Dienstag, 1. Mai 2018

"Bist du nit ba mir" - - - Liebe im Aufbruch unserer Zeit




Ihr lieben Zuschauer, heute rede ich - zumindest am Ende - über ganz persönliche Dinge. Einleitend und am Ende singe ich das schöne Kärntner Volkslied "Bist du nit bei mir" (1, 2).

Um die behandelte Thematik - das Universum der Ehe - noch von einer ganz anderen Richtung aus zu beleuchten, sei hingewiesen auf die folgenden Worte von Rudi Dutschke (3, S. 167f):
"Schon der Entschluß zur Ehe sollte gefaßt werden auf der Grundlage einer Kooperation für die Zukunft, unter dem Aspekt der Veränderung dieser Gesellschaft. (...)
Hans und Grete, wie die sich verbinden, das ist bestimmt durch ihre gesellschaftliche Bewußtlosigkeit und ist bestimmt durch den Druck, der auf die Menschen dieser Gesellschaft ausgeübt wird. Wir (Studenten) aber haben die Chance, ein bischen zu begreifen von dieser Gesellschaft. Da ist der Liebeszusammenhang schon eingebettet in den Kampfzusammenhang, gegen diese Gesellschaft zu kämpfen. Und das ist die Grundlage für eine Ehe, die sich prinzipiell von der Hans-und-Grete-Ehe unterscheidet." 
Bitte anstatt "Studenten" lesen "wir Patrioten". Dutschke war übrigens ein Patriot (4). Weiter Rudi Dutschke (4, S. 169f):
"Ich habe die Resexualisierung gefordert, aber nicht die Pseudo-Sexualisierung, wie sie gegenwärtig praktiziert wird. Jeden Tag kann man neuen Sex sehen, und jeden Tag wird man angereizt. Alles das sind Momente repressiver Sexualisierung, welche die Entfaltung individueller Sexualität gar nicht zulassen, denn die Gesellschaft eignet sich das Triebleben des einzelnen in repressiver Form an, um es sich nicht in subversiver Form entfalten zu lassen.
Vorm Fernsehapparat, im Kino oder in der Bar oder in den Mini-Bars, was geschieht dort? Der Mann wird total angereizt. Überall wird entkleidet. Und so geschieht etwas, was gerade repressive Sexualität auszeichnet. Man kann damit nicht kooperieren. Man sagt dann bloß: Oh, was für eine reizlose Frau habe ich! Indem der Mann das sagt, stellt sich das Problem der Verdrängung. Wenn der Mann sublimieren würde, dann würde er überlegen: Was bedeutet das Zusammenleben mit meiner Frau? Unter welchen Bedingungen habe ich es angefangen? Welche Hoffnungen habe ich gehabt? Welche sexuellen Hoffnungen? Welche intellektuellen Hoffnungen? Dagegen stellen sich ihm nicht die Fragen: Wie soll meine Entwicklung sein, wie wollen wir zusammenbleiben, wie wollen wir uns entfalten, gemeinsam entfalten? Das Problem stellt sich ihm nicht. Er sieht bloß die scheinbar bessere Sex-Bombe."
Rudi Dutschke "ertrank" 1979 in der Badewanne - in der Badewanne. Er hatte nicht mehr Zeit, Friedrich Hölderlin als einen innovativen Denker auch für das Verhältnis zwischen Mann und Frau zu entdecken, schon gar nicht die Philosophie und Seelenlehre von Mathilde Ludendorff, die - schon - sehr sinnvoll sein könnte als gemeinsame weltanschauliche Grundlage, wenn man eine gemeinsame, wertvolle, möglichst beseelte, seelisch gehaltvolle Ehe eingehen möchte, eine Ehe, die über Höhen und Tiefen trägt, und die beide Ehegatten über tiefe Entfremdungen hinweg immer näher und näher dem Göttlichen bringt, dem, was unsere Kultur hervorgebracht hat, dem, was unser Universum hervorgebracht hat.

Denn "vDodenstein" brachte ganz recht in einem Kommentar zu meinem vorletzten Video das schöne Goethe-Wort: "Im Innern ist ein Universum auch". Im Innern unserer Seelen, im Innern unserer Welt. Finden wir wieder zurück in dieses Universum, in das Universum der Seele, der deutschen Seele, des Weltgeistes überhaupt? Dort allein sind wir doch zu Hause, nirgendwo sonst. Im Universum der beseelten Liebe und des tiefen Glückes nach Zeiten unglaublich tiefen gegenseitigen Unverständnisses zwischen Mann und Frau und zwischen uns und unserem besseren Ich.
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  1. Weitere Kärtner Volkslieder: http://studgenpol.blogspot.de/2013/08/auf-da-fratn-verschlaft-die-sun.html
  2. "Bist du nit ba mir". Totengedenken am Wiener Heldenplatz 2009, https://youtu.be/aIbyMTK03-g
  3. Dutschke, Rudi: Mein langer Marsch. Reden, Schriften, Tagebücher aus zwanzig Jahren. Hrsg. von G. Dutschke-Klotz, H. Gollwitzer u. J. Miermeister. rororo aktuell Reinbeck bei Hamburg (1979?)
  4. Dutschke, Gretchen: Wir hatten ein barbarisch, schönes Leben. Eine Biographie. Kiepenheuer & Wisch 1996

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