Dienstag, 1. Mai 2018

Mathilde Ludendorff - und die heutige religiöse Frage


/ Einleitend zum Mitsingen:
"Im Wald ist schon der helle Tag"
(von Hans Baumann). /

Gestern habe ich einen Abend lang in einer sehr angeregten Gesprächsrunde verbracht. Es wurde einiges aus den Lebenserinnerungen von Mathilde Ludendorff vorgelesen zu den Jahren 1923 und 1924. Daran schlossen sich vielfältige Gespräche und Fragen an, von denen einige im Video zunächst nur kurz aufgegriffen werden.

So kam unter vielen anderen die Frage auf, welche Weltanschauung Mathilde Ludendorff eigentlich vertreten hat. Um ihre Philosophie grob einzuordnen, kann man sie dem Pantheismus zuordnen. Aber im Gespräch kam auch die Frage auf, wie das zu verstehen sein könnte, wenn es am Anfang ihres Buches "Schöpfungsgeschichte" heißt: "Am Anfang war der Wille Gottes zur Bewußtheit".

Es könnte nun schon wichtig sein, wenn man diesen Satz und ihren Grundansatz des Philosophierens richtig verstehen möchte, sich klar zu machen, daß Mathilde Ludendorffs Philosophie sich sehr bewußt in ein 2.500 Jahre altes Philosophieren einordnet, und daß ihr Philosophieren - insbesondere in Auseinandersetzung mit Immanuel Kant und Arthur Schopenhauer - dann schließlich auch sehr eigene und selbstständige Wege gegangen ist.

Philosophieren an sich fängt aber nicht mit dogmatischen "Setzungen" an (wie bei monotheistischen Religionen), sondern ihnen liegt das völlig ergebnisoffene griechische "logo di donai" zugrunde, das "Sich Rechenschaft geben" über alles, was ist.

Und von daher stellt sich auch die Frage, wie diese Welt geworden ist. Der Mensch stellt diese Frage mit seiner Vernunft. Aber diese Vernunft stößt an Grenzen, die Immanuel Kant - nach Meinung der meisten heutigen Philosophen und auch nach Meinung von Mathilde Ludendorff - festgestellt hat. Das eigentliche Philosophieren nun fängt an diesen Grenzen an. Und es ist dann zu klären, was über alles das gesagt werden kann, was "jenseits" dieser Grenzen der Vernunft liegt.

Es muß aber klar sein, daß dieses "jenseits" der Vernunft nach moderner Auffassung und auch nach Auffassung von Mathilde Ludendorff nicht jenes übernatürliche "Jenseits", jene übernatürliche Gottvorstellung der christlichen Kirchen sein kann. Denn das letztere unternimmt unzulässige Grenzüberschreitungen hinweg über die der Vernunft gesetzten Grenzen.

Diese Fragen müssen in weiteren Videos noch einmal aufgegriffen werden (1, 2). Auch kam die Frage auf, welche Stellung Adolf Hitler gegenüber der religiösen Frage eingenommen hat. Und so schwirren derzeit viele Fragen durch den Raum.
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  1. Ludendorff, Mathilde: Ein Wort der Kritik an Kant und Schopenhauer.
  2. Ludendorff, Mathilde: Der Irrtum des Pantheismus und seiner Moral.

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