Samstag, 31. Dezember 2011

"Freimaurer müssen Front machen gegen Staaten und Regierungen, die dem großen Menschheitsziel entgegenlaufen"

"Sind gepanzerte Fäuste notwendig?" - Offenbar weitere Erläuterungen zum Freimaurerdenkmal in Leipzig in einem angekündigten Reprint aus dem Jahr 1927

Ernst Kallmeyer (aus: 21)
In einem früheren Beitrag (41) war der okkult-freimaurerisch-anthroposophische MdG-Verlag in Leipzig behandelt worden und es war kurz auf die Tatsache hingewiesen worden, daß dieser einen Reprint der Schrift "Ludendorff anti Freimaurerei" aus dem Jahr 1927 (21) angekündigt hat von dem Mazdaznan-Anhänger Ernst Kallmeyer (siehe Abb.), einem okkultgläubigen Freund des okkultgläubigen Malers Fidus. 

Diese Schrift soll im folgenden kurz behandelt werden. Denn sie scheint doch manches weitere erläuternde Licht auf die okkulte, volksverhetzende Symbolik des Freimaurertempels in Leipzig zu werfen und wohl nicht zuletzt deshalb vom MdG-Verlag als Reprint angekündigt zu sein. Kallmeyer, der von sich selbst schreibt, er wäre kein Freimaurer, sagt unter anderem (21, S. 12):
Was Ludendorff uns vom Freimaurertum berichtet, ist nichts anderes als die Bestätigung, daß innerhalb der Freimaurerei uraltes Weistum gehütet und daß in ihm die Mysterien des Ostens gewahrt wurden zur Befruchtung auch des Abendlandes.
Kallmeyer erklärt in seiner Schrift im weiteren die Religion der Germanen vor ihrer Christianisierung zu naivem Kinderglauben und Aberglauben, verteidigt aber in lächerlichem Widerspruch dazu den Monotheismus und den Okkultismus, sowie den Zahlenaberglauben, die Zahlenmysik der Kabbala, der Gemetria und der  Astrologie als - - - "abendländische Weisheit" (21, S. 19). Nur ein Beispiel für seine Art zu denken (21, S. 19f):
Wenn wir auf unsere heutige Architektur blicken (...), sehen wir doch, daß ganz offensichtlich die gerade Linie, der Kubus, sich durchsetzen wollen. Dies geschieht einfach nur deshalb, weil entgegen der bisherigen mehr oder weniger seelischen Verschwomenheit Geistiges sich durchringen will, dessen intellektuelle Formensprache die gerade Linie ist.
Die intellektuelle Formensprache des Geistigen ist also die Linie! Man ist einfach nur noch entzückt. Das scheint ja schon sehr schön im freimaurerischen, mehr aber noch im okkultgläubigem, anthroposophischen und Mazdaznan-Geiste gesagt zu sein. Offenbar hat man da im MdG-Verlag in Leipzig einen wirklichen Bruder im Geiste gefunden. -

Freimaurerlogen hüten okkulte abendländische Verblödung, äh, nein: ... "Weisheit"

Dieser okkultgläubige, bzw. okkult verblödete Freimaurerfreund Kallmeyer zitiert nun den Freimaurerkritiker Erich Ludendorff aus dem Jahr 1927 mit den Worten (21, S. 9):
"Jeder Rassebegriff ist diesen Logen fremd, sie nehmen Deutsche und Juden auf und damit selbstverständlich auch jüdische Mitglieder der vorstehend genannten jüdischen Logen. Der Begriff 'Humanitas' wie das Wesen jeder Freimaurerei fordert nun einmal die Fernhaltung alles dessen, 'was die Menschheit" oder die 'Menschlichkeit' trennt, d. h. 'aller religiös-kirchlichen, politischen und vaterländischen' Angelegenheiten, dafür wird Völkerverschmelzung erstrebt'."
Dazu sagt Kallmeyer nun (21, S. 9):
Sind denn das nicht geradezu vorbildliche Grundsätze? Welcher aufgeklärte, von wirklichen Idealen erfüllte Mensch wird dem nicht zustimmen? - Ist es denn durchaus notwendig, daß (...) wiederum erst gepanzerte Fäuste auf Europa niedersausen, es zunächst einmal zu einem Pan-Europa zu formen, als Vorläufer zu einer Pan-Welt? - Lassen sich derartige notwendige Wandlungen, die dem Zeitgeist entsprechen, nicht endlich einmal auf dem Wege der Vernunft hervorrufen?
Was in diesen wenigen Sätzen alles enthalten ist! Ob sich das Kallmeyer selbst eigentlich klar gemacht hat? Im Gegensatz zu vielen anderen damaligen Okkultlgläubigen und im Gegensatz zu vielen damaligen Freimaurern legt also der Mazdaznan-Anhänger Kallmeyer zunächst keinerlei Wert darauf, dem damaligen völkischen Zeitgeist zu entsprechen und zumindestens äußerlich "völkische" oder national-patriotische Phrasen zu dreschen. Wenigstens das! Er hingegen weiß von einem ganz anderen "Zeitgeist".
  
Und darin steht Ernst Kallmeyer nun ganz offen für alles das, was ein Erich Ludendorff - sozusagen als ein früher Globalisierungs-Kritiker - zutiefst ablehnt. Kallmeyer steht für alle jene Globalisierungsziele, denen Ludendorffs ganzer Kampf gilt. Und das in der vermeintlich ganz freundlich-sanftmütigen Weise eines typischen Mazdaznan-Anhängers, der die "Versöhnung" durch die Vernunft des Okkulten dem "Kampf" vorzieht. Aber nicht nur das. Das, für das er, Ernst Kallmeyer, steht, erklärt Kallmeyer schlicht für "notwendige Wandlungen, die dem Zeitgeist entsprechen".

Aber auch das ist noch nicht alles. In lamoryantem Ton fragt Kallmeyer 1927 dann weiter: Müssen denn "wiederum erst gepanzerte Fäuste auf Europa" niedersausen? Solche Worte in der Reprint-Schrift eines Verlages zu lesen, der in einer seiner meistverlegten Schriften die "gepanzterte" Freimaurer-"Faust" des "Heiligen" Kriegs-, Todes- und Würgeengels Michael am Freimaurerdenkmal in Leipzig zelebriert, hat nun tatsächlich wohl so seinen ziemlich eigenen Geschmack. Zumal in jenem Nebensatz, der im obigen Zitat ausgelassen worden war, noch zusätzlich die Frage eingeschoben war: Brauchen wir denn wirklich einen neuen Napoleon
der wie eine Geißel über Deutschland dahinbrauste, die Kleinstaaterei beseitigend?
Also die "gepanzerte Faust" eines Napoleon. Der "Zeitgeist" fordert also das "Pan-Europa" und die "Pan-Welt". Und für Kallmeyer stellt sich nur die Frage: Werden wir dem Zeitgeist denn endlich einmal über den Weg der Vernunft gerecht werden - oder bedarf es wirklich eines neuen Napoleon? Das dem Zeitgeist Entsprechende, so Kallmeyer, wird sowieso "notwendig" kommen - so oder so!

"Sind gepanzerte Fäuste notwendig?"

Daß nun im Umfeld der Freimaurer und Okkultisten in den Kategorien solcher "Notwendigkeiten" gedacht würde, war ja ab 1927 die stetige Kritik, die Ludendorff äußerte, und weshalb er 1930 auch seine Schrift "Weltkrieg droht auf deutschem Boden" veröffentlichte.

Da nun aber die Schrift "Testament der Freimaurer" (7) über das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig im gleichen Verlag erscheint wie der Reprint dieser Kallmeyer-Schrift (41), und da in "Testament der Freimaurer" die unterstellte Zugehörigkeit Napoleons zur Freimaurerei auch keine geringe Rolle spielt, könnte man schon so  manche sich andeutende "Zusammenhänge" erkennen, wenn man wollte. 

Und wenn ein solcher Reprint angekündigt wird in einer Zeit, in der der Tonfall von Leuten wie Wolfgang Schäuble und vielen anderen, die gerade gegenwärtig auf eine stärkere europäische Einigung hinwirken, nicht wesentlich anders ist, als die Lamoryanz dieses Ernst Kallmeyer, wird auch das so seinen eigenen Sinn haben.  Auch Schäuble sieht mit vielen anderen Angehörigen der heutigen politischen Elite die Einigung Europas als dem Zeitgeist entsprechend an, als "notwendig" an. Alternativen dazu weist er mit dem plumpen, klischeehaften Argument der Erfahrung zweier Weltkriege zurück. Ganz im Geiste des Mazdaznan-Anhängers Kallmeyer, wie es scheint.

Aber oft hört man bei solchen Politiker-Äußerungen im Hintergrund mehr mit (siehe frühere Beiträge hier auf dem Blog). Da schwingt immer wieder einmal bei polnischen oder österreichischen Ministern noch deutlicher, als im eben genannten Argument die Drohung mit hinein: Wenn ihr die europäische Einigung nicht auf dem Weg der Vernunft zu erreichen euch bemüht, ihr Kinder, wird wohl die gepanzerte Faust eines Dritten Weltkrieg kommen ("müssen"), bzw. werden sich frühere Klassen- und/oder Rassengegensätze erneuern. Das wollt ihr doch nicht wirklich ...? Na, also! (Und so weiter .) - - -

"Freimaurer müssen Front machen gegen Staaten und Regierungen, die dem großen Menschheitsziel entgegenlaufen"

Ernst Kallmeyer nun erklärt von sich, kein Freimaurer zu sein. Aber er ist mit den Zielen der Freimaurer sehr einverstanden, wie er schreibt. Und wenn er dies betont, wird die eben erläuterte Kriegsdrohung auch gleich noch etwas "konkreter" (21, S. 11):
Daß der Orden der Freimaurer Politik treibt, nicht Parteipolitik, wohl aber umfassende Weltpolitik, ist anzunehmen, ja, eigentlich selbstverständlich angesichts ihrer bereits erwähnten Menschheitsziele. Daß dabei auch einmal Front gemacht werden muß gegen dieses oder jenes Reich bzw. seine Regierung, dessen Entwicklung Bahnen einschlägt, welche dem großen allgemeinen Menschheitsziel entgegenlaufen, ist auch nur zu natürlich.
Na klar! Das ist nur "zu natürlich". Was will man eigentlich mehr? Der Freimaurerorden macht und machte "Politik"? Auch mit dem volksverhetzenden Freimaurerdenkmal in Leipzig im Jahr 1913? 

Will also jedenfalls heißen "Front" entweder mit den Mitteln der Vernunft - oder mit den Mitteln ... Napoleons ... Oder mit der gepanzerten Faust des Würgeengels von Leipzig. Da verwandelt sich dann die Menschheitsverbrüderungs-Rhetorik eines Kallmeyer doch recht schnell in recht kennzeichnende "Fronten", nicht doch, etwa: gegen "Schurkenstaaten" und "Achsen des Bösen" ... 

Insgesamt also eine Schrift, die wohl recht gut zur okkulten Symbolik des Freimaurerdenkmals in Leipzig paßt.


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  1. Professor Pharos: Der Prozess gegen die Attentäter von Sarajewo. Nach dem amtlichen Stenogramm der Gerichtsverhandlung aktenmäßig dargestellt von Professor Pharos mit einer Einleitung von Josef Kohler. R.v.Decker's Verlag, Berlin 1918 (Scribd)
  2. Bading, Ingo: "Weiße Magie zugunsten unserer arischen Rasse ...". Die tausend Masken des Meisters Rudolf Steiner. Auf: GA-j!, 22.4.2011
  3. Lennhoff, Eugen: Internationales Freimaurerlexikon. 1932 (Internetausgabe)
  4. Dedijer, Vladimir: Sarajevo 1914. Prosveta, Beograd 1966 (serbisch). -  The Road to Sarajewo. Simon and Schuster, 1966, 550 Seiten (engl.). - Die Zeitbombe. Sarajewo 1914. Europa Verlag, Wien, Frankfurt, Zürich 1967 (deutsch)
  5. Affeldt, Rolf; Heinrich, Frank: Das Völkerschlachtdenkmal gibt sein Geheimnis preis. Nouvelle Alliance, Leipzig 1993
  6. Hans-Dieter Schmid: Völkerschlachtdenkmal, Völkerschlachtgedenken und deutsche Freimaurerei im Jubiläumsjahr 1913. In: Marlis Buchholz u. a. (Hrsg.): Nationalsozialismus und Region. Festschrift für Herbert Obenaus, Bielefeld 1996, S. 355-379
  7. Affeldt, Rolf; Heinrich, Frank: Testament der Freimaurer. Das Völkerschlachtdenkmal zu Leipzig. Helikon Joggers, Bartsch & Sippenauer, Leizpig 1999
  8. Affeldt, Rolf; Heinrich, Frank: Testament der Freimaurer. Das Völkerschlachtdenkmal zu Leipzig. MdG-Verlag, Leipzig 2000 (4. Aufl.) 2009 (224 S.); auch auf englisch: MdG-Verlag 2008
  9. Förster, Otto W.; Hempel, Günter Martin: Leipzig und die Freimaurer. Eine Kulturgeschichte. Taurus Verlag 2007 (Amazon)
  10. Ludwig, Karin; Erler, Michael: Tempel, Logen, Rituale. Die Geheimnisse der Freimaurer. Dokumentarfilm, Deutschland 2008. 44 Minuten. Ein Film der Neuen Mediopolis Filmproduktion GmbH Leipzig im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks. Ausgestrahlt auf: ARD, 20.8.2008, 23.30 Uhr, Phoenix, 10.2.2009, Schweizer Fernsehen, 7. und 9.6.2009, 3Sat, 9. Juli 2009, 20.15 Uhr, 3Sat, 17.7.2011, MDR, 12.6.2011, Phoenix, 26.11.2011 
  11. Süß, Alexander: Leipziger Freimaurer in Wort und Stein. Der Einfluss der Logen auf das Völkerschlachtdenkmal und die Verlagsstadt. Salier Verla, Leipzig 2009 (siehe Rezension von Ralf Julke)
  12. Heinrich, Frank: Architekt Clemens Thieme. MdG Verlag, Leipzig 2009 (90 S.)
  13. Erler, Michael: Das Geheimnis des Völkerschlachtdenkmals. (In der Reihe: Mitteldeutsche Wahrzeichen.) Dokumentarfilm, Deutschland, 30 Min. (Moderator: Axel Bulthaupt) MDR, 15.11.2011, 20.45 Uhr (Interview mit Frank Heinrich).
  14. Ullrich, Jens: Das Völkerschlachtdenkmal und die Freimaurer. Logenbrueder.de, 2005
  15. Treffpunkt Leipzig: Auf den Spuren der geheimnisvollen Freimaurer.
  16. Filmliste Geheimgesellschaften. In: Kino Okkult. Eine geheime Weltgeschichte im Zeitalter des Films.
  17. Janßen, Karl-Heinz: Tannenberg - Ein deutsches Verhängnis. Die Zeit, 23.9.1977
  18. Kallmeyer, Ernst: In Harmonie mit den Naturgesetzen. Die echte Geistes- und Körperpflege (mit einigen Abb., Illustrationen) Verlag der Buchhandlung Erdsegen, Brannenburg/Obb. 1908 (274 S.) (Themen: Esoterik, Krankheit, Gesundheit, Erkenntnis, Leid überwinden, Lebensernergie, Gott, Ehe, Fruchtesser, Ernährung, Nacktkultur)
  19. Kallmeyer, Ernst; Kallmeyer, Hade: Künstlerische Gymnasik. Harmonische Körperkultur nach dem amerikanischen System Stebbins-Kallmeyer (mit 137 Abbildungen). Kulturverlag 1910 (184 S.)
  20. Kallmeyer, Ernst; Kallmeyer, Hade: Harmonische Kultur. Monatsschrift für Körper-, Seelen- und Geistespflege. Kulturverlag 1911
  21. Kallmeyer, Ernst: Ludendorff anti Freimaurerei, ein Schlag ins Wasser. Davidsstern, Hakenkreuz in ihrer wahren Bedeutung. Verlag Triasmus, Hamburg 1927 (31 S.)
  22. Kallmeyer, Ernst; Kallmeyer, Hade: Dynamisches Atmen. 1928 (vgl. Wedemeyer-Kolwe, S. 167, Anm. 174)
  23. Kallmeyer, Ernst: Leben unsere Toten? Eine Weltanschauung als Antwort. (Freie Religion/Lebensweisheit) Kultur-Aufbau-Verlag, Stuttgart 1946 (47 S.)
  24. Wedemeyer-Kolwe, Bernd: "Der neue Mensch". Körperkultur im Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Königshausen & Neumann, Würzburg 2004 (Google-Bücher) (520 S.)
  25. Linde, Bernhard: Vril. Ahriman, Luzifer und die Vril-Kraft. MdG-Verlag, Leipzig 2000 (121 S.) (Amazon); "Ergänzte Neuauflage" (in Bearbeitung?)
  26. Bading, Ingo: Das Dritte Reich - gesteuert von einem "geheimen Orden globaler Satanisten"? Zum Buch von Trevor Ravenscroft "Der Speer des Schicksals" (1972)GA-j!, 4.3.2011
  27. Bading, Ingo: "Weiße Magie zugunsten unserer arischen Rasse ..."  Die tausend Masken des Meisters Rudolf Steiner. GA-j!, 22. April 2011
  28. Bading, Ingo: Rudolf Steiner Zeuge satanistisch-ritueller Folterungen und Morde. GA-j!, 29. April 2011
  29. Bading, Ingo: Rudolf Steiner Zeuge satanistisch-ritueller Folterungen und Morde II. GA-j!, 30. April 2011   
  30. Tietz, Jürgen: Das Tannenberg Nationaldenkmal. Architektur, Geschichte, Kontext. (Diss.) Verlag Bauwesen, Berlin 1999
  31. Grünwald, Andreas: Das Reichsehrenmal Tannenberg. Auf: http://tannenberg-denkmal.de/ 
  32. Springer, Andreas: Das Tannenberg-Nationaldenkmal. Internetseite.
  33. Mühleisen, Christa: Generalfeldmarschall und Reichspräsident  Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorf und von Hindenburg. Sein Leben in Wort und Bild in 8 Teilen. 09.06.2006 
  34. Koch, Christian: Der Hindenburgkult und das Tannenberg-Denkmal. Masterarbeit. GRIN-Verlag 2008 (Google Bücher
  35. Ludendorff, Erich: Vom Feldherrn zum Weltrevolutionär und Wegbereiter Deutscher Volksschöpfung. II. Band: Meine Lebenserinnerungen von 1926 bis 1933. Verlag Hohe Warte, Stuttgart 1951
  36. Ludendorff, Mathilde: Freiheitskampf wider eine Welt von Feinden an der Seite des Feldherrn Ludendorff. V. Teil von: Statt Heiligenschein und Hexenzeichen mein Leben. Franz von Bebenburg, Pähl 1967
  37. Schnoor, Frank: Mathilde Ludendorff und das Christentum. Eine radikale völkische Position in der Zeit der Weimarer Republik und des NS-Staates. Diss. Deutsche Hochschulschriften, Kiel 1998
  38. Grippo, Giovanni: Das Erbe der Templer. Giovanni Grippo Verlag 2011 (freies pdf.)
  39. Osterrieder, Markus: Die Johannes-Ritter von San Juan de la Pepeña. Das Königreich Aragón, der Jakobsweg und die Tempelritter. Auf: CeltoSlavica 1997 - 2010
  40. Bading, Ingo: Schreckensmale okkulter Priesterdiktatur - Die Schlachtendenkmäler von Leipzig und Tannenberg. GA-j!, 27.11.2011
  41. Bading, Ingo: Über Schlachtfelder zu Gott: Das okkult-satanistische Völkerschlachtdenkmal in Leipzig. GA-j!, 28.11.2011
  42. Bading, Ingo: Kriegerdenkmäler als Freimaurerdenkmäler - das Beispiel Tannenberg (1927). GA-j!, 09.12.2011
  43. Bading, Ingo: Die Freimaurer und die SS: "Todesmutige Männer in schwarzen Uniformen". GA-j!, 09.12.2011
  44. Börsch-Supan, Helmut: Rezension von Peter Hutter "Die feinste Barbarei". Das Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig. Eine Studie über die "germanische" Kunst des 19. Jahrhunderts. (Diss.) von Zabern, Mainz 1990. In: Nordost-Archiv - Zeitschrift für Regionalgeschichte. Bd. VI/1997, H. 1, S. 407 - 409 (freies pdf.)

Donnerstag, 29. Dezember 2011

"Zu viele V-Leute" - "Mußte" Siegfried Buback wegen seiner damaligen Geheimdienstkritik ermordet werden?

Gehörte Franz Josef Strauß zu den Auftraggebern des Mordes an Siegfried Buback?
Abb. 2: Murck, VS-Chef Hamburg


Abb. 1: Manfred Murck, Verfassungsschutz-Chef Hamburg
Im folgenden werden erste plausible Gründe dafür genannt, warum Siegfried Buback eigentlich hatte ermordet werden "müssen".

Doch an den Anfang dieses Beitrages sollen zunächst Fotos von Manfred Murck gestellt werden (Abb. 1 - 3), des derzeitigen Leiters des Landesamtes für Verfassungsschutz in Hamburg. Er hat im Herbst dieses Jahres ebenfalls im derzeitigen Prozeß gegen Verena Becker in Stuttgart-Stammheim ausgesagt.

Wenn wir Fotos von ihm an den Anfang stellen, hoffen wir, daß sie nicht zu abschreckend wirken und die Leser in diesem Beitrag dennoch weiterlesen werden. Hier am Anfang soll schon einmal gesagt werden: So sehen in Deutschland Menschen aus, die seine freheitlich-demokratische Grundordnung, seine Rechtsstaatlichkeit und vieles andere mehr - - - "schützen".

Aber eine viel ernstere Frage stellt sich: Sehen so Geheimdienst-Mitarbeiter aus, die Politikern wie Franz-Josef Strauß zuarbeiten?

Siegfried Buback war gegen zu viele V-Leute

In Stuttgart-Stammheim, im Prozeß gegen Verena Becker, geschehen in diesen Wochen und Monaten reichlich viele "unheimliche" Dinge auf einmal. Am 24. November 2011 sollte Michael Buback als Zeuge vor Gericht aussagen über alle Kontakte zu Zeugen des Attentates an seinem Vater, die er in den letzten Jahren in Zusammenhang mit seiner Buchveröffentlichung "Der zweite Tod meines Vaters" hatte. In diesem Zusammenhang kommt es zu folgender - außerordentlich merkwürdigen - Szene laut Bericht von Michael Buback (Buback bloggt, 20.12.11a, b, Hervorhebung nicht im Original):
... Ich nenne den Zeugen Willy K., wobei ich anfüge, dies sei nicht sein wirklicher Name. Aufgrund seiner Geheimdienst-Verbindungen und seiner gravierenden Angaben, für die ich allerdings bislang keine nachprüfbaren Belege kenne, habe er – wie die im Prozess aufgetretenen Verfassungsschützer Meerfeld und Sundberg – einen Decknamen genannt. Willy K. habe sich im Februar 2011 an Rechtsanwalt Dr. Endres gewandt und eine Handy-Nummer angegeben, unter der er seitdem erreichbar sei. Mit Willy K. sei ich drei Mal zusammengetroffen. Ein Kollege von Rechtsanwalt Dr. Endres sei beim ersten und Rechtsanwalt Rätzlaff beim zweiten Treffen dabei gewesen. Mein Bericht beruhe auf den Protokollen dieser beiden Rechtsanwälte. Willy K. habe berichtet, er sei 1975 mit meinem Vater zusammengetroffen. Damals sei viel Geld in das Einschleusen von V-Leuten in die linke und rechte Szene investiert worden. Das Bundesland Bayern sei für die Verteilung dieser Gelder zuständig gewesen. Mein Vater habe das Vorgehen missbilligt und Innenministerium sowie Bundeskanzleramt informiert. Er habe auf seine Frage, wer welches Geld bekomme, keine Antwort erhalten und sei isoliert worden. Franz Josef Strauß habe meinen Vater, der diese Zuwendungen hinterfragt habe, als Gefahr ausgemacht. Holger Pfahls habe mehrfach Kontakt mit Frau Becker gehabt und sie persönlich bezahlt. Frau Becker habe sich bereits 1971 schriftlich verpflichtet, für den Verfassungsschutz zu arbeiten. Auf die Frage, woher sein Wissen stamme, habe Willy K. erklärt, er sei mit dem damaligen militärischen Abwehrchef der Sowjetunion in der DDR befreundet. Dieser habe von Erich Mielke eine Fülle von Akten und Tondokumenten erhalten. Diese habe Willy K. für den Freund, der nicht deutsch spreche, durchgesehen. Darunter sei auch eine Tonbandaufnahme, auf der Verena Becker über meinen Vater sagte: “Ich habe den Hund erschossen.” Die beiden “Spiegel”-Mitarbeiter im Sitzungssaal lachen hörbar, Bundesanwalt Hemberger grinst, Frau Ritzert lacht und die Verteidiger von Frau Becker schauen geringschätzig, während ich berichte.
Das Lachen dieser Personen im Sitzungssaal ist nicht nur "merkwürdig". Auch angesichts der derzeitigen öffentlichen Debatte rund um zu viele V-Leute in der NPD und der rechten Szene. Nein, es ist weitaus mehr. Es macht den Eindruck von Mitwisserschaft. - Bei "Spiegel"-Redakteuren würde das angesichts all der Mitverstrickungen des "Spiegels" in die Vorgänge rund um den Todesfall Uwe Barschel keineswegs verwundern. - Doch der damalige Terrorismus-Ermittler Manfred Ridder behauptet ja in seinem in diesem Monat erschienen Buch (1) genau das Gegenteil des im Zitat Behaupteten, nämlich daß das "Unvermögen" des Verfassungsschutzes, V-Leute zu platzieren, auf seine damalige "schlechte Verfassung" hinweisen würde. Hier stehen Aussage gegen Aussagen. Wer ist glaubwürdiger - Verfassungsschützer oder Kritikern von Geheimdiensten? Was für eine Frage! Schon die Frage stellen, heißt, sie zu beantworten.

Abb. 3: M. Murck, Verfassungsschutz-Chef Hamburg
Wohin nun die V-Leute im Jahr 1975 mit dem vielen Geld reisten, hat Michael Buback ebenfalls vor Gericht mitgeteilt:
Vor wenigen Tagen habe mich Bernd S. noch auf das Buch von Ulrich Kienzle, “Abschied von 1001 Nacht”, hingewiesen. Auf Seite 140 beschreibe der Autor, dass es ihm gelungen sei, 1975 ein Interview mit George Habash, dem Chef der Volksfront zur Befreiung Palästinas, kurz PFLP, an geheimem Ort zu verabreden. Im Vorzimmer des Terroristen habe er zwei junge Leute gesehen: Günter Sonnenberg und Verena Becker. Ulrich Kienzle schreibe, das sei damals eine Spitzenmeldung gewesen, die er aber für sich behalten habe, da sie schwer wiegenden Einfluss auf seine Arbeit hätte nehmen können. Ich meine, es ist auch heute noch eine Spitzenmeldung, dass Sonnenberg und Becker im Jahre 1975 gemeinsam reisten und den Chef der PFLP besuchten.
Die Sensibilität des Journalisten Ulrich Kienzle für Meldungen, die - natürlich negativen! - "Einfluß auf seine Arbeit" nehmen können, ist auffallend. Und Kienzle hätte diese Meldung auch nicht an Polizei oder Verfassungsschutz weitergegeben? Hätte dann nicht auch er aktiv an der Ermöglichung von weiteren Straftaten, von weiterem Terrorismus mitgewirkt?

Minuten nach dem Attentat: Kripo überzeugt sich von "gut getaner" Arbeit?

Um so mehr man über alles erfährt, um so mehr macht auch der von Michael Buback schon vielgenannte Polizeihubschrauber Sinn, der 1977 schon wenige Minuten nach dem Attentat auf Siegfried Buback am Tatort gelandet sei. Polizeibeamte hätten sich kurz ein Bild von der Lage verschafft, und seien dann wieder abgeflogen. M. Buback:
... Weiterhin habe mir der Zeuge erklärt, dass wenige Minuten nach der Tat ein Polizeihubschrauber gelandet sei. Aus diesem seien fünf Personen ausgestiegen und nach kurzer Betrachtung der Situation und Gesprächen mit Polizisten wieder abgeflogen. Um Vermutungen über eine Beeinflussung des Zeugen durch mich entgegenzutreten, füge ich an, auch hier gelte, dass meine Fantasie nicht ausreiche, um mir das auszudenken, was der Augenzeuge berichtet hat. Da sich der Zeuge bereits damals für Fliegerisches sehr interessierte und später Fluglehrer wurde, erscheint mir nicht bezweifelbar, was er über den Hubschrauber sagte, zumal er den Unterschied zwischen dem von Polizei und Rettungsdiensten benutzten Fluggerät genau kennt und seine Beobachtungen nicht nur auf Unterschieden in der Außenfarbe beruhen.
Alle Strafverfolgungsbehörden leugnen bisher diesen Polizeihubschrauber. Warum? Wollten sich hier nur Kriminalpolizeibeamte, die den Mord leiteten, vergewissern, daß alles "nach Plan" gelaufen war? Diesen Eindruck und keinen anderen jedenfalls macht die Landung dieses Polizeihubschraubers Minuten nach dem Attentat und das Leugnen desselben.

"Ach wie gut, das niemand weiß, daß ich Rumpelstielzchen heiß!"

Helmut Schmidt hält, wie seine typischen Polterworte inzwischen viel zitiert worden sind, nichts von Geheimdiensten (Elsässer):
„Ich habe den Verdacht, dass sich alle Terrorismen, egal, ob die deutsche RAF, die italienischen Brigate Rosse, die Franzosen, Iren, Spanier oder Araber, in ihrer Menschenverachtung wenig nehmen. Sie werden übertroffen von bestimmten Formen von Staatsterrorismus“. - Der Interviewer Di Lorenzo hakt konsterniert nach: „Ist das Ihr Ernst? Wen meinen Sie?“ - Schmidt antwortet: „Belassen wir es dabei. Aber ich meine wirklich, was ich sage.“
Helmut Schmidt war 1974 bis 1982 Bundeskanzler. Also auf dem Höhepunkt des RAF-Terrors. Und auch zu der Zeit der Morde an Siegfried Buback und Hanns-Martin Schleyer. Und dennoch - - - "läßt er es dabei". Darf er das? Es dabei "belassen". Im Grunde gerade aus seinem Munde eine ungeheuerliche Andeutung. Helmut Schmidt sagt auch:
"Ich traue inzwischen überhaupt keinem Geheimdienst mehr. Punkt.“ Die Geheimdienstler litten nämlich an einer „Krankheit“, die darauf beruhe, „dass sie tendenziell dazu neigen zu glauben, sie verstünden die nationalen Interessen des eigenen Landes viel besser als die eigene Regierung. Diese letztere Krankheit ist der Grund dafür, dass ich ihnen nicht traue.
Helmut Schmidt teilt also die Meinung dieses Blogs, daß Geheimdienste Demokratien lenken wollen, statt sich von Demokratien lenken lassen zu wollen. Über seine eigene Mitverantwortung, den Geheimdiensten vielleicht zu lang getraut zu haben während seiner Regierungszeit und später, spricht Schmidt nicht. Darüber, daß sich ein ehemaliger Bundeskanzler auch noch im Nachhinein durch Schweigen mitverantwortlich machen könnte, spricht er ebenso nicht. Im "Bohemian Groove" in Kalifornien, den Schmidt so begeisternd fand (siehe früherer Beitrag), hat er sich jedenfalls selbst recht freundlich mit so manchem Staatsterroristen zum Plaudern niederlassen können. Und nicht nur dort.

Vom Schutz  der Diktatur zum "Schutz" der Verfassung

Inzwischen haben in dem Prozeß gegen Verena Becker mindestens zwei Beamte des Verfassungsschutzes ausgesagt. Die Gesichter so manches leitenden Gestapo-Beamten kennt man aus manchen Prozessen seit 1945. Die Gesichter von leitenden Beamten der Nachfolgeorganisationen der Gestapo, nämlich des Bundesamtes und der Landesämter für Verfassungsschutz, des Bundesnachrichtendienstes und der Bundeskriminalpolizei, kennt man heute allzu oft noch viel zu wenig. Möglicherweise sind diese Gesichter aber, wie auch Helmut Schmidt andeutet, viel wichtiger als jene, die die Deutsche Bundespost oder zuvor die Reichspost auf ihre Briefmarken drucken, und die einem allerorten in den Medien "vorgeführt" werden.

Da ist nun zum Beispiel Winfried Ridder (geb. 1939), "Chefauswerter und Linksterrorismusexperte des Bundesamtes für Verfassungsschutz" während der RAF-Zeit und der Schmidt-Ära. Er arbeitete "seit 1977 im Referat Terrorabwehr, zuletzt als Referatsleiter":
"In seinem Büro liefen die Erkenntnisse aller Behörden über den Linksterrorismus zusammen."
In seiner Buchveröffentlichung, die vor drei Wochen erschienen ist (1) schützt er eine "schlechte Verfassung" seines Dienstes in den 1970er Jahren vor. In einem Focus-Interview im September hat er an so vieles keine Erinnerung mehr. Dennoch äußert er sich dann doch wieder in einem 3sat-Interview zu dem Mord an Siegfried Buback und zu dem derzeitigen Prozeß gegen Verena Becker. Dieses Interview wurde am 3. Oktober 2011 veröffentlicht und ist im Netz frei zugänglich.

Verfassungs"schützer" in "Grenzsituationen"

Man sollte sich diese 17 Minuten anschauen (3Sat).

Nein, man muß sie sich zwei mal anschauen. Diese 17 Minuten könnten einem wohl mehr über die Grundbefindlichkeit unseres Staates und unserer Gesellschaft sagen, als vieles sonstige stundenlange Geschwafel. Die "massive Konzentrierung von offenen Fragen" im Fall des Mordes an Siegfried Buback, so sagt Ridder - und man achte auf sein Stocken, sein Zögern, sein Absetzen, auf seine Satzverschachtelungen, auf sein Nicht-weiter-Reden, wie wir es versucht haben, in der Verschriftlichung anzudeuten:
"muß jeden, und auch für mich trifft das zu, nicht gleichermaßen, aber doch an den Punkt führen, daß er sich gelegentlich zurücklehnt und sagt: Kann es denn wirklich 'ne - -? Ganz ... [od.:] Kannst ... - - Hast du es so erlebt - - ? Traust du es denen wirklich zu, daß sie - - ? Solche Überlegungen kommen in Grenzsituationen in der Tat vor."
Da eiert ein Rumpelstielzchen schon ziemlich auffallend herum. Die Frage stellt sich: Wer ist denn in diesen Satzfragmenten "sie"? Andere müssen sich diese Frage stellen. Aber auch er selbst. Wenn auch nicht: "gleichermaßen" ...!Vom Sinn her können doch diese Sätze nur so gemeint sein, wie: Traust du denen wirklich zu, daß sie diese Verena Becker an der langen Leine führen, ihre Mordlust schüren, von ihren Mordabsichten erfahren und sie dieselben dennoch durchführen lassen und sie abschließend bis heute decken? Traust du ihnen das wirklich zu? Nur allein solche Überlegungen können es doch sein, die "nur" in "Grenzsituationen" an die Oberfläche kommen. Welche sonst? In - - - "Grenzssituationen"!? Offenbar hat Michael Buback durch seine Veröffentlichungen für manche "Verfassungsschützer" eine solche "Grenzsituation" geschaffen? Im genannten Focus-Interview von Ridder vom September hört man von solchen Selbstzweifeln allerdings nichts:
"Niemand hat eine schützende Hand über Verena Becker gehalten. Eine Verschwörung oder ein Schweigekartell zwischen vier beteiligten großen Apparaten mit Hunderten Mitarbeitern – Verfassungsschutz, Innenministerium, Bundeskriminalamt und Bundesanwaltschaft – hätte einen Regisseur vorausgesetzt, der an den Zuständigkeiten und Strukturen gescheitert wäre. Es hätte einen Aufstand gegeben, wenn eine schützende Hand so etwas hätte organisieren wollen."
Aber von eben solchen "Regisseuren" scheint er doch in den zuvor zitierten Satzfragmenten gesprochen zu haben! Solche "Regisseure" kennt man auch aus anderen Bereichen. Seien wir unverfroren und nennen wir sie einmal (mit Guido Grandt): "Freimaurer"! Oder welche Seilschaft soll das "sie" in dem 3sat-Interview sein? Menschen aus der Umgebung von Franz Josef Strauß? Helmut Schmidt?

Abb. 4: Sohn eines RAF-Opfers und "Chefauswerter Terrorismus" des BfV
Am 18. November 2011 wurden auch die eben zitierten Satzfragmente aus dem 3sat-Interview im Gerichtssaal im derzeitigen Prozeß gegen Verena Becker vorgespielt unter Anwesenheit von Winfried Ridder selbst. Abbildung 1 zeigt links Michael Buback, rechts Winfried Ridder. Links Sohn eines Opfers und rechts einen damaligen Mitverantwortlichen für die  "merkwürdige" staatliche RAF-Behandlung in den 1970er Jahren.

Sein Lächeln "paßt" irgendwie zu dieser "merkwürdigen" staatlichen RAF-Behandlung, zu diesem "Staatsterrorismus" in den Worten des Helmut Schmidt.

"Hätte einen Regisseur vorausgesetzt ..." - Ja, wer war der Regisseur?

Michael Buback hat ebenfalls einige der wesentlichsten Passagen des 3sat-Interviews mit Winfried Ridder auf seinem Blog verschriftlicht (Buback bloggt a, b, c). Und auch schon im September 2009 hatte sich Ridder in einer ARD-Dokumentation zu dem Buback-Mord geäußert. Über die Kontaktaufnahme des Verfassungsschutzes zu Verena Becker im Jahr 1981 sagt Ridder etwa (Hervorhebung nicht im Original):
"Und wenn es wirklich zu einem Kontakt kommt, der über das hinaus geht, was gemeinhin denkbar ist,"
... Was geht denn für einen Geheimdienstmann bei einem Kontakt über das hinaus, "was gemeinhin denkbar ist"? Man wird wohl mutmaßen müssen, daß das mehr sein muß, als bloße Entgegennahme von Informationen ...
"dann ist natürlich auch eine Beteiligung der Länderbehörden, der Länder-Innenminister, wie im Fall Verena Becker, wo es das Land Nordrhein-Westfalen war, es ist ein sehr komplizierter Prozess. Vor allem dann, wenn man jemanden dann aus der JVA heraus holt. Das muss ja legendiert werden.
Ja, inzwischen hat Michael Buback auf seinem Blog auch Hinweise genannt, daß ein Verfassungsschützer in Kassel unter der "Legende" eines Pfarrers Verena Becker besuchte. Als ein Gefängnisbeamter darauf insistierte, daß es einen solchen Pfarrer in dem von ihm angegebenen Ort nicht gab, wurde er - mit 40 Jahren! - pensioniert! - Neben dem Rumpelstielzchen-haften Gesichtsausdruck, mit dem auch dies gesagt wird, sind diese Worte natürlich einmal erneut eine lehrreiche Begriffsverwendung: Ein Geheimdienstmann denkt ständig in den Kategorien von "Legendierung". Das kann man sich an diesem Zitat klar machen. Es heißt im Interview weiter:
"Es muß in einer umfassenden Weise eine Legende aufgebaut werden. Aber das ist nur nachrichtendienstliches Handwerkszeug, wie man so etwas macht."
Klar. Und Handwerkszeug ist es auch, daß ein 40-jähriger Gefängnisbeamter pensioniert werden muß, wenn er die Legende auffliegen läßt. Michael Buback schreibt:
In der ARD-Dokumentation wird noch erwähnt, dass Verena Becker dem Verfassungsschutz in einer konspirativen Wohnung Rede und Antwort gestanden habe. In den Akten findet sich für den Zeitraum dieser Befragung der Eintrag, dass Verena Becker zur Behandlung in einem Kasseler Krankenhaus gewesen sei. Man hätte demnach eine Legende in Akten eingefügt, die zur Klärung des dreifachen Karlsruher Mordes herangezogen werden. Muss man dann nicht, zumindest bei Angaben über Verena Becker, auch an anderen Stellen mit Unwahrem in den Akten rechnen?
Was für Fragen! Buback schreibt außerdem:
Ridder hat im 3sat-Interview die Frage gestellt, ob es denn nicht zu Zweifeln an der Kompetenz, der Zuverlässigkeit und der Wahrhaftigkeit der Behörden führen müsse, wenn es zu dieser massiven Konzentrierung offener Fragen komme.
Diese Sätze fallen gleich zu Anfang des Interviews. Diese kann er noch äußern, ohne bloß Satzfragmente vom Stapel zu lassen. Ridder im Wortlaut:
"Muß es nicht zu Zweifeln führen an der Kompetenz, an der Zuverlässigkeit, an der Wahrhaftigkeit von Behörden, Apparaten und Mitarbeitern, wenn es zu dieser massiven Konzentrierung offener Fragen kommt?"
Er scheint damit manche internen gegenwärtigen Überlegungen seiner ehemaligen Behörde öffentlich wiederzugeben.

"Eine Fülle von Verdachtsmomenten ..."

Und ebenso auch am Ende des Interviews:
"Und wenn Kritiker an den Behörden, an den Sicherheitsbehörden massiv inzwischen, ja inzwischen sogar auf der wissenschaftlichen Ebene, der politikwissenschaftlichen Ebene, eine Fülle von Verdachtsmomenten formulieren, dann fragt sich natürlich auch ein unmittelbar Beteiligter an einem bestimmten Punkt: Sag mal, kannst du wie bisher stehen? Hast du möglicherweise doch etwas übersehen? Ist etwas an dir vorübergegangen? Könnte jemand wirklich, um es konkret zu sagen, eine bestimmte Person geschützt haben? Ist das denkbar?"
Lächel, lächel, grins, grins. Lächel, lächel, grins, grins. Lächel, lächel, grins, grins.

Und solche Worte sind eigentlich noch nicht einmal mehr aus dem Munde eines damaligen Chefauswerters ungewöhnlich, wo es doch inzwischen "die Spatzen von den Dächern pfeifen". Mit diesem Interview scheint man wieder ein Stück weit weiter gegangen zu sein in der "Gewöhnung" der Öffentlichkeit an eine vermutlich sehr berechtigte "Fülle von Verdachtsmomenten".

Allerdings stellt sich doch vor allem die Frage, ob ausgerechnet ein Mensch wie Winfried Ridder, der sein Leben lang in den Kategorien von "Legendierung" und "Legendenbildung" gedacht und gehandelt hat, also in den Kategorien von Lüge, Täuschung und Desinformation, ob gerade ein solcher Mensch geeignet ist, ein etwaig verloren gegangenes Vertrauen wiederherzustellen. Ist nicht auch dieser Ridder ein "Wolf im Schafspelz"? Michael Buback schreibt auch:
Ein weiteres Ridder-Zitat lautet: “Wir haben uns im April 1977 gefragt: Wer kommt aus dem Bereich der Illegalen als Täter in Frage? Und wir sind sehr schnell zu dem Ergebnis gekommen, dass eigentlich der gesamte sogenannte Kommandobereich potentiell als Täter in Frage kommt. Das waren etwa zwölf Personen.” Weiter heißt es: “Und eine fachlich saubere Fahndung hätte damals an diesen zwölf Personen ansetzen müssen. Stattdessen sind drei Personen herausgewählt worden, von denen man einen Tag nach dem Anschlag glaubte, sie seien in besonderem Maße für den Anschlag verantwortlich. Heute wissen wir, dass die gesamte Auswahl möglicherweise irrelevant war, nein, im Gegenteil, man muss schon fast sagen, dass es Züge von Desinformation hatte, ein solches Fahndungskonzept. Denn hier wurde auf eine Spur gelenkt, von der wir heute wissen, dass sie falsch war.
Also was denn nun? Desinformation: ja oder nein? Bundesanwalt Hemberger fragte im Gerichtssaal noch einmal nach. Antwort Ridder: Er würde diese Formulierung so nicht mehr aufrecht erhalten!!!! Ekelhaftes Geeier.

Was soll man denn nun noch glauben? Ein Mensch wie Winfried Ridder muß doch schon zu lügen anfangen in dem Augenblick, in dem er den Mund auftut. Er atmet die Lüge ein und aus. Und nennt das "Legendierung", "Legendenbildung", "Desinformation". Und auf solche Menschen stützen wir die Sicherheit unseres Staates, unserer Verfassung, unserer Gesellschaft? Sie arbeiten für uns - anstatt wir "für sie"?

Und all dies wird durch das unentwegte zynische Lachen unterstrichen, das diesem Winfried Ridder auf dem Gesicht steht, auch wenn er von eigener Verantwortung redet. Wenn man möchte, kann man dies gerne vergleichen mit dem süffisanten Lächeln eines vormaligen Geheimdienstchefs wie Markus Wolf. Lächelt man so penetrant, wenn man von eigener Verantwortung spricht? Ist das ein Mensch, der wirklich Verantwortung spürt? Oder ist es nicht doch das gequälte Lächeln eines Menschen, der ein Leben lang das ihm eingeborene Streben nach
"Kompetenz, Zuverlässigkeit und Wahrhaftigkeit"
in sich unterdrücken mußte - aus Karriererücksichten oder gar aus Rücksichten des eigenen rein physischen Überlebens - und der darüber nur noch ein schmieriges Lächeln im Gesicht stehen lassen kann?

Der Ridder macht insgesamt den Eindruck, als ob er in den 1970er Jahren die Zusammenhänge schon geahnt hat aber gerne nicht zu  genau hingeschaut hat, was andere Kollegen, Vorgesetzte oder andere Behörden tun, oder der sogar bewußt weggeschaut hat. Der aber heute - quasi als Historiker und "Pensionär" - mit Lächeln die "spitzbübischen" Fuchs-Ideen verfolgt, die damals seine Vorgesetzten und jene verfolgt haben, die im Hintergrund eben doch die Zusammenarbeit der Behörden koordiniert haben, bzw. ggfs. eine "mangelnde Zusammenarbeit" als "notwendig" empfanden. Er sagt ja selbst gegen Ende des Interviews: "Ich habe mich lange gegen Zweifel gewehrt." So kann man Weggucken natürlich auch nennen.

Christian Lochte, der Abteilungsleiter im Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz

Abschließend sei noch der eingangs erwähnte Manfred Murck erwähnt, dieses markante Gesicht einer "lupenreinen Demokratie", eines "deutschen Putin". (Dies nur am Rande als kleiner Tipp für die Public Relation-Abteilung der Bundesregierung!) Michael Buback berichtete schon im September dieses Jahres über diesen Murck, diesen weiteren "Wolf im Schafspelz" unter anderem folgendes (Buback bloggt, zum 12.9.2011):
Ich hatte von einem Vortrag erfahren, den der Zeuge am 20. Oktober 2010 auf einer Tagung der Deutschen Gesellschaft für Kriminalistik gehalten hat. Der Zeuge erinnert sich nur schwach daran. Ich halte ihm seine dort gezeigte dritte Folie vor, auf der unter der Überschrift “Spezifische Stärken des Verfassungsschutzes” als erster Punkt steht: “Eigenständige Vertraulichkeitszusagen/kein Strafverfolgungszwang”. Ich frage den Zeugen, ob er sich an das Gespräch mit Professor Hans-Joachim Selenz erinnert, der bei dieser Tagung ebenfalls vorgetragen hat. Der Zeuge erwidert, er wisse nicht mehr, mit wem er dort gesprochen habe. Deshalb frage ich ihn, ob er in diesem Gespräch sinngemäß gesagt habe, der Verfassungsschutz sei eine familiäre Truppe, die so schön dicht halten kann, was man eben im Fall Buback sehr gut sehen könne. Der Zeuge Dr. Murck erklärt, daran habe er keine Erinnerung. Man sollte Professor Selenz laden, der sich gut erinnert.
Michael Buback berichtete in indirekter Rede auch über die Aussage des Journalisten Nils von der Heyde im Prozeß gegen Verena Becker (Buback bloggt, zum 11.8.2011):
Der Zeuge habe am Karsamstag (1977) seinen Freund Christian Lochte, der Abteilungsleiter im Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz war, aus Teheran angerufen und gefragt: “Stichwort Buback, wer war es?” Lochte habe spontan gesagt: “Die Sola.” Beide wussten, dass mit diesem Decknamen Verena Becker gemeint war. Der Zeuge habe entgegnet: “Aber seit gestern werden doch Folkerts, Klar und Sonnenberg gesucht?” Darauf Lochte: “Weiß ich doch. Entweder läuft da eine Intrige oder der Boeden hat es vermarmelt. Geballert hat die Sola.” Der Zeuge habe “Intrige” so verstanden, dass Verena Becker geschützt werden sollte.
Gleich nach seiner Rückkehr habe er sich mit Lochte getroffen. Dieser habe gesagt: “Ich war erschüttert, als ich das Ganze hörte, weil ich fest glaubte, der Meier [Richard Meier, der damalige Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz] würde sie kontrollieren, hätte sie im Griff.” Der Zeuge habe erstaunt reagiert: “Was, sie hat für euch gearbeitet?” darauf Lochte: “So ist es.” Auf die Frage: “Wie lange schon?” habe Lochte geantwortet: “Mindestens seit einem Jahr.” Lochte habe sich nicht dazu geäußert, zu welcher Stelle beim Verfassungsschutz dieser Kontakt bestanden habe.
Also von diesem Chef des Bundesamtes redet der Winfried Ridder in seinem Interview so "merkwürdig" herum. Natürlich hat auch Ridder geglaubt, sein Chef hätte die "Sola" im Griff. Natürlich! - Natürlich? Warum dann der "Schutz" bis heute? Da wäre etwas aus dem Ruder gelaufen anstatt "ganz nach Plan"? Wer glaubt denn das noch? Michael Buback weiter - und allmählich wird sein Vater Siegfried Buback sich im Grabe doch sagen können, daß er nicht ganz umsonst einen Sohn hat:
Der Zeuge Nils von der Heyde erwähnt, Lochte und er seien damals seit vier Jahren befreundet gewesen. Sie hätten sich auf einem Empfang von Lochtes Chef, Hans Josef Horchem, kennengelernt. Die Familien hätten Urlaubstage zusammen verbracht. Es sei vereinbart gewesen, dass alles, was ihm Lochte unter vier Augen sage, streng vertraulich sei. Die Rolle der Frauen bei der RAF und beim “2. Juni” sei für sie häufiger Gesprächsstoff gewesen. Sie wollten hierüber ein Buch schreiben.
Nachdem Verena Becker im Mai 1977 in Singen festgenommen worden war, mit der Tatwaffe und dem Schraubendreher des Tatmotorrads im Gepäck, war Lochte der Meinung, die Fahndung nach Bubacks Mördern würde eingestellt und Becker und Sonnenberg würden wegen des Karlsruher Attentats angeklagt. Als dies nicht geschah und die Strafverfolgung gegen Verena Becker beiseite geschoben wurde, habe Lochte in Anspielung auf Verena Beckers Informantentätigkeit für den Verfassungsschutz gesagt: “Das läuft nach dem Motto: ‘Was nicht sein darf, auch nicht kann sein’.” Lochte sei über die Entwicklung verärgert und deprimiert gewesen. Nachdem Verena Becker Ende 1977 wegen der Schießerei in Singen verurteilt worden war, habe er dies so kommentiert: “Jetzt ist sie wohl endgültig aus der Buback-Sache raus.” Der Zeuge habe daraufhin gefragt: “Und das willst du wirklich so auf sich beruhen lassen?” “Muss ich ja”, habe Lochte geantwortet. “Wenn ich sagen würde, was ich weiß, wäre ich meinen Job los und vermutlich auch meine Pension.” Nils von der Heyde berichtet noch, er habe später zufällig Hans Josef Horchem getroffen und darauf angesprochen, dass Verena Becker in Karlsruhe geschossen habe. “Ja natürlich, so war das”, sei die Antwort gewesen. Horchem habe vom engen Kontakt des Zeugen zu Lochte gewusst.
Der Vorsitzende fragt, warum die Information so lange beim Zeugen geschlummert habe. Er habe sich mein Buch gekauft, antwortet Nils von der Heyde. Dies habe ihn angestoßen sich zu äußern. Er sei von meiner Recherchearbeit beeindruckt und meine, mir mit einem Mosaiksteinchen helfen zu können, wobei er sich nicht anmaße, die Wahrheit zu kennen, zumal ja auch Lochte nicht “dabei” gewesen sei. Der Zeuge erwähnt noch, Lochte sei CDU-Mitglied gewesen, und das unter SPD-Bürgermeistern. Oft habe Lochte auch Bundeskanzler Helmut Schmidt berichtet. Lochte habe als der Fachmann für die RAF schlechthin gegolten. Der Zeuge kann sich nicht an Informationen von Lochte erinnern, die nicht zutreffend gewesen seien. Die Äußerung des früheren BKA-Abteilungspräsidenten Rainer Hofmeyer, Lochte sei ein Fabulierer gewesen, bezeichnet der Zeuge als lächerlich. Es sei schwer vorstellbar, dass sich Bundeskanzler Helmut Schmidt mehrfach von einem mittelmäßigen Beamten, einem Fabulierer, habe vortragen lassen. Lochte habe ihm, so der Zeuge, auch noch gesagt, Buback sei einer Reihe von Leuten ein Dorn im Auge gewesen, da er sehr erfolgreich Ostagenten aufgespürt habe. (...)
Der Bundesanwalt fragt den Zeugen noch, ob er mit Lochte über andere RAF-Morde gesprochen habe. Lochte habe ihm über den Mord an Alfred Herrhausen gesagt: “Das war nicht die RAF.” 
Wie können all diese Menschen noch denken, die Fassade würde noch allzu lange aufrecht erhalten werden können, daß sie für eine "gute Sache" eingestanden wären? Daß wir in einer "lupenreinen Demokratie" leben würden, in der das Vertrauen auf die Kompetenz, die Zuverlässigkeit und Wahrhaftigkeit der Behörden berechtigt wäre?
_________________
1. Ridder, Winfried: In schlechter Verfassung. Das Unvermögen der Geheimdienste im Kampf gegen den Terror. ISBN 9783940461179, Flexibler Einband, 208 Seiten, erschienen am 01.12.2011 bei adatia Verlag 

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Georg Schramm und "Occupy Frankfurt": "Zorn ist an der Zeit"

Georg Schramm, den man jüngst auch privat sehr eindrucksvoll erleben konnte, schon vor einem Monat in Frankfurt am Main:


Großes Format. Man denkt, da spricht nur ein "Hofnarr". Aber man stellt schnell fest, daß bei ihm sogar mancher Historiker noch etwas dazu lernen kann. Und zum Beispiel offenbar einer der ersten, der Peter Sloterdijk's "Zorn und Zeit" nicht nur gelesen hat, sondern seine dabei gewonnenen Erkenntnisse auch praktisch in die Alltagspolitik einfließen läßt:
Papst Gregor der Große hat im sechsten Jahrhundert gesagt: "Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht." So mögen wir alle den Zorn loben. Und deshalb sind wir auch hier!
Und: Endlich ein "Politclown", ein "Hofnarr", der nicht nur Späße macht, sondern auch zum Handeln übergeht. (Im Gegensatz - etwa - zu dem feigen Horst Schlämmer und all seinen "Kollegen" ...)

Oktogonale Kriegerdenkmäler in Deutschland und England - mit geheimem Hintersinn?

In den letzten vier Wochen sind hier auf dem Blog vier Beiträge über okkulte Symbolik an Kriegerdenkmälern erschienen (38 - 41), nämlich über das Völkerschlachtdenkmal von Leipzig (1913) und das Tannenberg-Nationaldenkmal in Ostpreußen (1927). Zum Tannenberg-Nationaldenkmal sollen im folgenden Beitrag noch einige Ergänzungen und Präzsierungen erfolgen anhand einer darüber erschienen Monographie (28). Im Zentrum des Denkmals war 1924 ein Löwendenkmal vorgesehen, 1927 ein "großer Werksteinblock", 1928 ein "Blomfield'sches Hochkreuz" mit oktogonalem Sockel, wie es auf allen großen britischen Soldatenfriedhöfen des Ersten und Zweiten Weltkrieges zu finden ist.

Während man sich also vor 1927 mit der Freimaurerhalle in London zum Gedenken an die gefallenen englischen Freimaurer des Ersten Weltkrieges architektonisch auf das deutsche Völkerschlachtdenkmal in Leipzig von 1913 bezog (38), bezog man sich zur gleichen Zeit deutscherseits beim Tannenbergdenkmal auf das britische "Hochkreuz mit Kreuzritterschwert" und oktogonalem Sockel als der typischsten Ikonographie der britischen Soldatenfriedhöfe.

Auch bezüglicher weiterer Symbolik stellt sich beim Tannenbergdenkmal die Frage: Haben sie wie das Völkerschlachtdenkmal freimaurerische Hintergründe?

Das Tannenberg-Denkmal - Ein Symbol von "orientalischem Byzantinismus" und "Despotie"?

Das Tannenberg-Nationaldenkmal hat von 1924 bis 1937 viele Entwurfs- und Ausführ-Stadien durchlaufen (28). Der unter mehreren eingereichten (z.B.: a) verwirklichte Entwurf stammt von dem Berliner Architekten-Brüderpaar Walter und Johannes Krüger (Abb. 1).

Abb. 1: Johannes (rechts vorn) und Walter Krüger (dahinter) mit dem umgestalteten Modell (um 1935)    

Unter den deutschen Architekten löste ihr angenommener Entwurf im Jahr 1925 heftige Diskussionen aus (28, S. 42):
In der Baugilde, dem Zentralorgan des Bundes Deutscher Architekten (BDA) wurde ihnen (den Krüger-Brüdern) gegenüber sogar der Plagiatsvorwurf erhoben. Bewußt oder unbewußt hätten die Architekten sich an der mittelalterlichen Stadtbefestigung von Semendria (Smederevo) in Serbien orientiert. Dies wurde als um so empörender empfunden, als Serbien noch vor kurzer Zeit Feindesland gewesen sei und die dort verwandten Architekturformen deshalb einem deutschen Nationaldenkmal nicht angemessen seien. Die Krügers versuchte jedoch, den Vorwurf durch ihre eigene Unkenntnis der Befestigungsanlage Semendrias zu entkräften.
Diese Befestigungsanlage von Smederevo liegt 50 Kilometer donauabwärts von Belgrad oberhalb des Südufers der Donau. Die Ähnlichkeiten mit dem Tannenberg-Nationaldenkmal kann man tatsächlich als frappierend empfinden. Auf Wikipedia wird erläutert, daß dies die Architektur eines byzantinisch-serbischen Despoten des 15. Jahrhunderts ist (Wiki):
Als 1427 der serbische Despot Đurađ Branković die damalige Hauptstadt Belgrad an Ungarn zurückgeben mußte (...), verlegte er seine Hauptstadt nach Smederevo, das er in den folgenden Jahrzehnten zur größten befestigten Stadt Serbiens erbauen ließ.
- Also Symbol von "Byzantinismus" und "Despotie" ein Reinkultur? Nachdem man den "wilhelminischen" "Byzantinismus", dem man schon im Freimaurerdenkmal von Leipzig 1913 in der Architektursprache  symbolisch etwas hatte "entgegenstellen" wollen (42), gerade erst im Jahr 1918 überwunden worden war? Der Berliner Architekt Bruno Möhring, Schriftleiter der "Stadtbaukunst" sprach von einem (28, S. 43)
"Tiefstand des Geschmacks (...) ein mühsam zusammengestoppeltes Machwerk (...) eine unechte Burg in zumindest für Deutschland nicht bezeichnenden, urorientalischen Formen (...)" usw..
Löwen-Denkmal im Zentrum (1924)

Der Innenhof war zunächst anders gedacht, als er dann zur Ausführung kam (28, S. 40):

Im Zentrum des Platzes war zunächst die Aufstellung jenes Löwen-Denkmales des 147er Grenadier-Regimentes von Hindenburg vorgesehen, das parallel zur Grundsteinlegung des Tannenberg-Nationaldenkmals 1924 unweit des geplanten Denkmals eingeweiht worden war.
(Siehe: a, b.) Der Löwe dieses Denkmals ist erhalten geblieben und ist 1993 vor dem Rathaus von Hohenstein aufgestellt worden (Abb. 2; siehe auch: a, b). In der Entwurfsskizze des Tannenberg-Denkmals ist der Grundriß dieses Löwen-Denkmals rechteckig angegeben, nicht quadratisch. Möglicherweise hätte der Freimaurerkitiker Erich Ludendorff Anlaß, in diesem Löwen Bezüge zum "Löwen Judas" zu sehen (a).

Abb. 2: 1924 für das Zentrum des Tannenberg-Denkmals vorgesehen, heute in Hohenstein
Weiter heißt es (28, S. 41):
Bei seiner Aufstellung im Innenhof  des Tannenberg-Nationaldenkmals sollte das Löwendenkmal durch einen doppelten Ring von Eichen eingefaßt werden.
"Altarähnlicher Werksteinblock" im Zentrum (1927)

Zur Zeit der Einweihung im Sepember 1927 war ein "altarähnlicher großer Werksteinblock" für das Zentrum des Denkmals vorgesehen. Er wurde, da der Bau noch nicht vollendet war, provisorisch durch einen "altarähnlichen Bretterverschlag" vertreten (28, S. 47, 49):
Entgegen der ursprünglich bekundeten Absicht des Tannenberg-Nationaldenkmal-Vereins, bis zur Denkmalseinweihung lediglich einen Denkmalsturm zu errichten, konnte der gesamte Rohbau bis zur Einweihung im September 1927 fertiggestellt werden. (...) Zwischen dem 5. und 10. September 1927 wurden an der Front von Turm 1 goldene Schwerter mit nach oben gerichteter Klinge eingesetzt.
Von diesen war schon die Rede (40). Zum Zeitpunkt der Einweihung hatte der Innenhof des Denkmals (28, S. 49):
noch keine Ausgestaltung erfahren, wie die Fotos der Einweihungsfeierlichkeiten anschaulich dokumentieren. Der Reichspräsident Hindenburg konnte deshalb lediglich an einem provisorischen Bretterverhau in der Mitte des Denkmalsinnenhofes die offizielle Kranzniederlegung vornehmen.
Welche Maße dieser Bretterverhau hatte und der vorgesehene "altarähnliche große Werksteinblock" ist der Monographie nicht zu entnehmen. Daß es sich aber tatsächlich bei dem "provisorischen Altaraufbau" um einen "altarartigen Bretterverschlag", nicht um einen rohen Betonsockel handelt - wie ursprünglich von uns im früheren Beitrag (40) angenommen -, ist auf einem Foto ganz gut zu erkennen (28, S. 51).

Dem vorgesehenen Rabbiner wurde abgesagt (1927)

Über die Einweihungsfeier erfahren wir weiterhin (28, S. 54):
Sowohl ein katholischer als auch ein evangelischer Geistlicher waren zu der Eröffnungsfeierlichkeit als Redner geladen, wie schon zur Grundsteinlegung, um damit den sakralen Weihecharakter der Veranstaltung zu betonen. Einem Rabbiner, der als Vertreter des "Jüdischen Frontkämpfer Verbandes" (...) zunächst auch sprechen sollte, wurde hingegen unter dem fadenscheinigen Argument der knapp bemessenen Zeit bei dem Einweihungszeremoniell das Wort verwehrt. In einer an den Reichskanzler Marx gerichteten Resolution vom 23. Oktober 1927 gab daraufhin der "Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" seiner "Entrüstung Ausdruck, daß bei der Tannenbergfeier, entgegen der getroffenen Vereinbarungen, den jüdischen Frontsoldaten die Beteiligung unmöglich gemacht wurde."
Zusätzlich zu den Fotos in den früheren Beiträgen sollen hier noch zwei seltene Fotos, offenbar von eben diesen den Einweihungsfeierlichkeiten im Jahr 1927, gebracht werden. 


Abb. 3: Hindenburg und Ludendorff - "Dank für zündende Begrüßung an General K., Ostpreußischer Kriegerverband"
Sie sind offenbar außerhalb des Denkmals aufgenommen worden (Abb. 3 und 4).

Abb. 4: Die Generäle Mackensen, Ludendorff, Hindenburg und Seeckt - Tannenberg-Denkmal 1920er Jahre (wohl Grundsteinlegung)
In die Vorbereitung der Feierlichkeiten ebenso wie in die Ausgestaltung des Denkmals selbst waren die staatlichen Behörden bis hinauf ins preußische Innenministerium befaßt (28, S. 55):
Die Gestaltung des Denkmalsinneren war bis zur Einweihung noch keineswegs in seiner später ausgeführten Form festgeschrieben. (...) Als zentrales Denkzeichen beabsichtigte man einen "altarähnlichen Aufbau aus einem großen Werksteinblock, der ein Bronzeschwert trägt" zu errichten,
wie es in der Festschrift von 1927 heißt:
Vier Stufen sollten zum Altar hinaufführen. Die Gestaltung des Innenhofes unterschied sich deutlich von dem Wettbewerbsentwurf, der noch die Aufstellung des 147er Hindenburg-Denkmals von 1924 vorgesehen hatte.
Es sollte also als "zentrales Denkzeichen" ein "großer Werksteinblock" aufgestellt werden. Aber offenbar hat man von diesem dann wieder Abstand genommen. In der Monographie (28) werden die Unterstellungen Erich und Mathilde Ludendorffs weder gründlicher behandelt, noch überhaupt erwähnt. Ob also ihre Unterstellungen, daß es sich bei diesem Werksteinblock um einen Kubus handeln würde, zu dem Wechsel beigetragen haben, kann aufgrund dieser Monographie nicht gesagt, aber auch nicht ausgeschlossen werden.

Bezug zu dem "Hochkreuz mit Kreuzritterschwert" und oktogonalem Sockel der britischen Soldatenfriedhöfe

Dafür stößt man noch auf einen anderen "interessanten" Zusammenhang. Wie schon eingangs erwähnt: Während man sich vor 1927 mit der Freimaurerhalle in London zum Gedenken an die gefallenen englischen Freimaurer des Ersten Weltkrieges architektonisch auf das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig von 1913 bezog (38), bezog man sich zur gleichen Zeit im Tannenbergdenkmal bemerkenswerter Weise auf das "Hochkreuz mit Kreuzritterschwert" und oktogonalem Sockel als der damals typischsten Ikonographie der britischen (!) Soldatenfriedhöfe. War letzteres nur eine "zufällige" Bezugnahme? Tietz schreibt (28, S. 55):
Eine Fotografie des verlorenen Modells des (Tannenberg-)Denkmals vermittelt in etwa den Eindruck des geplanten Denkmalzeichens. Die Anlage hätte unmittelbaren Bezug auf die Arbeit des britischen Architekten Reginald Blomfield genommen. Blomfield hatte für die englischen Soldatenfriedhöfe ein steinernes Hochkreuz entworfen, dem ein metallenes Schwert aufgelegt war. Zusamen mit dem davorstehenden quergelagerten Gedenkstein gehörte es zum festen Inventar der britischen Soldatenfriedhöfe. Diese ikonographische Nähe dürfte auch der entscheidende Grund gewesen sein, weshalb die Ausführung dieses zentralen Denkzeichens wieder verworfen wurde.
Von welcher Fotografie hier die Rede ist, wird nicht so recht deutlich. Über Blomfield heißt es jedoch auf Wikipedia:
Das von ihm (1918) entworfene „Cross of Sacrifice“ (Hochkreuz mit Kreuzritterschwert, bekannt auch als Großes Kriegskreuz) schmückt noch heute alle Soldatenfriedhöfe des Ersten und Zweiten Weltkrieges.
Das ist im Grunde eine bemerkenswert einheitliche Ikonographie dieser britischen Soldatenfriedhöfe zweier Weltkriege. Und da ist es noch einmal so bemerkenswert, daß hier ein "Kreuzritterschwert" so wichtig ist. In gewisser Weise sahen ja sicherlich viele die britischen Soldaten während beider Weltkriege als "Kreuzritter" (vgl. das von ihnen gesungene Lied "Vorwärts, christliche Soldaten!"). Aber ein solches "Kreuzritterschwert" trägt ja - neben einem Kreuzritterschild - auch der "Heilige Michael", der Würgeengel am Völkerschlachtdenkmal von Leipzig. Wie sich ja überhaupt die Freimauerei in Worten, Symbolen und Handlungen gerne auf mittelalterliche Ritterorden und Glaubenskrieger bezogen hat und bezieht.

Oktogonaler Grundriß - eine okkulte Bedeutung, die auf muslimische und katholische Okkultorden zurückgeht?

Der erwähnte Blomfield'sche "quergelagerte Gedenkstein" ist auf manchen Fotografien dieses "Cross of Sacrifice" zu sehen. Mehr aber noch heißt es über dieses interessanterweise, was auf den Fotografien viel mehr ins Auge springt (etwa: a), was aber der Autor Jürgen Tietz überhaupt nicht anspricht. Hat er es etwa völlig übersehen? Denn es hätte ihm ja zu zahlreichen weiteren Fragen und Forschungen Anlaß geben können:
It is usually mounted on an octagonal base.
Das Blomfield'sche Kreuz steht also normalerweise auf einem oktogonalen, sprich achteckigen Sockel. Da 1927 eine solche Bezugnhme zu Blomfield möglich war, stellt sich doch die Frage, ob nicht auch schon der 1924 angenommenen Entwurf des Tannenberg-Denkmals mit seinem oktogonalen Grundriß einen solchen Bezug zu Blomfield aufweist, bzw. ob Blomfield-Kreuz und Tannenberg-Denkmal auf ähnliche ikonographische oder okkult-symbolische Traditionen zurückgehen.

Recherchieren wir dieser Frage etwas hinterher. Die Zahl acht und das Oktogon (auch Oktagon) spielen, wie man erfahren kann, sowohl in der buddhistischen, als auch in der jüdischen, katholischen, griechisch-orthodoxen und islamischen Symbolik eine Rolle (Wiki.). Dieser Umstand wird vielen Okkultgläubigen sehr erfreulich sein, suchen sie doch oft nach der "Einheit" hinter der sonstigen Verschiedenheit der Weltreligionen und okkulten Lehren:
Im Buddhismus führt der achtfache Pfad aus Samsara heraus zur Befreiung. Sein Symbol ist das Dharmachakra, ein achtspeichiges Rad. Aus ihm besteht die vierte der vier edlen Wahrheiten.
Und, nicht zu vergessen: Auch der Kubus hat acht Seiten. Indem man nach der Geschichte der Symbolik des Oktogons fragt, erfährt man auch manches zur Geschichte des Tempelritterordens, auf den sich ja die Freimaurer so gerne beziehen. Denn die Tempelritter sind - so wie die Freimaurer - auf den alttestamentarischen Salmonischen Tempel in Jerusalem bezogen, und zwar schon in ihrem Namen (36):
Die Kombination von Rittern und Mönchen oder von Kriegern und gläubigen Gelehrten war eine Anleihe aus der  islamischen Welt. Er (der Ordensgründer Patriarch Balduin II. von Jerusalem) übernahm diese Idee wahrscheinlich aus den Wechselbeziehungen, die es mit der islamischen Welt zwangsläufig gab. Die Grenzgebiete wurden von Ribats verteidigt. Ein Ribat ist eine Grenzfestung, die entlang der Grenzen zu nichtislamischen Staaten stand. Das Wort „Ribat“ drückt zugleich eine Lebenseinstellung aus. Die Bewohner solcher Festungen  waren nicht nur kampfbereite Krieger, sondern auch gläubige Gelehrte, die sich u. a. der moralischen Unterstützung der Kämpfer widmeten.
Der militärische und religiöse Charakter eines Ribats drückte sich auch in der Architektur aus. Er  hatte im Obergeschoss eine Moschee mit Wohneinheiten und einem Wehrturm, während im  Erdgeschoss Lagerräume um den weiten Innenhof angeordnet waren. Die Ähnlichkeiten zu  späteren Komtureien der Templer sind verblüffend und es erübrigt sich zu erwähnen, dass auch  die Templer eine eigene Architektur pflegten. Die Templer-Architektur basierte auf einem  oktogonalen Grundriß (zwei übereinander verschränkte Quadraten) und vielen Rundbögen.
Zu "Ribat" siehe Wikipedia. Auch aus den zahlreichen Fotos von Ribaten könnte man Parallelen zum Tannenberg-Denkmal herauslesen. Im Grunde sind ja die Ordensburgen des Deutschen Ritterordens genau solche "Ribate"! Und einer anderen Veröffentlichung ist über die Ordenskirchen der Templerritter zu entnehmen (37):
In Anlehnung an den Jerusalemer Felsendom, wo sich das Hl. Grab befindet, wurden die bemerkenswertesten Ordenskirchen als Rotunden errichtet, manchmal aber auch in oktogonaler Form, so etwa die um 1150/60 entstandene "Maria-Sophia-Kapelle" Nostra Señora de Eunate in Navarra mit ihren geheimnisvollen Steinskulpturen. Gerade in Spanien und Portugal tragen die offiziellen wie die "apokryphen" Templer-Bauten besonders häufig Verzierungen in Form des Tau-Kreuzes ("T"), das auch als "esoterisches" Ordenskreuz Verwendung fand, wie beispielsweise das Taufbecken der Templerkapelle von Tarragona, die Wappenembleme der Heilig-Grab-Kirche von Torres del Río (Navarra) oder die Schmucksteine in den Gewölbebögen der Templerburg von Ponferrada (Prov. León) beweisen.
Der Jerusalemer Felsendom hat oktogonalen Grundriß. Tau-Kreuz, also der Buchstabe T, der ebenfalls das Völkerschlachtdenkmal von Leipzig krönt, wird kombiniert mit zwei übereinandergelegten Quadraten, die ein Oktogon ergeben (Abb. 4).

Abb. 4: Das Tau-Kreuz aus der  Burg der Templer-Komturei von Ponferrada 
Und entsprechend heißt es etwa über die ab 1160 erbaute Templer-Burg Tomar in Portugal (Freie-Templer-zu-Tomar.org):
Ihr Kernstück ist noch immer die alte Rundkirche, die im Inneren einen weiteren oktogonalen Bau beherbergt. Vorbild für den Bau war, wie anhand der verwendeten Zahlenkombination festzustellen ist, eindeutig die Heilig-Grab-Rotunde in Jerusalem.
Für die Zwecke dieses Beitrages reichen diese Andeutungen hinsichtlich okkulter Symbolik innerhalb des Templerordens und weit über die katholische Kirche hinausgehend wohl schon aus. Und man spürt schon: Wenn man sich noch mehr mit der Thematik des okkulten Oktogons beschäftigen würde, würde man wohl noch vieles finden können.

Statt eines Blockes oder eines Blomfield'schen Kreuzes wird eine "Böschung" mit Hochkreuz verwirklicht (1928)

Wir lesen weiter bei Jürgen Tietz (28, S. 55, 57):
Im Lauf des Jahres 1928 realisierte man statt dessen (also statt des Blomfield'schen Hochkreuzes) eine andere Lösung. (...) Ein monumentales Hochkreuz (...) aus Bronze. Es stand auf einer mit Immergrün bepflanzten Böschung, die durch eine Mauer aus drei Reihen unbehauener Feldsteine mit einer abschließenden Abdeckung aus Kalksteinplatten eingefaßt war. (...) Vier Treppen (...) führten eine Böschung hinauf.
Es fällt nun ebenso schwer, diese zwar im Grundriß quadratische "Böschung", wie im ersten Beitrag zum Thema als möglich erachtet (40), als einen Kubus oder als einen halbierten Kubus deuten zu können. Denn nach den bei Dietz gegebenen Skizzen (28, S. 93f) scheint selbst mit den etwaig in die Erde eingesenkten Fundamenten dieser "Böschung" weder ein Höhe-Breiten-Verhältnis dieser "Böschung" von 1:1, noch von 2:1, noch von 3:1 verwirklicht zu sein. Aber der folgende Altar-Vorschlag hätte eventuell im Sinne eines solchen Kubus gedacht sein können (28, S. 57):

Noch im selben Jahr 1928 schlug der Berliner Bildhauer Hermann Hosaeus vor, anstelle des Grabkreuzes einen reliefgeschmückten Altar aus Muschelkalk aufzustellen.

Dieser Vorschlag wurde aber nicht verwirklicht. Wir erfahren weiterhin, was schon behandelt worden ist (28, S. 64):
Der massige, wehrhafte äußere Eindruck des Eingangstrumes wurde durch zehn symmetrisch auf die Außenfläche des Turmes verteilte Schwerter verstärkt, wie sie sich auch auf den Türmen 3, 5, und 7 fanden.
Der "Zentralbaugedanke" wird auf Betreiben Hitlers mit Zögern aufgegeben (1934)

Als 1934 eine Gruft für den gestorbenen Reichspräsidenten von Hindenburg in das Tannenberg-Denkmal eingebaut werden sollte, war zunächst sowohl von den Brüdern Krüger wie vom Tannenberg-Nationaldenkmal-Verein an eine zentrale Gruft gedacht worden. Die Brüder Krüger schreiben nun selbst (28, S. 92):
"... Der Führer erkannte unsere Vorschläge wohl an, äußerte jedoch den Wunsch, die Grabkammer in die Nähe des früheren Ausgangsturmes zu legen. Er machte in einen von uns vorgelegten Grundriß hierzu eigenhändige Eintragungen, wobei sich zunächst eine erheblich weitere Absenkung der Hoffläche und eine vollständige Freimachung der Mitte ergaben. Es wird jeder verstehen, wenn wir zunächst nur ungern den reinen Zentralbaugedanken aufgaben. Wir haben aber erkennen müssen, daß die vom Führer angeregte Lösung eine außerordentliche Steigerung der Wirkung des Ehrenhofes mit sich brachte.
(...) Wir hatten die Freude, daß unser noch weitergehender Entwurf, der eine Verlegung der Grabkammer in den hinteren Turm anstelle des besonderen Grabhauses vor diesem vorsah, des Führers Zustimmung fand."
Abschließend noch einmal eines der vielen auf der Welt verteilten Blomfield'schen "Opfer-Kreuze" mit oktogonalem Sockel, das Zeichen, unter dem die überwiegende Mehrheit der Gefallenenen des britischen Weltreiches des 20. Jahrhunderts bestattet sind. Hat auch es "verborgene" Bedeutungen, die öffentlich nicht bekannt sind? Werden künftige Jahrhunderte zu diesem "Opfer-Kreuz" sagen: In diesem Zeichen bist du gefallen, britisches Weltreich?

Abb. 5: Blomfield'sches "Opfer-Kreuz" mit oktogonalem Sockel

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1. Professor Pharos: Der Prozess gegen die Attentäter von Sarajewo. Nach dem amtlichen Stenogramm der Gerichtsverhandlung aktenmäßig dargestellt von Professor Pharos mit einer Einleitung von Josef Kohler. R.v.Decker's Verlag, Berlin 1918 (Scribd)
2. Bading, Ingo: "Weiße Magie zugunsten unserer arischen Rasse ...". Die tausend Masken des Meisters Rudolf Steiner. Auf: GA-j!, 22.4.2011
3. Lennhoff, Eugen: Internationales Freimaurerlexikon. 1932 (Internetausgabe)
4. Dedijer, Vladimir: Sarajevo 1914. Prosveta, Beograd 1966 (serbisch). -  The Road to Sarajewo. Simon and Schuster, 1966, 550 Seiten (engl.). - Die Zeitbombe. Sarajewo 1914. Europa Verlag, Wien, Frankfurt, Zürich 1967 (deutsch)
5. Affeldt, Rolf; Heinrich, Frank: Das Völkerschlachtdenkmal gibt sein Geheimnis preis. Nouvelle Alliance, Leipzig 1993
6. Hans-Dieter Schmid: Völkerschlachtdenkmal, Völkerschlachtgedenken und deutsche Freimaurerei im Jubiläumsjahr 1913. In: Marlis Buchholz u. a. (Hrsg.): Nationalsozialismus und Region. Festschrift für Herbert Obenaus, Bielefeld 1996, S. 355-379
7. Affeldt, Rolf; Heinrich, Frank: Testament der Freimaurer. Das Völkerschlachtdenkmal zu Leipzig. Helikon Joggers, Bartsch & Sippenauer, Leizpig 1999
7a. Affeldt, Rolf; Heinrich, Frank: Testament der Freimaurer. Das Völkerschlachtdenkmal zu Leipzig. MdG-Verlag, Leipzig 2000 (4. Aufl.) 2009 (224 S.); auch auf englisch: MdG-Verlag 2008
8. Förster, Otto W.; Hempel, Günter Martin: Leipzig und die Freimaurer. Eine Kulturgeschichte. Taurus Verlag 2007 (Amazon)
9. Ludwig, Karin; Erler, Michael: Tempel, Logen, Rituale. Die Geheimnisse der Freimaurer. Dokumentarfilm, Deutschland 2008. 44 Minuten. Ein Film der Neuen Mediopolis Filmproduktion GmbH Leipzig im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks. Ausgestrahlt auf: ARD, 20.8.200823.30 UhrPhoenix, 10.2.2009Schweizer Fernsehen, 7. und 9.6.20093Sat, 9. Juli 2009, 20.15 Uhr3Sat, 17.7.2011MDR, 12.6.2011Phoenix, 26.11.2011 (Google VideoVeoh)
10. Süß, Alexander: Leipziger Freimaurer in Wort und Stein. Der Einfluss der Logen auf das Völkerschlachtdenkmal und die Verlagsstadt. Salier Verla, Leipzig 2009 (siehe Rezension von Ralf Julke)
11. Heinrich, Frank: Architekt Clemens Thieme. MdG Verlag, Leipzig 2009 (90 S.)
12. Erler, Michael: Das Geheimnis des Völkerschlachtdenkmals. (In der Reihe: Mitteldeutsche Wahrzeichen.) Dokumentarfilm, Deutschland, 30 Min. (Moderator: Axel Bulthaupt) MDR, 15.11.2011, 20.45 Uhr (Interview mit Frank Heinrich).
14. Ullrich, Jens: Das Völkerschlachtdenkmal und die Freimaurer. Logenbrueder.de, 2005
14. Filmliste Geheimgesellschaften. In: Kino Okkult. Eine geheime Weltgeschichte im Zeitalter des Films.
15. Janßen, Karl-Heinz: Tannenberg - Ein deutsches Verhängnis. Die Zeit, 23.9.1977
16. Kallmeyer, Ernst: In Harmonie mit den Naturgesetzen. Die echte Geistes- und Körperpflege (mit einigen Abb., Illustrationen) Verlag der Buchhandlung Erdsegen, Brannenburg/Obb. 1908 (274 S.) (Themen: Esoterik, Krankheit, Gesundheit, Erkenntnis, Leid überwinden, Lebensernergie, Gott, Ehe, Fruchtesser, Ernährung, Nacktkultur)
17. Kallmeyer, Ernst; Kallmeyer, Hade: Künstlerische Gymnasik. Harmonische Körperkultur nach dem amerikanischen System Stebbins-Kallmeyer (mit 137 Abbildungen). Kulturverlag 1910 (184 S.)
18. Kallmeyer, Ernst; Kallmeyer, Hade: Harmonische Kultur. Monatsschrift für Körper-, Seelen- und Geistespflege. Kulturverlag 1911
19. Kallmeyer, Ernst: Ludendorff anti Freimaurerei, ein Schlag ins Wasser. Davidsstern, Hakenkreuz in ihrer wahren Bedeutung. Verlag Triasmus, Hamburg 1927 (31 S.)
20. Kallmeyer, Ernst; Kallmeyer, Hade: Dynamisches Atmen. 1928 (vgl. Wedemeyer-Kolwe, S. 167, Anm. 174)
21. Kallmeyer, Ernst: Leben unsere Toten? Eine Weltanschauung als Antwort. (Freie Religion/Lebensweisheit) Kultur-Aufbau-Verlag, Stuttgart 1946 (47 S.)
22. Wedemeyer-Kolwe, Bernd: "Der neue Mensch". Körperkultur im Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Königshausen & Neumann, Würzburg 2004 (Google-Bücher) (520 S.)
23. Linde, Bernhard: Vril. Ahriman, Luzifer und die Vril-Kraft. MdG-Verlag, Leipzig 2000 (121 S.) (Amazon); "Ergänzte Neuauflage" (in Bearbeitung?)
24. Bading, Ingo: Das Dritte Reich - gesteuert von einem "geheimen Orden globaler Satanisten"? Zum Buch von Trevor Ravenscroft "Der Speer des Schicksals" (1972)GA-j!, 4.3.2011
25. Bading, Ingo: "Weiße Magie zugunsten unserer arischen Rasse ..."  Die tausend Masken des Meisters Rudolf Steiner. GA-j!, 22. April 2011
26. Bading, Ingo: Rudolf Steiner Zeuge satanistisch-ritueller Folterungen und Morde. GA-j!, 29. April 2011
27. Bading, Ingo: Rudolf Steiner Zeuge satanistisch-ritueller Folterungen und Morde II. GA-j!, 30. April 2011   
28. Tietz, Jürgen: Das Tannenberg Nationaldenkmal. Architektur, Geschichte, Kontext. (Diss.) Verlag Bauwesen, Berlin 1999
29. Grünwald, Andreas: Das Reichsehrenmal Tannenberg. Auf: http://tannenberg-denkmal.de/ 
30. Springer, Andreas: Das Tannenberg-Nationaldenkmal. Internetseite.
31. Mühleisen, Christa: Generalfeldmarschall und Reichspräsident  Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorf und von Hindenburg. Sein Leben in Wort und Bild in 8 Teilen. 09.06.2006 
32. Koch, Christian: Der Hindenburgkult und das Tannenberg-Denkmal. Masterarbeit. GRIN-Verlag 2008 (Google Bücher
33. Ludendorff, Erich: Vom Feldherrn zum Weltrevolutionär und Wegbereiter Deutscher Volksschöpfung. II. Band: Meine Lebenserinnerungen von 1926 bis 1933. Verlag Hohe Warte, Stuttgart 1951
34. Ludendorff, Mathilde: Freiheitskampf wider eine Welt von Feinden an der Seite des Feldherrn Ludendorff. V. Teil von: Statt Heiligenschein und Hexenzeichen mein Leben. Franz von Bebenburg, Pähl 1967
35. Schnoor, Frank: Mathilde Ludendorff und das Christentum. Eine radikale völkische Position in der Zeit der Weimarer Republik und des NS-Staates. Diss. Deutsche Hochschulschriften, Kiel 1998
36. Grippo, Giovanni: Das Erbe der Templer. Giovanni Grippo Verlag 2011 (freies pdf.)
37. Osterrieder, Markus: Die Johannes-Ritter von San Juan de la Pepeña. Das Königreich Aragón, der Jakobsweg und die Tempelritter. Auf: CeltoSlavica 1997 - 2010
38. Bading, Ingo: Schreckensmale okkulter Priesterdiktatur - Die Schlachtendenkmäler von Leipzig und Tannenberg. GA-j!, 27.11.2011
39. Bading, Ingo: Über Schlachtfelder zu Gott: Das okkult-satanistische Völkerschlachtdenkmal in Leipzig. GA-j!, 28.11.2011
40. Bading, Ingo: Kriegerdenkmäler als Freimaurerdenkmäler - das Beispiel Tannenberg (1927). GA-j!, 09.12.2011
41. Bading, Ingo: Die Freimaurer und die SS: "Todesmutige Männer in schwarzen Uniformen". GA-j!, 09.12.2011
42. Börsch-Supan, Helmut: Rezension von Peter Hutter "Die feinste Barbarei". Das Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig. Eine Studie über die "germanische" Kunst des 19. Jahrhunderts. (Diss.) von Zabern, Mainz 1990. In: Nordost-Archiv - Zeitschrift für Regionalgeschichte. Bd. VI/1997, H. 1, S. 407 - 409 (freies pdf.)