Montag, 13. Dezember 2010

"Die Frauenarbeit im Hause" - sie ist allen egal, seit 1905

Zufallsfund im Netz (1) des heutigen Tages (aus: 2):
Der Gedanke, den nationalökonomischen Wert der häuslichen Frauenarbeit abzuschätzen, zu prüfen, ob die Frauen für die Erfüllung so zahlreicher Pflichten das gebührende Aequivalent an Geld, an bürgerlichen und politischen Rechten, an sozialer Wertschätzung erhalten, dieser Gedanke ist den Nationalökonomen nur selten gekommen. Haben sie mit Absicht dieses Kapitel der Wirtschaftslehre außer Acht, außerhalb ihrer scharfsinnigen Analysen, ihrer eindringenden Forschung gelassen? Verdiente dieser Gegenstand die Aufmerksamkeit des Mannes nicht?
Oder hat man gefühlt, daß hier eine Gefahr vorlag, eine Mine, die springen und das Gebäude der "Männerwelt" zum Sturze bringen konnte? Hat man gefürchtet, durch eingehendes Studium der Frauenarbeit im Hause zu einer Umwertung bestehender Werte, zur wissenschaftlichen Anerkennung unbequemer Forderungen gezwungen zu werden?
- Es mutet einem wie totaler Wahnsinn an, daß eine so ganz und gar banale und selbstverständliche, sich von selbst verstehende Forderung der Frauenbewegung noch hundert Jahre später auch nicht ansatzweise Erfüllung gefunden hat, auch nicht ansatzweise ihrer tatsächlichen Bedeutung gemäß öffentlich erörtert worden ist. Ja, daß sie geradezu tabuisiert wird. Die Autorin des eben gebrachten Zitates (siehe auch Foto rechts) ist schon 1930 gestorben.  Also vor achzig Jahren.

Wahnsinn. Totaler Wahnsinn. Und da wundert man sich - mit oder ohne Sarrazin - warum moderne arbeitsteilige Gesellschaften der Nordhalbkugel seit Jahrzehnten viel zu wenig Kinder auf die Welt bringen? In so krass existenzgefährdender Weise?

Wir selbst haben vor drei Jahren eine Annäherung an diese Fragen versucht, entlang der Forschungsliteratur unserer Zeit zu dieser Thematik (3).

________________________
1. Schröder, Hiltrud: Käthe Schirmacher. Auf: Fembio.org
2. Schirmacher, Käthe (1905): Die Frauenarbeit im Hause. Ihre ökonomische, rechtliche und sociale Wertung. Leipzig. Dietrich (Rechtsfragen, 3) 1905, S. 3
3. Bading, Ingo: Warum Erziehungsgehalt? In 7 Teilen. Auf: Studium generale, Mai und Juni 2007

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Darüber habe ich auch schon öfter nachgedacht - aber ich bin zu dem Schluss gekommen, dass eine solche Bezahlung auch leider sehr leicht missbraucht werden kann - zu Missbrauch führen könnte.
Wie will man denn eine wirklich "wertvolle" - dh. sich verantwortungsbewußt und ehrlich voll einsetzende Mutter von anderen "Raben-müttern" unterscheiden (ohne drei Tage durchgehende Überwachung)??
-Sonst würden evt. nur noch mehr gewissenlose Frauen Mütter, die sich nur des zusätzlichen Geldes wegen schwängern lassen?!
Ich (alleinerziehend) selber würde dies (leider) nicht empfehlen. Ich hatte nämlich gerade kürzlich selber diese Idee entwickelt und (aus obigen Gründen) verworfen.
Ich würde da eher schon in der Schulzeit ein Unterrichtsfach empfehlen über die Wichtigkeit der frühkindlichen Geborgenheit und alle fördernden Einflüsse, die eine junge Mutter (und auch Väter) auf die Entwicklung nehmen kann. -Wie z.B. an meiner Schule ein Dokumentations-Film über die Folgen des Rauchens auf die Durchblutung und Gesundheit des Babies, der mich für alle Zeiten vom Rauchen abgehalten hat.
Solche Dinge sollten die jungen Mädchen schon wissen, bevor Rauch/oder Alkohol angeboten wird. Alkohol schädigt nachweislich die Gene (besonders fürs Gehirn), die weitergegeben werden, bis in spätere Generationen noch!

Hier
http://www.mittwochaktuell.de/beitraege/113-Zukunftsorientierte-Bildung-f-r-Sozialstaat
wurde letztens gerade ein ganz ähnliches Problem in einer Zeitung anzusprechen versucht...

Ingo Bading hat gesagt…

Mein Gegenargument wäre zunächst, daß es in JEDEM Beruf gute und schlechte Leute gibt, und daß in JEDEM Beruf Strategien entwickelt werden müssen, um Qualitätsicherung der Arbeit zu gewährleisten. (Fast jedes größere Unternehmen hat heute Qualitätsmanagement-Beauftragte.) Derartiges muß natürlich dann auch für Eltern eingeführt werden, wobei natürlich die Qualität hier schon allein dadurch sehr gesteigert werden kann, daß in der Gesellschaft und in der Schule überhaupt viel über Kinder und Kinderaufziehen geredet wird, daß es demgegenüber eine ganz andere Stimmung gibt und überall darüber aufgeklärt wird, etc. pp., so wie Sie ja auch schon ganz richtig sagen.

Auch sollte das Verstehen der Menschen insgesamt untereinander durch eine mitmenschlichere, gemütvolle Kultur stärker gefördert werden, so daß man sich mit den Nachbarn und innerhalb der Verwandtschaft wenigstens so gut versteht, daß auch von dorther viel gegenseitige "Kontrolle" gewährleistet ist. In Ego-Gesellschaften, wo jeder nur "sein Ding" macht, ist auf dem Gebiet der Familie Qualitätsmanagment sehr, sehr, sehr kompliziert und kann schnell inhuman werden.

Aber was ist in Ego-Gesellschaften wie der unseren eigentlich NICHT inhuman ...

Anonymous Remailer (austria) hat gesagt…

Kinder sind keine Zukunft, da diese nicht sein muss

Sehr geehrter Herr Bading,

da im Grunde genommen niemand das Recht hat, Kinder in die
Welt zu setzen -- zumal eine, in der der Freitod nach wie
vor tabuisiert und nicht legalisiert ist --, ist die einzig
rationale und h u m a n e Position die des Antinatalismus.

Siehe dazu das wohl wichtigste Buch der letzten 10 Jahre:
David Benatar: Better Never To Have Been: The Harm Of Coming
Into Existence:
http://www.amazon.de/Better-Never-Have-Been-Existence/dp/0199549265/

Interessanter Blog zum Thema:
http://theviewfromhell.blogspot.com

Die Frage ist eher: warum soll eine Zukunft sein? Wer hat das
Recht, anderen, das Leben aufzubürden, nur weil jene meinen,
es müße eine Zukunft sein? Es ist eine Anmaßung sondergleichen.
Und wer des Lebens Müde ist, der darf nicht einmal auf ein
humanes Sterben hoffen sondern.

Es bleibt dabei: eine Zukunft muß nicht sein. Wo keine Menschen
sind, da ist auch niemand, der dies bedauern könnte. Der Grund,
weshalb man lebt, ist eine tumbe Triebmechanik, die bejaht wurde,
das ist alles.

Mit freundlichen Grüßen

Ein Antinatalist

Ingo Bading hat gesagt…

Hallo lieber österreichischer "Antinatalist",

ich stelle Ihre anonyme Email-Zuschrift - als Antwort vor allem auf unsere Verweis-Rubrik "Kinder sind Zukunft" am Blogrand - einmal hier als Blogkommentar ein, um darauf öffentlich antworten zu können.

Denn Ihre Zuschrift ist einigermaßen erheiternd und fröhlich stimmend, bzw. irgendwie "interessant" genug, um sich mit ihr zu beschäftigen, obwohl Sie ganz unnötigerweise, wie ich finde, die Anonymität bevorzugen. (- Warum?)

Mit den Satanismus-kritischen Beiträgen hier auf dem Blog scheint man ja eine ganz neue Art von Leserschaft anzuziehen (oder ist es die alte, also gehören Sie zu jenen "Anonymen", die auch schon auf unsere Jesuiten-kritische Beiträge anonym anworteten?).

Nun also jedenfalls "The View from Hell", die für Abtreibung, Freitod und "humanes Sterben" eintritt.

Was "humanes Sterben" betrifft, werden Sie bei mir wohl einigermaßen offene Türen einrennen. Obwohl es mehr Zeit bedürfte, um hier seinen eigenen Standpunkt einigermaßen "wasserdicht" zu formulieren, das heißt so, daß er nicht mißdeutet werden kann. (Vielleicht stimme ich hier in vielen mit meinem Wissenschaftsblogger-Kollegen Edgar Dahl zusamen.)

Die erste und naheliegendste Frage aber ist ja eigentlich zunächst: Warum schreiben Sie mir Emails anstatt daß Sie nicht selbst schon längst den Freitod gewählt haben? Was hält Sie davon ab?

Wollen Sie etwa andere "mit hineinziehen"? Warum? Ist doch eh "alles egal ..." - ?

Oder fühlen Sie sich wie gewisse Sektenführer? Oder wollen Sie hier gar "gesellschaftliche Selbstmordprogramme" in etwas anders gelagerter Argumentation propagieren? (Gesellschaftliche Selbstmordprogramme waren Thema einiger der letzten Blogbeiträge, wie Sie vielleicht gelesen haben.)

So und nicht anders hören sich Ihre Gedanken jedenfalls an.

Aber vielleicht überlegen Sie es sich auch selbst noch vorher einmal ein bischen? Sterben ist irgendwie doch einigermaßen etwas Endgültiges, Irreversibles.

"Lebensmüde" gibt es übrigens viel zu viele in unserer Gesellschaft. Und da wir viele Ursachen dafür benennen können, ist das schon ein Fingerzeig darauf, wie man Ihre Frage eigentlich allein beantworten kann.

Wer wäre nicht selbst schon an viel zu vielen Punkten in seinem Leben zu dem Schluß gekommen, daß tot zu sein viel besser sein könnte als zu leben?

Meine Blogarbeit ergibt sich auch daraus, daß man immer wieder einmal einen solchen "toten Punkt" überwindet und zu der Bewertung kommt, daß es auch ziemlich verantwortungslos sein könnte, sich einfach so "davon zu schleichen". So wie man selbst gerne sich von anderen Lebensmut zusprechen läßt, so möchte man auch anderen Lebensmut zusprechen.

Im Grunde sind alle Blogbeiträge und die ganze Blogarbeit der Versuch, eine angemessene Antwort auf Ihre Fragen zu finden, die natürlich im letzten Sinne schon ihre Berechtigung haben.

Es ist eben die Frage, ob Leben einen Sinn hat oder nicht. Ich glaube sehr wohl, daß Leben einen Sinn hat, und daß nur etwas völlig sinnlos und sinnleer ist, nämlich: "The View from Hell".

Ich würde es durchaus begrüßen, wenn auch andere Leser zu diesem Thema ihre Gedanken einigermaßen ähnlich durchdacht äußern würden wie Sie.

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