Sonntag, 6. März 2016

Beseelungswissen (I) - Gerhard Roth - "Wie das Gehirn die Seele macht"

Seinen Mitmenschen kann man immer gerne das neue Buch von Gerhard Roth empfehlen "Wie das Gehirn die Seele macht". So auch schon mehrmals hier auf dem Blog. Warum? Weil in diesem Buch ein führender deutscher Hirn- und Neuroforscher ganz ungezwungen und unkompliziert den Begriff "Seele" in die exakte Naturwissenschaft hineinbringt, bzw. aus dieser heraus mit diesem Begriff Seele ganz unkompliziert und selbstverständlich umgeht.

Die Verwendung des Begriffes Seele ist von Gerhard Roth - sozusagen - als eine Art Kampfansage gemeint in Richtung der letzten Bastionen der Freud'schen Psychoanalyse und aller Verhaltenstherapeuten, die heute immer noch das "Seelische" nicht hervorgerufen durch physiologische Gehirntätigkeit begreifen wollen, sondern in irgendeiner verschwurbelten Weise als eine "Parallelerscheinung" von Gehirntätigkeit.

Roth sagt in der Einleitung von "Wie das Gehirn die Seele macht", dass dieser "psychophysische Parallelismus" vor zehn Jahren, zur Zeit des damals Schlagzeilen machenden "Manifests der Hirnforscher" zur Not noch als letzte Rückzugsbastion hatte aufrecht erhalten werden können, dass aber die Forschungsfortschritte der letzten zehn Jahre auch dieser letzten Rückzugsbastion den Garaus gemacht haben. Und deshalb proklamiert er jetzt so herausfordernd und kühn, dass die Hirnforscher jetzt tatsächlich erklären könnten, "wie das Gehirn die Seele macht". Die Erkenntnisbasis für dieses Postulat ist nach Gerhard Roth hierfür inzwischen breit genug und er versucht, sie in seinem Buch darzustellen.

Es geht ihm also gar nicht etwa darum, den Seelen-Begriff überhaupt in die psychische Forschung einzuführen. Er war darin ja nie verschwunden. Sondern es geht ihm um das kühne Postulat, Seelisches auf der höchsten denkbaren Ebene vollständig naturwissenschaftlich beschreiben zu können. Dies und nichts anderes will er sowohl naturwissenschaftlich wie immer noch rein geisteswissenschaftlich orientierten Psychologen und Therapeuten, sowie der interessierten Öffentlichkeit bewusst machen. Und hierfür stellt er in seinem Buch ganz jenseits gar zu vieler rein theoretischer oder gar philosophischer Erörterungen einfach sehr breit den aktuellen Forschungsstand von der tiefsten Grundlagenforschung bis hin zur konkretesten Anwendung im Einzelfall dar.

Denn so werden heute auch zutiefst philosophische Bücher geschrieben: indem einfach auf der Grundlage umfangreichster Forschungsliteratur der aktuelle Forschungsstand dargestellt wird.

Man muß dazu aber sagen, daß es sich bei diesem Buch - abgesehen von Einleitung und Schlussteil - um zum Teil recht zäh zu lesende typisch naturwissenschaftliche Ausführungen handelt. Es ist deshalb auch ein Buch, das über weite Strecken recht "trocken" herüberkommen kann. 

Nun haben wir uns hier auf dem Blog überlegt, man sollte zur Heranführung lieber auf jenen gleichnamigen Videovortrag verweisen, über den man auch selbst erst auf dieses Buch und seine Thematik aufmerksam geworden ist. Dieser Vortrag dauert eine Stunde und enthält inhaltlich wohl die wesentlichen Aussagen des Buches. Und zwar zum Teil sogar prägnanter und deutlicher auf den Punkt gebracht als im Buch selbst. Deshalb reicht es sicher, zunächst sich einfach diesen Vortrag anzuhören. Man verschwendet dabei keinesfalls seine Zeit.

Auch Herr Roth ist nun auf den ersten Blick nicht gerade der lebhafteste Vortragende oder gar eine Identifikationsfigur, mit der man sich besonders leicht emotional identifizieren kann. Sehr ruhig und auch emotional zurück genommen spricht er. Aber das mag eben auch eine Stärke sein. Von Gerhard Roth gibt es mehrere Vorträge im Internet, offenbar auch denselben Vortrag bei einer anderen Gelegenheit gehalten (Yt). Man mag immer jene Stellen in seinem Vortrag am "lebendigsten" empfinden, in denen er Beispiele aus seiner eigenen Familie bringt. Wobei man ihn dann auch als einen Menschen kennen lernt, der in familiäre Zusammenhänge eingebunden ist und aus diesen heraus argumentiert. Und das ist ja auch einer der wesentlichste Aussagen seines Vortrages: Nämlich dass gelingende soziale Beziehungen schon die wesentlichste Grundlage bilden für eine gesunde seelische Entwicklung des Menschen.

Gelingende soziale Beziehungen - die Hauptgrundlage für Seele

Was ist die Leistung von Gerhard Roth? Die Hirnforschung hat in den letzten Jahrzehnten eine Fülle von Detail-Erkenntnissen hervorgebracht. Und es ist nicht einfach, aus diesen vielen - zum Teil auch widersprüchlichen - Detail-Erkenntnissen nun ein zusammenhängendes Bild des Funktionierens unseres Gehirns zu erarbeiten. Und genau daran arbeitet Roth. Nämlich die vielen Detail-Erkenntnisse auf gemeinsame Nenner zu bringen, in ein Gesamtbild vom Funktionieren unserer Seele zu bringen. Und bei der Erarbeitung dieser Thematik kommt er eben darauf, den Begriff Seele wieder ganz selbstverständlich zu benutzen. Ein Umstand, der sicherlich nicht selbstverständlich ist, sondern eben ein Ausfluß ist des Erkenntnisstandes der modernsten naturwissenschaftlichen Hirnforschung.*)

Bemerkenswert ist auch, daß Gerhard Roth, wie erwähnt, einen Vortrag mit demselben Titel schon vor mehr als zehn Jahren auf den angesehenen Lindauer Psychotherapie-Wochen gehalten hat. In dem Zusammenhang sagt er im Videovortrag:

Der Titel stammt nicht von mir, sondern von einem bekannten Psychiater.
Im Vorwort seines Buches sagt er über die Zeit irgendwann nach 1997 genauer (1, S. 10):
Ein besonderes Ereignis war die Einladung an Gerhard Roth, als erster Neurobiologe auf den angesehenen Lindauer Psychotherapiewochen einen Vortrag zu halten, der dann den Titel trug "Wie das Gehirn die Seele macht". Dieser Titel stammte von Manfred Cierpka, und wir haben ihn auch für das vorliegende Buch gewählt.
Im Videovortrag weiter:
Aber so einen Titel, den hätte man vor 50 oder 100 Jahren so nicht anbieten können. Das ist aber, wenn man es geistesgeschichtlich sieht, ein bisschen unverständlich. Denn wenn man ganz weit zurück geht, meint Seele ursprünglich Lebensprinzip. Odem, Pneuma, Ruach im Hebräischen. Ein Stoff, der das ganze Universum ausfüllt - Äther würde man heute sagen - den die Lebewesen einatmen, und der sie lebendig macht.
Der hier erwähnte Begriff im Hebräischen lautet Ruach (Wiki). Roth knüpft dann an Platon und Aristoteles an und sagt, daß auch noch die moderne Physiologie gewissermaßen - wie jene damals - von vegetativer, animalischer und rationaler Seele spricht oder sprechen kann. Die letztere ist - nach Aristoteles und Platon - unsterblich. Roth:
Diese Unsterblichkeit der Seele stammt also gar nicht aus dem Judentum oder Christentum, sondern aus der Antike.

An dieser Stelle sei der Gedanke eingefügt: Es ist unwahrscheinlich begeisternd, solche wesentlichen Gedanken von einem führenden Hirnforscher weltweit zu hören. Denn wie viel Quatsch in modernen Diskussionen sinkt allein mit diesen schlichten Ausführungen in den Orkus allen Geistes-Blödsinns. Als müßten wir etwa den Gedanken der Unsterblichkeit der Seele ablehnen, nur weil wir die mosaischen Religionen ablehnen. Solche Dinge sollen uns ja dauernd - seit Jahrzehnten - eingeredet werden. Er ist aber schlicht Quatsch. Der Gedanke der Unsterblichkeit der Seele ist eine Tradition der klassischen abendländischen Philosophie. Punkt. 

Die Unsterblichkeit der Seele - Sie stammt aus der Antike, nicht aus Juden- oder Christentum

Und: Begeisternd:

Und so ist auch die heutige Konnotation Seele direkt verbunden mit der Vorstellung, Seele ist etwas, was irgendwie uns belebt, aber auch unsterblich ist. Aber seit dem Altertum gab es ein Lager, das sagte, die Seele ist sterblich, sie stirbt mit dem Menschen. Und es gibt ein großes Lager, das sagt, die Seele ist etwas Unsterbliches. Und beide Lager haben sich bis heute nicht einigen können.
Sein Buch und so viele seiner Ausführungen können einem einfach wichtig sein, weil sie alle zusammen genommen den Stand der Diskussion heute zwischen Anhängern der Hirnforschung, der Psychotherapie, der Freudschen Psychoanalyse und vieler weiterer "Seelenärzte" markieren. Psychotherapeuten nämlich sind Seelenärzte, sagt Gerhard Roth an einer Stelle. Im Buch selbst findet man die spannendsten und allgemeinsten Ausführungen vielleicht erst im letzten Kapitel, in der Zusammenfassung, wo es heißt (1, S. 370, Hervorhebung nicht im Original):
In diesem Buch haben wir mit "Seele" die Gesamtheit der Vorgänge bezeichnet, die sich in unserem bewußten, vorbewußt-intuitiven und unbewußten Fühlen, Denken und Wollen ausdrücken. Hierfür gibt es im Deutschen kein besseres Wort, auch wenn "Geist" und "Psyche" wesentliche Teile davon abdecken. Die religiösen Vorstellungen von "Seele", etwa Unsterblichkeit oder göttliche Abkunft, haben wir bewußt nicht berührt. Die in unserem Sinne definierte Seele ist nach aller verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnis untrennbar an Hirnfunktion gebunden. Ihre Eigenschaften und Leistungen formen sich mit der Entwicklung des Gehirns, und mit dem Tod des Gehirns enden diese "Seelenvermögen". Wenn man also nach einer möglichen Unsterblichkeit der Seele fragt, so muß sich dies auf gänzlich andere Zustände und Eigenschaften beziehen, als diejenigen, die einer wissenschaftlichen Behandlung zugänglich sind.
Hier klingt bei Gerhard Roth offenbar mehr Pessimismus durch als bei dem Mainzer Philosophen Thomas Metzinger, der sich diesbezüglich schon eher in der Nähe der Einschätzung des deutschen Theologen und Philosophen Schleiermachers bewegt, und an dessen Einigungsvorschlag zu den beiden oben von Roth vorgetragenen Meinungen zur Frage der Unsterblichkeit der Seele, als Schleiermacher nämlich sagte:
Mitten in der Endlichkeit eins zu sein mit dem Unendlichen und darin ewig zu sein in jedem Augenblick - das ist Unsterblichkeit.

Dies ist übrigens auch der Begriff der Unsterblichkeit der Seele bei der deutschen Philosophin und Evolutionären Psychologin Mathilde Ludendorff. Und wer möchte auch bestreiten, daß ein solcher, hier genannter Seelenzustand etwa in der Liebe erreicht werden kann? In der Liebe zweier seelisch und körperlich starker Menschen?

Abb. 1: Stephan Abel Sinding (1846-1922) - Ein Mann und eine Frau

Übrigens hat sich der Bischof Franz Kamphaus (geb. 1932) (Wiki) von Limburg (der Vorgänger seines unseligen Nachfolgers) unter anderem auch in diesem Sinne zum Begriff Unsterblichkeit ausgesprochen. Auch diesen Gedanken spricht man - von christlicher Seite - gerne einmal an, läßt ihn dann aber weiter für sich im geistigen Raum stehen, ohne daraus weitere, größere Schlussfolgerungen zu ziehen.

Wer möchte bestreiten, daß etwa Ludwig van Beethoven über solche Seelenzustände gesprochen hat? (Und natürlich aus solchen heraus komponiert hat?) Also müssen solche Seelenzustände auch der wissenschaftlichen Forschung zugänglich sein. Und da gibt es ja auch schon viele Ansätze, die einmal zusammen fassend zusammen getragen werden sollten. Die amerikanische Anthropologin Barbara King spricht etwa aus ihren Erfahrungen der Primaten-Verhaltensforschung heraus von dem Seelenzustand des "belonging", des "Sich zugehörig Fühlens zu" ... einem anderen Menschen, ... einer Familie, ... einer menschlichen Gemeinschaft, ... einer Kultur. Dieser könnte eine evolutionäre Wurzel sein für religiöse, bzw. höherwertige seelische Erfahrung des Menschen, auch für - so möchte man einschieben: Sloterdijk'sche "Vertikalspannung". Auch der Autor Dean Hamer macht in seinem Buch "Das Gottes-Gen" zu solchen Fragen wertvolle Ausführungen. 

Roth jedenfalls gibt dann eine Zusammenfassung der Aussagen seines Buches (1, S. 370, Hervorhebungen nicht im Original):

Wie im ersten Kapitel gezeigt, war die Einengung des Seelenbegriffs von einem Lebensprinzip, anima, Spiritus oder Odem genannt, auf empirisch erfaßbare perzeptive, emotionale und kognitive Vorgänge ein Prozeß der Philosophie- und Wissenschaftsgeschichte, der sich über zweieinhalb Jahrtausende hinzog, und ebenso lange dauerte die Suche nach dem "Sitz" dieser Vorgänge. (...)
Das Seelische findet seinen spezifischen Ausdruck in unserer Persönlichkeit, und deshalb waren weite Teile dieses Buches der Darstellung der verschiedenen Ebenen des Gehirns gewidmet, auf denen sich diese Persönlichkeit entwickelt: der unteren, mittleren und oberen limbischen sowie der kognitiv-sprachlichen Ebene. Hierbei ist die untere limbische Ebene, zu der Strukturen wie der Hypothalamus, die zentrale Amygdala und vegetative Zentren des Hirnstamms gehören, für die Regulation lebenswichtiger vegetativer Funktionen zuständig und bildet unter dem Einfluss von Genen und vorgeburtlichen Erfahrungen die Grundlage für unser Temperament. Die individuelle Funktion dieser Ebene kann durch spätere Erfahrung oder Erziehung nur schwer verändert werden.
Die mittlere limbische Ebene (...) ist die Ebene der unbewußten emotionalen Konditionierung und des individuellen emotionalen Lernen: Elementare Emotionen (z.B. Furcht, Ekel, Freude, Glück) werden hierbei an individuelle Lebensumstände angebunden. Die charakteristische Funktion dieser Ebene entwickelt sich in den ersten Lebensjahren vor allem im Kontext frühkindlicher Bindungserfahrungen und bildet zusammen mit der unteren limbischen Ebene den Kern unserer Persönlichkeit. Sie kann im Jugend- oder Erwachsenenalter nur über starke emotionale oder lang anhaltende Einwirkungen verändert werden.

Hier ist also sicher unter anderem die Herausbildung oder das fehlende Herausbilden von "Urvertrauen" angesprochen. Gerhard Roth weiter:

Die obere limbische Ebene (...). Auf dieser Ebene findet das bewußte emotional-soziale Lernen statt. Hier werden die emotionalen Reaktionen der beiden unteren limbischen Systeme verstärkt oder abgeschwächt, je nachdem wie es die Sozialisation vorgibt. Bewertungen auf dieser Ebene bilden die Grundlage für Gewinn- und Erfolgsstreben, für Freundschaft, Liebe, Hilfsbereitschaft, Moral und Ethik. Diese Ebene entwickelt sich in der späteren Kindheit und Jugend aufgrund sozial-emotionaler Erfahrungen und ist entsprechend vornehmlich durch solche veränderbar.

In diesen wenigen Sätzen steckt unglaublich viel drin. Und sie wären sicherlich noch einmal genauer zu erläutern anhand der entsprechenden Kapitel im Buch. Die Manipulatoren wissen um diese Veränderbarkeit. Das Buch ist dann insbesondere damit beschäftigt, aufgrund welcher Therapien, seelenärztlicher Verfahren eigentlich sprichwörtlich "Beseelungswissen" umgesetzt werden kann in praktisches Handeln, wie man Menschen mit seelischen Beeinträchtigungen helfen kann.

Es wird darauf abgehoben, daß die Erfolge aller heute bekannten Behandlungsmethoden im Wesentlichen nicht auf den Methoden selbst beruhen (ob Kartenlegen, Freud'sche Psychoanalyse oder andere Verfahren), sondern schlicht darauf, daß nach dem Gelingen einer guten Therapeuten-Klienten-Beziehung bei beiden das Vertrauenshormon Oxytocin ausgeschüttet wird und daß dadurch vor allem auch beim Klienten eine bei allen Verfahren aufzeigbare durchschnittliche, erste Verbesserung seines Zustandes auftritt.

Soweit einmal erste Hinführungen zu diesem Vortrag und zu diesem Buch. Womit keineswegs gesagt sein soll, daß damit schon eine ausreichende Auswertung beider erfolgt wäre.

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*) Ein Gedanke, der noch wesentlich prägnanter im Zusammenhang mit seinem Buch - oder im Vortrag - heraus gearbeitet werden könnte, ist übrigens der, daß den Ersterfahrungen auf dem Gebiet des Geschlechtlichen (der Sexualität) - und zwar jetzt nicht die extremen Formen kindlicher Gewalterfahrung, sondern in der normalen Entwicklung der Geschlechtlichkeit von jungen Erwachsenen - von einer großen Zahl sehr unterschiedlicher Kulturen weltweit seit vielen Jahrtausenden eine besondere Bedeutung zugesprochen worden ist für die gedeihliche Entwicklung des einzelnen Menschen und ganzer kultureller Gemeinschaften. Die "Hochzeit" galt bei unseren Vorfahren - wie der Name schon sagt - als: "Hohe Zeit". Und sie wurde kulturell eingebettet. Es wurde Anteil daran genommen.
Ob diese hohe Bedeutung, die viele Kulturen diesem Geschehen gaben, der Grund dafür ist, dass Medien-Manipulateure und Lügenäther schon seit vielen, vielen Jahrzehnten genau diese Zielgruppe der Menschen im Auge haben, die ihre Ersterfahrungen noch nicht erlebt haben, wobei sie das Erlebnis dieser Ersterfahrung ganz offensichtlich massiv zu beeinflussen bestrebt sind. Und wobei von - - - "hoher Zeit" schon ganz gewiss nicht mehr die Rede ist? ... Jugendzeitschriften wie "Bravo" und Konsorten seligen Angedenkens. - ? (Aus den Erfahrungen des Jahrgangs 1966 heraus gesprochen.) Heute wäre ja da noch ganz anderer Dinge selig zu gedenken, als bloß Jugendzeitschriften wie "Bravo". Auch hier wäre die dringende Frage, wie gegengesteuert werden kann. Was da überhaupt noch möglich ist.
Denn seit vielen Jahrzehnten ist bekannt - und Gerhard Roth spricht auch davon, daß im Zusammenhang menschlicher Geschlechtlichkeit - insbesondere auch bei Frauen - Bindungshormone ausgeschüttet werden, Oxytocin, das "Treue-Hormon". Daß also unsere Physiologie - und insbesondere die von Frauen - auf langfristige, gelingende monogame Paarbeziehungen ausgelegt ist. Und daß Mißlingen großes Unglück hervorruft bis hin zu Depression. Warum sagt man das den jungen Frauen von heute nicht? Warum gehen wir mit einem solchen Wissen nicht kulturell wertvoll um? Warum gestalten wir nicht mehr "hohe Zeit"? Damit solches Unglück möglichst nur noch in begrenztem Ausmaß auftritt, in einem solchen Ausmaß, das gesellschaftlich noch verkraftbar ist. Und nicht mehr wie heute, wo sich Millionen Deutsche Kinder wünschen, sie aber nicht bekommen, weil der geeignete Bindungspartner nicht da ist. - ? Wo also schlicht: Liebe nicht mehr gelingt.
Machen wir uns denn nicht von vornherein unglücklich, wenn wir uns allerwärts durch Medien-Manipulatoren dahingehend manipulieren lassen zu denken, die Wahl und Austauschbarkeit unserer Geschlechtspartner, der Reife-Zeitpunkt des Eintritt ins Geschlechtsleben, die Art des Eintritts ins Geschlechtsleben und alle diese so wesentlichen Dinge in Bezug auf "hohe Zeit" - all das wäre gar nicht mehr wichtig für ein gedeihliches und glückliches Zusammenleben von Menschen? Und für die Entwicklung von Seele? Bei uns selbst. Bei unseren Lebenspartnern. Bei unseren Kindern. - ?

Wie gestalten wir "hohe Zeiten", Hochzeiten?

Wobei nicht in Plattheiten zu verfallen wäre, aus christlichen Attitüden heraus etwa irgendwelche Formen des Lebens von Geschlechtlichkeit - gleichgeschlechtlich, polygam, polyamor und wie sie alle heißen mögen - per se zu verdammen. Sondern wobei nur herauszuarbeiten wäre, daß das kulturelle Hochziel - zumindest europäischer Kulturen - immer schon die zweigeschlechtliche, lebenslange Einehe ist. So kann man doch argumentieren, ohne andere Lebensformen auf diesem Gebiet per se als minderwertig zu bezeichnen. Wie das so beliebt ist aus typisch monotheistischem Ressentiment heraus. Wir wissen doch alle, daß es Menschen geben kann, die lebenslang in Einehe leben, und die wir als Menschen für sich genommen für außerordentlich moralisch minderwertig empfinden. Daß - zum Beispiel - Einehe auch als eine Art von Prostitution gelebt werden. Einfach aus Bequemlichkeit heraus.
Daß es andererseits Menschen geben kann, die andere Formen der Geschlechtlichkeit lebten, und die wir als wertvolle Menschen erachten, etwa weil sie Künstler waren, die Ungeheuerliches geleistet haben. Oder die auch sonst wertvoll gelebte Geschlechtlichkeit leben außerhalb zweigeschlechtlicher lebenslanger Einehe. (Wobei dann nur eben auch die Bedürfnisse von Kindern zu berücksichtigen sind, die bezüglich des Wunsches nach einer "heilen Ehe" der Eltern nicht gerade gering zu veranschlagen sind, und die um so eher zu beachten sind, weil Kinder jene Bevölkerungsgruppe sind, die ihre eigenen Interessen am wenigsten selbst durchsetzen können.)
Warum jedenfalls all diese (christlichen, monotheistischen) "Ressentiments" heute immer noch in all solchen Debatten? Welche Art von Medien-Manipulatoren stecken hinter all diesem Aufputschen und diesem Ressentiment-Gerede und -Geschreibsel, das uns überall umgibt, und von dem sich auch politische Entscheidungen - wieder einmal - leiten lassen?

/ Um einleitende Absätze ergänzt 31.5.16;
Leicht umgestellt und überarbeitet: 16.4.2024 /

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  1. Roth, Gerhard; Strüber, Nicole: Wie das Gehirn die Seele macht.  Klett-Cotta, Stuttgart 2014 (danach wird zitiert; inzwischen, im Januar 2016, ist das Buch schon in 6. Druckauflage erschienen)

Der Satanismus zog sich wie ein "roter Faden" durch sein Leben

"Meister Amenophis" - Randbemerkungen zum Leben des SS- und Satanismus-nahen Freimaurers und Fraternitas Saturnis-Bruders Ernst Hermann Barth (1902-1969)

Hier auf dem Blog haben wir uns vor einigen Jahren noch intensiver als gegenwärtig mit dem elitären Satanismus und der damit verbundenen elitären Pädokriminalität beschäftigt in Anschluss an die Entdeckung, dass der Autor des Buches "Das schwarze Reich" sein Erstverleger, einer der "bedeutendsten lebenden Magier", Ralph Tegtmeier sein könnte. Als wir den Namen Ralph Tegtmeier googelten, wurde uns schnell die Relevanz dieses Themas fürdas Verständnis gegenwärtiger politischer und zeitgeschichtlicher Zusammenhänge deutlich und daraus entstanden viele Blogartikel, insbesondere auch über die älteste satanistische Freimaurerloge in Deutschland, die Fraternitas Saturnis und ihre Verbindungen zur Führungsschicht des Dritten Reiches. Und in diesem Zusammenhang wurde uns schon vor fünf Jahren - im März 2011 - ein Mitglied dieser Loge bedeutsam, nämlich der "Meister Amenophis" (3).

Abb. 1: Ernst Hermann Barth, genannt "E. P. H. Barth", Logenname "Meister Amenophis"

Wir hatten nach seinem bürgerlichen Namen gefragt und dieser hatte dann ein Jahr später, also vor vier Jahren, in demselben Artikel nachgetragen werden können aufgrund eines eher zufälligen und abseitigen Internetfundes (3). Dieser bürgerliche Name lautete, so unsere Recherchen bis 2012:  E. P. H. Barth. Allzu viel weiter waren wir mit diesem bürgerlichen Namen bis zu diesem Jahr noch nicht gekommen. Und nun stellt sich heraus, dass auch "E. P. H. Barth" noch nicht der eigentliche bürgerliche Name war. Wie es sich für einen ordentlichen Hintergrundpolitiker gehört, hat er vor der Öffentlichkeit seinen eigentlichen Namen "in dreifache Nacht gehüllt". Das machen Hintergrundpolitiker ja gerne, um dann den Zorn der Menschen sich auf Vordergrundpolitikern, bzw. Politikdarstellern abarbeiten zu lassen wie amerikanischen Präsidenten oder Leuten wie Adolf Hitler oder Angela Merkel. Sind aber Jahrzehnte vergangen, kann man so nach und nach mehr Licht ins Dunkle bringen - oder man stört sich nicht mehr so daran, wenn es geschieht. Denn die Öfentlichkeit kümmert sich ja dann gar nicht mehr großartig darum.

Wie auch immer. Ende Januar hat jemand, der sagt, er sei ein Urenkelsohn dieses E. P. H. Barth, mit uns überraschend Email-Kontakt aufgenommen. Er schrieb (Email vom 27.1.16, auch alle weiteren im folgenden immer unkorrigiert):

Hallo Ingo Bading! Ich habe deinen Blogeintrag vom 17. März 2011 (http://studgenpol.blogspot.fr/2011/03/ein-vatikantreuer-satanistischer.html) über die Fraternitas Saturni und die wahre Identität des Amenophis gelesen. Zum Teil ist das ja recht spekulativ deshalb könnte ich vlt mit ein par kleinen Fakten weiterhelfen falls Interesse besteht? Liebe Grüße ....

Auf eine zustimmende Antwort hin schrieb er (Email vom 27.1.16):

Ich habe eine Familienchronik gefunden die mein Urgroßvater geschrieben hat. Darin schreibt er das er unter E.P.H Barth bekannt ist, wobei das P. nicht zu seinem offiziellen bürgerlichen Namen gehörte und auf einen Spitznamen zurückzuführen ist. Er schreibt auch das er 1950 zur Loge Fraternitas Saturni beigetreten ist und dort 1957 zum Meister wurde und sein Logenname Amenophis ist. Mir war bisher nur aus Erzählungen bekannt das er in einer Freimaurerloge war. Er ist in Königsberg geboren, war im 2. Weltkrieg Soldat und in brittischer Kriegsgefangenschaft und von Beruf Bankangestellter. Vor dem Krieg bei der Reichsbank, und danach bei der Landesbezirkskasse in Schleswig-Holstein. Zu einer eventuellen Mitgliedschaft in der SS oder anderen Nazi-organisationen versuche ich derzeit noch mehr rauszubekommen, was aber sehr lange dauern kann. Mir ist darüber aktuell leider nichts bekannt.
Ich habe meinen Urgroßvater nie kennengelernt da er 1969 verstorben ist. Mein Großvater und sein anderer Sohn (Björn, der 1955 in Meldorf Abitur machte) sind inzwischen auch schon beide verstorben. Diese habe ich aber noch kennengelernt. Mein Großvater war zwar evangelischer Pastor, aber ich glaube nicht das er im Vatikan in irgendwelchen Geheimarchiven herumgestöbert hat. Mir ist nicht bekannt das er mal im Vatikan war und in der Familienchronik gibt es auch keinerlei Hinweise darauf. Sein Bruder, Björn, hat Karriere gemacht bei der Luftwaffe der Bundeswehr. Ich hoffe das konnte zumindest ein wenig weiterhelfen:) Liebe Grüße, ...

Auf die Rückfrage nun, ob die genannte Familienchronik nicht allgemein zugänglich gemacht werden kann, erfolgte die Antwort (Email v. 28.1.16):

Hallo Ingo, das weiss ich nicht ob den anderen Familienmitgliedern das recht ist. Ich denke das wir schwierig da das Einverstädnis von allen einzuholen. Aber ich habe mal die entsprechenden Textpassagen bezüglich der Identität an die email angehängt. liebe grüße, ...

Anmerkung dazu: Als ich Blogartikel über meine beiden lange verstorbenen Großväter geschrieben habe und alle mir dazu zugänglichen familiären Unterlagen benutzt habe, hat es niemanden gegeben, der dazu bis heute Beschwerde eingelegt hätte. Ich sehe nicht, warum lebende Nachkommen dieses Urgroßvaters für eine Veröffentlichung dieser Familienchronik überhaupt befragt werden müssten, zumal auch die beiden Söhne, an die diese Familienchronik gerichtet war, längst verstorben sind.

Abb. 2: Auszug aus der Familienchronik, verfasst von Ernst Hermann Barth

Doch nun zu den kurzen Ausschnitten, die uns zugänglich gemacht wurden. In dem ersten Auszug aus der Familienchronik, die Ernst Hermann Barth für seine Nachkommen verfasst hat, heißt es (s. Abb. 2):

Meine innere Einstellung zum Okkulten, die wie ein roter Faden durch mein Leben geht, hat mich veranlasst, 1950 einer esoterischen Loge Fraternitas Saturni beizutreten, bei der ich 1957 Meister wurde. Ich selbst habe viele esoterische Artikel geschrieben, die zum großen Teil unter meinem Logennamen Amenophis publiziert wurden.

"Wie ein roter Faden" also, so sei festgehalten, zog sich die innere Einstellung von Ernst Hermann Barth zum Okkulten durch sein Leben. Das heißt, dass er mit dem Okkulten schon sehr früh in seinem Leben Bekanntschaft gemacht hat. Und offensichtlich nicht erst 1950 mit 48 Jahren. Ernst Hermann Barth heiratete - wie wir gleich noch hören werden - in erster Ehe 1928, in zweiter Ehe 1934.

Abb. 3: Zweiter Auszug aus der Familienchronik, verfasst von Ernst Hermann Barth

Vermutlich nun über seine zweite Frau schreibt Ernst Hermann  Barth in einem weiteren zugänglich gemachten Ausschnitt der Familienchronik (Abb. 3):

... sie überall bekannt ist, ebenso wie ich unter der Bezeichnung E. P. H. Barth. - Unserer Ehe entsprossen laut unserer Ab-....

Ernst Hermann Barth hat also 1934 offenbar eine Frau geheiratet, die unter einem bestimmten Namen "überall bekannt" gewesen ist. Somit könnte auch diese Frau mit dem "roten Faden" im Leben des Ernst Hermann Barth in Verbindung gestanden haben. Sie könnte zum Beispiel ein "Medium" gewesen sein oder eine sonstige esoterische "Beraterin". Der Urenkelsohn wurde von uns dann über seinen Urgroßvater unter anderem auch noch befragt:

Wo kommt sein fremdländisches/asiatisches Aussehen her? (Oder ist das nur mein subjektiver Eindruck?) (...) Wann und wo waren seine Einsätze im Zweiten Weltkrieg? Gibt es eine familiäre Verbindung zu dem Verleger Otto Wilhelm Barth?

Diese und andere Fragen wurden wie folgt beantwortet (Email 1.2.16):

Er wurde am 22.1.1902 in Königsberg, Preußen, geboren als fünftes Kind. Sein Name war Ernst Hermann Barth und das P. kommt von dem Spitznamen Peter. Er hatte noch einen jüngeren Bruder der hieß Friedrich Wilhelm. (Wenn der nicht seinen Namen in Otto Wilhelm geändert hat, dann ist keine familiäre Verbindung zu dem Verleger herzustellen). 1928 hat er zum ersten mal geheiratet und 1934 dann zum zweiten mal meine Urgroßmutter dann. Am 20. Juni 1941 wurde er Soldat und wurde Anfang 1944 an die Front in Holland versetzt. Er schreibt das sie im November 1944 abgeschnitten waren und ihren letzten Kampf kämpften. Dann kam er in britische Kriegsgefangenschaft zuerst in Jabbekein, Flandern und dann ab März in England (Derbyshire & Lincolnshire) unter der Nummer P.O.W. 746499. Im Herbst 1946 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und kam zuerst nach Göttingen und wohnte dann später wieder mit der Familie vereint in Meldorf. Später arbeitete er bei der Landesbezirkskasse in Lübeck und Kiel. Am 11. März 1969 ist er in Kiel verstorben.
Sein asiatisches Aussehen täuscht. In gesamten Stammbaum lässt sich kein Vorfahre mit asiatischen Wurzeln finden. Seine Eltern waren Ostpreußen wobei seine Mutter wohl englische Wurzeln hatte. Ich habe in den Listen der SS-Mitglieder einen Ernst Barth gefunden, ich weiß aber nicht ob es sich dabei um meinen Urgroßvater handelt. Ich habe diesbezüglich bei den Behörden eine Anfrage gestellt aber die Bearbeitung kann Monate wenn nicht sogar Jahre dauern wegen des Personalmangels. Ich habe noch einen kurzen Abschnitt gefunden und an die email angehängt, wo er kurz etwas über FS erwähnt. Liebe grüße ...
Abb. 4: Dritter Auszug aus der Familienchronik, verfasst von Ernst Hermann Barth

In dem mitgeschickten Ausschnitt der Familienchronik heißt es (Abb. 4 per Email vom 1.2.16):

Meine Söhne interessieren sich nicht für hermetisches Wissen, auch nicht für das, was ihr Vater geistig geschafft hat. Deshalb bestimme ich, dass alle meine Schriften, meine Bücher und magischen Utensilien wie Aufzeichnungen dereinst an den Bruder Kosmophil, alias Fritz Grahlke, Tönning-Eiderstedt - Westterstr. 11 fallen sollen. Er wird damit etwas anfangen können. Es sei denn, dass die Vorsehung mir einen Nachfolger, einen Novizen zuführt, auf den ich alles übertragen kann. - 

Ernst Hermann Barth spricht also wie Adolf Hitler von der "Vorsehung". Auch interessant. Fritz Grahlke (1916-1991) war - laut seines Grabsteines in Tönning (Eiderstedt) (Genealogy) - 14 Jahre jünger als Ernst Hermann Barth. Ein zwei Jahre jüngerer Bruder von Fritz Grahlke war ein Dr. Konrad Franz Grahlke (1918-1997) (MyHeritage). Der Urenkelsohn wurde dann gefragt (Email vom 2.1.16):

Eine weitere Frage bezieht sich darauf, dass in dem einen Auszug aus der Familienchronik, den Du mir das letzte mal gesendet hast, Dein Urgroßvater offenbar über seine Frau schreibt, denn es heißt "... sie überall bekannt ist, ebenso wie ich unter der Bezeichnung E. P. H. Barth. - Unserer Ehe entsprossen laut unserer Ab-...." Also offenbar war Deine Urgroßmutter ebenfalls unter einem Namen "überall bekannt". Kannst Du sagen, welcher Name das war?
Hast Du noch andere Fotografien von Deinem Urgroßvater? Und besser noch: auch seiner Geschwister? Ich würde diese gerne mit dem genannten Foto vergleichen. Denn das Gesicht Deines Urgroßvaters kommt mir ganz "undeutsch" und "un-ostpreußisch" vor. Ich finde, dass sogar das Gesicht des Grafen Coudenhove-Calergi (s. Google- Bildersuche "coudenhove-kalergi"), der nur acht Jahre älter als Dein Urgroßvater war (und der ebenfalls Freimaurer war), und der eine japanische Mutter hatte, im Vergleich mit dem Gesicht Deines Urgroßvaters "deutscher" aussieht. Vielleicht hatte E. H. Barth einen anderen Vater als offiziell angegeben worden ist? (Dann würde ich auf einen Japaner tippen.) Aber dann sollte er doch häufig nach seinem eigentlichen Vater gefragt worden sein - ? (...) 
Kannst Du mir außerdem sagen, wo Dein Großvater Pfarrer war und wie er hieß, sowie seine Lebensdaten?

Nachdem auf diese Email fünf Wochen lang keine Antwort erfolgt war, wurde die erste Version des vorliegenden Blogartikels veröffentlicht und der Urenkelsohn per Email (7.3.16) auf diesen hingewiesen. Darauf antwortete er (Email 11.3.16):

Leider habe ich auch keine Familienfotos. (...) Das mein Urgroßvater andere Wurzeln hatte wage ich nach wie vor zu bezweifeln und ich denke dann hätte ich auch irgendetwas mal gehört in der Familie. (...) Ich habe leider auch nur sehr wenige Informationen darüber was mein Urgroßvater für ein Mann war und was ihn in seinem Leben wozu auch immer bewegte. Scheinbar war er ja wohl ein schlimmer Finger laut dem was du über ihn und die FS rausgefunden hast. Ich wollte einfach nur ein wenig dazu beitragen sodass sich für alle ein besseres Bild ergibt. Schön das es so passionierte Forscher gibt:) 

So lautet die letzte Antwort, womit die Frage nach den Namen seiner Urgroßmutter und seines Großvaters (dem evangelischen Pfarrer) noch nicht beantwortet sind.

Aus der Ehe von Ernst Hermann Barth gingen jedenfalls zwei Söhne hervor, ein bislang namentlich nicht benannter Sohn, sowie ein Björn Barth (geboren 1935). 1950 wurde Ernst Hermann Barth Mitglied der Fraternitas Saturni. Als solches schrieb er - was beachtet werden sollte - Aufsätze über die Magie der germanischen Runen ("Zur Praxis der Runen-Magie", 1960). Also zu einer Zeit, in der dieses Thema nicht gerade Mode war. 1955 machte sein Sohn Björn Barth in Meldorf Abitur (wie ebenfalls schon in unserem ersten Beitrag erwähnt). Danach studierte Björn Barth - wie wir jetzt noch recherchierten - bis zur Promotion und wurde Offizier bei der Luftwaffe. Dort brachte er es bis zum Oberstleutnant und starb 2015 in Stutensee bei Karlsruhe. Im Magazin des deutschen Bundeswehrverbandes wird im Februar 2015 gedacht (1):

Oberstleutnant a. D. Dr. Björn Barth 23.8.35 – 14.12.14 Stutensee

Fassen wir noch einmal zusammen: Bei dem "Meister Amenophis" handelt sich um einen Ernst Hermann Barth (1902-1969). Dieser wurde geboren am 22. Januar 1902 in Königsberg als fünftes von sechs Kindern. Auf ihn folgte noch ein jüngerer Bruder mit Namen Friedrich Wilhelm Barth. Ernst Hermann Barth zeigte frühes Interesse für das Okkulte. Er wurde Freimaurer. Er wurde Angestellter ausgerechnet jener Reichsbank in Berlin, die damals unter der Leitung des Reichsbankpräsidenten und einflussreichen Freimaurers Hjalmar Schacht (1877-1970) stand. Hjalmar Schacht war in Nordschleswig geboren worden und hatte in Hamburg Abitur gemacht. Er war - nach Vorkriegskontakten zur amerikanischen Hochfinanz - von 1923 bis 1939 - mit einer Unterbrechung von 1930 bis 1933 - Reichsbankpräsident. Er gehörte zu den Hauptangeklagten im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess. Er wurde aber auf Fürsprache des - sich in seinen Büchern ziemlich Satanismus-nah äußernden - Hans-Bernd Gisevius in Nürnberg freigesprochen (s. Wikipedia). Dass auch Ernst Hermann Barth Sorge hatte, wegen einer nationalsozialistischen Vergangenheit angeklagt zu werden, ging ja schon aus Angaben hervor, die in unserem erstgenannten Beitrag (3) angeführt wurden.

Wie nun die Namen seiner "überall bekannten" Frau und seines Sohnes, eines schon verstorbenen evangelischen Pfarrers, lauteten, ist einstweilen noch offen. Auch die offizielle heutige Fraternitas Saturnis darf sich natürlich bezüglich all dieser Fragen angesprochen fühlen. Denn soweit uns bekannt, hat sie noch keine offizielle geschichtswissenschaftliche Untersuchung ihrer "braunen Wurzeln" durchgeführt oder durchführen lassen. Also jener "braunen Wurzeln", die bei ihr so nahe liegend sind wie beim bundesdeutschen Auswärtigen Amt, beim bundesdeutschen Innenministerium, beim bundesdeutschen Verfassungsschutz, beim Bundesnachrichtendienst, beim Bundeskriminalamt, und bei all ihrer vielen Presseabteilungen, landläufig genannt "Spiegel", Springer und Co..


/ Ergänzungen und Kürzungen: 13.3.16, 
neue Einleitung: 9.4.16/

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  1. Die Bundeswehr - Magazin des deutschen Bundeswehrverbandes, Februar 2015, S. 78 (Gedenken), http://www.erh-donau-iller.de/files/Die-Bundeswehr-02_2015.pdf
  2. Gregorius, Gregor A. / Mstr. Giovanni: Chronik der Loge "Fraternitas Saturni", mit Beiträgen von Frater Johannes, Meister Giovanni, Gregor A. Gregorius, Meister Amenophis, Meister Mathisius. Fraternitas Saturni, Orient Berlin o. J. (27 S.)
  3. Bading, Ingo: E.P.H. Barth, ein vatikantreuer, satanistischer Freimaurer im Reichssicherheitshauptamt? GA-j!, 17. März 2011, http://studgenpol.blogspot.de/2011/03/ein-vatikantreuer-satanistischer.html

Samstag, 20. Februar 2016

Der "redliche" Lügen-Politiker Juncker - sagt Peter Sloterdijk

Findet sich Peter Sloterdijk damit ab, dass Politik eine "wahrheitslose Sphäre" ist?

Schon im letzten Videoblog (GA-j!, 17.2.16) wurde kurz die außerordentlich tief gehende Enttäuschung über das jüngste Cicero-Interview von Peter Sloterdijk (1) zum Ausdruck gebracht. Diese Enttäuschung soll in diesem Beitrag noch ein wenig erläutert werden.

Abb.: Peter Sloterdijk, 2009
Foto: Kurt Steinhausen (CC BY-SA 3.0 DE)
Der Bloginhaber versteht sich als Angehöriger der Gemeinschaft all derjenigen, die ernsthaft - und zwar möglichst sehr ernsthaft - moralische Anstrengung auf sich nehmen. Die also gute - besser vielleicht noch gesagt - die sich bemühen, edle Menschen zu sein, bzw. zu werden. Peter Sloterdijk selbst spricht in seinem Buch "Du musst dein Leben ändern" von der "Arete", von der "Tugend", von der "Vertikalspannung", die man als damit verbunden ansehen kann. Man kann sich also verstehen als Angehöriger der Gemeinschaft der Menschen weltweit, die sich nicht nur oberflächlich bemühen, edle Menschen zu sein. Es geht dabei gewiss nicht um die grenzenlos verwässerte und seichte Form, nach Tugend und Vertikalspannung zu streben, die geheime und halböffentliche Männerorden wie Freimaurerei oder Jesuitenorden seit Jahrhunderten ihren "Mitbrüdern" in den unteren Hierarchieebenen und der Öffentlichkeit vorgaukeln. Während tatsächlich in diesen Orden und aus diesen heraus ganz andere Dinge geschehen.

Das heißt also, der Bloginhaber sieht sich als Angehöriger der Gemeinschaft derjenigen, die sich anstrengen, ehrlich zu sein, aufrichtig zu sein, wahrhaftig zu sein. Über diese Gemeinschaft wäre noch sehr viel zu sagen. Sie bedarf natürlich auch keiner Eidformeln und Schwüre, keiner Hinterzimmer. Um die Gemeinschaft, der sich der Bloginhaber zugehörig fühlt, an dieser Stelle etwas mehr zu verdeutlichen, nur noch die folgende Anmerkung: Es mag für viele schon eine moralische Anstrengung sein, regelmäßig auf Montagsdemonstrationen zu gehen - welcher Art und politischer Ausrichtung auch immer - ob "dafür" oder "dagegen". (Das hat sich ja alles ziemlich "ausgefächert" in der letzten Zeit.) So richtig es ist, dort hinzugehen, Gesicht zu zeigen und sich zu engagieren: Wer das allein für sich schon als eine hohe moralische Anstrengung ansieht, den würde man aus Sicht des Bloginhabers - zumindest allein aufgrund dieser Tatsache - natürlich noch nicht zu der Gemeinschaft derjenigen zählen, der er sich zugehörig fühlt.

Es muss viel dazu kommen, sehr viel mehr. Es geht ihm um Menschen, die in ihrem ganzen Leben sich bemühen, durch und durch wahrhaftig zu sein, die sich bemühen, anständig zu sein. Sprich, die sich bemühen, so wenig wie nur immer möglich zynische Menschen zu sein. Und die sich bewusst sind, dass sie diesbezüglich straucheln können, dass sie versagen können. Die aber diesbezüglich niemals aufgeben.

Der zynische Mensch ist der manipulierbare Mensch

Der zynische Mensch an sich schon - das hat Peter Sloterdijk in seinem philosophischen Erstlingswerk (sicherlich auch) angesprochen - ist der manipulierbare Mensch. Hat er das darin überhaupt angesprochen? Dieser wichtige Umstand wäre noch einmal zu überprüfen. Zynismus ist die Bereitschaft, so soll hier einmal postuliert werden, sich damit abzufinden, dass Menschen "so tun als ob". Und seitdem man in Peter Sloterdijk's Buch liest "Du musst dein Leben ändern", hatte man immer den Eindruck, Peter Sloterdijk würde auch zu  der soeben andeutungsweise umrissenenen - sehr kleinen - Gemeinschaft von Menschen gehören, die danach streben, dieses "als ob" auf ein Mindestmaß zu reduzieren.

In seinem jüngsten Cicero-Interview (1) sagt Peter Sloterdijk, künftig werde die Politik nicht mehr über "Obergrenze" und "Grenzschutz" reden, sondern ...:
Peter Sloterdijk: ... Die große Stunde der Semantik schlägt bald. (...) Man wird andere Ausdrücke finden. Wenn alles andere nicht hilft, muss man kreativ werden.
Alexander Kissler/Christoph Schwennicke: Dann kehrt das Vertrauen in die Politik zurück?
Sloterdijk: Wer von Vertrauen redet, will dem habituellen Betrug Spielräume sichern. Der Lügenäther ist so dicht wie seit den Tagen des Kalten Krieges nicht mehr.
Kissler/Schwennicke: Ist es nicht ein Alarmsignal, wenn selbst Sie als aufgeklärter, hochgebildeter Mensch sagen, man könne keinem Politiker trauen, die lügen alle? Dann kann es um unsere Demokratie nicht gut bestellt sein.
Sloterdijk: Herr Juncker von der Europäischen Kommission hat es definitiv erklärt. Zitat: "Wenn es ernst wird, musst du lügen." Juncker ist kein Zyniker. Er ist ein redlicher Arbeiter in der wahrheitslosen Sphäre, die man Politik nennt. Insofern ist er fast ein Journalist.
Kissler/Schwennicke: Der Journalismus biegt sich die Realität zurecht?
Sloterdijk: Das Wort "Lügenpresse" setzt mehr Harmlosigkeit voraus, als es in diesem Metier gibt.
Juncker ist also mit seinem Lügen "ein redlicher Arbeiter in der wahrheitslosen Sphäre, die man Politik nennt". Wer kann solche Worte sagen? Wer? Und dann fügt Sloterdijk auch noch das furchtbare, alles entlarvende Wort ein "Juncker ist kein Zyniker". - Er ist kein Zyniker? Was sollen all diese Worte? Was? Wer als Politiker lügt, ist "redlich" und "kein Zyniker"? Und das - - - sagt: Peter Sloterdijk? Man versteht die Welt nicht mehr. In diesen Worten ist eine derartige Desillusionierung über den Menschen und Philosophen Peter Sloterdijk enthalten, die man gar nicht in Worte fassen kann.

Präsentiert sich Peter Sloterdijk in diesem Wortwechsel als der Hohepriester in der selbstgefälligen Anwendung der "zynischen Vernunft" oder als der zutiefst entsetzter Kritiker der Anwendung derselben? Letzteres ist wirklich schwer zu behaupten. Wir wollen hier nicht darauf bestehen, dass sich Denker als "Moral-" und "Wahrhaftigkeitsapostel" präsentieren. Aber geht das so? Scheidet Sloterdijk nicht tendenziell - zumindest mit solchen Worten - aus aus der Gemeinschaft derjenigen, die moralische Anstrengung auf sich nehmen? Denn wie soll man sich moralisch anstrengen, wenn man so zynisch-schnodderig sich mit der Lüge abzufinden scheint wie hier Peter Sloterdijk? Wir mussten in unserem letzten Videoblog ziemlich an uns halten, um angesichts dieses sich andeutenden moralischen Tiefstandes nicht selbst in der Ausdrucksweise ausfällig zu werden. Es ekelt einen nur noch an, so schnoddrig-kurz-zynisch über das Phänomen Lüge in der Politik reden zu hören und die Behauptung zu hören: das wäre kein Zynismus. Was ist Zynismus, wenn nicht das? Und so redet ein vergleichsweise bedeutender und vergleichswerise verdienter lebender Vertreter bürgerlichen, bzw. lebensreformerischen Kulturbewusstseins?

Übrigens relativiert Sloterdijk seine Sätze über die Politik in seinen dann folgenden Worten über die Journalisten wieder kräftig und erheblich. Aber warum sagt er dann über einen Politiker wie Juncker nicht das gleiche, was er über die Journalisten sagt? Über diese sagt er doch so deutlich:
Heute treten die Verwahrlosung im Journalismus, die zügellose Parteinahme allzu deutlich hervor. Wo gibt es noch eine Bemühung um Neutralisierung, um Objektivierung, hoch ausgedrückt: um Vergeistigung? Die angestellten Meinungsäußerer werden für Sich-Gehen-Lassen bezahlt, und sie nehmen den Job an.
Nun gut. Und mit dem oben zitierten Wortwechsel kann nicht gesagt werden, dass sich Peter Sloterdijk als "angestellter Meinungsäußerer" "für Sich-Gehen-Lassen" bezahlen läßt, und dass er diesen Job angenommen hat? Wenn er von dem "redlichen" Lügen-Politiker Juncker spricht, der kein Zyniker wäre?
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  1. Sloterdijk, Peter: "Das kann nicht gut gehen". Peter Sloterdijk über Angela Merkel, die Flüchtlinge und das Regiment der Furcht. In: Cicero, Februar 2016, S. 14-23

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