Mittwoch, 20. Februar 2019

Sich aufopfern für andere - Antrieb der Evolution?

"... niemand habe eine größere Liebe denn die, 
daß er sein Leben lasse für seine Freunde." 
(aus dem Johannesevangelium)

Vielleicht ist dieses Video von Seiten des Hauptbetreibers dieses Blogs der bislang gelungenste, zufriedenstellenste Versuch einer Einführung in die Philosophie von Mathilde Ludendorff. Das Video gliedert sich in:
A. Einleitung
B. Hauptteil ab 14.55: Versuch einer Einführung in die Philosophie Mathilde Ludendorffs



A. Einleitung


Einleitend Bericht von einem Treffen am vorhergehenden Wochenende. Matthias Koepke hatte referiert über das Buch "Der Minne Genesung" von Mathilde Ludendorff (1).

04:42 - Lore Waldvogel hatte referiert über die Frauenverachtung in der AltRight (Neuen Rechten) in den USA. Es war die Frage gestellt worden: Wo kommt so ein Unfug eigentlich her? Naheliegender Weise sollte man sich - unter anderem - wohl einmal ein wenig mit dem Jesuitenorden beschäftigen.

06:34 - Philip Orwellzeit hat über die Stellung der Frau bei den Indianern referiert.

07:08 - Ingo Bading hat referiert über Monogamie als grundlegendes Prinzip auf vielen Evolutionsstufen und in vielen Stammbaum-Bereichen. Mathilde Ludendorff schreibt (1, S. 157):
"Die Monogamie als höchste Entwicklungsstufe mit ihrer in der körperlichen und seelischen Eigenart begründeten Minnebegeisterung führt zu einer derartig wechselseitigen und vielfachen Entfaltung und Verknüpfung der Seelen, daß ein einheitliches Gebilde höherer Ordnung das Ergebnis einer solchen Vereinigung ist."
Dieser Satz kann erstaunlich gut in Beziehung gesetzt werden zu neuesten Erkenntnissen der Evolutionsforschung, in der man seit 2007 findet, daß bei mehreren Hauptschritten der Evolution ("major transitions"), wo ja ebenfalls jeweils "einheitliche Gebilde höherer Ordnung" entstehen, das Prinzip Monogamie eine entscheidende Rolle spielt (2). In den Worten Mathilde Ludendorff ist das - sozusagen - eine "wiederkehrende Schöpfungsmelodie" in der Evolution.

B. Hauptteil


14:55 - Einführung in die Philosophie von Mathilde Ludendorff. Wie denkt sie über Evolution?  Zunächst wesentlichere biographische Schritte hin zu ihrem Denken, wesentlichere Forscher, auf die sie sich bezieht: Kant, Schopenhauer und August Weismann. Ihr Ausgangspunkt: Die potentielle Unsterblichkeit der Einzeller und die Grünalge Volvox, die erstmals den Übergang zur Mehrzelligkeit vollzieht.

31:15 - Diesem Wissen aus der Biologie kann seit vielen Jahrzehnten ein weiteres Beispiel an die Seite gestellt werden: Der Schleimpilz Dictyostelium als Modellorganismus (3). Sein Lebenszyklus ebenfalls am Übergang vom Einzeller-Stadium zu erster, einfachster Mehrzelligkeit.

Hier evoluiert und ist zu beobachten: die höchste Form von Altruismus. Hier ist eine "edle Tat" zu sehen. Ist vielleicht ein solches Sterbenkönnen, ein solches Sichaufopfern das Edelste, was in der Evolution hervorgebracht worden ist?

Die Evolution der Aufopferungsfähigkeit bildet einen Haupttrend in der Evolution sowohl der Pflanzen wie der Tiere: Vervollkommnung von Nachkommenfürsorge, also von Aufopferungsfähigkeit und Aufopferungsbemühungen. So formulierte es übrigens erstmals auch der Schweizer Biologe Adolf Portmann. Er arbeitete heraus die Evolution von Nestflüchtern zu Nesthockern, die viel intensivere Nachkommenfürsorge benötigen.

Der Sinn des Lebens ist es - nach Mathilde Ludendorff - ein edler Mensch zu werden, sich für andere, für das eigene Volk oder auch für große Angelegenheiten und Werte der Menschheit (Wahrheit, Schönheit, Edelsinn im höheren Sinne gemeint) aufzuopfern.

John Tyler Bonner - der Erforscher des Schleimpilzes Dictyostelium


Ergänzung (19.3.2019): Soeben (4) ist ein Nachruf erschienen auf einen der bedeutendsten Erforscher jenes Schleimpilzes Dictyostelium discoideum, von dem im Video die Rede ist. Es handelt sich um John Tyler Bonner, von dem man manche interessante wissenschaftliche Veröffentlichung lesen kann, zum Beispiel "Kultur-Evolution bei Tieren" (Parey 1983). Auf Wikipedia kann man entdecken, daß es noch viele weitere, spannende Veröffentlichungen von ihm zu lesen gibt (5). Im Nachruf heißt es über seine Zusammenarbeit mit seinem Doktorvater (4):
"There was more than enough biological mystery here to fascinate John Bonner and Kenneth Raper. How did a uniform lawn of amoebae create a structure with polarity in about twelve hours? How did the tip of an aggregate organize the differentiation of two cell types, those destined to form stalk and those destined to form spore? How did cells signal to each other during aggregation?"
Es wird auch auf ein Video hingeweisen, das Bonner angefertigt hat (6), und das Einstein vorgeführt wurde. Dieser unterhielt sich darüber in Deutsch mit seinem Freund, so daß Bonner nichts über Einsteins Meinung erfahren konnte. Bonner's Forschungen hatten enorme Folgen und wurden breit interdisziplinär diskutiert, wie berichtet wird.

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  1. Ludendorff, Mathilde: Der Minne Genesung (1. Auflage: 1919). Verlag Hohe Warte, Pähl 1959
  2. Bading, Ingo: Lebenslange Hingabe an einen einzigen andersgeschlechtlichen Artgenossen - Voraussetzung für Hauptschritte der Evolution. Studium generale, 8.1.2018, https://studgendeutsch.blogspot.com/2018/01/lebenslange-hingabe-einen-einzigen.html
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Dictyostelium_discoideum
  4. Richard H.Kessin: Obituary John Tyler Bonner (1920–2019). In: Current Biology, Volume 29, Issue 6, 18 March 2019, Pages R185-R186, https://doi.org/10.1016/j.cub.2019.02.044, freier Zugang: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0960982219302143
  5. https://de.wikipedia.org/wiki/John_Tyler_Bonner
  6. John Bonner's slime mold movies, 1947, https://youtu.be/bkVhLJLG7ug.

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