Freitag, 30. September 2016

Gerwald Claus-Brunner (1972-2016)

"Er wirkte immer so, als hätte er eine multiple Persönlichkeitsstörung"

Gerwald Claus-Brunner (1972-2016). Dieser Politiker war für den Bloginhaber bislang ein Politiker wie jeder andere. Da der Bloginhaber 2012 sehr mit den "Piraten" sympathisierte (5, 6), fand er auch diesen Politiker damals überdurchschnittlich sympathisch. In den Jahren seither geriet er einem aus dem Blickfeld. Mit Entsetzen nahm man dann die Berichte von seinen letzten Lebenstagen zur Kenntnis. Die ganze Sichtweise auf Gerwald Claus-Brunner ändert sich, seit man gestern durch das Stern-Interview seines Bruders (1) erfahren hat, daß die Eltern von Claus-Brunner der Ludendorff-Bewegung angehören.

Wahlkampfplakat der "Piraten" mit Gerwald Claus-Brunner
(Vorschaubild eines Youtube-Videos)

Denn damit ist klar, daß der Bloginhaber seit Herbst 2015 mit diesem alten Ehepaar in Email-Kontakt steht, auch schon mehrmals mit ihm telefoniert hat, um Detailfragen aus der Geschichte dieser weltanschaulichen Bewegung zu klären.

Auch dieses Ehepaar war ihm bisher immer sympathisch. Von dem, was der Bruder erzählt und was auch schon Gerwald Claus-Brunner 2012 der TAZ erzählte (2), war dem Bloginhaber dabei nichts bekannt. Ihn wundert ein wenig, daß die TAZ nicht schon im Mai 2012 den Namen Ludendorff ins Spiel gebracht hat. Da mit Informationen Politik gemacht wird - und zwar Politik im Sinne jener, die solche Informationen natürlich über jeden (insbesondere Oppositions-)Politiker sammeln -, darf man schon fragen, wie diese Tatsache eingeordnet werden soll. Die TAZ schildert sehr anschaulich, wie Claus-Brunner im Frühjahr 2012 wegen seines Palästinenser-Kopftuches von Charlotte Knobloch kritisiert wurde, und daß dies sich zur ersten großen Krise seines Politikerlebens auswuchs und wie viel Selbstbeherrschung diese von ihm verlangte. Es bleiben aber nicht nur deshalb viele Fragen. Im folgenden einige Lese-Eindrücke vor allem aus dem Stern-Artikel vom Montag (1, S. 49):

Irgendwo im Dunkeln des Vergessens nagt eine alte Mißbrauchsgeschichte. Ein Landarbeiter soll Gerwald betatscht haben. Der Vater jagte ihn vom Hof, man verzichtete auf eine Anzeige.

Und (1, S. 51):

"Er wirkte immer so, als hätte er eine multiple Persönlichkeitsstörung," sagt ein Fraktionskollege.

Hier sind die Fraktionsmitglieder. (Es ist ja interessant, daß eines von diesen immerhin diese Krankheit dem Namen nach kennt. Es wäre aber auch interessant zu erfahren, ob es weiß, wie diese Krankheit hervorgerufen wird, nämlich einzig und allein aus Zusammenhängen organisierter elitärer Kriminalität in satanistischen Logen durch rituelle Gewalt an Kindern von Geburt an.) Und es heißt (1, S. 49):

Die Mutter will den Sohn schon als Kind zum Psychiater schicken. Er weigert sich. "Ich geh doch nicht zum Irren-Doktor." Ein Satz, den er später oft wiederholen wird.

Sein erster Liebhaber kam bei einem Unfall ums Leben. Sein älterer Bruder fuhr mit einem geklauten Auto nach Luxemburg und nahm sich dort - mit der Schrotflinte des Vaters - das Leben. Seine Schwester kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Am 5. Mai 2012 schrieb die TAZ (2):

Aufgewachsen ist Claus-Brunner auf einem Bauernhof in einem Dorf in Niedersachsen. Die Eltern waren streng, haben die fünf Kinder geschlagen, mit Stöcken, mit einem Gürtel, was gerade zur Hand war, knurrt Claus-Brunner. In der Schule wurde er gehänselt, weil er nach Kuhstall roch. „Ein Aggrokind“, sagt er. Mit 13 zündete er im Wald 50 Kilo Ammoniumnitratdünger an, „das gibt schon eine ganz ordentliche Detonation“, immer wieder schlug er andere zusammen. Er hörte erst auf, als er zwanzig war, als schon Gefängnis drohte. „Auskoppelung aus der Gesamtgruppe“, faßt Claus-Brunner seine Jugend zusammen. Noch in Niedersachsen machte er eine Lehre zum Fernmeldeelektriker, ging drei Jahre zur Bundeswehr, fand heraus, daß er schwul ist, wurde versetzt. Als sein erster Freund bei einem Autounfall ums Leben kam, hätten seine Eltern gesagt: Gut, daß er tot ist. Den Kontakt zu ihnen hat er abgebrochen.

Claus-Brunner und/oder sein letzter Freund haben einen Twitter-Account gehabt mit dem Namen "Ludosophicus" (1, S. 50). Es gibt den Begriff "Ludosophie" für die philosophische Auseinandersetzung mit Spielen*), in dieser Begriffswahl könnte man aber auch einen Bezug zu "Ludendorff" heraushören. Auf diesem Account ist der letzte (Re-)Tweet vom 8. September (3):

Christopher Lauer ‏@Schmidtlepp 8. Sep. Wäre Politik auf Piraten eigegangen wie auf AfD, hätten wir jetzt fahrscheinlose Bundesbahn, kein Urheberrecht, BGE und Weltraumaufzug.

Anhänger der AfD werden auf diesem Account durchgängig als "Faschisten" bezeichnet. Der offizielle Twitter-Account von Gerwald Claus-Brunner ("Realdeuterium") ist derzeit nicht öffentlich einsehbar. (Nur wer bestätigter Follower ist, kann ihn lesen.) Er hat 2.800 Follower. Sein Vorstellungstext:

Battle without Honor or Humanity ! Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin 17. Wahlperiode. Bisexuell, אני יהודי G. F. Brunner.

Das F. steht wohl für seinen Spitznamen "Faxe". Seit wann dort das Losungswort "Kampf ohne Ehre und Menschlichkeit" steht, wäre auch noch einmal interessant zu erfahren. /(Ergänzung 3.10.16:) Die hebräischen Buchstaben vor seinem Namen übersetzt "Google Übersetzer" mit "Ich bin ein Jude". Seit den Angriffen der Charlotte Knobloch auf sein Palästinensertuch trug er ja auch - nach diversen Zeitungsberichten - einen Davidstern um den Hals./

Der Inhaber dieses Blogs hat erst jüngst auf seinem Parallelblog davon geschrieben, daß die Eltern von Gerwald Claus-Brunner in den 1980er Jahren eine schöne Schallplatte mit nichtchristlichen Weihnachtsliedern herausgegeben haben (4). Soweit ihm seine Eltern seit letzten Herbst bekannt geworden sind, sind sie zutiefst politische Menschen. Wenn man sich recht erinnert, erzählten sie, daß sie erst in den 1960er Jahren zur Ludendorff-Bewegung dazu gestoßen sind als sie auf der Suche nach weltanschaulicher Orientierung waren. Innerhalb derselben fielen sie durch großes Engagement auf, standen aber wohl - aufgrund diverser Streitfälle (die dem Bloginhaber so gut wie gar nicht bekannt sind) - zumeist sehr am Rand derselben. Sie schrieben dem Bloginhaber am 1. November 2015:

Viele sogenannte "Ludendorffer" haben wir verabscheuen und verachten gelernt. Leider.

Am Telefon wirkten sie geistig noch sehr wach, aufgeweckt und anteilnehmend. Somit sollte man es nicht für ganz unwahrscheinlich halten, wenn sie auch von sich aus noch einmal zu den Aussagen ihrer beiden Söhne in der Presse Stellung nehmen. Allerdings haben sie das ja auch zu einem früheren Zeitpunkt - soweit übersehbar - nicht getan (auch nach dem TAZ-Artikel vom Mai 2012 vermutlich nicht.) Und auch, als der Bloginhaber im Januar 2016 auf seinem Parallelblog (7) den Fall des Journalisten und Übersetzers Einar Schlereth behandelt hat, dessen Lebenserinnerungen tief vom Haß auf seine Eltern durchtränkt sind, die Ludendorff-Anhänger waren und die ihr Sohn nur als prügelnde Eltern in Erinnerung hat, zeigten sie keine Reaktion.

Andererseits möchte man ihnen auch Zudringlichkeiten irgendwelcher Art - etwa von Seiten von Journalisten - zumindest in der nächsten Zeit nicht wünschen.

Insgesamt: Dieser Blog würde ihnen für eine Stellungnahme zur Verfügung stehen.

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*) Eingefügt am 2.10., mit Dank für den Hinweis an einen Leser und Bloggerkollegen.

Letzte Änderungen: 2.10.16
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  1. Kerstin Herrnkind, Dominik Stawski: Interview mit Claus-Brunner-Bruder: „Alarmsignale ziehen sich wie ein roter Faden durch Gerwalds Leben“. Stern 40/2016, 26. September 2016, online 30. September, abgerufen am 2. Oktober 2016, http://www.stern.de/panorama/gesellschaft/claus-brunner-bruder---alarmsignale-ziehen-sich-wie-ein-roter-faden-durch-gerwalds-leben--7079216.html (Online am 26. September: http://www.stern.de/panorama/gesellschaft/gerwald-claus-brunner--bruder-spricht-ueber-ihre-traumatische-nazi-kindheit-7077472.html)
  2. Küppers, Kirsten; Bergt, Svenja: Politik in Latzhosen - Pirat Gerwald Claus-Brunner sitzt seit Oktober im Berliner Parlament. In: TAZ, 5.5.2012, http://www.taz.de/!595043/  
  3. https://twitter.com/Gropiuslerche  
  4. http://studiengruppe.blogspot.de/2016/05/aus-weiter-ferne-komm-ich-her.html
  5. Bading, Ingo: Die Piratenpartei - scheitert sie wie alle an mangelnder Geheimdienst-Kritik?, GAj!, 23. April 2012, http://studgenpol.blogspot.de/2012/04/die-piratenpartei-scheitert-sie-wie.html
  6. Bading, Ingo: Ein "überzeugter Katholik" wird Vorsitzender der Piratenpartei - Ist Regierungsdirektor Bernd Schlömer wirklich "klar zum Ändern"?, GAj!, 29. April 2012, http://studgenpol.blogspot.de/2012/04/ein-uberzeugter-katholik-wird.html
  7. Bading, Ingo: "Nobodies Memories" - Ein Leben als Sohn von prügelnden Ludendorff-Eltern - Der Journalist und Übersetzer von "Geheimakte Mossad" Einar Schlereth. Auf: Studiengruppe Naturalismus, 23. Januar 2016, http://studiengruppe.blogspot.de/2016/01/nobodies-memories-ein-leben-als-sohn.html

Samstag, 24. September 2016

Armenier und Deutsche - Wenn es um Völkermord geht, gibt es noch immer "zweierlei Maß"

Das Beispiel des 2008 entdeckten Massengrabes in Marienburg in Westpreußen
- Neuere Entwicklungen
Der Deutsche Bundestag verneigt sich vor den Opfern der Vertreibungen und Massaker an den Deutschen und anderen Minderheiten in Osteuropa, die im Jahr 1945 ihren Anfang nahmen. Er beklagt die Taten der damaligen britischen, US-amerikanischen, sowjetischen, polnischen, tschechischen, serbischen, Regierungen, die zur fast vollständigen Vernichtung der Deutschen östlich der Oder, des Bayerischen Waldes und der Karawanken geführt haben. (...) In Absprache mit den damaligen Regierungen Großbritanniens und der Vereinigten Staaten, aufgrund ihrer duldenden Hinnahme  und im Auftrag der damaligen sowjetischen, polnischen, tschechischen und serbischen Regimes und Exil-Regierungen begannen in London, Washington und Moskau um 1940 herum die Planungen zur planmäßigen Vertreibung von 15 Millionen Deutschen und zur Vernichtung von über 2,5 Million Deutschen. [...] Der Bundestag bedauert die unrühmliche Rolle der britischen und der US-Regierung, die als militärische Hauptverbündete der Sowjetunion trotz eindeutiger Informationen auch von Seiten britischer und US-amerikanischer Diplomaten und Beobachter über die organisierte Vertreibung und Vernichtung der Deutschen nicht versucht hat, diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu stoppen.
Diese Resolution des Deutschen Bundestages hat es - unseres Wissens nach - bis heute nicht gegeben. Es hat auch keine vergleichbare Resolution gegeben. Wohl aber hat es eine Resolution des Deutschen Bundestages sehr ähnlichen Wortlautes gegeben. Und zwar vom 16. Juni 2016 zu dem Schicksal der Armenier im Osmanischen Reich in den Jahren 1915 und 1916 (Wiki). Der Wortlaut dieser Resolution lässt sich, wie im eben gebrachten Zitat gezeigt, sehr zwanglos auf den Völkermord an den Deutschen zwischen 1945 und 1950 anwenden.

Abb. 1: Flüchtlingstreck in Danzig, 20./21. Februar 1945 (Wiki)
Überhaupt aber dürfte ein Vergleich zwischen den beiden Wikipedia-Artikeln "Völkermord an den Armeniern" und "Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa 1945–1950" manche Einsichten bereit halten. Obwohl auch der letztere Artikel den Begriff "Völkermord" nicht für unangemessen hält zur Bezeichnung der von ihm behandelten Geschehnisse*), taucht dieser Begriff im Titel des Artikels nicht auf. (Auch nicht in den parallelen anderssprachigen Wikipedia-Artikeln.) Der erstere Artikel (zu den Armeniern) enthält einen sehr ausführlichen Abschnitt "Heutige Bewertung der Ereignisse", unterteilt nach Ländern weltweit. Der letztere Artikel enthält einen damit zu vergleichenden Abschnitt "Die Debatte über den Vertreibungsbegriff seit 1950". Dieser Abschnitt befasst sich mit einer fast ausschließlich innerdeutschen Debatte.

Erinnert einen dies nicht an irgendetwas? Ach ja: Diese Dinge sind geleitet von - Verzeihung! - "sekundärem Antigermanismus". Nämlich von der Vorstellung, die betroffenen Deutschen wären selbst schuld gewesen an dem an ihnen begangenen Völkermord. Und "sekundärer Antigermanismus" führt in keiner in deutschen Parlamenten vertretenen politischen Partei zu einem Fraktions- oder Parteiausschluss-Verfahren.

Abb. 2: Marienburg/Nogat - Hohe Lauben und Markt (Historische Postkarte)
Das Schicksal der Hereros in Südwestafrika und der Armenier in der Türkei ist deutschen Politikern, Journalisten und Akademikern also mit Recht sehr wichtig. Für das Schicksal von Deutschen im Jahr 1945 und danach bringen deutsche Behörden, Wissenschaftler und Journalisten dagegen nur auffallend wenig Interesse auf. Um der Armenier willen legt sich unser Staat mit der Türkei an. Unser Staat macht das zur "Chefsache". Angela Merkel selbst ist damit befasst.

Niemand aber legt sich um solcher Dinge willen mit irgendeinem der heute mit Deutschland sonst noch so befreundeten Staaten und Länder an. Unser Staat legt sich nicht an mit den USA oder Großbritannien, nicht mit dem Nachbarland Polen und auch nicht mit Rußland. Und auch nicht mit Tschechien oder Serbien. Er besteht nicht darauf, dass Polen, Rußland, Tschechien und Serbien den Völkermord sachgemäß aufarbeiten, der nach Kriegsende 1945 gegenüber den Deutschen geschehen ist. Er fordert von ihnen nicht die Anerkennung der Tatsache, dass es sich bei diesen Geschehnissen um Völkermord handelt.

Ein Massengrab von tausenden nackt verscharrter deutscher Männer, Frauen und Kinder, deren Todesursache zum Teil Kopfschüsse sind, direkt neben einem UNESCO-Weltkulturerbe bleibt unerforscht

Nach drei Jahren Amtstätigkeit ist Markus Meckel als Vorsitzender des "Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge" zurück getreten (JF). Manche erinnern sich bei diesem Anlass daran, dass ein westpreußischer Heimatkreisvertreter, Hans Joachim Borchert, am 6. August 2014 an diesen Herrn Meckel geschrieben hat betreffend des entdeckten Massengrabes tausender, vermutlich deutscher, offenbar nackt verscharrter Zivilpersonen - von Männern, Frauen und Kindern - in Marienburg in Westpreußen, direkt unterhalb des berühmten UNESCO-Weltkulturerbes, vermutlich aus dem Jahr 1945 oder danach (siehe Wiki). Die Vorgänge rund um die Nichtaufklärung der Geschehenisse rund um dieses Massengrab bis heute sind in keiner Weise angenehm zu lesen (Marienburg-Westpreußen).

Deutsche und polnische Institutionen weigern sich, zu sachgemäßer Aufklärung beizutragen, was sie jederzeit sofort tun würden, wenn es sich um Tote anderer Volkszugehörigkeit handeln würde. Zuletzt ging es den deutschen Vertriebenenvertretern nur noch darum, dass wenigstens der Text von Gedenktafeln nicht willkürliche Behauptungen enthält, die der flüchtigen Unernsthaftigkeit im Umgang mit dem Schicksal der Bestatteten auch noch schriftlichen Ausdruck geben. Herr Borchert schrieb also an Herrn Meckel folgende Worte (zit. n. Marienburg-Westpreußen):
Sehr geehrter Herr Präsident Meckel, 

ich wende mich an Sie in einer Angelegenheit, die mich und andere Marienburger seit Jahren bedrückt: das Verhalten - auch des Volksbundes - gegenüber den Toten von Marienburg. Der Volksbund hat die Toten, die in einem Massengrab in Marienburg gefunden wurden, in Neumark bei Stettin bestattet. Der Gedenkstein in Neumark trägt folgende Inschrift: 

„In diesem Gräberfeld ruhen 2116 unbekannte Tote. Ihre Gebeine wurden 2008 in Marienburg (Malbork) bei Bauarbeiten entdeckt, geborgen und im August 2009 in Stare Czarnowo wieder bestattet. Die 1001 Frauen, 381 Männer, 377 Kinder und 357 Personen, deren Geschlecht und Alter nicht mehr zu bestimmen ist, sind während der Kämpfe in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges ums Leben gekommen. Sie konnten nicht identifiziert werden. Sie haben als unbekannte Opfer des Zweiten Weltkrieges hier ihre letzte Ruhe gefunden.“

Vieles an diesem Text ist leider nicht richtig: Es gibt keine sorgfältig ermittelten Zahlen der toten Frauen, Männer und Kinder. Die Toten wurden nicht geborgen, ihre Gebeine wurden viel mehr ausgebaggert, ausgegraben und durcheinander geworfen. Unzutreffend ist auch, daß die Toten nicht identifiziert werden konnten. Eine Identifizierung wurde gar nicht versucht, möglicherweise hätten die Toten identifiziert werden können. Und daß die Toten in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges ums Leben gekommen sind, ist eine Behauptung, für die es keinen einzigen Hinweis gibt.
Man liest diese Worte nicht sehr gerne. Noch heute scheint zu gelten: Zivilpersonen deutscher Herkunft, die während oder nach dem Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommen sind, dürfen keine zu große öffentliche - oder auch nur gründliche gutachterliche, wissenschaftliche - Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Es darf nicht geklärt werden, um wen es sich dabei handelt und unter welchen Umständen diese Menschen ums Leben gekommen sind. Man überlege sich, wie mit den Toten von entdeckten Massengräbern anderer Genozide oder mutmaßlicher Genozide umgegangen wird.

Alle offiziellen Stellen in Deutschland drucksen herum und kümmern sich nicht. Welches Land der Welt geht so mit - offensichtlich - unschuldig ums Leben gekommenen Menschen um? Wir legen uns mit der Türkei an, weil wir nicht wissen, ob wir die Armeniermorde des Ersten Weltkrieges Völkermord nennen sollen oder nicht. Wir befassen uns mit den Toten des Volkes der Herero in Südwestafrika, die schon vor dem Ersten Weltkrieg ums Leben gekommen sind. Wir üben uns in Sensibilität gegenüber den Nachkommen dieser Toten. Aber eine Sensibilität gegenüber den Nachkommen und Verwandten unsere eigenen Toten gibt es schlichtweg nicht. (Erst wenn solches Unrecht wieder einmal notwendig sein sollte, um mit dem Hinweis auf dieses Haß zwischen die Völkern zu säen, wird man es - wohl - hervorziehen. So darf vermutet werden.) Dem Juristen Hans Joachim Borchert ist sehr zu danken für seinen Brief. Er schreibt weiter:
Ich lasse dahingestellt, wer für den unrichtigen Text des Gedenksteins verantwortlich ist. Jedenfalls teilte der Volksbund am 11. Oktober 2012 mit, er habe beschlossen, die Inschrift zu ändern; das werde aber nur in Absprache mit seinen polnischen Partnern möglich sein und einige Zeit in Anspruch nehmen. Im Jahre 2014 wandte ich mich zweimal an die Pressestelle des Volksbundes mit der Bitte um Auskunft zu der angekündigten Textänderung. Die Pressestelle antwortete nicht. Daraufhin wandte ich mich dreimal allgemein an den Volksbund; ich erhielt drei Eingangsbestätigungen, jedoch keine Antwort auf die Fragen.

Unter uns Marienburgern gibt es einige, die vermuten, daß sich unter den Toten vermißte Verwandte, Freunde, Nachbarn oder Bekannte befinden. Kaum jemand rechnet damit, in absehbarer Zeit die Namen der Toten zu erfahren, kaum jemand glaubt, daß die Todesumstände alsbald aufgeklärt werden.
Und das ist schon schlimm genug. Borchert weiter:
Aber was man doch wohl erwarten kann, ist die Verwirklichung des Volksbund-Beschlusses vom 11. Oktober 2012, also die Änderung der Inschrift. Außerdem wird man erwarten können, daß der Volksbund Anfragen zu den Toten von Marienburg beantwortet. Je mehr Zeit vergeht, desto stärker werden die Zweifel, ob die Änderung noch gewollt ist, ob sie jemals gewollt war. Ich frage also erneut: wann wird die Inschrift geändert?

Sehr geehrter Herr Präsident Meckel, ich veröffentliche diesen Brief im Internet unter www.heimatkreis-marienburg.de auf der Seite „Die Toten von Marienburg“. Ich beabsichtige, dort auch Ihre Antwort zu veröffentlichen.
Mit freundlichen Grüßen 
Hans Joachim Borchert
Hans Joachim Borchert erhielt schließlich unter dem 16. September 2014 eine Antwort, nach der der Volksbund nichts an der Inschrift ändern wollte. Hierauf antwortete Borchert unter dem 22. September 2014 noch einmal mit sehr deutlichen Worten.

Abb. 3: Die Marienburg in Westpreußen im Frühjahr 1945 - von: Hajotthu aus Wikipedia
Man fragt sich: Beschäftigt sich denn der "Bund der Vertriebenen" mit solchen Fragen gar nicht? Die Landsmannschaft Westpreußen richtete Anfragen an das Auswärtige Amt, erreichte mit diesen aber nichts. Und behält die "Preußische Zeitung" (vormals "Ostpreußenblatt") die Vorgänge im Blick?

Zumindest hat Borchert Herrn Meckel davon überzeugen können, dass man nicht mit Sicherheit behaupten darf,  die toten Männer, Frauen und Kinder wären während der Endkämpfe des Zweiten Weltkrieges ums Leben gekommen, da eben das überhaupt nicht sicher ist. Borchert teilt als letzten Informationsstand auf seiner Internetseite mit, dass auch am Ort des Massengrabes nun am 12.9.2016 - endlich - eine Gedenktafel enthüllt werden sollte. Er schrieb am 2. August 2016:
Der Text der Gedenktafel
Auf Veranlassung von Herrn Präsident Markus Meckel teilte Frau Präsidentin Iza Gruszka vom Warschauer Büro des Volksbundes am 2. August 2016 den Text der geplanten Gedenktafel mit:

An dieser Stelle wurde bei Bauarbeiten im Jahre 2008
eine Grabstelle mit 2116 deutschen Toten gefunden,
die 1945 in Marienburg / Malbork ums Leben gekommen sind.
Die Gebeine dieser zivilen Opfer des Zweiten Weltkrieges
wurden geborgen und 2009 auf der deutschen Kriegsgräberstätte in Glinna
(Gemeinde Stare Czarnowo, Woj. Zachodniopomorskie) wieder bestattet.
Borchert dazu:
Dieser Text soll nun, nach fast acht Jahren, an die Toten von Marienburg erinnern. Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung Wahrheit. Bemerkenswert ist, daß nicht mehr ausdrücklich behauptet wird, die Kinder, Frauen und Männer seien in den Kämpfen 1945 umgekommen. Die Formulierung, es handele sich um zivile Opfer des Zweiten Weltkrieges, umfaßt viele Möglichkeiten; sie umfaßt auch Kriegsfolgen wie Hunger, Krankheit und Massenverbrechen. Im Übrigen bleiben die bisherigen offenen Fragen:
Es gibt keine seriöse Zählung der Toten, sicher dürfte nur sein, daß es sich um weit mehr als 2000 Tote handelt.
Daß es sich um deutsche Tote handelt, ist wahrscheinlich, hierzu ist aber nichts festgestellt.
Ob die Menschen nur im Jahre 1945 – und nicht später – starben, ist ebenfalls nicht festgestellt.

Trotz der offenen Fragen ist die Tafel bedeutsam: In Marienburg gab es schreckliche Ereignisse. Die Toten jener Zeit sind nicht vergessen. An die Toten wird öffentlich erinnert.
Und am 19. August 2016:
Bereits Ende 2015 hatte der Marienburger Heimatkreisvertreter diesen Text vorgeschlagen:
Unweit dieses Standorts wurde bei Bauarbeiten im Jahr 2008 ein Massengrab mit 2116 unbekannten Toten freigesetzt, die am 14.08.2009 auf der deutschen Kriegsgräberstätte in Neumark bei Stettin (Stare Czarnowo) eine würdige Ruhestätte fanden.
Die ehemaligen und jetzigen Bürger dieser Stadt gedenken dieser Toten.

Die Stadt Marienburg hatte diesen Text übernommen und an den Rat zur Bewahrung des Gedenkens an Kampf und Martyrium weitergegeben.
In dem Text ist weder von deutschen Toten noch von Kriegsopfern die Rede. Damit wäre der Überführung und Beisetzung der Toten durch den Volksbund die Grundlage entzogen.
Es bleibt abzuwarten, welcher Text auf der Gedenktafel erscheint.
Es ist angekündigt, dass auf der Internetseite der Heimatvertretung (Marienburg-Westpreußen) ein Bericht erscheinen wird über die Einweihung dieser Gedenktafel. Bisher ist offenbar nirgendwo im deutschsprachigen Raum über diese berichtet worden.

Ergänzung, 26.10.2016

Auf der angegebenen Internetseite ist nun ein Foto der am 12. September 2016 in Marienburg eingeweihten Gedenktafel veröffentlicht worden:

An dieser Stelle wurde bei Bauarbeiten im Jahre 2008 eine Grabstelle mit 2116 deutschen Toten gefunden, die 1945 in Marienburg/Malbork ums Leben gekommen sind. Die Gebeine dieser zivilen Opfer des Zweiten Weltkrieges wurden 2009 auf der deutschen Kriegsgräberstätte in Glimma (Gemeine Stare Czarnowo, Woj. Zachodniopomorskie) wieder bestattet.
Auf der Internetseite der deutschen Heimatvertretung von Marienburg wird dieser Text inhaltlich nicht mehr kommentiert. Er findet sich auch sonst offenbar nirgendwo im Internet zitiert oder behandelt. Der Vorschlag der Heimatvertretung, auf der Gedenktafel auszusprechen, dass die ehemaligen und jetzigen Bürger dieser Stadt dieser Toten gedenken, wurde nicht übernommen. Es wird gesagt, dass es sich um zivile Opfer des Zweiten Weltkrieges handeln würde, obwohl das überhaupt nicht klar ist, damit allerdings eine polnische (Mit-)Verantwortung an diesem Grab verneint. Aufklärungswille besteht weiterhin nicht.

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*) In ihm heißt es jedenfalls ohne jede weitere einschränkende Einordnung:
"In einem Rechtsgutachten, das hinsichtlich der Sudetendeutschen im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung 1991 erstellt wurde, kam der UN-Völkerrechtsberater Felix Ermacora zu folgendem Ergebnis: 'Die Vertreibung der Sudetendeutschen aus der angestammten Heimat von 1945 bis 1947 und die fremdbestimmte Aussiedlung nach dem Zweiten Weltkrieg widersprach nicht nur der in der Atlantik-Charta und dann in der Charta der UN verheißenen Selbstbestimmung, sondern die Vertreibung der Sudetendeutschen ist Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die nicht verjährbar sind.'"

Freitag, 23. September 2016

Ein "state-sponsored actor" spioniert 500 Millionen Email-Kontakte aus

Der Bloginhaber benutzt als Email-Postfach einen Yahoo-Account. Interessant, was ihm Yahoo heute, am 23.9.2016, so mitteilt:
Ihr Account ist möglicherweise von einem Sicherheitsproblem betroffen. Hier erfahren Sie mehr zu dem Problem und wie Sie Ihren Account besser schützen können.
Überwachungskameras
Fotograf: Dirk Ingo Franke
Und dann:
Account Security Issue FAQs. We have confirmed, based on a recent investigation, that a copy of certain user account information was stolen from our network in late 2014 by what we believe is a state-sponsored actor. The account information may have included names, email addresses, telephone numbers, dates of birth, hashed passwords (the vast majority with bcrypt) and, in some cases, encrypted or unencrypted security questions and answers. The ongoing investigation suggests that stolen information did not include unprotected passwords, payment card data, or bank account information; payment card data and bank account information are not stored in the system that the investigation has found to be affected.
Und weiter:
We are working closely with law enforcement authorities and notifying potentially affected users of ways they can further secure their accounts. We are notifying potentially affected users by email and posting additional information to our website. Additionally, we are asking potentially affected users to promptly change their passwords and adopt alternate means of account verification. The ongoing investigation has found no evidence that the state-sponsored actor is currently in Yahoo’s network.
So, man hat also sein Passwort geändert. Und nun? Ist der "state-sponsored actor" draußen? Die Meldung hiervon geht heute auch durch die Presse (CNN):
"The FBI is aware of the intrusion and investigating the matter," an FBI spokesperson said. "We take these types of breaches very seriously and will determine how this occurred and who is responsible. We will continue to work with the private sector and share information so they can safeguard their systems against the actions of persistent cyber criminals." A large-scale data breach was first rumored in August when a hacker who goes by the name of "Peace" claimed to be selling data from 200 million Yahoo users online. The same hacker has previously claimed to sell stolen accounts from LinkedIn (LNKD, Tech30) and MySpace. Yahoo originally said it was "aware of a claim" and was investigating the situation. Nearly two months later, it turns out the situation is even worse. "This is massive," said cybersecurity expert Per Thorsheim on the scale of the hack. "It will cause ripples online for years to come."
Und (ABCNews):
Yahoo did not immediately respond to ABC News' request for comment on why users were finding out about the attack approximately two years after the fact. It wasn't clear whether users were vulnerable during that 2-year period. (...) News of the hack comes two months after the company announced that it would be sold to Verizon for about $4.83 billion. That deal has not yet closed.

Mittwoch, 14. September 2016

"Völkisch" - Frauke Petry spricht sich für die Enttabuisierung eines wichtigen Begriffes aus

Der Blog "Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!" tat dies schon vor vier Jahren und löste damit Kontroversen in kirchenfreien, humanistischen Kreisen aus

Auf diesem Blog schrieben wir schon vor Jahren, dass man über die Möglichkeit eines "völkischen Humanismus" nachdenken müsse. Danke, dass nun auch die Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) so weit ist. 

Schon am 28. April 2016, einen Tag vor dem Parteitag der AfD in Stuttgart, teilte Frauke Petry auf ihrem Facebook-Account ein Foto mit der Nachricht "An den Rückzugs-Gerüchten ist nichts dran". Damit wies sie auf ein Interview hin, das sie dem RTL-Nachtjournal gegeben hatte, und sie schrieb dazu:

Außerdem rege ich im Interview dazu an, mit dem Begriff "Volk" oder "völkisch" entspannter umgehen, denn sich für das eigene Volk einzusetzen, ist die Aufgabe eines jeden Politikers und ich spreche über die Zukunft unserer Partei.

Im April reagierte die große Presse auf diese Aussage überraschenderweise nirgendwo. Erst jetzt, als Petry am 13. September diese Aussage in ähnlicher Weise wiederholt, wird sie breit in den Medien erörtert. Von wo kommt denn eigentlich diese - offensichtliche - "Presselenkung"?

Dieser Blog verwendete bis 2012 für seine Selbstbeschreibung den Begriff "völkischer Humanismus". Er bedurfte dazu nicht der Fürsprache einer Frauke Petry oder auch ihres außerordentlich zynischen (s. GAj, 7/2016) politischen Beraters Michael Klonovsky. Die Benutzung dieses Begriffes führte damals zu Erörterungen innerhalb des säkularen Humanismus in Deutschland, insbesondere in seinen Verbandszeitschriften und ihrem Umfeld. Diese Diskussion wurde hier auf dem Blog in einem Artikel ausführlicher dokumentiert (GA-j! 13.6.2013). Und dieser Artikel soll aus Anlass der aktuellen Erörterungen hier auf dem Blog noch einmal eingestellt werden. Damals, vor vier Jahren, war dieser Blog sicherlich der einzige, der diesen Begriff in positiven Zusammenhängen verwendete. Wir dürfen uns durch die derzeitigen Diskussionen rund um diesen Begriff in Deutschland in unserer damaligen Themenwahl bestätigt fühlen.

Und man möchte sagen: Wer einen Blick in die weitere geistige Entwicklung in Deutschland über die nächsten Jahre und Jahrzehnte werfen möchte, lese auf unseren Blogs. Er dürfte auf diesen auch sonst manche zukunftsträchtigeren Inhalte finden. Das liegt in der Natur der Sache, waren wir doch schon immer geistige Avantgarde. Jeder ist das im Grunde, der einen vorurteilsfreien, weltanschaulich ungebundenen Blick auf die Naturwissenschaft, insbesondere die Evolutionäre Anthropologie wirft.

Aber soweit übersehbar, gibt es zum Beispiel auch vom "Humanistischen Pressedienst" noch keine Stellungnahme zur aktuellen Debatte rund um den Begriff völkisch. Man darf auf eine solche Stellungnahme ein wenig gespannt sein. (Oder auch nicht - nämlich dann, wenn eine etwaige Stellungnahme beispielsweise von Armin Pfahl-Traughber stammen sollte .... ) Auch dieser hpd ist ja - bekanntermaßen - immer ein bisschen hinterher und gar zu oft ein wenig gar zu altbacken in den Wahrnehmungen und Argumentationsstrukturen. Und das scheint uns dann doch "Methode" zu haben. Denn viel zu viele wissen ja - gerade in diesen Kreisen -, dass es auch anders ginge.

- - - Nun die Dokumentation aus den Jahren 2011/13.

Säkularer Humanismus - kleinkariert und altbacken

Journalist Malte Jessl äußert sich denunzierend über "Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!"


für den September 2016 in den Formulierungen leicht angepasst)

Abb. 1: Kirchenfreie Gesprächrunde neulich in Deutschland (oder so ...)

Eigentlich sollte sich ein Blog wie der unsere sagen: "Jede Publicity ist besser als gar keine". Aber die "Publicity" unseres Blogs in den Jahren 2011 bis 2013 in den Verbandszeitschriften der Kirchenfreien Deutschlands und ihres Umfeldes ließ einen doch ein wenig an diesem Grundsatz zweifeln. War das alles denn nicht nur noch peinlich? Und war dieser Blog etwa schuld, damals zu solchen Peinlichkeiten Steilvorlagen geliefert zu haben (1 - 12)?

Kritikerin Adah Gleich

Im Nachgang zu den Diskussionen rund um die Facebook-Gruppe "Generation Giordano" (3 - 6) (die nach einer Art feindlicher Übernahme von den ursprünglichen Gründern neu gegründet wurde unter dem Namen "Initiative Humanismus") meinte eine Adah Gleich, uns in der Vierteljahres-Zeitschrift "Diesseits - Das Magazin für weltlichen Humanismus", herausgegeben vom "Humanistischen Verband Deutschlands", erwähnen zu müssen mit dem Satz (9):

An anderer Stelle appellierte Ingo Bading, Gründungsmitglied der "Initiative Humanismus", im Namen der "intellektuellen Freiheit" gar für die Aufhebung der Strafe für Holocaust-Leugnung.

Aber hallo. Wie konnte er nur. Diese Erwähnung unserer Wenigkeit erfolgte unter dem Titel "Rechtspopulismus in der säkularen Szene" (9). Im gleichen Aufsatz, bzw. im gleichen Heft sind übrigens neben diesem Blog gleich drei der altbekannten Kollegen und Freunde dieses Blogs erwähnt, bzw. wurden sie interviewt. Nämlich Michael Blume ("Natur des Glaubens"), Edgar Dahl ("Libertarian") und Frank Berghaus ("Wissen bloggt"). Und es war da doch interessant zu sehen, wer von uns vieren des "Rechtspopulismus" verdächtigt wurde und wer interviewt wurde. Der einzige Christ von diesen vieren, nämlich Michael Blume, erhielt zu seinem Standardthema - "Religiöse haben mehr Kinder als Atheisten" - ein ganzes Interview. Die drei Nichtchristen und Christentumskritiker unter diesen vieren - nämlich Edgar, Frank und ich, Ingo Bading - wurden des Rechtspopulismus verdächtigt. Damals hatten die beim "Humanistischen Verband Deutschlands" offenbar nichts Besseres zu tun. Schon bei dieser Gelegenheit gab es also sicherlich genug Anlaß zu der Frage, ob das nicht alles nur noch peinlich ist.

Der Artikel von Adah Gleich wurde zwar in der konkurrierenden, vierteljährlich erscheinenden Verbandszeitschrift des 1976 gegründeten "Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten e. V. (IBKA)" (nämlich des "MIZ - Materialien und Informationen zur Zeit - Politisches Magazin für Konfessionslose und AtheistINNen") von Chefredakteur Gunnar Schedel eher in die Rubrik "Denunziation" als in die Rubrik "Aufklärung" eingeordnet (10). (So jedenfalls die beiden Begriffe des Titels seines Artikels [10]). Aber auch damit sollte noch nicht das letzte Wort in dieser peinlichen Erörterung gesprochen sein. Der Artikel von Gunnar Schedel rief in der gleichen Zeitschrift "MIZ" dann wieder einen Artikel eines Diplom-Biologen und Wissenschaftsjournalisten aus Mainz, bzw. Wiesbaden auf den Plan. Nämlich eines Malte Jessl (geb. 1979) (11).

Kritiker Malte Jessl

Jessl findet nun sowohl die Artikel von Adah Gleich wie von Gunnar Schedel oberflächlich. Und glaubt nun selbst natürlich wesentlich gründlicher und grundlegender zu argumentieren. Nein, sagt er, die säkulare Szene wird nicht "rechtspopulistisch unterwandert". Ja, meint er, die säkulare Szene und ihr "Aushängeschild", die Giordano Bruno-Stiftung - unternehmen aber dennoch eine "Gratwanderung" hart entlang des Abgrundes genannt "Biologismus". /... Freu! .../

Und im Mittelpunkt seines Artikels stand nun niemand geringerer als der Blog "Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!". Weil wir uns - zugegeben! - den Anliegen der Giordano Bruno-Stiftung sehr verbunden fühlen. Und das nicht erst seit 2012. Sondern schon spätestens seit der Zeit als der Bloginhaber feststellte, dass auch sein früherer Doktorvater, der Humansoziobiologe Eckart Voland, dort mitmachte.

Egal. Malte Jessl's Artikel ist nun jedenfalls nicht viel weniger peinlich und oberflächlich als der von Adah Gleich. Aber ihn deshalb hier auf dem Blog ganz unbehandelt lassen geht auch nicht. Der Artikel von Malte Jessl hat zwar inzwischen eine verdiente Abfuhr durch Harald Stücker erfahren, auf den dann auch der "Humanistische Pressedienst" von Carsten Frerk von der Giordano Bruno-Stiftung hingewiesen hat (12). Damit kann man sich schon viele grundlegendere Einwände gegen Malte Jessl an dieser Stelle sparen. Allerdings geht Stücker auf viele Einzelheiten nicht ein. Dafür hat er wohl auch keinen Anlass. (Obwohl auch Stücker, den wir ebenfalls bislang noch nicht kannten, von Adah Gleich unter die "Rechtspopulisten" eingeordnet worden war. Denn das geht heutzutage ziemlich schnell ... Und wir haben hier noch längst nicht alle genannt, die von Adah Gleich unter diese Rubrik eingeordnet worden waren. Ist wohl auch nicht besonders wichtig. Sondern eher peinlich.)

Der Artikel von Malte Jessl - er kann vollständig im Netz nachgelesen werden (11) - bewegt sich entlang der "exemplarischen" "ideologischen" Einordnung von drei Personen:

Lauter Leute, die der Naturwissenschaft zumindest sehr nahe stehen. Kritisierenswert findet Malte Jessl aber auch manche Äußerungen  

Die schon tausendmal zwischen zwei Menschenkiefern zerkaute Grundthese von Malte Jessl lautet so langweilig, ja, peinlich wie eh und je: die Giordano Bruno-Stiftung unternimmt mit solchen, soeben aufgezählten "Freunden" eine "Gratwanderung" entlang des Abgrundes "Biologismus". Eine Gratwanderung, die "nicht immer gelingt". So unkt Malte Jessl mit besorgtem, erhobenem Zeigefinger.

Vorweg sei gleich genommen: "Biologismus" ist ein bloßes, nichtssagendes Schlagwort, worauf schon Harald Stücker hinwies. Wenn nicht "Totschlagwort". Mit ihm ist in der Sache gar nichts gesagt. Malte Jessel konkretisiert deshalb sogar. Unter "Biologismus" versteht er den "Biologismus der 'Warum-Frauen-immer-Schuhe-kaufen-Schublade'." Ach ja! Und wer hätte jetzt noch Lust, dazu etwas zu sagen? Hallo? Wir befinden uns in einer Szene gebildeter Leute. Wie Harald Stücker schon sagte, sind das Diskussionen - Entschuldigung! - der 1970er Jahre. Inzwischen sind sage und schreibe vierzig Jahre ins Land gegangen. Mit welchen altbackenen Uralt-Humanisten bekommt man es denn hier zu tun? Gibt es einen solchen altbackenen Humanismus noch in angloamerikanischen Ländern? Etwa rund um Richard Dawkins? Man kann es sich fast kaum noch vorstellen. Aber möglich ist alles.

Thomas Junker, Sabine Paul und Ulrich Kutschera sind im übrigen in säkularen, humanistischen Kreisen genügend bekannt und anerkannt, als das sie sich selbst oder als dass andere sie in dieser Sache gegen einen Malte Jessl noch groß verteidigen oder in Schutz nehmen müssten. (Anmerkung 2016: Ist auch seither - soweit uns bekannt - nie geschehen. Wer hat Malte Jessl seither überhaupt in einer solchen Sache ernst genommen? Uns ist niemand bekannt.)

Kritisiert: Armin Geus

Hingegen werden die Namen Armin Geus und Remigius Geiser nicht jedem so geläufig sein wie die erstgenannten. Dem Autor dieser Zeilen jedenfalls waren sie ganz neu. Interessant also, wen da der Wissenschaftsjournalist Malte Jessl alles aufstöbert unter den Mitgliedern des Förderkreises der Giordano Bruno-Stiftung. Wie er das wohl wieder rausgekriegt hat? (2016: Malte Jessl übrigens arbeitet bis heute, 2016, für die Wissenschaftsredaktion von 3Sat und wir gehen davon aus, dass er dort auch - wie schon früher - so manchen guten Beitrag erarbeitet und veröffentlicht haben wird. Nur mit weltanschaulich-politischen Einordnung naturwissenschaftlicher Aussagen hat er es nicht so, das ist der einzige Kritikpunkt, der in diesem Blogartikel von 2013 gegen ihn vorgebracht wurde.)

Man lernt ja immer gern dazu. Mit Geus und Geiser also werde ich, Ingo Bading, von Malte Jessl in eine Reihe gestellt. Also sollte ich mir diese beiden "Kameraden" und "MitfalscheFreundederGBS" wohl einmal genauer anschauen.

(Das geht aber nicht von heute auf morgen. Im folgenden nur der Zwischenstand des Jahres 2013, seither kam es unsererseits zu keiner weiteren Beschäftigung mit der Biographie und dem Lebenswerk dieser beiden Personen.) Das Schlimme an Armin Geus sollte nach Malte Jessl sein, dass er 2008 einen Sammelband zur Islamkritik herausgebracht hat, in dem er neben Texten von Ralph Giordano, Thomas Junker, Hubertus Mynarek, Klaus Rainer Röhl auch Texte des Journalisten Dr. Günter Zehm (geb. 1933) und des Sozialphilosophen Professor Günter Rohrmoser (1927-2008) aufgenommen hatte. - Ja, du liebe Güte!, möchte man sagen. Wenn der gute Malte Jessl weiter keine Probleme hat. Das kann einem einfach viel zu billig sein, über einen solchen Umstand überhaupt irgend ein Wort zu verlieren.

Höchstens wäre hier der Wunsch zum Ausdruck zu bringen, dass Armin Geus nun zusammen mit Günter Rohrmoser dann gleich auch noch einen Sammelband zur Christentumskritik oder zur Kritik von "Gotteswahn" überhaupt herausgebracht hätte (*freundlich lächel oder grins*). Hätte einen schon interessiert, ob der gute Rohrmoser und Horst Mahler-Freund da ebenso fröhlich mitgemacht hätte. (Man darf vermuten: nicht.) Rohrmoser steckt(e) tief drin in der christ-katholischen Lobby. Für die nichts so kennzeichnend ist wie seine Freundschaft mit dem RAF-Terroristen und Stasi-Mitarbeiter Horst Mahler. Wenn sich Armin Geus von solchen Leuten die "Schwesterreligion" des Christentums "kritisieren" lassen will, soll er das doch tun. Aber man darf zunächst einmal davon ausgehen, dass Armin Geus noch andere Verdienste hat, als solcherlei, Verzeihung: ... Merkwürdigkeiten. Über die ich kein Wort verlieren würde. Nun, Malte Jessl hat halt so seine eigenen Sorgen, wenn er an die Giordano-Bruno-Stiftung denkt, benannt nach einem der größten Freigeister der Geschichte der Menschheit. (Ach je, wie kleingeistig erscheint einem das alles, wenn man sich nur einmal an diesen Geistesriesen und Feuergeist aus Italien erinnert ...)

Ja, man kann - "besorgt"! - einzelne Worte oder Taten einzelner Personen kritisieren. Aber diese Pauschalverurteilungen und -verdächtigungen, weil "mal der mit dem" usw.. Das sollte eigentlich einer freigeistigen Aufbruchbewegung unwürdig sein. Wer das nicht unwürdig findet, den kann ich gar nicht als jemanden empfinden, der sich einen gesellschaftlichen Aufbruch wirklich wünscht. Wollen wir eine derartige Gesellschaft "des Verdachts"? Hat da noch jemand Vertrauen in das Gute im Menschen? Oder herrscht das Ressentiment vor?

Kritisiert: Remigius Geiser

Und daß Remigius Geiser von Malte Jessl unredlich zitiert wird, kann jeder überprüfen, der den von Malte Jessl zitierten Text selbst liest (1) und sich nur ein wenig mit soziobiologischer Literatur auskennt. Geiser macht darin in der Tat eine eugenisch klingende Äußerung. Jessl zitiert aber nicht, daß Geiser dann weiter schreibt:

Man muß diese Vorhaltungen wissenschaftlich ernstnehmen, aber es gibt auch Gegenargumente.
Und weiter heißt es unter anderem:
Und drittens besteht neuerdings die Aussicht, daß die ganze Frage insgesamt irrelevant wird.
Nun, das klingt doch dann schon wesentlich differenzierter, als Malte Jessl es darstellt. Wie Jessl auch überhaupt nicht herausstellt, dass - wie an dieser Stelle - auch sonst der Text von Remigius Geiser ein nur deskriptiver (wissenschaftliche Theorien und Fakten referierender) Text ist. Ein Text, der unter der Berücksichtigung seiner letzten Sätze gelesen werden muss:
Es stimmt, die Soziobiologie ist die ultimative Herausforderung der menschlichen Sozialphilosophie. Sie ist eine völlig neue Weltanschauung, ein neues System der Welterklärung. Die "darwinische Revolution" (Richard Dawkins) ist eine ideologische Revolution von fundamentaler gesellschaftspolitischer Relevanz. Die bisher dominierenden Weltanschauungen (= Memplexe) werden nicht nur herausgefordert, sondern vielleicht sogar tödlich getroffen. Klar, dass sie sich zur Wehr setzen.
- Warum denkt man bei einem solchen Satz jetzt an Malte Jessl? Weiß man eigentlich nicht so recht (*freundlich grins*). Geiser jedenfalls weiter:
Die Menschheitsgeschichte bietet immer wieder interessante Überraschungen, unvorhergesehene Wendungen, unberechenbare Entwicklungen und eine ungewisse Zukunft. Wir stehen jetzt an einem Punkt, wo der Mensch sich der egoistischen Basis seines gesellschaftlichen Handelns voll bewusst wird. Mal sehen, was er daraus macht ...
Abb. 2: Richard Dawkins - er ist dort, wo es nötig ist

Wie wahr. Und sehr richtig: "Mal sehen, was er daraus macht." So lautet der letzte Satz von Geiser in einem 36-seitigen Manuskript. Geiser behauptet also nicht von sich, auf die von ihm bloß referierte "ultimative Herausforderung der menschlichen Sozialphilosophie" in Form der Soziobiologie eine befriedigende Antwort zu wissen. Welcher Schluß also vom Sein zum Sollen gezogen werden soll, läßt er in den meisten Fällen ganz offen. Oder er gibt von sich aus nur vage Lösungsvorschläge.

Was ja zunächst einmal auch gut ist, um überhaupt unsere Erkenntnisse über das Sein ergebnisoffen zur Kenntnis nehmen zu können. Und tatsächlich ist das ja die Frage, die so viele von uns umtreibt: "Mal sehen, was er daraus macht". Dieser Mensch von heute, dessen Denken und Instinkte vom Geist des Alten Testamentes noch immer tief durchtränkt sind. Da bestehen durchaus Gefahren, in der Tat. Und um diesen zu begegnen, nennen wir uns Humanisten und identifizieren wir uns mit Humanismus. Ich denke, das gilt auch für Remigius Geiser. Jedenfalls konnte mich Malte Jessl mit seinen kurzen Zitaten keineswegs vom Gegenteil überzeugen. Remigius Geiser ist kein "falscher Freund" des Humanismus. Wer das nachweisen will, muß anders argumentieren, als Malte Jessl.

Zwischenbemerkung: Altruismus wird durch die Soziobiologie erklärt, nicht "entzaubert"

Wobei langjährige Leser dieses Blogs wissen, daß wir schon den Grundansatz des Redens von "egoistischen Genen" - also auch den Grundansatz des Textes von Remigius Geiser - für verfehlt halten. Diese Begrifflichkeit stammt von Richard Dawkins, der bei all seinen Verdiensten keinen Unfehlbarkeitsanspruch aufgestellt hat. Dieser wird ihm auch von niemandem zugesprochen. Dawkins ist auch nicht der Begründer der Soziobiologie. Sondern nur ihr bekanntester Popularisierer (neben Edward O. Wilson).

Das Verhalten, das durch die Grundtheoreme der Soziobiologie erklärt werden soll, ist vielmehr altruistisches. Daß dieser (phänotypische) Altruismus durch eine naturwissenschaftliche Erklärung auf der Ebene der Gene "entzaubert" werden könnte, ist eine weit verbreitete Einschätzung, die in unserer atheistischen Gesellschaft auch besonders gut ankommt. Sie ist aber eine interpretatorische Vorwegnahme, die uns die Natur selbst und auch die Grundtheoreme der Soziobiologie wie sie in mathematischer Form vorliegen, nicht aufdrängen. Natürlich muß alles, was in der Natur existiert, genetisch überleben. Sonst würde es ja in der Natur nicht vorkommen. Und deshalb dürfen die Lebensprinzipien der Natur nicht mit dieser Rationalität im Widerspruch stehen. Darauf gründet das Denken der Soziobiologie.

Abb. 3: Simon Conway Morris

Daß das genetische Überleben aber das einzige Lebensprinzip in der Natur sein soll, ist ein Mythos, den auch der Begründer der Soziobiologie, William D. Hamilton, nie vertreten hat. Im Gegenteil. Er hat ähnlich wie etwa Isaac Newton immer betont, daß er glaubt, daß die Welt so wunderbar ist, daß sie sich nicht durch wenige mathematische Formeln entzaubern läßt (13). Es handelt sich jedoch um einen von Richard Dawkins formulierten Mythos, den auch Remigius Geiser ein wenig gar zu drastisch und übertrieben darstellt.

Wobei Richard Dawkins selbst schon längst viel weiter ist. Andere Lebensprinzipien der Evolution werden heute etwa mit dem allseitig vorkommenden Tatbestand von "konvergenter Evolution" erforscht. Simon Conway Morris schließt aus dem allseitigen Vorkommen derselben auf eine Zielgerichtetheit der Evolution (gegen Stephen Jay Gould's "Zufall Mensch"). Und Richard Dawkins schrieb schon 2004 im abschließenden Kapitel seines schönen Buches "Ancestors Tale", daß er grundsätzlich Conway Morris darin folgen könne. Dawkins denkt also viel ergebnisoffener als viele seiner stiernackigen Anhänger.

Kritisiert: Ingo Bading

Nun aber weiter im Text von Malte Jessl. Vorweg sei noch bemerkt, daß wir nach den Diskussionen rund um "Generation Giordano" (4 - 6) eine Zeit lang einmal versucht haben, den diffamierend gegen die Giordano Bruno-Stiftung angewandten Begriff "völkischer Humanismus" positiv zur Beschreibung unseres Blogs zu verwenden (7). Nachdem im April 2013 schon Facebook-Freundin und Blogleserin Nina Hagen die Verwendung dieses Begriffes kritisiert hat, haben wir ihn jetzt - ja, nach der Lektüre des Artikels von Malte Jessl! - wieder aus der Selbstbeschreibung des Blogs entfernt. Denn offensichtlich verleiten wir Kritiker unseres Blogs mit der Verwendung dieses Begriffes zu zu oberflächlichem Denken und Wahrnehmen. Während wir das genaue Gegenteil mit der Verwendung dieses Begriffes hatten erzielen wollen (7). Deshalb also jetzt nicht mehr in der Selbstbeschreibung. - Ob wohl der ganze Artikel von Malte Jessl geschrieben worden wäre - hätte geschrieben werden können -, wenn wir auf die Verwendung dieses Begriffes von vornherein verzichtet hätten? Jedenfalls setzt er seinen Artikel folgendermaßen fort:

Von der Evolution zum „Volk“
Zugestanden werden muss Geiser allerdings, dass er sich zumindest recht deutlich gegenüber Nationalismus und Rassismus abgrenzt.
Eine solche Abgrenzung ist nicht die Sache von Ingo Bading, auf den Adah Gleich auch kurz in ihrem Artikel eingeht. Bading ist Gründungsmitglied der Initiative Humanismus und Mitverfasser des „Manifests“ der Gruppe. Gleich wirft Bading – und hier zeigt sich wieder die Oberflächlichkeit ihrer Kritik – lediglich vor, dass er die Strafbarkeit der Holocaustleugnung ablehnt ...
In einer Anmerkung schreibt Jessl dazu: "Diese Position teilt Bading mit so unterschiedlichen Autoren wie Henryk M. Broder und Noam Chomsky, entsprechend wenig sagt sie also über seinen ideologischen Hintergrund aus." Eine sehr informierte Anmerkung, aus der sogar wir noch etwas lernen. Warum ist Diplom-Biologe Malte Jessl sonst nicht so gut informiert? Er fährt dann nämlich fort:
... und bemerkt dabei gar nicht die wirklich bedenklichen Aspekte seiner Ideologie. Auf Badings „Weltnetzseite“ [sic!] Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt ist folgende Selbstdarstellung zu lesen:
„Dieser Blog vertritt einen völkischen Humanismus, weil er mit den Erkenntnissen der Evolutionären Anthropologie und Humangenetik weiß, dass die Humanevolution bisher immer in Völkern stattgefunden hat und – ganz offensichtlich – auch künftig stattfinden wird. Und für diese Erkenntnis muss es einen Namen geben. Völkischer Humanismus scheint uns der geeignete dafür zu sein.
Die öffentliche Debatte rund um das Buch von Thilo Sarrazin ‘Deutschland schafft sich ab’ bewegte sich sowohl in ihrem rationalen wie in ihrem emotionalen Kern rund um diese sowohl natur- wie kulturwissenschaftliche Erkenntnis.
Es muss einfach verstanden werden, dass konsequent vertretener Evolutionärer Humanismus (EH) per se politisch unkorrekt ist, unter anderem deshalb, weil die Natur, Evolution und Humanevolution selbst sich nicht an politische Korrektheit gehalten haben und weil politische Korrektheit direkt in ‘Controlled Demolition’ ganzer fortschrittlicher Gesellschaften führt. Unter anderem weil EH deshalb zwangsläufig nicht nur Religions-, sondern auch Ideologiekritik mit einschließt und einschließen muß. Und unter anderem weil EH deshalb spätestens seit K.-H. Deschner und Colin Goldner, Robert Trivers, Richard Dawkins, Noam Chomsky, Kevin MacDonald, James Watson und vielen anderen auch immer Hintergrundpolitik- und Lobbymächte-Kritik mit einschließen muss.
Die Humanevolution fand 200.000 Jahre lang in Stämmen und Völkern statt. Es besteht viel Anlass dafür zu vermuten, dass die Weltall-Entstehung und die Evolution zielgerichtet erfolgt sind, was auch Richard Dawkins für möglich hält. Wenige andere Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaft werden heute von allen globalisierenden Priestern und Ideologen mehr gefürchtet, als diese, denn mit ihnen ist ihnen ihre ‘Sinngebungs’-Funktion vollständig entzogen.
[...]
Multikulturelle Gesellschaften sind jene Gesellschaften, die weltweit am schlechtesten funktionieren (Robert Putnam) und die außerdem der Humanevolution nicht ausreichend Material geben, denn Humanevolution findet auf mehreren Ebenen statt, nicht nur auf der individuellen, sondern auch auf Gruppenebene, wie die Humangenetik allerseits derzeit besser erkennt.
Dies ist deshalb ein Blog wider das von Lobbymächten aufrecht erhaltene ‘Wissensgefälle’ zwischen Eliten und Volk. Ein Blog wider die zahlreichen gesellschaftlichen Selbstmordprogramme der intellektuellen Eliten.“ (Rechtschreibfehler korrigiert)
Es bleibt jedem selbst überlassen, wo genau zwischen den Eckpunkten „völkische Ideologie“, „Verschwörungstheorie“ und „geistige Verwirrung“ Bading einzuordnen ist. Dass seine Positionen indiskutabel sind und rein gar nichts mit Aufklärung und emanzipatorischer Religionskritik zu tun haben, sollte aber schon nach Lektüre dieser wenigen Zeilen klar sein – zahllose weitere Belege dafür lassen sich auf seinem Blog finden.

Was nun eigentlich an dieser Selbstdarstellung rein sachlich, inhaltlich "bedenklich" ist, was "indiskutabel" ist, was "geistige Verwirrung" darstellt, was "rein gar nichts mit Aufklärung und empanzipatorischer Religionskritik zu tun hat", sagt Malte Jessl nicht. Ihm ist es "schon nach Lektüre dieser wenigen Zeilen klar".

"Zahllose weitere Belege dafür lassen sich auf seinem Blog finden," unkt er noch weiter. Nun. Wenn er es nicht begründet, gibt es auch keinen Anlass, ihm zu begründen, warum wir das natürlich nicht so sehen.

Warum soll eigentliche eine Abgrenzung von Nationalismus und Rassismus "keine Sache von Ingo Bading" sein? Hat Malte Jessl zahllose Artikel dieses Blogs nicht gelesen? Wir grenzen uns sogar nicht nur von Nationalismus und Rassismus ab. Wir fragen auch: Wo kommen sie her? Und zwar in ihrer fürchterlichsten geschichtlichen Ausprägung. Und wir haben hier die Moral und Ideologie des Alten Testamentes identifiziert, auf der sich alle drei großen Weltreligionen gründen. Und wir haben die Moral und Ideologie völkischer, freimaurernaher Okkultlogen während des 20. Jahrhunderts dafür ausgemacht. All das braucht ja Malte Jessl nicht zu erwähnen, wenn er uns mangelnde Abgrenzung von Nationalismus und Rassismus vorwirft.

Gruppenselektion - Dieser Blog steht für Wissenschaft, nicht Ideologie

Um es aber auch noch einmal einem Malte Jessl klar zu sagen: Wir weisen es überhaupt entschieden zurück, dass wir eine "Ideologie" vertreten. Dass Evolution und Humanevolution Gruppenevolution sind, ist nicht "Ideologie", sondern eine in der Wissenschaft immer noch heiß erörterte Frage. Malte Jessl sollte schon davon gehört haben. Wenn nicht, sollte er schweigen. Denn schon an der Dauer der innerwissenschaftliche Diskussion rund um diese Fragen wird deutlich, dass diese Frage keine wissenschaftliche "Eintagsfliege" ist. Sie wurde von Charles Darwin höchstselbst in den Ring geworfen. Wie man schon am Untertitel seines Hauptwerkes ablesen kann.

Sie erfuhr dann von eben jenem eigentlichen Begründer der Soziobiologie William D. Hamilton erstmals in der Wissenschaftsgeschichte eine Zurückweisung (1964). Durch diese Zurückweisung wurde die Soziobiologie einstmals begründet. Im Jahr 1964. Und sie wurde von demselben innovativen Denker (!) nur wenige Jahre später (um und nach 1967), zusammen mit George R. Price wieder aufs Tapet zurück gebracht. Einfach durch mathematische Herleitung. Nicht durch irgend ein "Wunschdenken" (vgl. die wunderbaren autobiographischen Texte in "Narrow Roads of Gene Land" dazu [13]). Price war sicher der letzte, der mit einem solchen Ergebnis seiner Price-Gleichung gerechnet hatte. Und das alles geschah zu einer Zeit, als alle Welt noch Mühe hatte, die ursprüngliche Hamilton'sche Zurückweisung der Gruppenselektion nachzuvollziehen. So "gegenläufig" kann Wissenschaftsgeschichte sein.

Aber die Neuformulierung der Gruppenevolution durch William D. Hamilton und George Price hat seither mit Soziobiologen wie David Sloan Wilson und zahllosen anderen, schließlich sogar mit Edward O. Wilson ständig mehr Anhänger hinzugewonnen. Sie steht heute in der Mitte der soziobiologischen Forschung. Nur wird sie heute oft auch unter Begriffen wie "Superorganismus" erörtert. (Ein Ameisenstaat, ein Bienenvolk und natürlich auch eine menschliche Gesellschaft sind "Superorganismen".) Oder unter dem Begriff "multi-level-selction" (Mehr-Ebenen-Selektion). Von einem Diplom-Biologen wie Malte Jessl darf man erwarten, dass er sich zuvor informiert, bevor er, was diese Themen betrifft, von "Ideologie" spricht. Auf unserem Wissenschaftsblog "Studium generale" behandeln wir diese Fragen schon in der Kurzbeschreibung. Warum ist eigentlich nicht diese Kurzbeschreibung von Malte Jessl zitiert worden?

Mag ja sein, daß für Malte Jessl die ganze Soziobiologie "Ideologie" ist. So ein bischen klingt das bei ihm durch. Aber dann sollte er das auch so sagen. Oder liegt die "geistige Verwirrung" womöglich auch sonst auf seiner Seite? Nämlich in der Form, daß er von den eben genannten Entwicklungen noch nicht besonders viel sollte mitbekommen haben? Daß er nichts gehört hat von "Lewontins Fehlschluß", von der "Naturgeschichte der aschkenasisch-jüdischen Intelligenz", von der Aussage von Stephen Pinker im Jahr 2006, daß die "gefährlichste Idee der nächsten zehn Jahre" die Idee von den angeborenen Begabungsunterschieden zwischen den Völkern wäre?

Und warum soll es - womöglich - ein Zeichen für "geistige Verwirrung" darstellen, wenn man sich auf Robert Putnam beruft, den Autor von "Bowling Alone"? Den Erforscher multikultureller Gesellschaften? Wer ist hier geistig verwirrt oder überfordert? - Das Reden von "geistiger Verwirrung" ist im übrigen beleidigend.

Nachtrag (18.6.2013)

Wie wir erst nachträglich - und gewiß auch zu unserer Beruhigung feststellten - scheinen Adah Gleich und Malte Jessl innerhalb der GBS selbst nicht unumstritten zu sein. Rechtfertigte doch Malte Jessl vor einem Monat in einem "Diskussionsbeitrag" auf der Seite des von der GBS gegründeten "Humanistischen Pressedienstes" (14) - offenbar insbesondere gegenüber Michael Schmidt-Salomon persönlich - einmal erneut seine sehr pauschalen "Biologismus"-Vorwürfe im Grunde gegen einen großen Teil der Evolutionären Psychologie überhaupt.

Es steht nicht zu vermuten, daß er mit diesen neuerlichen Äußerungen sich gegenüber der Mehrheit der Leser überzeugender äußern würde, als mit seinen bisherigen. Und nicht die Glaubwürdigkeit der säkularen Szene steht auf dem Spiel, wie Malte Jessl darin unkt, sondern viel mehr seine eigene. Wie man ihm nur sehr ernsthaft raten kann. - Zum Beispiel: Hypothesen sind in der Wissenschaft dazu da, überprüft und danach angenommen oder verworfen zu werden. Jessl führt aber in seinem Artikel einige Hypothesen nur ganz kurz an, die er schon ohne empirische Überprüfung als "absurd" und damit offenbar gar nicht erst der Überprüfung für wert empfindet. (So wie er das ja oben auch gegenüber unserer Blogbeschreibung tat.) Eine dieser Hypothesen stammt noch dazu von dem verdienten Evolutionären Psychologen Edward O. Wilson persönlich.

So arbeitet aber die Wissenschaft nun einmal nicht. Und schon gar nicht die Soziobiologie. Richard Dawkins schreibt in seiner Neuauflage von "Das egoistische Gen", daß er inzwischen davon überzeugt worden wäre, daß einige Theorien, die er zuvor für zu "verrückt", zu "verstiegen" gehalten hatte, um wahr zu sein, nun doch für wahr halten würde. Und zwar im Zusammenhang mit seiner Behandlung des von Amoz Zahavi in die Wissenschaft eingeführten "Handicap-Prinzips". Konrad Lorenz hinwiederum übte sich darin, jeden Morgen eine seiner "Lieblingshypothesen" zu verwerfen. Das würde geistig frisch halten.

Vielleicht sollte sich Malte Jessl einfach für ein halbes Jahr einmal monatlich in das Doktoranden-Seminar des von ihm schon interviewten (15) Eckart Voland in Gießen setzen. Vielleicht bekommt er dabei dann ein besseres Gefühl dafür, wie man heutzutage sinnvoll in und mit - oder gerne auch gegen - die Soziobiologie oder soziobiologisches Forschen argumentieren kann. Und wie nicht. Auch Abstract-Bände von jährlichen Tagungen der US-amerikanischen "Human Behavior and Evolution Society" (HBES) oder ihres deutschen Ablegers, der "MVE-Liste" (auch einen europäischen Ableger gibt es) könnten hierfür dienlich sein. Welch eine Fülle von zum Teil schrillen und verstiegenen Thesen findet man da alljährlich behandelt. Das ist geistig durch und durch erfrischend. Das ist doch das Schöne an dieser Wissenschaft, dass sie noch jung ist und dem Ideenreichtum vielfältigsten Spielraum lässt.

Im Grunde verwundert der Eifer von Malte Jessl. Schließlich hat er als Journalist und Wissenschaftsjournalist doch ansonsten schon manches durchaus Beachtliche veröffentlicht, wie eine Netzsuche ergibt (16 - 21). Wir selbst, so erfahren wir dabei auch, zitierten ihn schon im Jahr 2008 im Zusammenhang mit einer uns sehr wichtigen Thematik (nämlich dem Zusammenhang zwischen Monogamie und der Evolution von Altruismus - - - der auch neuerlich im Jahr 2016 weitere wissenschaftliche Bearbeitung erfährt, siehe die Arbeit der verdienstvollen Kollegin Jacqueline Dillard in The Scientist, 1.8.2016).

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Literatur 

  1. Geiser, Remigius: Alles nur schnöder Egoismus - die biologischen Grundlagen des menschlichen Soziallebens. In: In Familie und Gesellschaft. (= Bräuche im Salzburger Land. Zeitgeist/Lebenskonzepte/Rituale/Trends/Alternativen. CD-ROM 3) Hrsg. Lucia Luidold und Ulrike Kammerhofer-Aggermann Redaktion: Melanie Lanterdinger. (= Salzburger Beiträge zur Volkskunde 15) Salzburg 2005; auch auf: http://remigius.org/
  2. Jessl, Malte: Das Gehirn im Doppelpack. Rezension von Hans G. Gassen "Das Gehirn". In: Spektrum der Wissenschaft, 2. 8. 2008 (weitere Artikel und Rezensionen in "Spektrum d.W." und in "Gehirn & Geist", 2008)
  3. Bading, Ingo: Mit Facebook-Demokratie wider die Macht von Lobbygruppen! GA-j!, 15. Oktober 2011
  4. Bading, Ingo: "Generation Giordano" - inmitten einer Wolke aufgewirbelten Staubes. "In erster Linie bin ich Humanist und Menschenfreund. Für mich gibt es keine Völker, sondern nur Menschen." (David Farago) GA-j!, 18. Oktober 2011
  5. Bading, Ingo: "Die Anerkennung biologisch-kultureller Evolution mit allen ihren beobachtbaren Unterschieden gehört zum Wesen des Humanismus." Lichten sich die Staubwolken rund um "Generation Giordano"? GA-j!, 21. Oktober 2011
  6. Gleich, Adah; Navissi, Frank: Wirbel um die Generation Giordano. In: MIZ 4/2011 (Materialien und Informationen zur Zeit) 
  7. Bading, Ingo: Ist Evolutionärer Humanismus "völkischer Humanismus"? Auf: Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!, 18.11.2012
  8. Stücker, Harald: Angst vor der Ungleichheit. Auf: Evidenz-basierte Ansichten, 21.1.2012
  9. Gleich, Adah: Woher der Wind weht - Rechtspopulismus in der säkularen Szene. In: diesseits – Das Magazin für weltlichen Humanismus, September 2012 (Editorial) (s.a. Wissenbloggt) [vollständiger Text kann auf Anfrage vom Blogautor zugesandt werden]
  10. Schedel, Gunnar: Aufklärung und Denunziation. In: MIZ 3/2012
  11. Jessl, Malte: Falsche Freunde. Rechte in der säkularen Szene sind selten, aber ein deutliches Zeichen für eine falsche Außenwirkung. In: MIZ 4/2012
  12. Stücker, Harald: Politisch korrekt und moralisch orientierungslos. Auf: Evidenz-basierte Ansichten, 13. 2. 2013; auch auf Freidenker.at, 13.2.2013; auch auf: Humanistischer Pressedienst, 10.6.2013  
  13. Hamilton, William D.: Narrow Roads of Gene Land. Vol. 1. Oxford University Press, Oxford 1996
  14. Jessl, Malte: Das Kreuz mit der Biologie. Diskussion. Humanistischer Pressedienst, Nr. 15885, 10.05.2013
  15. Jessl, Malte: Irrtum Sozialdarwinismus. Charles Darwin zum 200. Geburtstag (5). HR 2 Wissenswert, Freitag, 13.02.2009 (Audio) (pdf
  16. Jessl, Malte: "Im Namen des Islam werden im Iran Frauen hingerichtet" - Shahnaz M., vor 20 Jahren aus dem Iran geflüchtet, kritisiert die Religion aufs Schärfste. In: Frankfurter Rundschau, 4.4.2007
  17. Jessl, Malte: Ernst Haeckel - Darwins Prophet. Charles Darwin zum 200. Geburtstag. HR 2 Wissenswert, 16.02.2009 (Audio)
  18. Jessl, Malte: Der Mann, der uns zum Affen machte. Zum 175. Geburtstag von Ernst Haeckel. In: Spektrum der Wissenschaft, 13.2.2009Die Welt, 16.2.2009 
  19. Jessl, Malte: Warum die Sprache der Musik universell ist - Ein Stamm in Afrika hörte jetzt erstmals Elvis und die Beatles. In: Die Welt, 23.3.2009Berliner Morgenpost, 23.03.2009 
  20. Jessl, Malte: Debatte über den Ursprung der Menschenrechte. Veranstaltungsbericht. Humanistischer Pressedienst, Nr. 8193, 11.11.2009
  21. Jessl, Malte: Eine angeknabberte Plastiktüte. 3-Sat, 16.7.2012