenbar für den Transport im Koffer gefesselt wurde. Bei der Obduktion stellten die Gerichtsmediziner fest, dass Jan Mirko L. neun gebrochene Rippen hatte. Sie gehen davon aus, dass Gerwald Claus auf dem Brustkorb seines Opfers kniete, als er es erwürgte.
Über die ersten Reaktionen innerhalb der Piratenpartei wird berichtet (Tagesspiegel, 21.9.16):
Noch vor Bekanntwerden der Mordvorwürfe hatte sich Kramm betroffen geäußert. Er stehe in Kontakt mit Brunners Bruder in den USA, um ein mögliches öffentliches Begräbnis vorzubereiten. „Parteimitglieder aus ganz Deutschland haben mich kontaktiert, weil sie sich persönlich von Faxe verabschieden wollten“, sagte Kramm. „Faxe“ war der Spitzname Claus-Brunners. Bereits am Montagabend hatten Claus-Brunners alte Parteifreunde zu einer Trauerfeier vor seinem Bürgerbüro in Steglitz aufgerufen. „Obwohl wir die Einladung spontan verschickt haben, sind viele Menschen gekommen, haben getrauert und sich an die gemeinsame Zeit mit Faxe erinnert“, sagte Kramm.
Auf Twitter meldeten sich zahlreiche Menschen zu Wort, die Gerwald Claus-Brunner kannten. Eine "Natalie" @Mermaid_ip schrieb über Gerwald Claus-Brunner, der auf Twitter den Namen @RealDeuterium hatte (Twitter):
Auf dem BPT11 vertraute mir @RealDeuterium an, der politische Kampf sei das einzige, was ihn am Leben hält - das klang ernst. #Faxe 
2011 fanden zwei Bundesparteitage statt, am 14./15. Mai in Heidenheim an der Brenz und am 3./4. Dezember 2011 in Offenbach am Main. Letzterer schon nach dem Einzug der Berliner Piraten ins Abgeordnetenhaus. Womöglich hatte Gerwald Claus-Brunner also schon 2011 mit dem Leben abgeschlossen und wollte nur noch so viel als möglich politisch aus diesem herausholen. Ein Buck Rogers schrieb (Twitter):
@piratenberlin -- Faxe hatte es schwer, seine Auffassung gegen 14 MdA. Echte Freunde hatte er wenige. Wir haben echten Piraten verloren.
Jessica Miriam Zinn ‏@JeZ_Zc (Twitter):
Auf #Faxe konnte man sich immer verlassen. Was er zusagt, hat er immer gemacht und das sehr ernst genommen. Er hat gute Arbeit abgeliefert. So viele Aktionen von #Faxe haben mich erfreut, soviel wo er einfach angepackt hat, anstatt lang zu diskutieren. Soviel was wir so schätzten.

Mittwoch, 21. September 2016: Claus-Brunner war "eine sehr schwer geführte Persönlichkeit"


Am 21. September 2016 wird ein schriftliches Geständnis von Gerwald Claus-Brunner bekannt (Stern, 30.10.2016):
Zwei Tage später überließ ein Exfreund von Gerwald Claus der Polizei ein ungeöffnetes Päckchen, das der Abgeordnete ihm vor seinem Tod geschickt hatte. In dem Päckchen fand die Kripo ein paar Geldbündel, das Testament des Politikers - und sein Geständnis: "Ich habe am 15. September um ca. 22 Uhr Mirko im Affekt getötet. Ich kann ohne ihn nicht leben und folge ihm."
Diese Mitteilung liest sich, wenn man möchte, etwas merkwürdig. Warum soll in einem solchen Schreiben kurz bevor man sich selbst das Leben nimmt, noch eine so genaue Zeitangabe wie "um ca. 22 Uhr" wichtig sein? - - -

Kriminologe Prof. Lorenz Böllinger

Am selben 21. September 2016 veröffentlicht die "Welt" ein kurzes Interview mit dem Kriminologen Prof. Lorenz Böllinger. Er hat erstaunlich schnell eine Deutung parat. Und dabei gebraucht er, wenn man möchte, doch ein wenig auffällige Formulierungen. Er sagt (Welt, 21.9.2016):
Es muss sich hier um eine sehr schwer geführte Persönlichkeit handeln mit einer Spaltung zwischen dem Leben in der Öffentlichkeit als Politiker einerseits und einem Privatleben, in dem's ihm ging wie vielen anderen Menschen auch, dass es nämlich ganz gravierende Beziehungsschwierigkeiten gibt.
Es fällt einerseits auf, dass der Sprecher die Betonung auf das Wort "Spaltung" legt. Ein weniger stark belegtes Wort hätte das Wort "Doppelleben" sein können. Denn als Kriminologe sollte man doch von einer psychischen "Persönlichkeitsspaltung" nur dann reden, wenn von eben dieser Krankheit selbst die Rede ist oder sein kann. Schon in unserem ersten Blogartikel zur Gerwald Claus-Brunner hatten wir davon berichtet, dass ein Mitglied der Berliner Piraten-Fraktion von eben dieser Krankheit mit Bezug auf Gerwald Claus-Brunner sprach. Eine Krankheit im übrigen, an der zahlreiche Menschen leiden, die zugleich berichten, dass sie in freimaurerischen Zusammenhängen entstanden ist durch die Folter- und Gewaltpraktiken des rituellen Satanismus. Die ansonsten hier angesprochene Unterteilung zwischen Berufs- und Privatleben kennt jeder Mensch und es besteht bestimmt kein Anlass, für eine solche Trennung gleich den Begriff "Spaltung" zu verwenden. Im übrigen machen insbesondere die hier auf dem Blog schon zitierten Erinnerungen von "Lily" Gabelmann deutlich, dass es eine so strikte Trennung zwischen Berufs- und Privatleben - oder gar eine "Spaltung" zwischen beiden - im Leben von Gerwald Claus-Brunner gar nicht gegeben hat. Menschen, denen er vertraute und die Verständnis zeigten, teilte er sehr offen und ehrlich auch sehr private Einzelheiten aus seinem persönlichen Leben mit.

Nicht zuletzt deshalb ist weiterhin auch die Formulierung "sehr schwer geführte Persönlichkeit" ein wenig auffallend. Es mag wohl gemeint sein: ein "sehr schwer geführtes" "Doppelleben". Aber warum nennt es der Kriminologe dann nicht so? Bei einer Formulierung wie "sehr schwer geführte Persönlichkeit" hört man eigentlich zunächst etwas ganz anderes heraus. In der Regel werden nämlich Mitarbeiter und Vertrauensleute von Geheimdiensten - - - "geführt". Ebenso werden auch Logenangehörige "geführt" (durch "Nacht zum Licht"). Aber es mag in der Tat manche Angehörige solcher Dienste oder Logen geben, die es im Nachhinein bereuen, sich auf eine solche "Führung" eingelassen zu haben, und die dann in der Tat zu "sehr schwer geführten Persönlichkeiten" mutieren können. Man möchte meinen, das politische Wirken von Gerwald Claus-Brunner könnte mit solchen Worten - aus Sicht von organisierten Hintergrundmächten - sehr gut gekennzeichnet sein.

In dem Artikel zu dem Video heißt es (Welt, 21.9.2016):
Der Polizei gilt das Geständnis als Beweis dafür, dass es keine weiteren Mittäter gibt. (...) Wie die „Welt“ zudem aus Ermittlerkreisen erfuhr, hat der Piraten-Politiker Gerwald Claus-Brunner einem seiner Fraktionskollegen vor seinem Tod einen Brief geschrieben, in dem er die Tat komplett zugibt. Der Polizei gilt das Geständnis als Beweis dafür, dass es keine weiteren Mittäter gibt. Die Ermittlungen werden aufgrund des Briefes demnächst eingestellt werden. (...) Für weitere Tatbeteiligte soll es nach Informationen der „Welt“ bisher keine Anhaltspunkte geben.
Es ist hochgradig auffällig, wenn die Staatsanwaltschaft im Fall des Todes eines Politikers, der so viele Gegner in der Politik hatte und der mit so vielen brisanteren Fällen von Filz und Korruption befasst war in seinem politischen Leben nach 48 Stunden die polizeilichen Ermittlungen nach den Hintergründen des Todes dieses Politikers einstellen lässt. Das wundert auch manchen engeren Mitarbeiter von Gerwald Claus-Brunner und mutet ihnen komisch und merkwürdig an. Schließlich gäbe es doch gerade in einem solchen Fall noch allerhand zu ermitteln, bevor man wirklich Abschließendes sagen könnte.

Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Berlin, Oberstaatsanwalt Martin Steltner

Des weiteren gibt Oberstaatsanwalt Martin Steltner, der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Berlin, eine Erklärung ab. Hatte dieser sich nicht auch schon zum Fall Kirsten Heisig geäußert - - - ? Richtig, hier auf dem Blog waren wir mit ihm schon befasst (GA-j!, 22.11.2010). Nachdem man den damaligen Blogartikel über Kirsten Heisig gerade noch einmal gelesen hat, kommt man zu dem Ergebnis, dass man der Berliner Staatsanwaltschaft bei "Selbstmorden" von guten Leuten im politischen Leben Berlins gar nichts glauben sollte. Gar nichts. (Wie sieht es eigentlich aus mit den Hintergründen zu dem Hubschrauberabsturz jenes mit der Berliner Immobilienbranche beschäftigten Menschen, von dem vor einigen Jahren berichtet wurde? Auch in diesem Fall sicher keine neuen Ergebnisse bislang, wie man vermuten darf ...)

Am selben 21. September 2016 lehnte sich Stephan Urbach, bis 2013 prominenteres Mitglied der Piratenpartei, danach fröhlicherer Gesprächspartner von Karl-Theodor zu Guttenberg und Sibylle Berg (Wiki), recht weit aus dem Fenster, als er über Gerwald Claus-Brunner schrieb:
Schuld sind übrigens die, die ihn seit Jahren gedeckt haben und noch immer decken.
Also die Idealisten in der Piratenpartei, wenn man es recht versteht, die Aufrechten und Geradlinigen sind schuld, so meint er. In der Berliner Zeitung vom Folgetag steht (Berl. Ztg., 22.9.2016):
In der Pressestelle der Fraktion will der Sprecher am Mittwoch nichts sagen. Auch nicht auf die Frage, warum Gerwald Claus-Brunner eigentlich seit Jahren keinen regulären Sitz in einem Parlamentsausschuss mehr hatte. Es sei zu schwierig, darauf eine Antwort zu geben, dafür bitte er um Verständnis. (...) Es gibt Leute, die bezeichnen den Umgang der Fraktion mit Claus-Brunner als Mobbing. Doch ... (...) Im Parlament muss man taktisch sein, zu Kompromissen bereit. Und das war Gerwald Claus-Brunner nur selten. Anfangs lief es gut, er saß in dem Sonderausschuss, der die Rekommunalisierung der Wasserbetriebe begleitete, ein Kernthema der Piraten. Auch im Finanzausschuss hatte er einen Sitz. Aber es funktionierte nicht auf Dauer. „Hinter harmlosen Fragen witterte er Verschwörungen“, sagt ein Fraktionskollege. Immer wieder stimmte Claus-Brunner gegen die Fraktion. Vertreter anderer Parteien beschwerten sich über sein Verhalten. Schließlich beriefen die Piraten ihn ab. Was ihm blieb, war ein Vertreterposten im Petitionsausschuss. Dort engagierte er sich mit Herzblut. „Die Fraktionszugehörigkeit spielt im Petitionsausschuss keine Rolle, es geht immer um die Sache“, sagt die Grünen-Abgeordnete Anja Kofbinger. „Ich denke, das hat ihm sehr gefallen.“
Es war früh von den Piraten - vielleicht von Claus-Brunner selbst - der Gedanken ins Gespräch gebracht worden, ob sich die Abgeordneten überhaupt getrennt nach Fraktionen im Parlament hinsetzen müssten. Wie man finden kann, ein schöner Gedanke. Er wurde freilich abgeschmettert. Es würde ja viel zu "unübersichtlich", säßen die Politiker nicht "in Formation". Na klar! Und interessant auch, dass sich vor allem "Vertreter anderer Parteien" über sein Verhalten beschwerten. Dann muss er ja doch wohl gute Piraten-Politik gemacht haben, wenn sich Nichtpiraten über ihn beschweren - ? Was, es gab Piraten-Politiker im Abgeordnetenhaus, über die sich Vertreter anderer Parteien nicht beschwert haben? Was?!?!

Donnerstag, 22. September 2016: Der "korrupte, unehrliche Flügel der Piratenpartei"


Am 22. September 2016 schreibt Julia Schramm (geb. 1985), die inzwischen für die Amadeu Antonio-Stiftung arbeitet, und auf die viele Bürger deshalb so absolut gar nicht mehr zu sprechen sind, auf Facebook, worauf auch in "Die Welt" hingewiesen wurde:
In den Tagen nach der Wahl haben sich die Ereignisse bei den Piraten überschlagen. Nach der Wahlniederlage wurde bekannt, dass Claus Gerwald Brunner - Faxe - sich das Leben genommen hat. Schnell wurde eine Rede von ihm im Plenum öffentlich, wo er auf einen baldigen Tod anspielte. Diese Nachricht schockte mich und machte mich traurig. Faxe und ich waren nie Freunde, im Gegenteil, er beschimpfte mich gerne und regelmäßig, ich gehörte für ihn zum korrupten, unehrlichen Flügel, dem es nur um das eigene Wohl gehe. Ich habe die Partei irgendwann verlassen und sah Faxe seitdem auch nicht mehr. 
Aus diesem Anlass redet sie nun das Gesamtanliegen der Piratenpartei schlecht. Man möchte meinen, dass das kritisiert werden darf und dass eine solche undifferenzierte Sichtweise im Sinne jener Kräfte ist, denen eine echte Oppositionspartei niemals recht war und sein konnte:
Die Reaktionen der verbliebenen Mitglieder der Piratenpartei betrübten mich ebenso - wie eh und je übertrafen sie sich in Schuldzuweisungen und Bösartigkeiten, in Verschwörungstheorien und genereller Hyperaktivität. Als dann herauskam, dass es neben dem Suizid noch ein Verbrechen gegeben hat, dass Faxe ("wahrscheinlich") einen Menschen ermordet hat (die schaurigen Details entnehmt ihr bitte der Boulevardpresse) wurde mir klar, was die Piratenpartei und die damit verbundenen Dynamiken in den Sozialen Medien eigentlich für eine vollkommen irre Dimension haben und hatten. Mir wurde klar, dass dieser Wahnsinn, der sich Partei nannte, der aber vielleicht auch nur ein Phänomen des Zeitgeistes war, Menschenleben zerstörte und zerstört. Dass das alles kein Spiel ist, nie war und dass, im Namen politischer Differenzen, menschliche Tragödien nicht nur hingenommen wurden, sondern pathologisches Verhalten glorifiziert wurde, ignoriert, hingenommen wurde, dass zu Gunsten einer Harmonie und Parteiräson, die sowieso niemals real war, Menschen geschützt wurden, die schwer entrückt waren, die Hilfe gebraucht hätten, denen Hilfe angeboten wurde, die sie aber verweigerten, bis sie einem anderen Menschen das Leben nahmen.  Die Piratenpartei war eine krasse, eine lehrreiche Zeit, eine Zeit, die Menschen eine Plattform gegeben hat, die sonst vielleicht nie eine bekommen hätten. Sie war so groß wie die Abgründe tief waren. Wir können dankbar dafür sein, wenn wir lebend und gesund aus diesem Wahnsinn rausgekommen sind. RIP
Sie äußert sich ähnlich unkritisch zu den Todesfällen Claus-Brunner/Miro L. wie Alice Schwartzer sich unkritisch äußerte zu den Todesfällen Petra Kelly/Gert Bastian. Am gleichen Tag wird berichtet (Welt, 22.9.2016):
Wie Sprecher Martin Steltner sagte, hat Claus-Brunner ein Paket mit persönlichen Gegenständen und einem Brief an seinen früheren Lebensgefährten geschickt. In dem Schreiben habe der 44-Jährige die Tötung eines 29-Jährigen eingeräumt. Wie Steltner auf Anfrage sagte, gibt es keine Hinweise auf eine Tatbeteiligung anderer. Deshalb werde die Staatsanwaltschaft den Fall nicht weiterverfolgen. Und: „Gegen Tote wird nicht ermittelt.“ Das Paket sei bei dem früheren Lebensgefährten nicht angekommen und schließlich am Mittwoch der Polizei übergeben worden. - Details aus dem Brief unbekannt (Zwischenüberschrift) - Ob in dem Brief stand, wann und wie das Opfer starb, sagte der Sprecher nicht.
Und es wird noch über "weitere Todesopfer" gemutmaßt, sowie über weitere von Claus-Brunner angemietete Wohnungen und Räume in Berlin berichtet (Welt, 25.9.2016):
Die Piraten müssen sich nun schwere Vorwürfe gefallen lassen. "Schuld sind übrigens die, die ihn seit Jahren gedeckt haben und noch immer decken," twitterte der ehemalige Piratenpolitiker Stephan Urbach. In seinem Abschiedsbrief soll Claus-Brunner den Mord gestanden haben, der möglicherweise nicht der einzige war. Die Polizei will nicht ausschließen, dass es weitere Todesopfer geben könnte, denn nach Informationen der B.Z. sollte Claus-Brunner mehrere Wohnungen und Räume in Berlin angemietet haben, die nun von der Polizei durchsucht würden.
In dem Artikel zum Video steht:
Noch steht der Name des Täters an seinem alten Büro. „Das mussten wir so machen, aus rechtlichen Gründen“, erklärt ein Abgeordneter und betont: „Seit drei Jahren war der politisch nicht mehr in der Fraktion tätig.“ Die Berliner Piraten geben sich im Fall Claus-Brunner einsilbig, wollen nur noch ihre Sachen packen.
"Einsilbig", schon klar. Und es wird über die Piraten allgemein gesagt:
Politisch haben sie in den fünf Jahren wenig erreicht.
Das stimmt aber doch offensichtlich nicht. Zumindest die vom Berliner Wassertisch sehen das ganz anders und sie loben insbesondere einen dafür: Gerwald Claus-Brunner. - Merkwürdig!

Am 27. September 2016 stellt "Bildblog" fest über die Berichterstattung der Boulevardpresse fest (Bildblog, 27.9.16):
Wir haben heute noch einmal bei der Berliner Staatsanwaltschaft nachgefragt, und ihr Sprecher Martin Steltner hat uns bestätigt: Es gibt weiterhin keinen Nachweis dafür, dass der frühere Piraten-Politiker Gerwald Claus-Brunner den Mann, der tot in seiner Wohnung lag, vor dessen Tod sexuell missbraucht hat. An den bisherigen Erkenntnissen dürfte sich auch nichts mehr ändern: Da sich Claus-Brunner später selbst das Leben nahm und gegen Tote nicht ermittelt wird, sind die Ermittlungen inzwischen eingestellt.
Auch "Bildblog" benutzt die neutrale Formulierung "der tot in seiner Wohnung lag". Hört man hier auch eine Kritik durch an der unkritischen Haltung der Berliner Polizei und Staatsanwaltschaft gegenüber dem "Bekennerbrief"?

Vorläufig abschließende Überlegungen: Die resignative Haltung von Gerwald Claus-Brunner


Ein neuer Fall "Aktenzeichen XY ungelöst". Neben so vielen anderen Fällen. Allerdings darf eines gesagt werden: Der Mordfall Uwe Barschel wird inzwischen als gelöst gelten dürfen. Nur redet niemand darüber. Aber jeder kann ja Wikipedia und die dort genannte Literatur nachlesen (Wiki). Und er kann dort auch nachlesen, dass offizielle Versionen zu Todesfällen von Politikern gerne einmal sehr - - - "umstritten" sein können ... Sprich, schlichtweg erlogen sind.

Noch einige abschließende Überlegungen zu Gerwald Claus-Brunner. Es wird berichtet, dass er aus dem Kreis seiner Umgebung heraus dazu angeregt wurde, sich mehr auf die Hinterbeine zu stellen gegen seine Ausgrenzung aus der Fraktion, dass ihm dazu auch Unterstützung angeboten worden ist, dass Gerwald Claus-Brunner das aber wiederholt abgelehnt hat. Es wird hier ein gewisser Zug von Resignation erkennbar, den man ja auch sonst häufiger - etwa schon in den Jahren 2011 und 2012 - bei ihm heraus hört (etwa 2011: "der politische Kampf sei das einzige, was ihn am Leben hält - das klang ernst"). Einem Menschen, an dem in seiner Kindheit und Jugend versuchter Seelenmord begangen worden ist, wird man eine solche Haltung sicher nicht zum Vorwurf machen können.

Er hatte sich ein Stück weit auf die Hinterbeine gestellt - und das möglicherweise schon mehr als jeder andere heutige Abgeordnete in Deutschland (!). Und das auch mit einer gewissen Hartnäckigkeit, die manchem Bewunderung abnötigte. Und doch wollte er nicht weiter gehen, als er gegangen ist. Daran könnte sich die Überlegung anschließen: Kannte er so grob seine Spielräume? Und wusste er, dass er schon bei der bisherigen Art der Ausschöpfung seiner Spielräume für sich selbst nicht gerade lebensverlängernd tätig war? War ihm das angedeutet worden?

Eine wenig beantwortete Frage ist diejenige, warum so viele Politiker, wenn sie Morddrohungen oder -ankündigungen erhalten haben, mit diesen nicht sofort an die Öffentlichkeit gegangen sind, nicht die "Flucht an die Öffentlichkeit" angetreten haben. Von Alfred Herrhausen ist dieser Umstand bekannt, von Uwe Barschel und von vielen anderen mehr. Mitunter hat man das Gefühl, dass sie hier geradezu resignativ ein Spiel mitspielen. Und würde dies nicht auch aus dem Verhalten von Claus-Brunner herausklingen? Falls er Mordankündigungen erhalten haben sollte, hätte er ja sehr deutlich einen etwaigen Täterkreis gedeckt, wenn er gegenüber Parteimitgliedern von einer - offenbar gar nicht vorliegenden - unheilbaren Erbkrankheit sprach. Aber vollständig gedeckt auch wieder nicht, denn er sagte ja seinen Tod in seiner letzten Rede voraus. Aber auch hier wieder ganz ohne auf etwaige Täterkreise konkreter hinzuweisen. Ist das ein allgemeineres Muster in den Äußerungen von Claus-Brunner? Dass er wusste, was für ein Spiel gespielt wird, aber immer nur die Symptome ansprach, nicht die Wurzeln antastete? Im resignativen Tenor seiner Worte, die da lauteten:
Ja, mach mal weiter so! Könnt ihr gerne alles machen. Wer zuletzt lacht, lacht am besten.
Wobei er vielleicht meinte, dass diejenigen, die jetzt noch lachen, sich nach seinem Tod dafür würden rechtfertigen müssen dafür, dass er tot wäre und aufgrund welcher Umstände er in den Tod getrieben worden ist. Wobei er vielleicht noch nicht in Rechnung gestellt hatte, welche Version seines Selbstmordes der Öffentlichkeit dann präsentiert würde. Zugegeben, all das mag nach viel Spekulation klingen. Diese ist auch nur gerechtfertigt, wenn es Berechtigung gäbe, das Eingangszitat ernst zu nehmen, das da unter anderem lautete:
Sein inszenierter Tod ist als Zeichen zu sehen.


/Dieser Beitrag wurde am 26.1.2017 ergänzt 
um die zitierten Facebook-Einträge von G. C.-B./
_______________________________________________
  1. Küppers, Kirsten; Bergt, Svenja: Politik in Latzhosen - Pirat Gerwald Claus-Brunner sitzt seit Oktober im Berliner Parlament. In: TAZ, 5.5.2012, http://www.taz.de/!595043/ 
  2. Claus-Brunner, Gerwald: Antworf auf eine Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte. Abgeordnetenwatch, 2.9.2012, http://www.abgeordnetenwatch.de/gerwald_claus_brunner-652-47021.html#questions
  3. Geisler, Astrid: Berliner Piraten-Fraktion Lauer sehen statt hören Als in der Piratensitzung die Fetzen flogen, war Fraktionschef Lauer plötzlich stumm geschaltet. Nur eine „Tonpanne“, versichert die Landtagsfraktion. TAZ, 16.5.2013, http://www.taz.de/!5067294/
  4. Schwere Vorwürfe gegen Umarmerin Amma - Die indische Guru-Frau, die regelmässig in Winterthur auftritt, soll Mitarbeiter schlagen und ein Vermögen horten. Das Buch einer Ex-Mitarbeiterin hat es in sich. Tagesanzeiger, 03.02.2014, http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Schwere-Vorwuerfe-gegen-Umarmerin-Amma/story/27141074
  5. Franzen, Sigrun: Stellungnahme zum Parteiordnungsverfahren, das im September 2013 von dem wissenschaftlichen Mitarbeiter der Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Dr. Benedict Ugarte Chacón gegen Sigrun Franzen in die Wege geleitet wurde. Vor Oktober 2014. Auf: Sigrun-Franzen.de, http://sigrun-franzen.de/gegenstand-des-ordnungsverfahrens/, http://sigrun-franzen.de/hintergrund/, http://sigrun-franzen.de/fazit/, http://sigrun-franzen.de/
  6. Schneider, Johannes: Sie hatten die Pest an Bord - Fünf Jahre Piraten im Abgeordnetenhaus. In: Tagesspiegel, 5.6.2016 [wohl falsch datiert, womöglich: 5.7.2016], http://digitalpresent.tagesspiegel.de/sie-hatten-die-pest-an-bord
  7. Gerwald Claus-Brunner - Piraten-Politiker tot aufgefunden. In: Handelsblatt, 19. September 2016, http://www.wiwo.de/politik/deutschland/gerwald-claus-brunner-piraten-politiker-tot-aufgefunden/14570578.html 
  8. Rebel, Wolfgang (vermutlich): Gerwald Claus-Brunner ist gestorben. Statt eines Nachrufes. Auf: Berliner Wassertisch - Wasser gehört in BürgerInnenhand, Berlin, 19.09.2016, http://berliner-wassertisch.info/statt-eines-nachrufs_gerwald_claus-brunner/
  9. Ute Elisabeth 'Lily' Gabelmann (Stadträtin für die Piraten in Leipzig): Seasons in the Sun (Ein persönlicher Nachruf), 19. September 2016, http://stadtraetin.piraten-leipzig.de/2016/09/19/seasons-in-the-sun-ein-persoenlicher-nachruf/, http://stadtraetin.piraten-leipzig.de/2016/09/21/programming-note/
  10. Jochen Schmidberger (Ulm): Faxe. 19. September 2016, https://piratlaser.wordpress.com/2016/09/19/faxe/
  11. Lange, Simon: Ciao Faxe! Auf: Simons Blog, 19. September 2016, http://simonlange.eu/2016/09/19/ciao-faxe/, http://simonlange.eu/2016/10/23/bribbelbrabbel/
  12. Behrendt, Michael: Gerwald Claus-Brunner gestand Tat in Brief an Fraktionskollegen. Welt, 21.9.2016, https://www.welt.de/politik/deutschland/article158297779/Gerwald-Claus-Brunner-gestand-Tat-in-Brief-an-Fraktionskollegen.html
  13. Joseph Hausner: Gerwald Claus-Brunner - Die dunklen Abgründe im Leben des Piraten-Politikers. In: Focus, 21.09.2016, http://www.focus.de/politik/deutschland/gerwald-claus-brunner-die-dunklen-abgruende-im-leben-des-piraten-politikers_id_5969822.html 
  14. Kneist, Sigrid; Beikler, Sabine; Hackenbruch, Felix: Ermittler - Opfer wurde wohl in Wedding getötet. In: Tagesspiegel, 21.9.2016, 13.45 Uhr, http://www.tagesspiegel.de/berlin/tod-von-piraten-politiker-gerwald-claus-brunner-ermittler-opfer-wurde-wohl-in-wedding-getoetet/14576296.html
  15. Rebel, Wolfgang (vermutlich): Offener Brief an den Tagesspiegel zur Berichterstattung im Fall Gerwald Claus-Brunner. Auf: Berliner Wassertisch, 22. September 2016, http://berliner-wassertisch.info/offener_brief_tagesspiegel_berichterstattung_claus-brunner/
  16. Andreas Kopietz, Frederik Bombosch: Gerwald Claus-Brunner - Die Anatomie eines Verbrechens. Berliner Zeitung, 22.09.16, 09:02 Uhr, http://www.berliner-zeitung.de/berlin/gerwald-claus-brunner-die-anatomie-eines-verbrechens-24783208
  17. Brunner verschickte Paket – Überraschung bei Obduktion. Welt, 22.9.2016, https://www.welt.de/vermischtes/article158314172/Brunner-verschickte-Paket-Ueberraschung-bei-Obduktion.html
  18. Michael Behrendt, Jan Lindenau: Gerwald Claus-Brunner, Menschenfreund und Mörder. Die Welt, 25.09.2016, https://www.welt.de/politik/deutschland/article158356014/Gerwald-Claus-Brunner-Menschenfreund-und-Moerder.html
  19. Rosenfelder, Lydia: Dann wurde „Pirat“ Claus-Brunner zum Mörder. FAS, 25.09.2016, http://www.faz.net/aktuell/politik/neue-details-zum-fall-claus-brunner-14451487.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
  20. Seine unheimlichen Vorlieben und Kontakte. Die Internet-Sex-Welt des Killer-Piraten. In: Bild, 25.9.2016, http://www.bild.de/bild-plus/news/inland/gerwald-claus-brunner/die-internet-sex-welt-des-killer-piraten-47993808,view=conversionToLogin.bild.html
  21. Kerstin Herrnkind, Dominik Stawski: Interview mit Claus-Brunner-Bruder: „Alarmsignale ziehen sich wie ein roter Faden durch Gerwalds Leben“. Stern 40/2016, 26. September 2016, online 30. September, abgerufen am 2. Oktober 2016, http://www.stern.de/panorama/gesellschaft/claus-brunner-bruder---alarmsignale-ziehen-sich-wie-ein-roter-faden-durch-gerwalds-leben--7079216.html (Online am 26. September: http://www.stern.de/panorama/gesellschaft/gerwald-claus-brunner--bruder-spricht-ueber-ihre-traumatische-nazi-kindheit-7077472.html)
  22. Juliane R.: Piraten-Politiker - Absurde Sextoy-Bestellung vor seinem Tod. Promiflash, 27. September 2016, https://www.promiflash.de/news/2016/09/27/absurde-sextoys-das-bestellte-claus-brunner-vor-seinem-tod.html
  23. Tschermak, Moritz: „Bild“ wühlt in Gerwald Claus-Brunners In­tim­sphä­re. Auf: Bildblog, 27.9.2016, http://www.bildblog.de/82218/bild-wuehlt-in-gerwald-claus-brunners-intimsphaere/
  24. kosmo168: Die Piratenpartei – Wolfszeit für die Piraten – Teil 1. Auf: Caro im Chaos ~ Die verborgenen Geschichten hinter den Schlagzeilen. 4.10.2016, https://caroimchaos.wordpress.com/2016/10/04/die-piratenpartei-wolfszeit-fuer-die-piraten-teil-1/
  25. Herrnkind, Kerstin: Gerwald Claus-Brunner Terror bis in den Tod. Stern, 30.10.2016, http://www.stern.de/panorama/gesellschaft/gerwald-claus-brunner--terror-bis-in-den-tod-7121912.html
  26. Kompa, Markus: Halloween: Politgruselclown vs. Killerpirat. 31.10.2016, http://www.kanzleikompa.de/2016/10/31/halloween-politgruselclown-vs-killerpirat/

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