Sonntag, 29. November 2009

Sind Atheisten die Krone der Schöpfung?

Tobias Maier, dessen Wissenschaftsblog "Weitergen" man sonst als sehr schätzenswert empfinden kann, hat neuerdings einen recht flappsigen Artikel zu den Themen Gruppenselektion und Religionsdemographie geschrieben. (--> hier) Ulrich Berger hat dort in den Kommentaren schon vieles Richtigstellende gesagt. "Studium generale" hat dort als Kommentar geschrieben (dabei auch auf den Inhalt der jüngsten Beiträge von St.gen.-Research-Blogging Bezug nehmend):

Die ancient-DNA-Untersuchungen, die sich derzeit immer stärker ausweiten, zeigen auf, daß eine Fülle von früher sehr weit verbreiteten, großen menschlichen Populationen heute genetisch als weitgehend ausgestorben angesehen werden müssen.

Das gilt auch für Europa: Etwa die letzten Jäger und Sammler-Völker im Ostsee-Raum, etwa die ersten Ackerbauern in Mitteleuropa (die Bandkeramiker), offenbar auch der Stamm, dem der Ötzi angehörte - für die Etrusker ist dieser Umstand noch umstritten. Und auf dieser Linie könnte noch viel gesagt werden. (Etwa die Skythen in Nordsibirien, die Tocharer in der Taklamakan ...)

Weiterhin wissen wir, daß sich Populationen weltweit sehr deutlich in Häufigkeitsmustern unterscheiden was ihre Verhaltens- und Intelligenzgenetik betrifft.

All diese Daten - und eine Fülle weiterer - deuten darauf hin, daß mit neuer Lebensweise - beispielsweise Ackerbau - auch eine neue Genetik von Populationen herausselektiert wurde. Auch beim Menschen. Und zwar eine Genetik auf allen Ebenen menschlichen Seins: Ernährung, Krankheitsabwehr, Intelligenz, Sozialverhalten etc..

Jüngst wurde ja über ein humangenetisches Selektionsereignis berichtet, das nur 200 Jahre zurückliegt: eine Mutation, die auf Neuguinea das Überleben sichert, obwohl man Menschenfleisch aß (BSE etc.).

Und all diese Erkenntnisse sollten nun nichts mit der weltweit verbreiteten Neigung des Menschen zu tun haben, religiöse Vorstellungen aller Art zu entwickeln? Und mit der menschlichen Neigung, aufgrund von Religiosität kooperativer, altruistischer zu sein, als wenn man nicht religiös ist?

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Tobias, ich habe schon abgeklärtere Blogbeiträge von Dir gelesen und bin von diesem hier doch etwas arg enttäuscht. Michael Blume als unwissenschaftlich hinzustellen, ist doch absurd. Er mag Daten anders interpretieren als Du. Aber das ist Teil von Wissenschaft. Daß Du dazu so flappsig und oberflächlich Stellung nimmst, zeigt meiner Meinung nur, daß Du Dich nicht ausreichend mit Verhaltensgenetik und mit "Evolutionary Religious Studies" und mit Religionsdemographie beschäftigt hast bisher. Niemand zwingt Dich dazu. Aber dann sei auch ein bischen zurückhaltender in den Urteilen.

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Manche Erkenntnisse sind unbequem. In der Tat. Und manchmal sogar für Atheisten. Denn die Krone der Schöpfung sind sie nicht. (Wer wollte beurteilen, wer das ist?) Die Atheisten sagen, die ganze Welt, das Leben etc. ist - letztlich - eine Zufallserscheinung. Aber reiner Zufall ist etwas so langweiliges wie reine Determiniertheit. Erst das Wechselspiel von Zufall und Gesetzmäßigkeit, auch was Welt und Leben überhaupt betrifft (und Menschsein), machen dieselben so interessant und macht auch Wissenschaft nicht nur besonders interessant, sondern überhaupt erst in unserem Sinne möglich.

Genetische Selektionsprozesse präsentieren zu weit vorausgeeilten kulturellen Lernprozessen irgendwann die Rechnung

Und auf einen Einwurf von "Saper aude":

Sapere aude -

haben Sie denn das Buch von Blume und Rüdiger Vaas - letzter übrigens ein hervorragender Wissenschaftsjournalist und (soweit ich weiß) überzeugter Atheist - gelesen?

Nirgends behauptet irgend jemand, daß Atheisten grundsätzlich genetisch anders gepolt wären als Gläubige irgend einer Religion. Was für eine absurde These soll das denn sein? Glauben Sie wirklich, daß nach allem, was wir heute in der Anthropologie wissen, noch jemand einen so platten "genetischen Determinismus" vertritt, vertreten kann?

In der Humangenetik geht es heute immer nur um Häufigkeits-Verteilungen, um Wahrscheinlichkeiten, um Neigungen. Es gibt genetisch vorgegebene stärkere oder schwächere Neigungen, altruistisch zu sein, schneller denken zu können, ängstlich zu sein (Depressionen entwickeln zu können), ADHS zu entwickeln.

In der Anthropologie kommt es heute darauf an, die sehr diffizile, offenbar ziemlich "intelligente" Kombination zwischen Genen und Kultur, das sehr dehnbare, aber auch reißbare Band, das zwischen beiden besteht, nach und nach immer besser zu verstehen. Aber dieses Band ist keine Pleuelstange, wie Sie noch zu unterstellen bereit scheinen.

Auch ist die menschliche Psyche kein System von gegeneinander abgeschlossenen Kammern. Musikalität und Schönheitswahrnehmung spielen natürlich hinüber in Vorstellungsbereiche, in Ideologien, in die Art meines Philosophierens, in die Art der phantastischen Geschichten, die ich mir und anderen über meine Herkunft und die Herkunft der Welt erzähle. Und Vorstellungsbereiche spielen wiederum hinüber in die Art der Musikalität und dessen, was ich für schön und für häßlich erachte. Und auch in diesen Bereichen sind natürlich die kulturellen Lernprozesse schneller als die genetischen Selektionsprozesse.

Aber immer deutlicher erkennen wir, daß die genetischen Selektionsprozesse zu weit vorausgeeilten kulturellen Lernprozessen irgendwann "die Rechnung" präsentieren. Etwa durch gesellschaftsweite Aussterbeereignisse und durch das Herausselektieren von neuen, an die vorausgeeilten kulturellen Lernprozesse auch genetisch besser angepaßten Gründerpopulationen.

Samstag, 28. November 2009

Die "Strategie der Spannung" - erklärt von Volker Pispers

Volker Pispers erklärt die "Strategie der Spannung", mit die der CIA, der Secret Service, der Mossad und zahlreiche andere Geheimorganisiationen, nicht zu vergessen der russische Geheimdienst - also die "Vereinigten Dienste aller Länder" - die Welt seit Jahrzehnten, wenn nicht seit mindestens einem Jahrhundert in Atem halten.

Hier wird einmal auf's Neue deutlich, daß das Phänomen "politisches Kabarett" eine sehr zweischneidige Sache ist. (s. a. --> St. gen.) Die Frage ist, ob das, was Volker Pispers hier (im Jahr 2003) erörtert hat, in ein Comedy-Programm hineingehört, und warum das Publikum bei seinen Ausführungen lacht. Und warum er das so erzählt, als ob er erwartete, daß man dazu lachen könne oder dürfe. Die Frage ist, was sich der frühere Theologiestudent*) Volker Pispers dabei denkt, wenn er die Leute mit solchen Themen - *nur* (...?) - zum Lachen bringt.
(Weiterführende Literatur jedenfalls hier --> Politikwissenschaft.)

"Immer, wenn du meinst, blöder geht's nicht mehr ..."

Zitat (Ende Teil 4, Anfang Teil 5):
"Und immer, wenn du meinst, blöder geht's nicht mehr - und das denke ich bei Schröder in immer kürzeren Abständen - immer, wenn du meinst, blöder geht's nicht mehr, kommt von irgendwo ein Merkel her."
Es ist wahrscheinlich schon so, daß man sich eine dicke Portion heiteren Zynismus bewahren muß, um überhaupt noch an seinem gesunden Menschenverstand bei der Beurteilung der internationalen Politik festzuhalten. Diesen gesunden Menschenverstand, den hat jedenfalls Volker Pispers. Wenigstens "Comedian's" sind - manchmal - befähigt, sich nicht verscheißern zu lassen. Er nennt Putin den, der er ist. Er nennt ihn einen Massenmörder.

In welchen Zeiten hat es das schon einmal gegeben? Daß nur noch der Hofnarr die Wahrheit sagt. Daß nur noch der Hofnarr es sich überhaupt erlauben darf, die Wahrheit zu sagen?

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*) Übrigens wieder einmal ein Beispiel für einen "Comedian", der früher Theologie studiert hatte. Die Nähe zwischen diesen beiden Berufszweigen ist offensichtlich und - soweit man weiß - noch viel zu wenig - auch statistisch - erforscht: Warum sind gerade Leute, die einmal im Leben versucht haben, Theologie zu studieren, so häufig zugleich begabt für "Schwarzen Humor" und dafür, die ganze Welt als einen riesigen großen Witz zu beschreiben? Und sind es wirklich die "Comedian's", die unsere Welt voranbringen oder auch nur "lebenswerter" machen? Die Theologen sind es ja sowieso schon lange nicht mehr.

Alfred Herrhausen - der Deutschlandfunk kam seiner Informationspflicht nach

Zum Mord an Alfred Herrhausen am 30. November 1989 ist eine Radiosendung des Deutschlandfunks vom 7. Januar 1997 ins Netz gestellt worden, die sicherlich mehr Beachtung finden sollte, als sie bisher gefunden hat:
Schon länger im Netz zu sehen war das ausführliche, letzte Fernseh-Interview mit Alfred Herrhausen:
Die Radiosendung, die zu weiten Teilen auf dem Buch "Das RAF-Phantom" beruht, gibt Hinweise darauf, daß der Personenschutz, den die "Deutschen Bank" für Alfred Herrhausen bereitstellte, mit den Attentätern zusammen gearbeitet zu haben scheint, und daß der deutsche Verfassungsschutz, das Bundeskriminalamt und die Bundesanwaltschaft allzu deutlich zusammen gearbeitet haben, um die eigentlichen Mörder zu vertuschen. Mit ekelhaften Methoden.

Während Politiker wie Wolfgang Schäuble auch mit Worten des Zweifels an der offiziellen Version zitiert werden - ohne daß Schäuble, soweit bekannt, bis heute auf eine wirkliche Aufklärung des Falles gedrängt hätte -, scheint der Generalbundesanwalt Alexander von Stahl noch wesentlich bewußter die eigentlichen Hintergründe des Mordes zu decken.

Ob sich der Herr Alexander von Stahl da ein seiner früheren Tätigkeit angemessenes neues Betätigungsfeld, nämlich als prominenter Unterstützer der Wochenzeitung "Junge Freiheit" gewählt hat? Man scheint diesen Alexander von Stahl in eine ähnliche Kategorie wie den Herrn Heinrich Lummer einordnen zu müssen, dessen Karriere auch von einem Vertuschen von politisch brisanten Straftaten als Innensenator von Berlin über die Verteidigung der Existenz von V-Männern hinwegführte zu einer Unterstützung rechtskonservativer Bestrebungen in Deutschland als - - - "Prominenter".

Was für Einstellungen herrschen vor in den obersten deutschen Strafverfolgungsbehörden und im bundesdeutschen "Staatsschutz" und was für eine Durchfilzung deutet sich hier - wieder einmal auf's Neue - nur allzu deutlich an. Der bundesdeutsche sogenannte "Verfassungschutz" schützt den deutschen Staat vor Rechtsstaatlichkeit und gesunder Demokratie, vor nichts anderem. Er korrumpiert den Staat, weil er selbst völlig korrupt ist.

Freitag, 27. November 2009

"Es geht um den Versuch der physischen Vernichtung Lafontaines"

Geheimdienst-Intrigen gegen Oskar Lafontaine?

Oskar Lafontaine wurde in den letzten Monaten von mehreren "Detekteien" beschattet, wie jüngst bekannt wurde. Jürgen Elsässer ist einer der bislang nicht gerade zahlreichen und glaubwürdigeren, geheimdienstkritischen Journalisten. Wenn er das folgende auf seinem Blog (und in der "Berliner Umschau") schreibt zu all dem, was sich gegenwärtig - wieder einmal? - rund um Oskar Lafontaine abspielt, dann darf man dem schon mit einiger Aufmerksamkeit zuhören.

Denn Oskar Lafontaine ist gewiß einer der wenigen Politiker, die glaubwürdiger die notwendigen gesellschaftspolitischen Reformprozesse vorantreiben, als so viele andere Politiker, die für solche gehalten oder als solche von Lobbykräften präsentiert werden. Sollte jemand etwa noch Hoffnungen auf Leute wie den derzeitigen Schönling und amerikanischen Präsidenten oder den derzeitigen Schönling und deutschen "Verteidigungs-"Minister gesetzt haben? Diesem dürften die letzten Tage sicherlich wieder so manches Bessere gelehrt haben: "Yes we can - allways so weitermachen wie bisher."

Elsässer kann man also zumal zuhören, wenn man schon zuvor, was Oskar Lafontaine betrifft, mit seinen eigenen Vermutungen in die gleiche Richtung gegangen war (siehe frühere Beiträge auf St. gen.). Und wenn man auch in den Bewertungen, insbesondere was die Bedeutung von Christa Müller betrifft, übereinstimmen kann.

Auch die wohlsituierte Kommunistin Sarah Wagenknecht allerdings, das wurde schon früher auf St. gen. kritisiert (siehe hier) und das haben ja auch schon manche interne Partei-Kritiker angemerkt, wendet - im Gegensatz zu ihrem ausgesprochenen Ruf - die Mehrwert- und Ausbeutungs-Theorie von Karl Marx nicht konsequent auf die gegenwärtigen Verhältnisse an. Sie "bramabarsiert" bloß, als daß sie die gesellschaftspolitisch notwendigen Reformprozesse wirklich vorantreiben würde. An mangelnder Intelligenz übrigens dürfte das gerade bei ihr nicht unbedingt liegen.

Es ist nun interessant, von Jürgen Elsässer zu erfahren, daß es auch in der Partei "Die Linke" einen "Befürworter des Afghanistan-Krieges und Schutzpatron der Israel-Lobby" gibt. Der Begriff "BAK Shalom" im folgenden Text ist übrigens kein Druckfehler, wie man auf den ersten Blick meinen könnte ("BKA Shalom"? - [Lächel-verkneif ...]), sondern eine recht einschlägige --> Internet-Plattform. Diese ist "anti" alle "Anti's" in der Welt, wie gleich die Titelseite ausweist. Im folgenden Hervorhebung nicht im Original:
Stasi gegen Lafontaine

Wie ein Politiker vernichtet werden soll

Die Kampagne gegen Lafontaine kommt aus dem Mitte-linken Sumpf. Identifizierbar ist, wie sich „Spiegel“ und die innerparteilichen Gegner von Lafontaine die Bälle zuspielen. Zu letzteren zählt Bodo Ramelow, Befürworter des Afghanistan-Krieges und Schutzpatron der Israel-Lobby „BAK Shalom“ – einer von denen arbeitet in seinem Bundestagsbüro. Auch Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch beteiligt sich am Kesseltreiben.

In den Medien ist es nicht die Springer-Presse, sondern der Spiegel, besonders Spiegel-Online. Dort sitzen Schmieren-Journalisten. (...) Die politische Annäherung zwischen Lafontaine und Sarah Wagenknecht, die es gibt, können sie sich (...) nur als sexuelle Annäherung vorstellen. Da Spiegel-Online gezielt die „Reformer“ in der Partei fördert, dürften die Presse-Fuzzis als Gegenleistung manche Anregung aus deren Unterbewußtsein bekommen haben. (...)

Unter der neckischen Überschrift „Oskar und die Detektive“ wird über die Auftraggeber der Spitzel-Angriffe gegen Lafontaine im Jahr 2007 spekuliert. „Spekulationen gibt es genug. Eine davon lautet: die eigenen Leute. (…) Eine andere Möglichkeit: Lafontaines Ehefrau Christa Müller. Sie hat sich bislang nicht zu der Bespitzelungsaffäre geäußert. Außer Bartsch will an diesem Tag niemand aus der Linken etwas zu der Schnüffel-Geschichte sagen, auch nicht Sahra Wagenknecht. Sie ist seit 1997 mit dem vermögenden Geschäftsmann Ralph-Thomas Niemeyer verheiratet.“

Der Hinweis auf Frau Müller, die Erwähnung von Wagenknechts Ehemann – das alles sind sachfremde Geschichten, die nur der Denunziation dienen. Es gibt keinen einzigen Hinweis auf Christa Müller. Und warum sollte Wagenknecht sich äußern? Ihre Verbindung mit der Affäre (und die Affäre selbst) hat der Spiegel überhaupt erst erfunden. Aber mit diesem Schmutz zerstört man die besten Leute in der LINKEN: Lafontaine, Wagenknecht und Müller.

Die naheliegenste Spekulation will dem „Spiegel“ partout nicht einfallen: Dass die vier Detekteien, die 2007 geschnüffelt haben, aus dem Umfeld der Geheimdienste kommen – also von jenen Kreisen beauftragt wurden, die Lafontaine wegen seiner Finanzpolitik als „gefährlichsten Mann Europas“ – gefährlich für die Finanzoligarchie – gebrandmarkt haben.

Aber es geht nicht nur um die Staatssicherheit/West: Im Umfeld der Parteirechten – also eben von Leuten wie Bartsch und Ramelow – tummeln sich eine Menge original Stasi-Leute, also von der früheren Mielke-Stasi. Die sind politisch nicht mehr vorzeigbar, werden aber über die „verschwundenen“ Millionen aus dem SED-Vermögen alimentiert (wie viele parteinahe Firmen und Dienstleister übrigens auch) und sind im Gegenzug zu allem bereit. Absolut käufliche Subjekte, von denen es gerade in Berlin eine ganze Menge gibt. Die spitzeln, die spähen, die erfinden Beweise.

Das Minimum des menschlichen Anstandes würde erfordern, dass die Partei Ramelow zur sofortigen Niederlegung seiner Funktionen zwingt und alle Mandatsträger verpflichtet werden, dem SPIEGEL als dem Hauptmotor der Rufmordkampagne – tatsächlich geht es nicht nur um Rufmord, sondern um den Versuch einer existentiellen, d.h. auch physischen Vernichtung des krebskranken Lafontaines – keine Interview mehr zu geben.

Lafontaine hat schon einen Mordversuch überstanden. Es sei ihm und seiner Familie gewünscht, dass sie auch mit dem Krebs, der in der LINKEN wuchert, fertig werden. Glückauf, Oskar und Christa!
"Es geht um den Versuch der physischen Vernichtung Lafontaines'," schreibt Jürgen Elsässer da. Er schreibt: "Lafontaine hat schon einen Mordversuch überstanden." - "Schon einen ..." - ? Werden hier nicht recht weitgehende Unterstellungen und Vermutungen geäußert? Und wenn so etwas von einem derartig erfahrenen und doch auch auf seinen Ruf bedachten Geheimdienstkritiker geäußert wird: Hat man da nicht allen Grund, das mit viel Aufmerksamkeit auf sich wirken zu lassen? Saugt sich das ein Elsässer denn nur so aus den Fingern?

Sonntag, 22. November 2009

Die Hadza - Menschen wie vor 200.000 Jahren?

Im neuesten Heft von "National Geographic" erhält man einen schönen Eindruck vom Leben des ostafrikanischen Stammes der Hadza (--> Spiegel, Nat. Geogr.). (Auf Englisch --> Nat. Geogr..)

Sie leben noch sehr ursprünglich als Jäger und Sammler genau in jener Region Nord-Tansania's, in der einst der anatomisch moderne Mensch selbst vor etwa 200.000 Jahren evoluiert ist. Sowohl ihre Sprache - eine Klicksprache - wie auch ihre Gene weisen darauf hin, daß diese Menschen zusammen mit den Buschleuten in Südafrika einen der ursprünglichsten Zweige am Stammbaum der heutigen Menschheit repräsentieren.

Was auffällt, ist vielleicht vor allem die "Nonchalance" und "Unsentimentalität" dieser Leute, wie man es einmal nennen könnte. Beispiele:
Onwas, as he repeatedly told me, doesn't worry about the future. He doesn't worry about anything. No Hadza I met, in fact, seemed prone to worry. It was a mind-set that astounded me, for the Hadza, to my way of thinking, have very legitimate worries. Will I eat tomorrow? Will something eat me tomorrow? Yet they live a remarkably present-tense existence. (...)

The Hadza are not big on ritual. There is not much room in their lives, it seems, for mysticism, for spirits, for pondering the unknown. There is no specific belief in an afterlife—every Hadza I spoke with said he had no idea what might happen after he died. There are no Hadza priests or shamans or medicine men. Missionaries have produced few converts. I once asked Onwas to tell me about God, and he said that God was blindingly bright, extremely powerful, and essential for all life. God, he told me, was the sun.
Ob solche Beobachtungen nicht doch ein wenig einseitig sind, läßt sich schwer beurteilen. Jedenfalls klingt das alles natürlich ein wenig krude. Und so mancher Religionswissenschaftler wird da so seine Probleme mit der Einordnung haben. Paarbeziehungen sind - wie bei den Buschleuten - ebenfalls eher informell und wechseln häufiger. Es gibt allerdings auch Paare, die ein ganzes Leben lang zusammen bleiben. - Und: Auch diese Menschen schmücken sehr gerne ihre Körper wie man schon auf dem Titelbild von "National Geographic" sieht.

Und das könnte einen auf den Gedanken bringen, daß das Schmücken des eigenen Körpers eals ine der ursprünglichsten Formen der "Andacht", der Religionsausübung erachtet werden könnte.

Samstag, 21. November 2009

Der Papst redet von Schönheit

Der Papst redet von Schönheit ...

Von der Schönheit ...
... der Kathedralen. (--> Yt.)

Dieses Ausführungen befriedigen nicht. Nicht wirklich. Sind es denn nur die Kathedralen, schwer und steinig, die man als ein Papst der Christenheit insbesondere in das Licht der Aufmerksamkeit stellen kann und sollte? Und die man den Künstlern unserer Zeit insbesondere als Vorbild hinstellen könnte? Und andere Kunstwerke Gottes, das heißt der Evolution und des Menschen eher weniger?

So sollen diese Ausführungen als ein Anlaß erachtet werden, einmal wieder auf eines der Lieblingskunstwerke von "Studium generale" aufmerksam zu machen. Auf Raffael's Bilderzyklus "Amor und Psyche" aus der Villa Farnesina in Rom (s. St. gen. a, b). Es handelt sich dabei um jene Kunstwerke Raffael's, die auffälligerweise am wenigsten von ihm bekannt sind. Aber auch von einem solchen Bilderzyklus sollte ein Papst doch sagen können:
Wenn Glaube und Kunst zusammentreffen, entsteht ein tiefer Gleichklang, weil beide von Gott reden können und wollen, (weil beide) das Sichtbare mit dem Unsichtbaren verbinden.
Kann das der Papst nicht? Kann er tatsächlich so nur von ... Kathedralen sprechen?! Gibt es sie also? Und wirkt sie fort? Nicht nur eine mosaische Unterscheidung zwischen Wahr und Falsch, sondern auch eine solche zwischen Schön und Häßlich? ... Wer wollte daran noch Zweifel haben, wenn der Papst wieder einmal - immer noch - typisch "päpstliche" Verlautbarungen macht?

Mittwoch, 18. November 2009

Der wahre Grund, warum Schweine nicht fliegen können ...

In welche Richtung bewegt sich die genetische und kulturelle Evolution? - Und warum?

In einem Interview in "Current Biology" äußerte der französisch-amerikanische Humangenetiker Armand Leroi im August 2007 Dinge, die sich auffällig in der Nähe des Denkens des britischen Paläontologen Simon Conway Morris bewegen. Für Simon Conway Morris, den wir schon oft hier auf dem Blog behandelt haben, sind die ungeheuer vielfältigen evolutionären Konvergenzen auf allen Ebenen organischen Seins (bis in die molekulare Ebene hinein) ein Hinweis darauf, daß die Evolution bestimmten "Zwängen", "Richtungen" folgt. Und was sagt Armand Leroi?
... What important questions remain to be answered in your field?

I can think of two.

The first is: can we predict the course of organic evolution in the long term? The short term is easy: that’s just the breeder’s equation. But understanding the longue durée requires a theory that predicts what phenotypes mutation will produce. I am, of course, talking about ‘the correlation of parts’, ‘developmental constraints’, ‘mutational bias’, the ‘integration of development with evolution’, ‘the real reason pigs can’t fly’ — every generation since Darwin has considered, and failed to solve, the problem, though they’ve usually given it a new name.

The second question is rather like the first: can we predict the course of cultural evolution in the long term? (One might add: or even in the short term?) Darwin saw the analogy between cultural and organic evolution; theoretical population geneticists worked out the mathematics of the transmission of cultural traits years ago. Despite this, the field really didn’t take off. I think it is taking off now. Culture is the New World of evolutionary science. To be sure, anthropologists discovered it long ago, but rather like Vikings in America, they never made much of what they found.
"Kultur ist die 'Neue Welt' der evolutionären Wissenschaften." Was für ein großes Wort. Man darf gespannt sein, wie Leute wie Armand Leroi mit dieser ihrer Epoche-stürzenden Entdeckung umgehen.

Da Humangenetiker wie Armand Leroi oder Bruce Lahn in den letzten Jahren wiederholt gefordert haben, daß man den immer deutlicher und differenzierter erkennbaren genetischen Unterschieden zwischen Völkern und Rassen Wertschätzung entgegenbringen muß, daß man sie "feiern" muß (zuletzt Bruce Lahn in Nature, 7.10.09), wird man auch die Worte Leroi's zur evolutionären Erforschung des kulturellen Wandels auf diese Forderung beziehen dürfen. Denn Kulturen entwickeln sich unterschiedlich, je nach den Verhaltens- und Intelligenz-Genhäufigkeiten, die bei den Trägern einer Kultur vorliegen. (s. zuletzt: Spektr. d. Wiss.)

Sonntag, 15. November 2009

Volkstrauertag in Berlin-Tempelhof

Auf dem Berliner Garnisonfriedhof an der Hasenheide (heute "Friedhof am Columbiadamm") befindet sich nicht nur die älteste Begräbnisstätte für Anhänger des Islams in Deutschland, nämlich jener Friedhof, der 1863 von dem damaligen preußischen König für das türkische diplomatische Korps angelegt worden ist. Hier liegt - beispielsweise - auch der Vater der deutschen Sozialdemokratin und Frauenrechtlerin Lily Braun (1865 - 1916) begraben, ein General Hans von Kretschmann (1832 - 1899).

Auf dem Gelände des angrenzenden heutigen Flughafens Tempelhof befanden sich bis 1918 viele Kasernen. Und deshalb gibt es auf diesem Garnisonsfriedhof an der Hasenheide auch Gedenksteine für die Gefallenen vieler Regimenter aus den Kriegen 1870/71, 1914 bis 1918 und 1939 bis 1945. Hier finden sich auch Gedenksteine für in Friedenszeiten, bei Zeppelinflügen (1913) oder in den deutschen Kolonialkriegen in Südwestafrika ums Leben gekommene Soldaten.

Heute morgen um 11 Uhr demonstrierte das "Antifaschistische Bündnis Neukölln" vor diesem Friedhof (siehe Bild),

während auf diesem Friedhof eine zumeist ältere Generation und soldatische Traditionsverbände der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedachten (siehe Bild).

Das bedeutendste Kunstwerk auf diesem Friedhof von 1888
stellt einen Krieger aus den Kriegen von 1870/71 dar.

Auch ein preußischer Adler ist zu sehen.

Es sind aber vor allem deutsche Soldaten des Ersten Weltkrieges,
die hier bestattet worden sind.

Aber auch ihnen scheint man jene Ruhe nicht zu gönnen, die sie gefunden haben, seit der Flugbetrieb auf dem angrenzenden Flughafen eingestellt worden ist und die Bauarbeiten an der 1983 errichteten und bis 2005 erweiterten Märtyrer- und Friedhofs-Moschee beendet worden sind.

Denn die Lautsprecher der Antifa schallen an diesem Volkstrauertag sehr laut über die Gräber dahin.

Und eine Faust reckt sich zornig unter dem Sargtuch hervor ...

... in Richtung jenes Friedhoftores, vor dem die Antifa so lautsstark demonstriert. Auf wen könnte diese Faust wohl zornig sein? Etwa auf jene Antifa-Demonstranten, die so vieles kritisieren und hinterfragen, was jedes Jahr - implizit oder explizit - von Menschen mit dem Volkstrauertag verbunden wird, wenn sie sich auf den Friedhöfen oder in Reichstagen versammeln?

Freitag, 13. November 2009

Das Ehrenamt - Einige statistische Angaben ...

... lassen zentrale Grundkonstanten der sozialen Natur des Menschen sichtbar werden

Auf einem Kommentareintrag zum Thema Gruppenselektion auf dem Wissenschaftsblog "Natur des Glaubens" ist vor mehr als einem Jahr mit dem Thema "Ehrenamt" argumentiert worden.

Es sollen hier noch ein paar statistische Angaben zum Thema Ehrenamt mitgeteilt werden. Ein wenig Recherche diesbezüglich könnte nämlich sichtbar werden lassen, daß eine tiefergehende Analyse der Frage, wann Menschen in unserer Gesellschaft mehr oder weniger zur Übernahme ehrenamtlicher Tätigkeit neigen und warum, viel ans Tageslicht bringen könnte darüber, wie menschliches Sozialverhalten und menschliche Verantwortungsübernahme überhaupt - auch noch in arbeitsteiligen Gesellschaften - strukturiert und motiviert sind.

Wieder einmal treten Familie und Religiosität - und ihre gegenseitige Verstärkung - in den Fokus der Aufmerksamkeit:
"In Deutschland haben 18 Prozent der Erwachsenen ein Ehrenamt übernommen, das sind 12,1 Mio. Menschen." (Familienministerium 2003)
"Ehrenamtlich Aktive zeichnen sich überproportional häufig durch eine christliche Wertvorstellung aus." (Allensbach 2008)

Bei einem Anteil der Konfessionslosen in Deutschland von insgesamt 19 Prozent stellen sie unter den ehrenamtlich Engagierten nur 12 Prozent. Unter den ehrenamtlich Engagierten finden sich in Deutschland 26 Prozent Katholiken, 22 Prozent Protestanten und nur 12 Prozent Konfessionslose.

"Mit steigender Haushaltsgröße steigt das Engagement. Das unterstreicht einmal mehr die Bedeutung der Familie für die Entwicklung des sozialen Bewusstseins. Dabei wird auch deutlich, dass kein einfacher Zusammenhang zwischen "Freizeit" und "Ehrenamt" besteht. Arbeitslose engagierten sich in Thüringen nicht ganz so stark wie Menschen, die Arbeit haben. (...) Daraus kann man schlussfolgern: Ehrenamtlicher Einsatz wird besonders durch stabile Einbindung in soziale Gemeinschaften gefördert. Engagement braucht Integration, und Integration fördert Engagement." (Erfurt.de)

Das scheinen sehr wesentliche Einsichten in die soziale Natur des Menschen überhaupt zu sein.

"Männer als Singles haben die (relativ) meisten Schwierigkeiten, Berufstätigkeit und Ehrenamt zu koordinieren, gefolgt von Männern mit Partnerin ohne Nachwuchs." (Klenner 2001, S. 21)

"... Besonders aktiv sind dabei die Mitglieder großer Familien, regelmäßige Kirchgänger und Pendler, die am Rande der Großstädte ihre oft neu gewachsene Nachbarschaft gestalten." (Geo 2005)

"Entsprechend den Daten des Freiwilligensurveys ist davon auszugehen, dass etwa 40% des Freiwilligenengagements, das insgesamt in Deutschland erbracht wird, jungen Familien zugute kommt. (...) Die Engagierten gehören meist selbst der "Zielgruppe" an, für die sie sich engagieren, oder sie haben zumindest einen engen Bezug zu ihr." (Klocke 2001)

Die breiten Medien und das öffentliche Bewußtsein tun auch heute noch so, als ob nicht die Familie im Zentrum des Lebens jedes Menschen stehen würde oder sollte, sondern die individuelle "Selbstverwirklichung". Mit allen sichtbaren Folgen für den inneren, sozialen Zusammenhalt in einer Gesellschaft, insbesondere auch hinsichtlich des Verhaltens einer Gesellschaft gegenüber Rand- und Unterschichten. Das gemeinschaftliche Zusammenleben von Menschen - zumal verschiedener Generationen, Interessen und sogar Bildungsniveau's - motiviert. Die Vereinzelung des Menschen demotiviert - auch - bezüglich freiwillig übernommenen sozialen Engagements.

(Weiteres zum Thema auch schon einmal an früherer Stelle --> Stud. gen..)

Literatur:
1. C. Klenner, S. Pfahl, H. Seifert (2001): Ehrenamt und Erwerbsarbeit – Zeitbalance oder Zeitkonkurrenz? Forschungsprojekt im Auftrag des Ministeriums für Arbeit und Soziales, Qualifikation und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen. (
pdf.)
2. Klocke, A.; Limmer, R.; Lück, D. (2001): Das Ehrenamt im Umfeld der Familie.
ifb-Materialien 7-2001

Donnerstag, 12. November 2009

Vom Heidentum zum Christentum in Nordeuropa

Der Film "Götterdämmerung" des Kieler Regisseur's Wilfried Hauke (geb. 1957) (Arte) aus dem Jahr 2007 versetzt einen sehr gut in die Zeit der letzten heidnischen und ersten christlichen Wikinger, der frühmittelalterlichen Dänen, Angeln, Sachsen und Slawen, die zwischen England, Haithabu, Dänemark und Norwegen bis nach Island Handel getrieben und Krieg geführt haben.

Natürlich färben sich in die Darstellung auch moderne, von tausend Jahren Christentum mitbeeinflußte Mentalitäten, Bewußtseins- und Lebenshaltungen ein. Man wird sich die heidnischen Nordeuropäer in vielem noch "herber", "wortkarger" in der Mitteilung vorstellen dürfen, als in diesem Film an manchen Stellen dargestellt. ("Liebe" in modernem Sinn taucht doch in den isländischen Sagas beispielsweise gar nicht auf. Über vieles, was an Innenleben vorhanden ist, wird darin schlichtweg nicht gesprochen. Modernes "Sündenbewußtsein" ist darin noch nicht einmal in Ahnungen spürbar.)

Dennoch regt der Film sehr die Phantasie - und dadurch das Nachdenken - an, insbesondere deshalb, weil eben viel fiktional erzählt wird, statt daß - wie so oft - einfach nur nüchtern-rational-wissenschaftlich ... "kommentiert" wird.

Montag, 9. November 2009

"... das glücklichste Volk der Welt"

Abb.: Glückliche Menschen
Abb.: Glückliche Menschen

Abb.: Glückliche Menschen
Das waren die Deutschen - vor 20 Jahren. Die damaligen Ereignisse vor, während und nach dem Fall der Mauer werden von einem deutschen Fernsehsender an die erste Stelle von 25 weiteren "emotionalsten Deutschland-Momenten" gestellt (RTL). Zu den emotionalen Momenten vor 20 Jahren gehört unter anderem die Montagsdemonstration in Leipzig am 4. September 1989 (--> ARD).

Zu ihnen gehört der Jubel, in dem die letzten Worte eines früheren, westdeutschen Außenministers untergehen, der den Flüchtlingen in der Prager Botschaft am 30. September 1989 mitteilt, "daß heute ihre Ausreise" ... (unverständliches, --> von allen verstandenes Satzende) (--> ZDF). (Siehe auch die ersten vier Fotos dieses Beitrages.)

Zu ihnen gehört die Montagsdemonstration in Leipzig am 10. Oktober 1989 (--> ZDF). Es gehören dazu viele emotional bewegende Momente auf der riesigen Demonstration auf dem Berliner Alexanderplatz am 4. November 1989 (--> Phoenix, in 14 Teilen).

Abb.: Glückliche Menschen
Es gehört dazu, dass die Menschen am 23. Oktober 1989 auf der Montagsdemonstration in Leipzig zum ersten mal nicht nur rufen "Wir sind das Volk!", sondern "Wir sind ein Volk!". (Stud. gen.)

Es gehört dann dazu - nach der "beiläufigen" Verkündung, dass Reisefreiheit herrsche - das erste verzagte, ungläubige Überschreiten der Grenzübergangsstellen. Und der spontane Empfang durch die Westdeutschen. Es gehört dazu der Jubel, der dem Westberliner Regierenden Bürgermeister entgegen schlägt, wo immer er spricht, was immer er den Leuten auf der Straße sagt.

So unter anderem sein berühmtes Wort: "Wir Deutschen sind heute das glücklichste Volk der Welt." (--> ARD)
Abb.: Weinen vor Glück
Tage des Glückes, wie sie Gesellschaften selten erleben. Vielleicht zu selten. Aber aus Glück und daraus gewonnenem Selbstvertrauen erwächst die seelische Kraft, mit den allzu oft entmutigenden, bedrückenden Problemen des Alltags und von Krisenzeiten besser fertig werden. Es gibt also viel Grund, dem emotional Wesentlichen dieser Tage auf den Grund zu gehen. Auf diesen kommen von abgedroschene, phrasenhafe Politikerreden am wenigsten.

Samstag, 7. November 2009

"Kein Werbefachmann der Welt hätte es besser organisieren können ..."

Das Leben und die Welt aus der Sicht eines PR-Fachmannes

In einem Buch über das Leben und den Tod der englischen Prinzessin Diana (1) heißt es an einer Stelle: "... Diese Kampagne" (der Prinzessin Diana) "gegen Landminen, die unter dem Titel 'Königin der Herzen' firmierte, hätte von keinem Werbefachmann der Welt besser organisiert werden können." (1, S. 147)


Mit diesem Satz ist viel gesagt. Oder auch wenig. Prinzessin Diana verkörperte jedenfalls irgend etwas, das den Menschen Zuversicht und Vertrauen in das Leben einflößte. In das Leben an sich. Braucht das Leben an sich, wenn es unverfälscht daher kommt, so wie man das von Prinzessin Diana vielleicht doch sagen könnte, braucht ein solches Leben denn eigentlich überhaupt noch - - - "Werbefachleute"? Oder muß nur das professionell beworben werden, was sowieso schon tot oder halbtot ist? *)

Das Leben und die Welt, aus der Sicht eines erfahrenen Werbefachmannes dargestellt, wie es solche gab, die sich über die Popularität des Prinzen Charles und seiner Mutter - der unköniglichen Königin - einerseits und der Prinzessin Diana - der königlichen "Königin der Herzen" - andererseits Gedanken machten, - diesmal möglicherweise im Dienst nicht eines solchen Auftraggebers wie des CIA, sondern von Gott höchstselbst stehend - könnte, wollte man solche Gedanken weiter fortspinnen, in etwa folgendermaßen aussehen. Und dann kann es ganz schnell philosophisch werden:
Teile eines Gesprächsprotokolls aus der PR-Abteilung Gottes

Unsere Aufgabe, unsere Zielsetzung lautet: Wie kriege ich die Leute dazu, an irgend einen Sinn in ihrem Leben und in diesem Weltall zu glauben?

1. Schritt: Sie müssen geschaffen werden. Und ebenso ihre Welt. OK, einfache Sache. Für unseren Auftraggeber zumindest: Gott.

2. Schritt: Die Welt und das Leben müssen so für sich Werbung machen, daß es den Menschen Spaß macht, in ihr und mit ihm zu leben. Denn sonst haben sie ja keine Lust und wollen gleich wieder weg. Schon etwas komplizierter. Aber immerhin machbar. Wir müssen Werbung für das Leben machen. Wir müssen die Sonne scheinen lassen. Die Blumen blühen lassen. Frisches Wasser muß her, abwechslungsreiche Landschaften. So. Und darin muß sich der Mensch so richtig wohlfühlen können. Also müssen wir ihm auch eine Appetenz nach all diesen Dingen in seine Seele einfügen. Wohlfühlzentren im Nervensystem, die auf den Anblick solcher Dinge mit Wohlgefallen reagieren. "Belohnungszentren". (Leben und Liebe als "Suchterscheinung": Joachim Bauer; im Spannungsfeld von Lust und Unlust: Konrad Lorenz.)

Aber nein, wir brauchen natürlich noch mehr. Der Mensch muß auch Freude an seinen Mitmenschen haben. Er muß sich über sie freuen, er muß sie schön finden. Also her mit Pinsel und Farben. Weg mit dem garstigen Fell. Wir müssen uns anstrengen. Später werden Michelangelo und Tizian, Raphael, Botticelli und andere kommen und all das abmalen wollen. Da müssen wir uns schon Mühe geben, daß wir ihnen dann nicht gar zu garstige Vorlagen liefern. Sie sollen später einmal nicht glauben, sie könnten es selbst besser als wir (bzw. natürlich - ha, ha - unser angeblicher Auftraggeber). Und sie sollen auch nicht auf den Gedanken kommen, hinter die schöne Fassade schauen zu wollen, nur weil ihnen die Fassade selbst nicht schön genug vorkommt und der genauen Beobachtung wert. Allen solchen Dingen müssen wir von vornherein vorbauen.

Das gilt übrigens auch für die Landschaften und für Stilleben. Wir müssen aufpassen, daß später Leute wie van Gogh oder Cezanne nichts merken. Nein, nein, sie merken schon nichts. So vernarrt wie die sein werden, gesteuert von ihren Belohnungszentren. So leicht wie die sich ablenken lassen von ein paar Sonnenstrahlen, ein paar "interessanten" Beleuchtungen und anderen Geringfügigkeiten.

- Haben wir schon genug getan? Oha! Nein!!! Weit gefehlt!

3. Schritt: Wir müssen das Böse und das Negative in die Welt einbringen. Denn sonst wird es dem Menschen viel zu schnell langweilig hier auf der Erde. Er muß Probleme haben. Mit sich selbst. Mit anderen. Ganz wichtig: Wir brauchen den Tod. Der Mensch muß alt werden und sterben. Sonst kommen ihm Jugend, Schönheit und Leben bald zu fad vor, zu selbstverständlich.

Und die Fortexistenz von Leben und Kultur muß von Fortpflanzung abhängig gemacht werden. Von gelingenden Paarbeziehungen. Ha, ha, ha. Dieser Trick, liebe Freunde, wird sich als einer unserer besten herausstellen ...
Und so scheinen sich die Gespräche dann weiter fortzusetzen. Es kommt dann irgendwann der
n + 1. Schritt: Wir müssen dem Menschen einen Platz in der Welt geben, der erforschbar ist, der günstige Voraussetzungen für Wissenschaft darstellt (Guillermo Gonzales). Und auch hier dürfen wir es uns nicht zu einfach machen. Sonst kommen uns die Menschen gar zu schnell auf die Schliche. Wir müssen das Leben und den Kosmos so komplex und kompliziert gestalten, daß der Mensch Jahrhunderte braucht, nein, Jahrtausende, bevor er in all seiner Unzufriedenheit über sich selbst, seine Mitwelt, über das Unwissen allgemein und sein eigenes besonders und über seine Unvollkommenheit, getrieben von einem ihm selbst unerklärlichen Wunsch nach - größerem - Wissen, nach - mehr - Vollkommenheit, Leben und Kosmos immer gründlicher erforscht.
Hier bricht das Dokument unvermittelt ab. Aber es handelt sich ja sowieso nur um Verrücktheiten aus der PR-Abteilung Gottes. Wieder so ein blödes, angebliches Dokument der Weisen von Zion. Wer solche Texte ernst nimmt, wird schnell zum Verschwörungstheoretiker. Bleib bei deinem Leisten, Philosoph! Und störe meine Kreise nicht ...

________
*) Weitere Phrasen des eingangs genannten Buches lauten etwa: "... ein cleverer PR-Schachzug ..." (1, S. 131) "... Seine" (Prinz Charles') "Berater aber suchten verzweifelt nach Möglichkeiten, die ihm positive Schlagzeilen brachten. ..." (1, S. 120, 128) Und vieles andere auf dieser Linie mehr.
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1. Botham, Noel: Der Mord an Prinzessin Diana. Die wahren Hintergründ ihres Todes. (engl.: 2004), Knaur, München 2005

Donnerstag, 5. November 2009

Berlin praßt und wuchert ... (Teil 2)

... mit antik-griechischen Kunstwerken




Auf dem Weg zur Museumsinsel in Berlin.




Blick vom Pergamon-Museum hinüber zum Berliner Dom.





Im Hof des - gerade neu eröffneten - "Neuen Museums" (das natürlich ebenfalls - mindestens - einen Beitrag wert wäre).






Doch zurück in die Ausstellung "Rückkehr der Götter" ...



Die Aphrodite von Knidos



Die Aphrodite von Knidos



Eine Portraitbüste

Eine Portraitbüste





























.... An dieser Stelle brechen wir ab. Weiteres natürlich direkt vor Ort ...

Berlin praßt und wuchert ... (Teil 1)

... mit antik-griechischen Kunstwerken


Seit diesem Jahr 2009 wuchert man in Berlin wieder mit dem hier seit mehr als hundert Jahren vorhandenen, angesammelten Pfund antik-griechischer Kunstwerke von Weltrang. Und man tut dies in einer Weise, wie man dies hier seit 70 Jahren nicht mehr getan hat.



Abb. 1: Römische Portraitbüste des 1. Jahrhunderts v. Ztr.



Siebzig Jahre lang hat man die Fülle dieser Berliner antik-griechischen Kunstwerke der deutschen und der Weltöffentlichkeit vorenthalten! Wenn das nicht ein bemerkenswerter Umstand ist. Verantwortlich dafür war unter anderem die Baufälligkeit vieler Museen in Ostberlin. Die DDR-Regierung hatte hier keine wichtigeren Aufgaben für sich gesehen. Aber auch noch seit der Wiedervereinigung 1989/90 mußte die Weltöffentlichkeit fast weitere zwanzig Jahre warten, bis endlich wieder die Fülle des Vorhandenen sichtbar, wahrnehmbar, erlebbar wird. Dies geschieht in diesem Jahr 2009 im Pergamon-Museum in der Ausstellung mit dem Titel "Die Rückkehr der Götter - Berlins verborgener Olymp" (Wiki):
Ursprünglich war vorgesehen, die Ausstellung vom 27. November 2008 bis zum 5. Juli 2009 zu zeigen. Ob des großen Erfolges verlängerte sich die Ausstellung jedoch bis zum 11. April 2010. In diesem Zeitraum besuchten mehr als 600.000 Besucher die Präsentation.
Davor war die Ausstellung in São Paulo und Rio de Janeiro zu sehen, danach in den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim und in der Kunsthalle in Leoben in Österreich. Seit 2011
wurde ein Gutteil der Objekte in die neu konzipierten Dauerausstellung der Berliner Antikensammlung im Alten Museum am Lustgarten integriert.







Die Fotos dieses Beitrages stammen alle vom Verfasser dieses Beitrages. Er hatte aber leider nicht die Zeit, zu allen fotografierten Statuen Namen und Herkunft festzuhalten oder zu recherchieren.












Die Phrase vom "verborgenen Olymp" im Titel der Ausstellung bezieht sich auf die Tatsache, daß Berlin mit seinen wahrhaft "olympischen", "göttergleichen" griechisch-antiken Kunstschätzen seit siebzig Jahren nicht mehr so gepraßt und gewuchert hat, wie das seit diesem Jahr wieder der Fall ist. Denn siebzig Jahre lang war dieser "Olymp" - - - "verborgen" gehalten worden.





Kunstwerke werden verborgen als seien sie brisante zeithistorische Archivalien? Wie das?

Kunst hat schon immer sehr viel mit Politik zu tun gehabt. 1945 wurde ein großer Teil der Berliner Kunstschätze in die Sowjetunion transportiert. Ein größerer Teil derselben wurde dann zwar schon im Jahr 1958 wieder an Ostberlin zurückgegeben. Aber auch viele der 1958 zurückgegebenen antik-griechischen Berliner Kunstwerke von Weltrang sind niemals wieder ausgestellt worden. Sie verschwanden vielmehr in Museums-Kellern Ostberlins. Die DDR-Museumspolitik erachtete diese Kunstwerke einerseits als nicht ausreichend zeitgeist-konform, bzw. hatte nicht den Willen, genügend Geldmittel zu ihrer notwendigen Restaurierung aufzubringen.





Und so kommt es, daß erst im Jahr 2009 in Berlin wieder mit jenem griechischen "Götter-Olymp" gewuchert wird, wie er hier - in "verborgener" Weise - fast immer vorhanden war.

Aber nun wird er wieder öffentlich gemacht - in aller Pracht und Herrlichkeit. Es geschah das in enger Zusammenarbeit mit spanischen Museen.





Diese Ausstellung "Rückkehr der" (Berliner, antik-griechischen) "Götter" muß man einfach gesehen haben, wenn man es sich nur irgendwie einrichten kann. Sie muß - nach den eben geschilderten Umständen - richtiggehend als ein "Jahrhundert-Ereignis" angesprochen werden.





In diesem ersten Teil des Beitrages und auch im zweiten kann nur ein erster, "kaleidoskopartiger" Eindruck von dieser Ausstellung gegeben werden. Vielleicht können nach und nach noch Erläuterungen zu den einzelnen Kunstwerken hinzugefügt werden. Aber sie wirken ja auch schon für sich und ohne Erläuterung.

Oft stammen sie von den berühmtesten Künstlern der Weltgeschichte. Von Bildhauern wie Phidias, Praxiteles oder Polyklet. Sie stellen Göttinnen und Götter dar wie Athena oder Aphrodite, Apollon oder Hermes, Artemis oder Dionysos. Sie hätten sich als monotheistische Alleinherrscher viel zu einsam gefühlt auf ihrem Olymp. Ein freudiges Zusammenklingen und -wirken aller Götter - das war die antik-griechische Welt.





Zwischen den Kunstwerken werden auch einige griechische Grabmale ausgestellt, die jeweils von hoher künstlerischer Qualität sind, obwohl sie oft nur für "gewöhnliche" Griechinnen und Griechen aufgestellt worden sind.

Auch werden Porträtbüsten und andere Skulpturen-Werke, bzw. auch Reliefs ausgestellt. Auch berühmte Keramiken. Auch Waffen werden ausgestellt.





In der Ausstellung wird anhand von Dias, die an Wände geworfen werden, auch mit sehr schönen Aufnahmen der heutige Zustand jener antiken Grabungsstätten gezeigt, von denen die Kunstwerke jeweils ursprünglich stammen. So stehen sie auch nicht mehr ganz so "beziehungslos" "im Raum". Es wird - etwa - erzählt (im "Audioguide"), daß die Einwohner von Knidos das berühmteste Kunstwerk der Antike, die Aphrodite von Knidos, auch nicht um ungeheurer Zahlungen willen bereit waren, aus ihrer Stadt wegzugeben.

So sehr liebten und schätzen die antiken Griechen die Kunst.





Von dieser Hochwertung wird man auf dieser Ausstellung auf Schritt und Tritt eingefangen. Die Ausstellung kann man nicht verlassen, ohne daß man zuvor in eine andere "Sphäre" entrückt worden wäre.














Hier geht es zum -----> zweiten Teil dieses Beitrages.
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